… ist nicht so einfach zu beantworten. Einige Branchen sind seit vielen Wochen kalt gestellt und kämpfen um ihre Existenz, andere arbeiten weitgehend unbehindert, einige wenige profitieren. Neue Umfragen der IHK, der Wirtschaftsförderung und Daten der Agentur für Arbeit zeichnen ein differenziertes – aber insgesamt wenig optimistisches Bild.

Der aktuelle Konjunkturbericht der IHK weist auf dem Papier für den Kammerbezirk und für den Rheinisch-Bergischen Kreis eine deutliche Verbesserung aus: Die Zahl der Unternehmen, die völlig schwarz sehen, habe sich gegenüber dem Herbst 2020 deutlich verringert.

Die aktuelle Lage bewerten demnach 30 Prozent der befragten Unternehmen in Rhein-Berg als schlecht, im Herbst waren es gut 47 Prozent. Eine „gute“ Lage konstatieren jetzt 20 Prozent, zuvor waren es 15 Prozent. Allerdings hatte nur 87 Unternehmen aus dem Kreis an der Befragung teilgenommen. (Hier können Sie den Konjunkturbericht im Original lesen.)

Einen ähnlichen Trend ermittelte die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderung (RBW), die im Januar die Unternehmen in Rhein-Berg befragt hatte. Die Unternehmen sei „weiterhin sehr angespannt, bei manchen gar dramatisch“, fasst Geschäftsführer Volker Suermann zusammen. Aber nicht so übel, wie im vergangenen Frühjahr.

So bezeichnen in der RBW-Umfrage rund 35 Prozent ihre eigene Lage jetzt als sehr schlecht bis schlecht, im Mai waren es 46 Prozent. Befriedigend nennen zurzeit 36 Prozent (Mai: 25) ihre Situation. Unverändert ein Drittel beurteilt sie als gut bis sehr gut.

IHK-Umfrage: Pessimismus nimmt zu

Von einer Stimmungsaufhellung kann dennoch keine Rede sein, denn die Erwartungen sind noch pessimistischer geworden: Statt 30 Prozent wie im Herbst erwarten in der IHK-Umfrage nur noch 22 Prozent eine Verbesserung; auf eine positive Entwicklung setzen nur noch 28 statt 30 Prozent.

Die Erwartungen (hellblau) der Unternehmen fahren Achterbahn: nach einem tiefen Einbruch im Frühjahr und einem hoffnungsvollen Herbst geht es jetzt wieder bergab.

Hinzu kommt, das betont Eva Babatz, Leiterin der Geschäftstelle Rhein-Berg/Leverkusen der IHK, dass die Umfrage von Ende Dezember bis Anfang Januar lief: „Die ganz leichten Entspannungszeichen sind wahrscheinlich auf die positiven Erwartungen zurückzuführen, die im Dezember wegen der beginnenden Impfungen vorherrschten. Heute sähe das wahrscheinlich schon wieder schlechter aus.“

Weniger Personal, weniger Investitionen

Das wirkt sich auf die konkreten Pläne aus: 34 Prozent der IHK-Unternehmen in Rhein-Berg wollen ihr Personal reduzieren, nur sieben Prozent mehr einstellen. 37 Prozent wollen ihre Investitionen zurückfahren, nur 19 Prozent ausbauen.

Gut durch die Krise gekommen sind im gesamten Kammerbezirk große Teile der Industrie, besonders die chemische und pharmazeutische Industrie sowie der Maschinenbau. Außerdem Dienstleistungsbereiche wie Immobilienwirtschaft, Unternehmensberatungen, Informationswirtschaft und produktionsorientierter Großhandel.

Wirklich mies ist die Stimmung im Einzelhandel, mehr als die Hälfte befüchtet in 2021 mit einem weiteren Umsatzrückgang gegenüber 2020. 36 Prozent der befragten Unternehmen klagen über einen Eigenkapitalrückgang, 20 Prozent haben mit Liquiditätsengpässen und Forderungsausfällen zu tun.

Schwarz sieht das Hotel- und Gaststättengewerbe; hier melden 96 Prozent eine schlechte Lage. Fast zwei Drittel der Gastronomen erwarten auch in 2021 Umsatzausfälle von mindestens 25 Prozent, das andere Drittel kann die Entwicklung derzeit nicht einschätzen. Über die Hälfte der Unternehmen sind von Eigenkapitalrückgang und Liquiditätsengpässen betroffen.

Die Probleme dieser Branchen sind jedoch keine Spezialprobleme, sondern schlagen auch auf die andere Sektoren durch – und auf die Innenstädte: „Wenn ganze Branchen in die Knie gehen, sind auch die Strukturen dahinter gefährdet“, warnt Babatz. Gelinge es nicht, große Teile der betroffenen Branchen durch die Pandemie zu retten, „hat das gravierende Auswirkungen auf die Ortskerne in unserer Region“.

