Am Freitag starten die Abi-Prüfungen. Bergisch Gladbachs Gymnasien und Berufskollegs sind gewappnet, wie die Schulleiter:innen berichten. Auch in punkto Corona-Tests, die vor den Prüfungen angeboten werden. Das steigert jedoch den Organisationsaufwand deutlich. Klar ist: Trotz Corona wird es kein Abi-light geben.

„Für die schriftlichen Prüfungen haben wir mehrere große Schulräume entsprechend der Vorgaben der Coronabetreuungsverordnung eingerichtet“, berichtet Karl-Josf Sulski vom Otto-Hahn-Gymnasium von den Vorbereitungen. Mit großen Abständen zwischen den Tischen und einer Extra-Portion Frischluft. „Kleine Gruppen, große Räume“ bringt es Frank Bäcker vom Dietrich Bonhoeffer Gymnasium auf den Punkt.

Am Berufskolleg Kaufmännische Schulen lege man die Prüfungen in der Aula oder in Doppelräumen ab, erklärt Schulleiterin Nicole Schuffert. Zur Not würden die Klassen geteilt. Hier finden die Abiturprüfungen im Wirtschaftsgymnasium statt. In zwei Wochen folgen die Fachhochschulprüfungen der Höheren Handesschule.

Auch das Gymnasium Herkenrath nutzt die Aula sowie weitere große Räume, in denen Querlüften möglich sei, berichtet Romina Matthes vom Gymnasium Herkenrath. „In den Räumen sind Einbahnstraßen. Abstandsregel werden durchgängig eingehalten, extra Ablageflächen für Jacken/Taschen werden geschaffen, so dass alles hygienisch abläuft.“

Dabei seien große Abstände zwischen Tischen bei Abi-Prüfungen nichts ungewöhnliches, merkt Romina Matthes an. Dies gehöre ohnehin zur Prüfungssituation, um den Blick auf den Nachbarzettel zu unterbinden, meint sie schmunzelnd.

Ein Schüler führt einen Corona-Schnelltest aus – vor den Abiturprüfungen wird er ebenfalls angeboten. Foto: Stadt Bergisch Gladbach

Erst testen, dann prüfen

Vor den Abiprüfungen werden die Schüler:innen auf Corona getestet. Einige Schulen bieten dies bereits 48 Stunden vor den Prüfungen an, damit noch Gelegenheit für einen exakteren PCR-Test bleibt. Eventuell lässt sich so ein falscher Schnelltest korrigieren.

48 Stunden Vorlauf – das kostet die Lehrer:innen wieder extra Zeit, denn: „Sollte dieser Testzeitraum vor einer Abiturprüfung auf ein Wochenende fallen, werden wir als Schulleitung mit der Stufenleitung gemeinsam am Wochenende, also auch Samstag und Sonntag, die Selbsttestmöglichkeiten in der Schule für die Abiturienten anbieten“, schildert Romina Matthes.

Sollte ein Test tatsächlich positiv sein, können Schüler:innen die geplatzten Prüfungen immer noch zum festgelegten Nachschreibetermin ablegen. „Und sollte dieser Termin ebenfalls nicht stattfinden, legen die Schüler:innen ihr Abitur eben mit dezentralen Prüfungen ab“, schildert Romina Matthes. Unter dem Strich gibt es also zwei Nachholtermine. Sorgen muss sich kein Prüfling machen.

Keine Test-Pflicht

Erstaunlich ist: Die Corona-Tests sind nicht zwingend vorgeschrieben. Schüler:innen, die einen Corona-Test ablehnen, sind laut Bildungsministerium dennoch zur Prüfung zugelassen. Auch das läuft zulasten der Schulen: „Wenn die Schüler ablehnen, schreiben sie in einem eigenen Raum“, so Karl-Josef Sulski. Gleiches gilt laut Schulleiter Frank Bäcker am Dietrich Bonhoeffer Gymnasium.

Genau dies führe zu einem Raum- und Aufsichtsproblem, meint Romina Matthes, und ergänzt: „Auch bedeutet die aufgeweichte Testpflicht eine erhöhte Gefahr für aufsichtsführende Lehrkräfte.“ Man vertraue jedoch auf die Schüler:innen und deren Verantwortungsbewusstsein, das sie bisher gezeigt hätten.

