Bei der Suche nach Bildung fanden Frau Wirrkopf und unser Reporterhund ein Mahnmal von Eugen Ignatius am Haus Paffrather Straße Ecke Reuterstraße. Die genaue Betrachtung weckt Gedanken an Krieg, Gewalt und Machtmissbrauch.

Dieses Mahnmal am Haus von Eugen Ignatius sticht mir jedes Mal ins Auge, wenn ich mit dem Bus aus der Stadt nach Hause fahre. Darum haben wir beide uns auf den Weg gemacht, die Skulptur genauer zu betrachten und ein paar Detail-Fotos zu machen.

Die Inschrift am Sockel trifft den traurigen Kern der Sache: „Nacht – wo der Mensch den Menschen zerstört.” Wo der Mächtige seine Mitmenschen mit Füßen tritt.

Dazu passt die Gestaltung der Figuren. Der Zerstörer kantig und minimalistisch, mit der typischen Mütze der Befehlshabenden. Der Kopf ohne Gesicht, ein Loch mit Mütze, ließ bei mir den Gedanken auf kommen, dass Machtmissbrauch und eine „leere Birne” in der Geschichte der Menschheit immer wieder verpaart waren und sind.

Der Zerstörte dagegen mit den weichen Rundungen eines menschlichen Körpers, mit weit offenem Mund, schreiend. Um Hilfe, vor Schmerz, voller Wut? Alles ist möglich.

Und das Schlimmste ist, dass in den allermeisten Fällen irgendeine Religion oder Kirche ihre segnenden Hände darüber hält.

Das Haus von Eugen Ignatius gewährt weitere Einblicke in seine Arbeit. Auf dem Sims des Anbaus steht diese Frau und scheint zu rufen: „Um Gottes Willen, wir sind alle nackt und werden fotografiert.”

An der hinteren Ecke fragt daraufhin eine Frau: „Wo denn?” Sie guckt aber dabei in die falsche Richtung. Uns hat sie anscheinend noch nicht gesehen.

Eine Gruppe Frauen versucht, sich von einem fesselnden Seil zu befreien.

Der Eingang wird bewacht …

… und diese beiden melden vermutlich jede Bewegung auf der Reuterstraße.

Aber diese großen Skulpturen lassen mich ratlos stehen und staunen.

Über Ignatius, seinen Werdegang und seine Arbeiten findet man auf seiner Website folgende Information:

„Eugen Ignatius wurde 1946 in Bergisch Gladbach geboren. Als jüngster von drei Brüdern wuchs er in einer von Kunst stark geprägten Familie auf (Vater und Mutter waren Kunstmaler). Früh entdeckte er die Liebe zu plastischem Gestalten. Die ersten Versuche machte Ignatius mit Gips schon in der Schulzeit. Da die geeigneten Räumlichkeiten fehlten, musste er sich auf kleine Formate beschränken. Deshalb verwendete er Holz und Horn, und soweit möglich auch Elfenbein.

Seit ca. 1975 arbeitet Ignatius an Plastiken vorwiegend in Lebensgröße bis hin zur monumentalen Skulptur. Mit der Entdeckung von Beton als Ausgangsmaterial fand er eine adäquate Umsetzungsmöglichkeit für seine Kunst. Seit dieser Zeit sind Beton und Marmor seine bevorzugten Materialien. Mit den Jahren weitete sich die bildhauerische Tätigkeit zu einem zweiten Beruf aus und ist heute fester Bestandteil seines Lebens. “

Die Website enthält auch Kontaktmöglichkeiten und den Hinweis, dass sein Skulpturenpark im Garten und im Haus nach Anmeldung besichtigt werden kann. Wer also schauen möchte darf das.

Das folgende Foto gehört zum Kommentar von Axel Becker weiter unten:

Eugen Ignatius überreicht ein Foto des Mahnmals an den damaligen Bürgermeister von Beit Jala, Raji Zeidan.

Evelyn Barth

(Frau Wirrkopf) Seit 1980 bin ich Bürger dieser Stadt, das ist fast mein halbes Leben. Nach 6 Jahren Hartz IV genieße ich nun seit Herbst 2012 meine wohlverdiente Rente. Ich lebe gerne hier. Daran, dass ich mehr Zeit als Geld habe, hat sich aber auch mit der Rente nichts geändert. Darum bin ich mit...

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5 Kommentare

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  1. Eigentlich müsste es mehr Skulpturen dieses Künstlers in der Stadt geben. Die Verantwortlichen in der Stadt sollten sich einmal ein Beispiel an der Stadt Hamburg nehmen. Dort sind zahlreiche Skulpturen des Stadtbekannten Künstlers Edgar Augustin aus Burgsteinfurt aufgestellt worden. Die stadt hatte anfangs auch ihre Probleme, doch die Kunsthochschule in Hamburg gaben den verantwortlichen in der Stadt NachhilfeUnterricht. Von da an ist die Stadt um zahlreiche Skulpturen dieses Künstlers reicher geworden. Sicher könnten sich die Stadtväter an diesem Impuls ein Beispiel nehmen.

  2. Danke für die interessante Reportage. Ein ergänzender Hinweis: Im April 2009, anlässlich der jährlichen Begegnungsreise in die spätere Partnerstadt Beit Jala in Palästina, überreichte die Teilnehmergruppe mit dem Ehepaar Gudrun und Eugen Ignatius als Gastgeschenk aus Bergisch Gladbach ein gerahmtes Foto des Mahnmals gegen Gewalt. Unter dem Foto steht der Text des Künstlers:
    ” Nacht … wo der Mensch den Menschen zerstört… den Opfern von Gewaltherrschaft, 1989″ in Englisch und Arabisch (Übersetzung von Annelise Butterweck).

    Wir haben es bei späteren Begegnungsreisen in Räumen des Rathauses hängen sehen.

    Hinweis der Redaktion: Das Foto zum Kommentar finden Sie oben, am Ende des Beitrags.

  3. Eugen Ignatius ist ein begnadeter Künstler
    warum unsere Stadtverwaltung sein Geschenk einer grossen Skulptur nicht
    annehmen will ist mir schon lange ein Rätsel. Erst recht nicht für den Kreisel ?

  4. Danke für Ihren Beitrag, in einer Zeit in der die Kultur und Kunst so wenig Achtung erlebt.
    Da hoffe ich sehr, dass ihr mahnender Beitrag hilft, dass wir nicht nur wie die Lemminge den Mächtigen folgen und kritische Demokraten bleiben, die sich um Menschenrechte einsetzen. Meinungsvielfalt ist menschlich und notwendig besonders in der jetzigen Zeit.

  5. die einzig schöne an Skulptur ist der Hund am Zaun.In der schwierigen Zeit brauchen wir mehr positive Beiträge.