Zwei Männer mit nordischen Vornamen und spezieller Expertise stehen heute zur Wahl, wenn zwei Spitzenposten der Stadt besetzt werden. Vorab stellen sich Ragnar Migenda und Thore Eggert vor und machen gemeinsam mit Bürgermeister Frank Stein klar, wie wichtig die Fähigkeit zur Führung und die Lust zur Übernahme von Verantwortung seien, um Bergisch Gladach voran zu bringen.

Seit der Wahl von Frank Stein zum Bürgermeister ist sein alter Posten als Beigeordneter und Stadtkämmerer vakant; zudem hat die neue Mehrheit von Grünen, SPD und FDP im Stadtrat die Schaffung eines weiteren Beigeordneten durchgedrückt. Diese beiden Spitzenposten sollen am Dienstagabend im Hauptausschuss (der in der Pandemie den Stadtrat vertritt) besetzt werden.

Nachdem sich die beiden Bewerber in den Fraktionen präsentiert haben stellten sie sich jetzt in einer Video-Pressekonferenz der Öffentlichkeit vor.

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Für das Amt des Stadtkämmerers und Beigeordneten für die Fachbereiche Finanzen, Digitalisierung und Grundstücks- / Gebäudewirtschaft tritt Thore Eggert (42) an, ein Jurist und FDP-Mitglied mit Wohnort Schildgen, der in den vergangenen vier Jahren die Verwaltung der Rheinischen Fachhochschule Köln geleitet hat.

Hintergrund: Der Verwaltungsvorstand
… einer Kommune in NRW besteht aus Wahlbeamten. Der Bürgermeister wird direkt von den BürgerInnen gewählt, die sogenannten Beigeordneten durch den Stadtrat (für acht Jahre).

In GL ist das neben dem Bürgermeister und Juristen Frank Stein (SPD) derzeit der Raumplaner Harald Flügge (CDU), der seit vier Jahren als 1. Beigeordneter auch Vertreter des Bürgermeisters und für das Dezernat VV II verantwortlich ist, mit den Fachbereichen „Grundstücknutzung“ sowie „Umwelt und Technik“.

Das Dezernat VV I (Finanzen, Recht, Sicherheit & Ordnung, Jugend & Soziales) ist seit Steins Wahl vakant.

Das Dezernat VV III ist neu, soll sich schwerpunktmäßig um Klimaschutz kümmern, aber auch viele Bereiche anderer Dezernate übernehmen.

Für das Amt des „Super-Dezernenten“ mit der Zuständigkeit für die Fachbereiche Stadtentwicklung, Mobilität, Klimaschutz, Jugend, Soziales, Schule, Sport und Kultur kandidiert Ragnar Migenda (58). Er ist Architekt, hat 13 Jahre lang in der Bauaufsicht der Stadt Eschweiler gearbeitet und war in den vergangenen sieben Jahren Technischer Beigeordneten der Stadt Herzogenrath, mit den Schwerpunkten Stadtplanung.

Thore Eggert

Jurist mit Führungs- und Verwaltungserfahrung

Thore Eggert legte im Pressegespräch dar, dass er als Jurist mit den Studienorten Bonn und Budapest über die Verwaltungs- und Führungserfahrung verfüge, die ihn für das Spitzenamt qualifizierten.

Er hat als Rechtsreferent im Bundesverteidigungsministerium, als Verwaltungsleiter der Fliedner Fachhochschule Düsseldorf und zuletzt als Kanzler sowie Geschäftsführer der Rheinischen Hochschule Köln gearbeitet – mit einer direkten Verantwortung für 95 Mitarbeiter.

Hintergrund: Vorschlagsrecht
Die Ampel-Koalition (Grüne, SPD, FDP) hatte schon vor der Wahl vereinbart, dass die Grünen das Vorschlagsrecht für das Dezernat VV III hat und die FDP den Kämmerer (VV I) nominieren darf. Die SPD ist durch den Bürgermeister vertreten. Da die Ampel die Mehrheit im Stadtrat (und im Hauptausschuss) hat ist die Wahl am Dienstag gesichert.

Als Jurist, so Eggert, sei er geübt, sich immer wieder in neue Materien einzuarbeiten und gemeinsam mit den Fachleuten gute Lösungen zu erarbeiten. Als inhaltliche Schwerpunkte seiner Arbeit in Bergisch Gladbach versteht er, die Digitalisierung der Stadt voran zu treiben und die Effizienz der Verwaltung ingesamt zu verbessern.

Eggert war im Zuge der Familienbildung über Schlebusch nach Schildgen gezogen. Dort bekam er Kontakt zur FDP, für die er später auch als Sachkundiger Bürger im Bergisch Gladbacher Stadtrat aktiv war. Er kenne als Vater von zwei Kindern (4 und 6) Bergisch Gladbachs Lebenswirklichkeit gut – und freue sich, künftig bei der Entwicklung der Stadt mitarbeiten zu können.

