Die Arbeitgeber präsentierten sich an Ständen im Bergischen Löwen - und führten viele Gespräch mit Jobsuchenden. Foto: Agentur für Arbeit

Viele der Zanders-Beschäftigten, die mit der Insolvenz ihren Arbeitsplatz verloren hatten, sind bereits wieder untergekommen. Für alle anderen, die noch arbeitslos sind (und einige weitere) haben Stadt und Arbeitsagentur eine spezielle Vermittlungsaktion gestartet. Und dabei ein offenbar sehr sinnvolles Format entdeckt.

Rund 350 Mitarbeiter hatte die Papierfabrik Zanders zum Schluss noch. Davon hatten sich einige in den Ruhestand zurück gezogen, einige sofort eine neue Stelle gefunden – doch 220 meldeten sich bei der Agentur für Arbeit. Die setzte eine Taskforce ein, die mit zwei bis drei Vermittlern besetzt war – und relativ rasch Erfolge erzielte.

Denn 143 der arbeitslosen Zanderianer haben inzwischen, dank eines „sehr lebhaften Arbeitsmarktes“, bereits wieder eine neue Stelle, berichtete jetzt Nicole Jordy, die Chefin der Arbeitsagentur Bergisch Gladbach bei einem Pressegespräch auf Einladung der Stadtverwaltung.

Viele der Facharbeiter bei Zanders, Maschinenführer, Elektrotechniker und andere, hätten auch außerhalb der Papierindustrie gute Chancen. Selbst im Alter von knapp 60 Jahren, wie Jordy anhand von zwei Beispielen erläuterte.

Allerdings gab es auch bei Zanders auch weniger qualifizierte Beschäftigte. Um diese Fälle hatte sich die Stadtverwaltung, gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Kreises, der Arbeitsagentur und dem Jobcenter, gesondert gekümmert. Eine Aktion, die jetzt in einer ganz besonderen Jobmesse unter dem Titel „Jobperspektive Bergisch Gladbach“ im Bergischen Löwen mündete.

Nicole Jordy von der Agentur für Arbeit mit Bürgermeister Frank Stein, Wirtschaftsförderer Martin Westermann, Michael Schulte, Leiter des Jobcenters und RBW-Chef Volker Suermann.

„Uns war klar, dass wir in diesem besonderen Fall handeln müssen“, sagt Bürgermeister Frank Stein. Allerdings sollte es kein symbolischer Schnellschuss werden, sondern etwas sinnvolles. Daher haben sich alle Beteiligten zusammengetan und gemeinsam mit den Betroffenen aussagekräftige Jobprofile erarbeitet. Als Vorbereitung für eine Jobmesse.

Diese Jobmesse fand in dieser Woche im Bergischen Löwen statt, ganz bewusst in der „guten Stube der Stadt“, betont Stein. Alle 77 noch arbeitslos gemeldeten Zanderianer seien gekommen, dazu rund 30 Arbeitssuchende aus anderen Betrieben – die in das Konzept passten. Dabei seien auch Personen gewesen, die von den Betriebsschließungen bei Heider Druck und dem Autohaus Lüttgen betroffen waren.

Sektoraler Ansatz sorgt für Passgenauigkeit

Denn im Gegensatz zu den bekannten Jobmessen (die in Coronazeiten allerdings auch nicht stattfanden) hatten sich die Organisatoren auf ganz bestimmte Sektoren konzentriert: Logistik, Transport und Produktion, berichtet Martin Westermann, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Für diese Sektoren seien die arbeitssuchenden Zanderianer qualifiziert – und hier gebe es bei den Unternehmen einen großen Fachkräftebedarf.

Daher beteiligten sich 31 regionale Firmen und Träger von Bildungsangeboten an der Jobmesse. Und, so berichten Jordy, Westermann und Volker Suermann (Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderung) übereinstimmen, offenbar mit Erfolg. Viele der Firmen seien sehr zufrieden, weil sie jeweils 20 bis 25 Anbahnungsgesprächen führen konnten, von denen sich jeweils eine Handvoll als aussichtsreich entpuppt habe.

Gute Vorbereitung, persönliche Gespräche

Durch die gründliche Vorbereitung seien die Bewerber gut gewappnet gewesen, konnten aussagekräftige Mappe vorweisen und gut ins Gespräch kommen. Das persönliche Gespräch in einem überschaubaren Rahmen sei bei diesen Bewerbern besonders wichtig, betont Martin Schulte, Geschäftsführer des Jobcenters.

Diese Vorbereitung, aber auch der sektoreale Ansatz, hätten dazu beigetragen, dass bei den Arbeitgebern keine falschen Erwartungen geweckt wurden – und dass die „Passgenauigkeit“ zwischen Angebot und Nachfrage sehr viel höher als bei den üblichen großen Jobmessen war.

Daher, darin waren sich alle Beteiligten einig, könnte diese spezielle Jobmesse Schule machen; und in Zukunft für andere Personengruppen, für andere Sektoren erneut aufgegriffen werden.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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