Corona hat die ohnehin schwierige Lage der Menschen in Bergisch Gladbachs palästinensischen Partnerstadt Beit Jala weiter verschärft. Um auf die Lage aufmerksam zu machen organisiert der Partnerschaftsverein eine Protest-Radtour. Dabei sind auch Köln und Brühl, die mit Nachbarstädten Beit Jalas kooperieren.

Aus Beit Jala erreichen uns sorgenvolle Mails. Die Auswirkungen der Pandemie schlagen hier sehr dramatisch zu Buche, aber auch die Bedingungen der Besatzung bzw. die fatale Kombination von beidem sind für die Bewohner zum deprimierenden Verhängnis geworden.

Deshalb zeigen wir Solidarität und stehen den Menschen bei, wie es uns eben möglich ist. Zuletzt mit unserer Spendenaktion, die über 11.000 Euro zusammengebracht hat und bald mit einem Benefiz-Konzert von Carmen Daniela im BeethovenHaus in Bonn zugunsten einer sozialen bzw. Gesundheits-Einrichtung in Beit Jala (siehe unten).

An vielen Orten im Westjordanland findet weiterhin Landnahme und Besetzung palästinensischen Landes statt. Auch in unserer Partnerstadt und auch in den Nachbarstädten von Beit Jala, Bethlehem und Battir. Deshalb haben wir mit den Städtepartnern dieser beiden palästinensischen Städte, Köln und Brühl, eine gemeinsame ProtestRadfahrt verabredet. 

Am 3. Oktober treffen sich Mitglieder und Freunde der drei Vereine, laden aber auch alle anderen Interessierten dazu ein, um 11 Uhr vom Platz der Städtepartnerschaften in GL loszuradeln, über den Beit Jala-Platz und den Strunderadweg, über Wiener Platz, Deutzer Brücke, durch die Kölner City bis zum Chlodwigplatz mit zu fahren. Dort wird die Aktion voraussichtlich gegen 16 Uhr mit einer Kundgebung, einer deutsch-arabischen Band und Klaus dem Geiger enden. 

Anmeldung sind wünschenswert, an info@gl-beitjala.net oder 02202 250837. Bei Regen muss die Aktion ausfallen.

Benefiz-Konzert für das St. Nicola Home

Am 8. Oktober gibt Carmen Daniela nach ihrem schweren Verkehrsunfall wieder ein öffentliches Konzert, und zwar im Rahmen der „Beethoven 2020“-Aktivitäten im Beethovenhaus in Bonn.

Der Reinerlös aus dem Konzert geht an das St. Nicolas Home der Wohltätigkeitsgesellschaft für Ältere Menschen in Beit Jala. Für ein Altenheim, das derzeit 35 älteren Menschen, Männern und Frauen, Muslimen und Christen sowie Angehörige anderer Religionen einen Platz bietet, bedeutet die Krise zum einen, dass es weit höhere Ausgaben für Hygieneschutz aufbringen muss, zum anderen können die Familien die Gebühren vielfach nicht mehr aufbringen.

Da ist es eine wunderbare Gelegenheit, wenn man mit einer Konzertkarte einen Kunstgenuss geboten bekommt und gleichzeitig mildtätig sein kann. Karten kann man hier vorbestellen.

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8 Kommentare

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  1. Der Aufruf zu der – nach meiner Information ausgefallenen – “Protest-Radfahrt für Beit Jala” vom 28.09.2020 und die “Petition an die Kanzlerin” vom 19.06.2020 sind zwischenzeitlich von der Homepage des Beit Jala e.V. entfernt worden. Das ist zu begrüßen.

    In der Petition finden sich die Stereotypen wieder, die hierzulande immer wieder anzutreffen sind, und wo die Protagonisten offensichtlich nicht einmal merken, wie despektierlich und anmaßend diese gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus und deren Nachkommen sind, wenn es dort u.a. heißt:

    “Deutschland hat durch die Ermordung von 6 Millionen Juden und die Verfolgung und Vertreibung vieler jüdischer Menschenschwerste Schuld auf sich geladen. Wir tragen deshalb eine besondere Verantwortung für die Existenz und eine friedliche Zukunft des Staates Israel. Diese Zukunft kann es aber nur geben, wenn wir auch Verantwortung für diejenigen übernehmen, die durch die Gründung des Staates Israel Land verloren haben und Land verlieren. Es geht auch um ihre friedliche Zukunft.”