RBW-Umfrage: Eigene Kreativität und staatliche Hilfen

Die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderung hatte auch gefragt, was den Unternehmen in der Krise helfe. Zwei Drittel gaben an, vor allem auf die eigene Kreativität zu setzen. Bei rund 40 Prozent habe das Kurzarbeitergeld geholfen, ein Drittel nannte die staatlichen Hilfen.

Was hilft Ihnen bei der Bewältigung der Krise? 
Mehrfachnennungen möglich

Kurzarbeitergeld                                             40,31 %
Staatliche Hilfen                                             33.33 %                   
Neue Finanzierungsmodelle                           6,98 %
Angepasstes Geschäftsmodell                      23,26 %
Neue Vertriebswege                                       15,89 %
Entlassungen/Personalabbau                      11,63 %
Wir müssen abwarten/können nichts tun 17,63 %
Eigene Kreativität                                          61,63 %

In den vergangenen Monaten hatten sich die Unternehmen vor allem mit Hygienemaßnahmen und der Anpassung der Arbeitsprozesse beschäftigen müssen; viele nennen hier aber auch einen höhere Bedeutung der Kommunikation.

Die RBW bündelt alle Angebote für Unternehmen zur akuten Krisenbewältigung und strategischen Krisenprävention auf einer Website.

In der Zukunft sei eine weitere Digitalisierung und die Anpassung der Geschäftsmodelle wichtig, sagt mehr als die Hälfte der Befragten. Auf neue digitale Betriebswege setzt nur ein gutes Drittel.

Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich

Wie stark sich die Pandemie auf die Beschäftigten auswirken, das zeigten die aktuellen Daten der Agentur für Arbeit. Im Rheinisch-Bergischen Kreis waren Ende Januar 4.617 Personen in der Arbeitslosenversicherung offiziell als arbeitslos gemeldet – das seien 1.406 Personen oder 44 Prozent mehr als im Vorjahr.

Im Bereich der Grundsicherung stieg die Arbeitslosigkeit dagegen nur um 44 auf 5.166 Personen, ein Anstieg von knapp einem Prozent.  

Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 6,4 Prozent, vor einem Jahr waren es 5,5 Prozent.

Wie starkt wird die Kurzarbeit genutzt?

Dabei spielt die Kurzarbeit bei der Vermeidung von Arbeitslosigkeit eine große Rolle. Auch wenn die Arbeitsagentur gar nicht genau sagen kann, in welchem Ausmaß sie tatsächlich in Anspruch genommen wird.

Von April 2020 bis Januar 2021 haben die Unternehmen im Rheinisch-Bergischen Kreis 3.519 Anzeigen auf konjunkturelles Kurzarbeitergeld eingereicht, für maximal 32.346 Personen.

Wieviel davon tatsächlich umgesetzt worden ist, lässt sich erst sechs Monate später sagen, daher gibt die aktuellste Hochrechnung die Lage im August 2021 wieder:  Damals hatten „nur“ 879 Betriebe für 6.518 Beschäftigte Kurzarbeit in Anspruch genommen. 

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Ich habe zwar keine Verbindung zur Schloßstraße aber ich habe da sehr gerne für meine Enkelkinder eingekauft. Ihre Frage verstehe ich zwar nicht. Meines Wissens gibt es bisher keine wissenschaftlich belegbare Studien dass Spielwarengeschäfte Orte von über normalen Ansteckungsrisiken sind. Vielleicht können Sie Ihre Sorgen etwas minimieren wenn Sie zur Kenntnis nehmen, dass 89 % der Corona Toten über 70 Jahre alt sind. Und diese gingen wahrscheinlich sehr selten in Spielwarengeschäfte “. Sehr geehrter Herr Knechtmann, ich wünsche Ihnen ein gesundes und frohes Leben. ” Et kütt, wie et kütt.

  2. Durch die Bank alle Discounter bieten Artikel an, die im geschlossenen Facheinzelhandel angeboten werden. Bei Ihrer Argumentation müsste der komplette Einzelhandel ebenfalls öffnen dürfen. Gott sei dank, sieht das die Politik anders.
    Wie kommen Sie gerade auf Haushalts- und Spielwarengeschäfte, Herr Humbach? Haben Sie eine Verbindung in die Bensberger Schloßstrasse und zur IBH?

  3. Die Schließung der Einzelhandels- Fachgeschäfte halte ich für überprüfungswürdig. Es kann doch nicht sein, Haushaltswaren- und und Spielwarengeschäfte müssen schließen aber man kann diese Artikel in den Supermärkten aus dem Regal nehmen. Da ist meiner Meinung nach der Gleichheitsgrundsatz nicht beachtet. Ähnlich ist es bei Gärtnerei- und Autozubehör. Auch halte ich es für wenig einleuchtend, dass die meistens geringe Zahl von Kunden in Fachgeschäften ansteckender ist als vollbesetzte Busse welche im Einsatz sind. Da scheint doch was nicht zu stimmen.