Hintergrund: Frauenquote
Frank Stein und die Grünen haben sich im Wahlkampf für mehr Frauen in Spitzenpositionen eingesetzt, eine „paritätische Besetzung“ hatte das Grundsatzpapier der Ampel gefordert. In der geplanten Verwaltungsspitze liegt die Frauenquote unverändert bei Null. Bei den Fachbereichsleiter haben Frauen zwei der acht Stellen inne.

Ragnar Migenda

Architekt mit einem Faible für Schnittmengen

Ragnar Migenda wuchs in Bad Kreuznach auf und wollte schon früh Architekt werden, berichtet er im Gespräch. Und zwar deshalb, weil es als Querschnittsaufgabe sehr viele Lebensbereiche unmittelbar betreffe, vom Designobjekt bis zur Stadtplanung.

Migenda hatte nach dem Studium in Mainz und Aachen in zwei großen Architekturbüros gearbeitet, bevor er 2000 in den öffentlichen Dienst wechselte und 13 Jahre lang im Bauordnungsamt der 54.000 Einwohner großen Stadt Eschweiler arbeitete.

Von dort wechselte er 2013 ins benachbarte, etwas kleinere Herzogenrath – als Technischer Beigeordneter. Auch dort hatte er ein breites Aufgabenfeld, rund um die Bereiche Stadtplanung und Bauen, als Chef von 150 Mitarbeitern. Dort war er unter anderem verantwortlich für einen Schwimmbad-Neubau oder der Neugestaltung von Innenstadt-Plätzen.

Hintergrund: Migendas Referenzen
Aus Herzogenrath bringt der designierte „Super-Dezernent“ eine lange Liste von Projekten mit, die er dort verantwortet hat. Eine Auswahl: Erschließung des größten Neubaugebiets der Nachkriegszeit erschlossen, Neunutzung von Konversionsflächen, Umsetzung eines innerstädtischen Quartiersprojekts, Glasfaserausbau im gesamten Stadtgebiet, integrierte Handlungskonzept für die Stadtmitte, Neubau von Kitas und OGS, Erweiterung einer Gesamtschule, Planung eines neuen Hallenbads und einer „Fahrradautobahn“ nach Aachen.

Querschnittsaufgaben, Schnittflächen, Synergien – auf diese Begriffe kommt Migenda immer wieder zurück, wenn er sein Verständnis von Verwaltungsarbeit beschreibt. Zum Beispiel bei der Frage, wie er denn sein breites Aufgabenfeld in Bergisch Gladbach zusammenführen wolle.

Klimaschutz, Mobilität, Stadtplanung, ok. Aber dazu noch Jugend, Soziales, Schulen, Sport, Kultur? Zunächst habe er auch gestutzt, als er die Ausschreibung las, berichtet Migenda. Doch dann habe er erkannt, dass es hier sehr viele Schnittfelder gebe – Aufgaben, die ineinandergreifen. Als ein erstes Projekt, das er sich vorstellen könne, nennt Migenda zum Beispiel die Aufgabe, Schulgebäude fit für den Klimawandel zu machen.

Daher sei der weitgreifende Zuschnitt des Aufgabengebietes ein wichtiges Argument für seine Bewerbung gewesen – weil er große Gestaltungschancen bietet. Daher sei er nach seiner Wahl auch gerne bereit, nach Bergisch Gladbach zu ziehen. Migenda ist verheiratet und hat einen erwachsenden Sohn.

Hintergrund: Migendas Stadtplanungs-Philosophie
Interkommunale Zusammenarbeit, um Flächenverbrauch in Außenbereichen zu Minimieren. Nachhaltiges Management der Wald- und Forstbestände. Nachverdichtung mit Augenmaß. Anlage von Gründächer und Reaktivierung innerstädtischer Flächen und Gewässer.

Klima, die Aufstellung und Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes, wird mit Sicherheit Migendas ganz große Aufgabe werden. Er kann sich aber auch dafür begeistern, welche Potenziale die Digitalisierung in der Stadtplanung versprechen. Und er hat im Blick, dass es nach Corona wichtig wird, die sozialen Auswirkungen der Pandemie zu begreifen und der Kultur zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen.

„Tatkräftiges Führungsteam“

Die Fraktionsvorsitzenden von Grünen, SPD und FDP, vor allem aber Bürgermeister Stein, verfolgen die Vorstellung mit offensichtlicher Vorfreunde. Die Grünen und die Liberalen, weil sie künftig mit „eigenen“ Leuten in der Verwaltungsspitze vertreten sind.