    Der Vorstand des Beit Jala Vereins, der diese Zeilen mitformuliert hat, schließt sich damit der (nur in Deutschland) weit verbreitenen Auffassung an, die deutsche Vergangenheitsbewältigung beinhalte zugleich die besondere Verpflichtung der Deutschen, es mit den Nachbarn Israels zu halten, für die man sich – im Namen von 6 Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden? – verantwortlich fühle. Denn was wir in unserer “Solidarität und “Mildtätigkeit” gut für Palästina halten, das müsse auch gut für Israel sein. Das ist eine Form der Selbstermächtigung und der Selbstexkulpation von meistenteils Nachkommen der Täterinnen und Tätern bzw. Mitläuferinnen und Mitläufern, die aufzeigt, wie wenig die Shoah in ihrer Unfassbarkeit in weiten Teilen des deutschen Volkes angekommen und wie wenig weit her es mit der angeblich so erfolgreichen Vergangenheitsbewältigung ist. Die Jüdinnen und Juden, die ich kenne, können auf diese Art der Hilfestellung für Israel, die reflexiv auch ihrer Sicherheit in Deutschland dienen soll, gerne verzichten.

    Die in der Petition enthaltene Mahnung, durch die Politik Israels könnten “nicht zuletzt Juden auf der ganzen Welt Opfer eines sich verstärkenden Antisemitismus werden”, ist unlauter und antisemitisch. Denn das Verhalten gegenüber Jüdinnen und Juden wird von der politischen Linie der israelischen Staatsführung abhängig gemacht, die den Jüdinnen und Juden dieser Welt nicht zurechenbar ist, soweit sie nicht die Staatsbürgerschaft Israels besitzen.

  2. Wenn ich mir die Argumentation der Vertreter des Ganey-Tikva-Vereins anschaue, erinnert mich das an einen Boxer, der durch ständige unerlaubte Tiefschläge einen “Gegner” fertig machen will. Diese Formulierungen “antiisraelische Agitation”, Missbrauch der Städtepartnerschaft”, “Vehikel Corona” sind tatsächlich unterste Schublade! Es wird Zeit, einfach RESPEKT gegenüber der Arbeit des Beit Jala Vereins zu zeigen! Bergisch Gladbach kann stolz auf diesen Verein sein!

  3. Herr Bärschneider nimmt es mit den Fakten nicht so genau: der Ganey-Tikva-Verein existiert bereits seit mehr als fünf Jahren.

    Und, ja, der fortwährende Missbrauch des Städtepartnerschaftsmandats zu antiisraelischer Agitation durch den Beit-Jala-Verein ist ein Skandal und hat dem Ansehen der Stadt Bergisch Gladbach, insbesondere auch in der deutsch-jüdischen Community, überregional Schaden zugefügt.

    Und das völlig unabhängig vom GTV.

    Den exzellenten Ausführungen von Mario Jorberg schließe ich mich vollumfänglich an.

    Axel Bolte

    Stellv. Vors. des Ganey-Tikva-Vereins

  4. Nach angenehmer Corona-Stille werden einzelne Freund*innen des Ganey Tikva-Vereins wieder aktiv und besinnen sich auf dessen wichtigsten Gründungszweck vor zwei Jahren: die Zerstörung des Beit Jala-Vereins. Diesmal heißt das Attackethema „allgemeinpolitisches Mandat“. Schon wieder muss man soviel richtig stellen!

    @Judith: Im Ratsbeschluss vom 13.7. 2010 zur Gründung der StäPa GL-BJ steht nichts über „politischen Missbrauch“, absolut nichts. (s. https://mandatsinfo.bergischgladbach.de)

    Spielt aber auch keine praktische Rolle. Eine Städtepartnerschaft dient alltagsnahen Bürgerbegegnungen, fürs große Politisieren gibt es andere Foren. Und Kunstausstellungen, Reisen und Filmvorträge sind kaum geeignet, den Nahostkonflikt zu lösen. Ist jedem klar, muss nicht förmlich beschlossen werden.

    @Herr Jorberg: Ihre Meinungsäußerung u. a. von der „notorischen Parteinahme des Beit Jala Vereins … gegen Israel auf dem Niveau des BDS“ weisen wir auf das Schärfste zurück. Sie beruht auf faktenfreien Unterstellungen und entsagt jeder Dialogbereitschaft. Der Beit Jala-Verein setzt sich für die Menschenrechte der Bürger in unserer Partnerstadt ein, was selbstverständlich ist.