Das Gymnasium Herkenrath nutzt u.a. die Aula für die Abitur-Prüfungen

Mehr Prüfungsthemen

Das zurückliegende Schuljahr war hart, keine Frage. Man sei dennoch gut durch den Stoff gekommen, berichten die Schulleiter:innen. Daher werde es normale Prüfungen geben.

Einziges Zugeständnis: „Im landesweiten Zentralabitur wird es in einigen Fächern eine Auswahl bzw. mehr Auswahl geben, für Schulen bzw. Schüler:innen, die mit dem Stoff nicht durchgekommen sind“, berichtet OHG-Schulleiter Sulski.

Auch laut Romina Matthes soll es vier statt drei Auswahlklausuren geben. „Dies ist keine Erleichterung, sondern eine gerechte Anpassung an die schwierigen Lern- und Lehrbedingungen während des vergangenen Pandemiejahres.“

Und auch Frank Bäcker klärt auf: „Es stehen mehr Themen zur Wahl, so dass Lücken ausgeglichen werden können.“

Kein ABi-light

Das war es jedoch auch schon an Zugeständnissen: „Die Notengebung ist wie immer im Abitur – es wird Wert auf Gleichwertigkeit und Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen gelegt“, so Matthes. Der Abschluss wird also kein Abi-light mit Corona-Aufschlägen bei den Noten.

Auch das BKSB berichtet von kleinen Anpassungen, hier wird teils weniger Stoff geprüft: „Pandemiebedingt wurde in Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen die ursprünglich vorgesehenen  Themenbereiche Jahresabschluss, Bilanzanalyse und -kritik und das Thema Veränderungsprozesse in Unternehmen aus den möglichen Themenbereichen gestrichen“, sagt Birgitta Ehmanns, Abteilungsleiterin am BKSB.

Auch am Otto Hahn Gymnasium stehen die Tische ab dem 23. April auf Abstand

Enges Termingerüst

Probleme sehen die Schuleiter:innen im engen Termingerüst. „Es darf kaum einer ausfallen, wenn die Durchführung gelingen soll“, erklärt Karl-Josef Sulski, nicht zuletzt da mehr Lehrer:innen für die Aufsicht eingesetzt würden. Laut Frank Bäcker sind die Aufsichten bei den nicht getesteten Schüler:innen problematisch, „aber auch das klappt“.

Am BKSB könne sich die Nichtteilnahme an den zentralen Abschlussprüfungen umgehend finanziell auswirken, schildert Nicole Schuffert: „Dies bedeutet eine Verlängerung der Ausbildungszeit um sechs Monate und nur Ausbildungsgehalt statt regulärem Gehalt. Die nächste Prüfung ist erst wieder im November.“

Auch im vergangenen Jahr fanden die Abi-Feiern (hier im NCG) unter besonderen Bedingungen statt

Abi-Feier in Schichten

Keine Frage: Zum Abitur gehört eine gestandene Feier. Am DBG wird es jedoch eher auf eine Abi-Feier „unspektakulär“ hinauslaufen, meint Bäcker. Dies ließe sich nach den geltenden Vorschriften organisieren.

„Wenn es die Infektionszahlen zulassen, werden wir eine Abi-Feierlichkeit oder zumindest eine würdige Übergabe wie im letzten Jahr – zur Not mit Schichten – ggf. auch im Freien auf unserem grünen Schulhof ermöglichen“, stellt Matthes in Aussicht. Dieser Jahrgang sei etwas ganz besonderes und jede Mühe wert.

Das sieht Karl-Josef Sulski ganz ähnlich. Er hoffe, dass die Corona-Veordnung eine Feier ermöglichen werde: „Gerade dieser Abiturjahrgang, den die Corona-Krise in der Qualifikationsphase voll getroffen hat, hätte seine Feier und ein bisschen Leichtigkeit mehr als verdient.“

Aufmacherbild von Michael Schwarzenberger auf Pixabay

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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