Gerd J. Pohl und Rolf Ketan Tepel

Zum 100. Geburtstag von Joseph Beuyss kommt die WeltFriedAkademie des Künstlers Rolf Ketan Tepel nach Bergisch Gladbach. Für 100 Tage werden seine Steinskulpturen im Forumpark angesiedelt – und ein Forum der Begegnung bilden. Der Künstler und Puppenspieler Gerd J. Pohl werden als Initiatoren täglich anwesend sein, hinzu kommen prominente Gäste.

Die WeltFriedAkademie kommt nach Bergisch Gladbach. Nachdem das zum Weltjugendtag 2005 in Köln gestartete Friedensprojekt des Künstlers Rolf Ketan Tepel sein Zentrum mehrere Jahre lang im Belgischen Viertel in Köln hatte, wird es nun für 100 Tage im Forumpark angesiedelt werden: ein mächtiger Kreis aus zwölf großen Steinblöcken, die von einer denkmalgeschützten und trotzdem abgerissenen Kölner Eisenbahnbrücke stammen und von Ketan vor der Vernichtung gerettet wurden: Das sind die sprichwörtlichen „Steine, die die Bauleute verworfen haben“.

„Über diese Brücke, eine der wichtigsten Güterzugstrecken Europas, sind in zwei Weltkriegen Rüstungsgüter transportiert und im Dritten Reich Juden, Behinderte, Homosexuelle und andere verfolgte Minderheiten in die Konzentrationslager deportiert worden. Diese Steine sind Zeugen deutscher Geschichte und mahnen eindringlich dazu, dass wir uns mit der Frage des Friedens als aktive Haltung auseinandersetzen“, erläutert der Künstler. 

Veranstalter der WeltFriedAkademie ist Ketan selbst, Bürgermeister Frank Stein und Kultur-Fachbereichsleiter Dettlef Rockenberg begrüßen und unterstützen das Engagement des Künstlers und sehen darin die Möglichkeit, Kultur, Kunst und Kommunikation im öffentlichen Raum neu zu beleben.

Das Theater im Puppenpavillon, seit mehreren Jahren bereits der Pfeiler der WeltFriedAkademie in Bergisch Gladbach, wird sich aktiv an der Aktion beteiligen. Ketan und Theaterleiter Gerd J. Pohl werden täglich als Ansprechpartner vor Ort sein.

Weitere Prominente aus Kultur und Gesellschaft – unter ihnen Fluxus-Pionierin Mary Bauermeister und Star-Architekt Paul Böhm – haben ihre Unterstützung und Mitwirkung bereits zugesagt. Inwieweit terminierte Veranstaltungen möglich sein werden, hängt von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab und wird zeitnah mit den entsprechenden Behörden besprochen. 

Stein unterstützt Stein-Formation

Bürgermeister Frank Stein äußert sich positiv über das Engagement von Ketan und Pohl: „Dass ich als Stein mit einer Stein-Formation viel anfangen kann versteht sich von selbst. Gerade aber das komplexe Thema Weltfrieden hat mich in den Bann geschlagen und der Aspekt der „Sozialen Plastik“, also das Entstehen und gesellschaftsverändernde Werden eines Werkes im kommunikativen Prozess, gefällt mir besonders. Reizvoll und spannend ist gerade auch die gewählte Lokalität, wenn man weiß, dass ein ehemaliges typisches in der NS-Zeit errichtetes Ehrenmahl für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges im Jahre 1956 anlässlich des 100-jährigen Stadtjubiläums aus dem Forum-Park abgebrochen, der Gedenkstein umgewidmet und transloziert im heutigen Park der Villa Zanders aufgestellt wurde.“ 

Die Steinformation soll nicht nur Mahnmal sein, sondern vor allem Ort der Begegnung, des Diskurses und des kreativen Miteinanders, wobei Fragen der Herkunft, der politischen Verortung oder Religionszugehörigkeit keinerlei Rolle spielen sollen. „Die WeltFriedAkademie ist eine Einladung an alle Menschen, die an einem friedlichen Zusammenleben als Stadtfamilie mitwirken möchten“, betont Ketan.

Von der öffentlichen Chor- und Orchesterprobe über kirchliche und Vereinsaktivitäten bis hin zur Fraktionssitzung oder der Bürgermeistersprechstunde könnte hier unter freiem Himmel alles Mögliche stattfinden – so es die Corona-Situation eben erlaubt. Denn Ketan und Pohl geht es bei seiner Arbeit um das, was Joseph Beuys einst die „soziale Plastik“ genannt hat: den Dialog als gelebtes Kunstwerk.

So ist es auch kein Zufall, dass die WeltFriedAkademie ausgerechnet zu Beuys‘ 100. Geburtstag und parallel zur Beuys-Ausstellung im Kunstmuseum Villa Zanders stattfindet.

Rolf Ketan Tepel mit einem „Wächter der Zeit“ von Manfred Kielnhofer

Als Vorhut der WeltFriedAkademie werden in der Karwoche zwei große Skulpturen des österreichischen Künstlers Manfred Kielnhofer im Park der Villa Zanders aufgestellt: die „Wächter der Zeit“. Die goldenen Figuren richten ihren Blick und damit auch den Blick der Betrachter auf das sehr unscheinbare und etwas in Vergessenheit geratene Friedensdenkmal im Zanders-Park, das auf diese Weise wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zurückgeholt werden soll.

Ab dem 8. Mai (Tag der Befreiung) wird dann die Stein-Installation im Forumpark errichtet und bis zum 15. August bestehen bleiben. Wer mit den Künstlern Kontakt aufnehmen möchte, kann das per E-Mail unter ketan@stein-des-anstosses.de oder mail@theater-im-puppenpavillon.de tun. 

Gerd J. Pohl

*21.10.1970. Puppenspieler, Schauspieler, Autor, Regisseur und Rezitator. Seit 2009 Intendant des Theaters im Puppenpavillon in Bergisch Gladbach (Bensberg). Rheinisch-katholisch, Nichtraucher, Kölschtrinker.

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