    Völkerrechtswidrige Annexion, Siedlungsbau und Besatzung sind dort keine Sache allgemeiner Politik, sondern trauriges Lokalgeschehen. Kritische Informationen israelischer Medien zum Gesamtthema (z. B. „Times of Israel“; „Haaretz“, eine Beteiligung des Kölner Stadtanzeigers) dürften den Blick auf diese Zusammenhänge weiten.

    „Vehikel Corona“ – meinen Sie das ernst? Die Pandemie ist für Bergisch Gladbachs Partnerstädte Beit Jala und Ganey Tikva sowie die ganze Region bitterste Realität. In tatkräftiger Solidarität mit unseren Freunden in Beit Jala haben sich viele Bergisch Gladbacher Bürger an einer großzügigen Spendenaktion beteiligt, steht unser Verein in regelmäßigem Austausch mit Menschen dort. Pandemie und Annexion zusammen, letztere von der israelischen Regierung nun offen propagiert, führen Beit Jala und das Westjordanland in schier ausweglose Verzweiflung. Solidarität und Hilfe bedürfen da keiner tieferen Rechtfertigung.

    In diesem Sinne kann man die Petition an die Bundeskanzlerin und den Aufruf zur Radtour kaum missverstehen – beides städtepartnerschaftliche Initiativen auch unserer Nachbarstädte Köln und Brühl für ihre ebenso betroffenen palästinensischen Partnerkommunen.

    Unsere Reisen in den Nahen Osten schließen selbstverständlich auch Begegnungen in Israel ein. Es spricht für dieses Land, dass wir mit unseren jüdischen Partnern dort über viele drängende Fragen aus Alltag, Politik und Geschichte respektvoll diskutieren können. Gleiches gilt für Vertreter*innen jüdischen Lebens in Deutschland. Warum nur soll das in Bergisch Gladbach nicht möglich sein? Erlauben auch Sie uns, Geschehnisse in Beit Jala anders wahrzunehmen, als Sie und Ihre Freund*innen.

    Jörg Bärschneider, Vorstand Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach-Beit Jala e. V.

  5. Ergänzend zum Kommentar von Herrn Jorberg erinnere ich daran, dass seinerzeit der Bergisch Gladbacher Stadtrat der Städtepartnerschaft mit Beit Jala zugestimmt hat, unter der Bedingung, dass diese nicht zu politischen Zwecken missbraucht werde (im Protokoll nachzulesen!).

  6. Na, da bin ich aber froh, dass der Beit Jala Verein über das Vehikel Corona wieder einen Weg gefunden hat, das selbstangemaßte allgemeinpolitische Mandat für die Lösung des Nahostkonflikts wahrnehmen zu können. Die notorische Parteinahme des Beit Jala Vereins für die Belange der Palästinenser gegen Israel auf dem Niveau des BDS (Boycott, Divestment and Sanctions), die sich aus der namentlichen Unterstützung der die Politik Israels in den Fokus stellenden “Petition an die Kanzlerin” aus diesem Sommer ablesen lässt, wäre die Privatsache des Beit Jala Vereins, wären nicht der Text der Petition und der Aufruf zu einer Protest-Radfahrt nach Köln am Tag der Deutschen Einheit (sic) auf einer Homepage des Beit Jala Vereins veröffentlicht, die mit dem Logo der Stadt Bergisch Gladbach die “Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach – Beit Jala e.V.” bewirbt. Unabhängig von der Freudschen Ungenauigkeit, dass die Städtepartnerschaft nicht mit dem Verein, sondern mit der Stadt Beit Jala besteht, kann es sich eine seinen Bürgerinnen und Bürgern gegenüber zur Neutralität verpflichteten Kommune nicht länger erlauben, dass unter ihrem Namen einseitige antiisraelische und antisemitische Aufrufe zu Demonstrationen und Petitionen veröffentlicht werden, für die es keinerlei rechtliche oder politische Legitimation gibt. Es wird Zeit zum Handeln, sowohl für den noch einen Monat im Amt bleibenden Bürgermeister Lutz Urbach und seinen Nachfolger Frank Stein als auch für den neu gewählten Stadtrat.