Nach insgesamt zwölf Corona-Fällen in der Mitarbeiter- und Bewohnerschaft hat das Gesundheitsamt das Altersheim „Bergische Residenz“ in Refrath weitgehend unter Quarantäne gestellt. Die Leiterin der Einrichtung macht die lockeren Besuchsregeln für diese Entwicklung verantwortlich.

Mit einer Allgemeinverfügung hat das Gesundheitsamt den Bereich „betreutes Wohnen“ der Bergischen Residenz am Sonntag unter Quarantäne gestellt. Die Bewohner:innen dürfen das Heim in der Dolmanstraße bis zum 3. Dezember nicht verlassen. Die Mitarbeiter:innen dürfen zwar weiter zur Arbeit kommen, dürfen sich ansonsten aber nur zuhause aufhalten. Gleichzeitig ordnete der Kreis ein Besuchs- und Betretungsverbot an.

Insgesamt wurden bislang sechs Mitarbeitende und sechs Personen aus der Bewohnerschaft positiv getestet, sagt Birgit Bär, Sprecherin des Krisenstabs den Rheinisch-Bergischen Kreises dem Bürgerportal. Es habe auch eines Todesfall gegeben, noch sei aber nicht klar, ob eine Corona-Infektion die Ursache dafür war.

Hinweis der Redaktion: Wir haben den Beitrag aktualisiert, zunächst lagen keine Angaben zur Zahl der Infizierten vor.

Susanne Rönnau, die Direktorin der Residenz, hatte in einem Schreiben an die Angehörigen von mehreren positiven Corona-Fällen in der Bewohner- und Mitarbeiterschaft und einem Todesfall gesprochen. Für das erneute Einschleppen des Virus machte sie die nach ihrer Ansicht zu lockeren Besuchsregeln verantwortlich – in der vergangenen Zeit seien im Schnitt mehr als 350 Besucher:innen pro Woche gezählt worden.

Bis Ende Juli habe die Bergische Residenz eine strenge Linie bei den Regeln für Besuche gefahren, habe diese aber nach der Beschwerde einer Angehörigen bei der Heimaufsicht aufgeben müssen, berichtet Rönnau. Damit sei die „leider lebensnotwendige Disziplin des Abstandhalten und der direkten Kontaktvermeidung“ bei den Besucher:innen und allmählich auch in der Bewohnerschaft geschwunden. Eine Bewohnerin, die von ihrer Tochter infiziert worden sei, sei wenige Tage danach verstorben.

Rönnau begrüßt, dass das Gesundheitsamt eine Quarantäne für den Bereich „betreutes Wohnen“ verhängt hat. Dies sei zum Schutze der Bewohner- und Mitarbeiterscahft „dringendst erforderlich“ gewesen. Mit 107 Mitabeiter:innen bei rund 130 Bewohner:innen habe die Bergische Residenz eine hohe Personalquote; die Kritik, dass die Bewohnerschaft aufgrund strenger Besuchsregeln vereinsamen könne sei daher nicht angebracht.

Die Direktorin appelliert an die Angehörigen von Bewohner:innen der stationären Pflege, auch dort freiwillig bis zum 3. Dezember auf Besuche zu verzichten, auf jeden Fall aber Abstand zu wahren. Besuchswünsche in diesem Bereich seien ab sofort mit der Rezeption abzustimmen.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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5 Kommentare

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  1. In der Residenz leben zahlreiche Menschen, die durch das Virus besonders stark gefährdet sind. Sie wurden durch das Besuchskonzept der Einrichtung geschützt.

    Damit ist es vorbei, seit das Schutzkonzept gekippt und das Virus eingeschleppt wurde. Die Mitarbeiter der Residenz sind im hygienisch einwandfreien Umgang mit den Bewohnern und in der Vermeidung von Ansteckungen geschult und halten sich auch daran. Besucher sind offenbar leichtsinniger.

    Wir haben als Angehörige einer Bewohnerin das Schutzkonzept immer mitgetragen, dabei aber auch mitbekommen, dass andere Angehörige sich in Fundamentalopposition und Besserwisserei verrannt haben, ohne auch nur einen Moment daran zu denken, dass sie leichtfertig mit dem Leben alter Menschen spielen. Das Ergebnis sieht man jetzt.

    Wer meint, er könne mit der Infektionsgefahr besser umgehen als die Pflegefachleute, soll doch bitte bis zum Ende der Pandemie seine(n) Angehörige(n) bei sich zu Hause betreuen, statt andere in Gefahr zu bringen.

  2. Warum lernt man nicht von Tübingen da gibt es keinen einzigen Fall von Corona in einem Altenheim. Der mir nicht unbedingt sympathische Bürgermeister hat Geld in die Hand genommen und es klappt. Das muss doch überall möglich sein.

  3. Lieber Herr Weber,
    herzlichen Dank für Ihren Kommentar, dem ich aus vollem Herzen zustimme. Den jüngste Brief der Direktorin habe auch ich als Schlag in meinen Magen als Angehörige empfunden. Ein Lob an die Redaktion, der es gelungen ist, diese fünf Seiten in vier knappen Absätzen zusammenzufassen: So sieht guter Journalismus aus :-)
    Der Behauptung, dass in der Bergischen Residenz niemand vereinsame, muss ich widersprechen. Eine bezahlte Pflegekraft, auch wenn sie freundlich und engagiert ist, wird Familienbesuche nicht ersetzen.

  4. Betrifft: Berg- Residenz Corona.
    So eiskalte Gedanken der Einrichtungsleitung.
    1. die Besucher tragen den Virus ins Haus.
    2.die Mitarbeiter ersetzen den Angehörigenbesuch !!!

    Die Gefahr der Eintragung des Virus Corona in die Einrichtung durch Mitarbeiter und deren körperlichen Nähe zu den Bewohnern ist wohl mindestens so gross
    wie durch Besucher. Siehe Erfahrungen anderer Einrichtungen in der Nachbarschaft.
    Jede Infektion ist eine zuviel. Aber alles auf Besucher und Besuchsegelungen zu schieben und die Seele der Bewohner als Nebensache zu betrachten ist kein
    guter Weg für eine Alteneinrichtung. Als betroffener Betreuer sind das meine Gedanken

  5. Komisch, das Heim meiner Mutter erlaubt seit 1.7. auch Besuche auf den Zimmern mit Hygienekonzept, da scheint im o.g. Heim, pardon, Residenz, ja das Hygienekonzept nicht funktioniert zu haben. Personal ersetzt aber auch nicht Angehörige, das fällt für mich dann unter Freiheitsberaubung…vielleicht würde ein Job in einer entsprechenden Einrichtung da besser passen