Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Foto: Thomas Merkenich

Nach der Rückkehr zum Präsenzunterricht zeigt eine Umfrage bei den weiterführenden Schulen: Die Rückkehr zur Normalität klappte gut, Corona-Tests gehören zum Alltag, die Abi-Tests verliefen normal. Aber: In bestimmten Fächern und bei einigen Schüler:innen hat der Distanzunterricht Spuren hinterlassen, teils mit drastischen Konsequenzen. Eine funktionierende Digital-Infrastruktur fehlt nach wie vor in großen Teilen.

„Nahtlos und sehr froh“ sind die Schüler:innen in den Präsenzunterricht zurückgekehrt. Er sei „problemlos“ angelaufen. Es überwiege die Freude, wieder in der Schule sein zu können. Die Schüler:innen würden die Rückkehr in ein normales Sozialleben genießen. Und die Lehrer:innen seien froh, dass die Belastungen des Wechselsunterrichts weg seien. Nun freue man sich auf ganz viel „Nicht-Normales“, Außergewöhnliches, auf Bildungserlebnisse und Miteinander.

Der Tenor aus den weiterführenden Schulen der Stadt ist einstimming: Keine Schule trauert dem Distanz- oder Wechselunterricht hinterher. Man ist heilfroh dass die heikle Phase vorbei ist.

Auf Dauer? Da wird Skepsis laut: „Wer weiß was die Pandemie noch bringt“, sagt Romina Matthes vom Gymnasium Herkenrath.

Gewohnte Prüfungsergebnisse

„Das Abi ist gut gelaufen“ bilanziert Frank Bäcker vom Dietrich Bonhoeffer Gymnasium (DBG). Das berichtet auch Rolf Faymonville vom Albertus Magnus Gymnasium (AMG). Engagement und Methodenkompetenz der Lehrer:innen hätten entscheidend dazu beigetragen. Auch die Klassenarbeiten und Klausuren in den anderen Jahrgängen seien gut gelaufen.

Am Gymansium Herkenrath habe es in den mündlichen Prüfungen gar mehrfach volle Punktzahl gegeben, freut sich Romina Matthes. Karl-Josef Sulski vom Otto Hahn Gymnasium (OHG) berichtet von Abiturleistungen wie in den Vorjahren, bei reibungsloser Durchführung, „trotz verdichtetem Arbeitspensum für die Lehrkräfte.“

Auch Nicole Schuffert vom Berufskolleg Kaufmännische Schulen (BKSB) spricht unter dem Strich von sehr gut gelaufenen Prüfungen, „sowohl bei den Abiturprüfungen als auch den Prüfungen zur Fachhochschulreife“.

Ein Schüler führt einen Corona-Schnelltest aus. Das ist mittlerweile Alltag an den Schulen. Foto: Stadt Bergisch Gladbach

Feiern im Corona-Rahmen

Die Vorbreitungen für Corona-konforme Abiturfeiern laufen. Das Schulministerium hatte einen Erlass herausgegeben, wonach Schulfeiern im Rahmen der Corona-Schutzverordnung und Regelungen im Kreis zugelassen seien, so Schuffert. Die Feier würde dem Anlass gerecht sein, meint auch Karl-Josef Sulski (OHG): Mit Beschränkungen, die dennoch ein „schönes Beisammensein“ zulassen würden.

„Da wird es auf jeden Fall etwas geben, es wäre sonst zu schade“, blickt auch Frank Bäcker (DBG) nach vorn. Konkreter wird Rolf Faymonville (AMG). Hier werde es eine festliche Zeugnisausgabe in zwei Gruppen geben, mit „zünftigem Mitbring-Umtrunk an Familien-Stehtischen auf dem Schulhof, Livestream und Musik.“

In Herkenrath sind gar externe Anbieter engagiert, die für Beleuchtung und eine Corona-konforme Bühne sorgen – für ein „buntes und unterhaltsames Programm“, so Romina Matthes. Das komplexe Konzept sei von Gesundheitsamt genehmigt. Am Tag der Feier selbst gebe es eine eigene Teststation vor Ort, damit die Feier für den „gebeutelten“ Abi-Jahrgang gefahrlos ablaufen könne.

Bildungsschere größer, Problemfächer

Gleichwohl: Distanz und Wechselunterricht haben dazu beigetragen, dass sich die Bildungsschere zwischen starken und schwachen Schüler:innen weiter auftut.

Zwar gebe es keine großen Wissenslücken, meint Rolf Faymonville. „Einige wenige schwächere Schüler:innen haben aber durch die Situation, selbstständig lernen zu müssen, einige Leistungseinbrüche gezeigt – trotz der angebotenen Unterstützung durch unser pädagogisches Team.“ Hilfen müssten eben auch angenommen und gut verwertet werden, sagt der Schulleiter, und verweist auf ein gewisses Maß an Eigenverantwortung.

Am BKSB habe man einige Schüler:innen „verloren“, erklärt Nicole Schuffert. Diese hätten komplett die Motivation verloren. „Ein Antrieb sich z. B. auf Ausbildungsplätze zu bewerben fehlt“. Man habe wenig Anschlussperspektiven zu verzeichnen.

Laut Romina Matthes (Gymnasium Herkenrath) habe die lange Phase des Distanzunterrichts vor allem bei Schüler:innen der Sekundarstufe I dazu geführt, dass die Motivation bei leistungsschwächeren Schüler:innen gelitten habe. Individuelle Förderangebote sollen aus Mittel der Initiative „Lernzeiten NRW“ bereitgestellt werden.

