Per Banner wirbt die Stadt für die Corona-Regeln. Im Zweifel ist sie auch zu schärferen Maßnahmen bereit

In Bergisch Gladbach sind in den vergangenen Tagen deutlich mehr Corona-Infektionen registriert worden als in den meisten anderen Kommunen im Rheinisch-Bergischen Kreis. Der städtische Krisenstab verfolgt die Entwicklung aufmerksam – und schließt nicht aus, mit eigenen Maßnahmen zu reagieren.

Die 7-Tage-Inzidenz erfasst die Zahl neuer Corona-Fälle der vergangenen sieben Tage, umgerechnet auf 100.000 Einwohner. Sie erlaubt einen Vergleich, wie schnell oder langsam sich die Pandemie in bestimmten Regionen entwickelt. Erreicht ein Kreis oder eine kreisfreie Stadt die Marke von 35 oder gar 50 Fällen, drohen härtere Anti-Corona-Maßnahmen und auch Reisebeschränkungen.

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Im Rheinisch-Bergischen Kreis ist die 7-Tage-Inzidenz zwar seit Anfang September deutlich angezogen, liegt aktuell mit 28,6 aber immer noch deutlich unter der 35er Marke. Allerdings entwickelt sich der Trend innerhalb des Kreises sehr unterschiedlich. In Wermelskirchen liegt der Wert bei sechs, in Odenthal bei knapp sieben.

In Bergisch Gladbach dagegen stieg die 7-Tage-Inzidenz bereits am Montag auf 35,8 und kletterte am Donnerstag sogar auf 40. Wäre Bergisch Gladbach eine kreisfreie Stadt könnten hier also schon härtere Maßnahmen gelten.

Diese Entwicklung habe der Krisenstab der Stadt unter Leitung des Beigeordneten (und designierten Bürgermeisters) Frank Stein genau im Blick, stellt die Stadt auf eine Anfrage des Bürgerportals hin klar. Es habe einen direkten Austausch mit Kreisdirektor Erik Werdel gegeben, die Ordnungsbehörde sei sensibilisiert.

Es müsse aber immer auf den Einzelfall geschaut werden, auf die Situation vor Ort: Einzelne Fälle in der Stadt verteilt seien anders zu bewerten als punktuell viele Fälle, etwa in einer Einrichtung, erläutert Stein.

Der regelmäßig tagende Krisenstab habe noch am Dienstag entschieden, keine eigenen, strengeren Maßnahmen zu verfügen. Das könne sich aber jederzeit ändern, betont Stein, je nach Anlass.

Die Frage, ab welchem Wert der 7-Tage-Inzidenz die Stadt in eigener Verantwortung aktiv werden wolle oder müsse, sei pauschal nicht zu beantworten, so Stein. Zunächst sei zu klären, warum der Schwellenwert überschritten wurde: Eine infizierte Schulklasse sei kein Grund, alle Schulen zu schließen. Eine Verteilung der Fälle auf das gesamte Stadtgebiet könne aber eine solche Maßnahme begründen. 

Hintergrund: Laut Corona-Schutzverordnung gilt eine „Corona-Bremse“ ab einer 7-Tages-Inzidenz von 35 „bezogen auf einen Kreis oder eine kreisfreie Stadt“. Ab dieser Grenze müssen Kommune, Landeszentrum Gesundheit und Bezirksregierung „umgehend weitere konkrete Schutzmaßnahmen“ abstimmen. In der Regel werden zunächst die Teilnehmerzahlen von privaten und öffentlichen Feiern reduziert, die Maskenpflicht sowie die Regeln im Sport und in Einrichtungen verschärft. Steigt der Wert auf 50 sind zwingend zusätzliche Maßnahmen anzuordnen.

Für eine weitere Verstärkung der Kontrollen durch den Ordnungsdienst gebe es im Moment keinen Anlass. Die intensive Kontrolle und vor allem Ansprache erfolge schon seit Beginn der Pandemie, sagt Marion Linnenbrink, die Pressesprecherin der Stadt. Der Ordnungsdienst wurde bereits im März erheblich verstärkt.

Die Anordnung der Landesregierung, dass seit Monatsanfang Privatfeiern ab 50 Personen angemeldet werden müssen, sei ein weiterer hilfreicher Schritt zur Kontrolle. Die notwendigen Hygienekonzepte würden zwischen Kreis und Stadt besprochen, die Zusammenarbeit „hinter den Kulissen“ sei sehr gut.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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