Das NCG hat einige Räume für den gleichzeitigen Präsenz- und Distanzunterricht ausgestattet

Erneut wurden die Schulen kurz vor dem Wochenende vor vollendete Tatsachen gestellt. Ab Montag ist die Präsenzpflicht für Schüler:innen aufgehoben. Schuleiter:innen kritisieren den kurzfristigen Beschluss der Landesregierung und monieren die Widersprüche der Entscheidung. Präsenz- und Distanzunterricht lasse sich parallel kaum realisieren.

„Wieder einmal Freitag nach Schulschluss”, kommentiert Felix Bertenrath von der Otto-Hahn-Realschule. Die Email mit der neuen Anweisung sei um 13.22 Uhr eingetroffen: Dabei soll das neue Konzept schon ab Montag greifen.

Die NRW-Landesregierung hat die Präsenzpflicht aufgehoben. Eltern von Schüler:innen bis Klassenstufe 7 können die Kinder zuhause lassen, ab der 8. Klassenstufe wird ausschließlich Distanzunterricht angeboten.

Widersprüchliche Anweisung

„In der Schulmail steckt ein deutlicher Widerspruch: So weit es geht runterfahren, aber Eltern, die ihr Kind zu Hause halten wollen, müssen sich melden. Konsequent wäre, wenn die Eltern, die ihr Kind in die Schule schicken wollen sich melden müssen”, moniert Bertenrath das Vorgehen.

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Er sieht zudem Probleme bei der Kontrolle der Einhaltung der Schulpflicht: Zwar würden die Schüler:innen zuhause per Internet am Unterricht teilnehmen, könnten sich aber teilsweise ausklinken, ohne dass dies bemerkt werden würde.

Präsenz- und Distanzlernen schwer planbar

Auch Frank Bäcker, Schulleiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (DBG), ist nicht glücklich über das Timing der Landesregierung. „Die Regelung kommt deutlich zu kurzfristig und ist nicht zielführend, wenn Eltern der Klassen 5 bis 7 selbst entscheiden können, ob die Kinder kommen.“

Wenn für die Stufen 5 bis 7 Präsenzunterricht angeboten werden solle, gleichzeitig aber für die 8 bis 12 Distanzlernen gefordert sei, dann sei das nicht planbar und nur schwer umsetzbar, sagt Bäcker: „Die Lehrer können ja nicht gleichzeitig zu Hause und in der Schule sein.“ Aus der Schule heraus ist der Distanzunterricht oft nicht möglich, weil die Anbindung ans Internet zu schlecht sind.

Unausgegorene Entscheidungen

Frank Bäcker bringt es auf den Punkt: „Das Problem scheint: Entscheidungsträger haben keine Ahnung von organisatorischen Anforderungen einer Schule, in der 1.000 Menschen aktiv sind. Grundschulen haben komplett andere Ansprüche und Probleme als Berufskollegs. Gymnasien und Gesamtschulen wieder andere. Das Ministerium spricht aber stets von „der Schule“, die es nicht gibt.”

Das DBG wartet nach wie vor auf einen schnellen Breitbandanschluss, machte gar per Kunstaktion darauf aufmerksam. „Wir werden nicht einbezogen, es scheint egal, wie wir aufgestellt sind, was wir können. Wir werden nicht gefragt, die Entscheidungen des Ministeriums sind unausgegoren, kommen zu spät. Keine Idee von Schulrealität“, fast Bäcker seine Kritik Richtung Düsseldorf zusammen.

Stundenplan per Teams

Nicole Schuffert vom Berufskolleg Kaufmännische Schulen (BKSB) hätte sich ebenfalls eine zeitigere Information durch das Land gewünscht. „Eine frühere Information wäre besser gewesen, um sowohl die Kollegen als auch Schüler klare Instruktionen vis a vis geben zu können.”

Die Kolleg:innen würden den normalen Stundenplan mit der Videosoftware Teams „fahren”, dies sei auch mit Mobilgeräten machbar. „Wir haben auch sehr gute Erfahrungen mit Teams und Handys gemacht, über die jeder unserer Schüler verfügt. Das wird klappen. Schöner wären digitale Endgeräte, die aber bestellt sind.“ Unabhängig davon würden am BKSB nach wie vor Endgeräte und WLAN fehlen.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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3 Kommentare

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  1. Kann sich jemand vorstellen, dass in Kommunalverwaltungen, Finanzämtern usw. sich die SachberarbeiterInnen selbst um Hardware, Software und die DV-Administration kümmern müssen? Dafür wurden schon in den 70er Jahren EDV-Abteilungen eingerichtet. Von den Schulen wird nun etwas abverlangt, was seit Jahren grob fahrlässig vernachlässigt wurde. Die Lehrer sollen diesen schwierigen, von ständigen Änderungen betroffenen Bereich neben ihre eigentlichen Aufgabe auch noch abdecken. Und wenn es nicht klappt mit der Digitalisierung, sind eben die Schulen selbst schuld.
    In welcher Welt leben wir eigentlich? Seit Jahrzehnten jedenfalls nicht in einer Republik, in der Bildung den Stellenwert besitzt, der unser allgemeines Anspruchsdenken fordert. Kleinere und ärmere Länder sind uns hier weit überlegen.

  2. Da möchte ich mich dem Kommentar von Herrn Maimer anschließen und ergänzen , dass ich nur sagen kann unsere Schule /Schulleiter/ LehrerInnen habe in den letzten Wochen wirklich viel geleistet und ein solides Konzept auf die Beine gestellt. Privat wurden Geräte angeschafft . Toll!
    Erbärmlich ist einzig und allein die Politik und der Breitband Ausbau ! Hier muss dringend etwas geschehen. Wir sind schon lange nicht mehr das Land der Bildung !

  3. Es ist, angesichts der angespannten Situation, schwierig nicht in Sarkasmus zu verfallen, aber es darf die Frage erlaubt sein: „Wie oft wurden im Jahr 2020 digitale Endgeräte für LehrerInnen (und SchülerInnen) flächendeckend angekündigt?“

    Ankündigungen, im und nach dem Wahlkampf, gab es mehr als reichlich. Möglicherweise haben einige Geräte auch schon Ihren Weg gefunden, aber insgesamt darf man sagen: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“!

    Eine Randnotiz: Wie eine Schule mit einer 50 Mbit DSL Leitung 1300 Schülerinnen und Schüler, sowie 130 Lehrerinnen und Lehrer mit einem Internetsignal versorgen soll, ist mir ein wirkliches Rätsel.