Distanz- und Wechselunterricht haben die Schere zwischen starken und schwachen Schüler:innen weiter geöffnet

Problemfächer Sprachen und Mathematik

Wissenslücken gebe es vor allem bei den Fremdsprachen. „Diese leben schlicht von der direkten Kommunikation“, so Matthes. Neben den Fremdsprachen sei es auch das Fach Mathematik, das gelitten habe, ergänzt Karl-Josef Sulski. „Sehr pauschalisiert lässt sich sagen, dass die mittleren Jahrgänge (7 bis EF) stärker gelitten haben. Die Jungen mehr als die Mädchen.“

„Die Schere zwischen den Schüler:innen ist weiter aufgegangen. Die sich mit dem eigenständigen Lernen schwertun, sind weiter zurückgeblieben als es mit engerer Betreuung durch den Lehrer gewesen wäre,“ bilanziert Sulski. Einige sehr selbstständige und fleißige Schüler:innen hätten von der Situation gar profitiert.

Eine „Riesen-15-Monats-Lücke“ kann Frank Bäcker (DBG) indes nicht ausmachen. Individuelle Probleme gebe es immer, es sei der Job der Schule darauf zu reagieren und Lösungen zu finden. Ihm sei vielmehr wichtig, das soziale Leben wieder normal zu gestalten.

Offene Baustellen

In wenigen Wochen geht es in die Sommerferien, doch gedanklich weilen die Schulleiter:innen bereits beim neuen Schuljahr. Und den Baustellen, die nach wie vor offen sind.

Breitbandanschluss, Ausleuchtung der Schule, digitale Tafeln, zu öffnende Fenster, Kiosk – so die Wunschliste von Nicole Schuffert (BKSB).

„Unser wunder Punkt: Die Gelder aus dem Digitalpaket kommen nicht in die Gänge“, moniert Frank Bäcker (DBG). Hier täte sich nichts spürbares, wenngleich das Glasfaserkabel in Sicht sei. In den letzten Monaten wäre mehr möglich gewesen, zum Beispiel eine adäquate Ausstattung der Schule mit WLAN: „Für uns als Schule dauern diese Verwaltungsvorgänge unerträglich lange.“

In etwa vier Woche, das hatte die Stadtverwaltung am Mittwoch im Schulausschuss berichtet, wolle die Telekom entscheiden, welche Schulen als erste angeschlossen werden – nach den Ferien solle es losgehen.

In Herkenrath versuche man über WLAN-Inseln dem Anspruch als digitale Schule gerecht zu werden, aber auch hier herrscht beim Thema Breitband noch Fehlanzeige. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine weiterführende Schule so lange auf einen Breitbandanschluss warten muss und selbst eine innerhäusige Verkabelung nicht unabhängig vorgezogen werden kann“, so die deutlichen Worte von Romina Matthes.

Die digitale Infrastruktur am OHG steht, gleichwohl müsste nach Angaben der Schulleitung das Kollegium von IT-Support-Aufgaben entlastet werden

Verzögerung bei Endgeräten

Auch am AMG steht der schnelle Breitbandanschluss – immer noch – ganz oben auf der ToDo-Liste. Zudem wünsche man sich, „dass die dienstlichen Lehrer-Endgeräte, die bereits Weihnachten kommen sollten, wenigstens bis zu den Sommerferien ausgegeben werden können“, macht Raymonville klar.

Immerhin hatte die Schulverwaltung gerade im Schulausschuss berichtet, dass die Geräte nur geliefert worden seien und jetzt für die Ausgabe vorbereitet werden.

Die Digitalisierung ist natürlich auch am OHG ein Thema, wenn auch auf anderere Ebene. Hier gehe der IT-Support zulasten des Unterrichts. Der Schulträger sollte die Schulen von „sächlichen Aufgaben“ entlasten. Zudem sollte die Landesregierung Mittel für Vertretretungslehrer:innen freigeben. Als Unterstützung des Kollegiums bei der Aufarbeitung individueller Rückstände, erklärt Karl-Josef Sulski.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Meines Erachtens ist es grundsätzlich richtig ein Stimmungs- bzw. Meinungsbild zur aktuellen Lage in den Schulen einzuholen, u.a. um zu erahnen wo Schülerinnen und Schüler nun gezielt gefördert werden können und müssen.

    Die Analyse der Problemlage scheint mir aber in diesem Beitrag einigermaßen oberflächlich zu sein. Leider wird der Bildungsbegriff auf wenige Kernfächer reduziert und Fächer wie Kunst, Musik oder Sport gar nicht erst erwähnt. Gibt es dort keine Defizite? Alleine über den (durch Corona bewirkten) Bewegungsmangel, während der Schulschließung, ließe sich einiges sagen. Schade ist, dass hier keine Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen! Sind sie nicht auch Expertinnen und Experten für das Lernen?

    Die Berichterstattung zum Thema Digitalisierung findet leider einseitig statt. Es ist absolut ärgerlich, wenn digitale Endgeräte nicht da sind, wenn sie gebraucht werden. Die Schulverwaltung kann sich aber hier nur zum Vorwurf machen lassen, auf den falschen Lieferanten gesetzt zu haben. Pandemiebedingt war das Festhalten an diesem Lieferanten insgesamt allerdings alternativlos.

    Bezüglich einer Übergangslösung zur Internetanbindung an Schulen (über LTE) bleibt die Initiative der FREIEN WÄHLER unerwähnt, für die die Stadt Bergisch Gladbach einen größeren Betrag zur Verfügung gestellt hat. Nach einem Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers (vom 11.06.2021) haben bisher immerhin sechs Schulen – in Bergisch Gladbach – ihre Internetanbindung damit verbessern können.