Die Zeitwächter im Park vor dem Kunstmuseum weckten das Interesse unserer Reporterin Evelyn Barth. Also verband sie einen Marktbesuch mit der Suche nach Bildung. Dabei ließ sie ihren Gedanken freien Lauf. Eine Fotoreportage.

Im Bürgerportal wurde angekündigt, dass zum 100 Geburtstag von Josef Beuys die WeltFriedAkademie nach Bergisch Gladbach kommt, und als Vorhut die Wächter der Zeit des Künstlers Manfred Kielnhofer im Park der Villa Zanders Platz genommen haben, um das Friedensdenkmal im Park der Villa Zanders zu bewachen.

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Die Fotos von diesen Wächtern machten mir ein bisschen Gänsehaut. Sie erinnerten mich an Karikaturen vom Sensenmann, bei denen man auch nur ein schwarzes Loch ohne Gesicht sieht. Darum musste ich mir die ansehen und hab einen Stadtbummel am Markttag daraus gemacht.

Die Innenstadt war am Mittwoch sehr belebt, für Corona-Lockdown-Verhältnisse. Wenn ich ehrlich bin fühle ich mich persöhnlich von Corona nicht wirklich bedroht, weil ich mich an die gängigen Anweisungen halte und empfand es darum als wohltuend, so viele Menschen zu sehen die mich an „normale“ Zeiten erinnerten.

Im Park der Villa lief ein kleines Kind um die Skulpturen herum. Ganz ohne Angst vor den Gesichtlosen. Darum schaute ich mich ein bisschen um, bis es zu Ende gespielt und geguckt hatte.

Auf der Spitze der Laurentiuskirche blendete mich der Hahn in der Sonne.

Im Park zieht der Frühling ein. Die Kirschblüten schneien schon von den Bäumen.

Dann konnte ich mich den Figuren ohne Gesicht zuwenden. Sie sind ein gutes Stück größer als ich, darum schätze ich sie auf mindestens zwei Meter in der Höhe. Sie sitzen ja friedlich dort und vermitteln den Eindruck, dass man nichts zu befürchten hat, wenn man sie in Ruhe lässt. Trotzdem machen sie mir ein mulmiges Gefühl im Bauch.

Die beiden Wächter richten ihren „Blick“ auf das Friedensdenkmal im Park der Villa Zanders

Mir ging die Frage durch den Kopf, welcher Art Geschöpf ich es zutrauen würde, die Zeit zu bewachen? Eine konkrete Antwort habe ich für mich nicht gefunden.

Aber diese Darstellung eines Zeitwächters finde ich gar nicht so falsch. Eine Figur ohne Anfang und ohne Ende, eine imposante, Respekt einflößende Erscheinung. Mangels Gesicht könnte man ihr auch nicht vorwerfen: „Du hast da was falsch gemacht oder nicht aufgepasst, da ist dir die Zeit entglitten.“ Und dann die Frage, was sie wohl zu unseren halbjährlichen Zeitumstellungen sagen würden. Ich glaube, die wären damit nicht einverstanden.

Natürlich hab ich versucht, ihnen in den leeren Kopf zu gucken und fand im Einen das:

Soll man tatsächlich dort hineingehen, sich hinsetzen und schauen, wie sich das anfühlt? Hätte ich gerne gemacht, hab ich mich aber nicht getraut. Weiß ich also nicht, welche Gedanken man innerhalb dieses Riesenumhangs hätte.

Im Anderen fand ich das:

Da ist also ein Mensch hineingeklettert und hat das Ding umgeschmissen. Vor Schreck über die Gedanken, die ihm dort drinnen kamen? Oder einfach nur, weil es ihm Spaß machte, es umzukippen? 

Etwas wirr im Kopf bin ich dann wieder gegangen und noch eine Runde über den Wochenmarkt gebummelt. 

Auf einen Kaffee irgendwo sitzen darf man ja immer noch nicht. Und Kaffee to go kommt mir nicht in den Becher. Also hab ich den Heimweg mit dem Bus angetreten und meinen Kaffee zuhause genossen.

Evelyn Barth

(Frau Wirrkopf) Seit 1980 bin ich Bürger dieser Stadt, das ist fast mein halbes Leben. Seit Herbst 2012 genieße ich meine wohlverdiente Rente. Ich lebe gerne hier. Mit dem Reporterhund BamBam erkunde ich die Stadt und die Umgebung. Dabei halte ich Ausschau nach Schönem und Ärgerlichem. Über beides...

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