Hintergrund: Amtsantritt
Thore Eggerts Amtszeit als Kanzler der Fachhochschule Köln ist Ende 2020 ausgelaufen, er könnte sehr bald seine Arbeit als Kämmerer aufnehmen. Ragnar Migendas Amtszeit in Herzogenrath geht Mitte Juli zu Ende. Bürgermeister Stein hofft jedoch, ihn deutlich früher bei seinem Amtskollegen loseisen zu können.

Frank Stein, weil er endlich seine kommissarisch übernommenen Ämter abgeben kann: „Ich bin glücklich, dass wir bald mit einem Führungsteam an unsere großen Aufgaben gehen können, das bereit ist, tatkräftig Verantwortung für diese Stadt zu übernehmen.“

Dabei setzt Stein gleichzeitig auf Neuanfang und Kontinuität. Auf der Fachbereichsleiterebene hat er bislang keine Neigung zu Umbesetzungen erkennen lassen. Selbst seinen Büroleiter hat Stein von Vorgänger Lutz Urbach übernommen. Er wolle mit guten Leuten unabhängig vom Parteibuch zusammenarbeiten, hatte Stein im #WortWechsel mit dem Bürgerportal gesagt. Und davon gebe es in Bergisch Gladbachs Verwaltung viele.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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3 Kommentare

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  1. +++ Hauptausschuss: AfD-Fraktion unterstützt Ampel-Vorschlag für Kämmerer-Wahl +++

    Bergisch Gladbach, 12. Januar 2021. Die AfD-Fraktion im Rat der Stadt Bergisch Gladbach unterstützt den Kandidaten der Ampel-Koalition für den Posten des Stadtkämmerers, Thore Eggert. Hierzu erklärt Fraktionsvorsitzender Fabian Schütz, AfD-Vertreter im heute tagenden Hauptausschuss: „Der Kämmerer wird sich gegen die rot-grüne Übermacht in der Dreierkoalition durchsetzen müssen. Wir hoffen auf eine bodenständige Stimme der Vernunft gegen linksgrüne Wunschträume!“

    Im Vorfeld führte die AfD-Fraktion ein Kennenlerngespräch mit Herrn Eggert. Schütz erklärt: „Der Bürgermeister stellt in seiner Haushaltsrede eine ‚Transformation aller Lebensbereiche‘ in Aussicht. Es wird auf den Kämmerer ankommen, ideologischen Prestigeprojekten die Stirn zu bieten und angesichts der kritischen Haushaltssituation den Fokus auf die Behebung des Sanierungs- und Investitionsstaus vor allem der Schulen zu setzen. Als AfD-Fraktion bieten wir uns weiterhin als konstruktiver Gesprächspartner an. Die dritte Beigeordnetenstelle lehnen wir hingegen aus grundsätzlichen Gründen ab. Wir brauchen diese erhebliche Zusatzbelastung für den Steuerzahler nicht – schon gar nicht aus kalkuliertem Postenproporz heraus.“

    In der heutigen Sitzung wählt der Hauptausschuss stellvertretend für den Rat einen Stadtkämmerer als Nachfolge für Bürgermeister Frank Stein. Zusätzlich soll ein dritter Beigeordneter mit indifferentem Aufgabengebiet eingeführt werden. Als Stadtkämmerer (Besoldungsgruppe B 4) sieht die Ampel-Koalition das FDP-Mitglied Thore Eggert vor, zuletzt Kanzler der Rheinischen Fachhochschule Köln. Als Beigeordneter für Stadtentwicklung, Mobilität, Klimaschutz sowie Jugend, Soziales, Schule, Kultur und Sport (Besoldungsgruppe B 3) ist auf Vorschlag der Grünen-Fraktion Ragnar Migenda vorgesehen, zuletzt Technischer Beigeordneter der Stadt Herzogenrath.

  2. Darf man nun hoffen, dass der 1. Beigeordnete nun das Rathaus verlässt? Sein Auftreten als Schmickler-Nachfolger mit Übernahme von dessen Eigenarten, sein unrühmliches Auftreten beim Entstehen des FNP, als er die Bürgerinnen und Bürger quasi als Mitläufer der Bürgerinitiativen bezeichnete, die wiederholten Attacken gegen die Bürgerinitiativen und sein überhebliches Verhalten vielen gegenüber, die ihm nach seiner Meinung nicht das Wasser reichen konnten, wiesen ihn nicht als als integrierten Stadtbeamten aus.

    Schon das Beschneiden seiner Befugnisse durch den Bürgermeister hat Flügge nicht sonderlich geschmeckt. Vielleicht ist ihm Bergisch Gladbach jetzt noch unangenehmer geworden, eine sonderliche Zuneigung zu unserer Stadt konnte ich ohnehin nie bemerken.