Die Bäume an der Schlossstraße zwischen Kölner Straße und Nikolausstraße sollen jetzt gefällt werden. Die Bäume hinten links stehen auf dem Gelände der Nikolauskirche; sie sind nicht betroffen. Foto: Helga Niekammer

Der Zeitplan für die komplette Umgestaltung der Schlossstraße in Bensberg bleibt vage, die Ausschreibung der Bauarbeiten hat sich weiter verzögert. Dennoch starten jetzt die ersten Vorarbeiten, im Abschnitt zwischen Kölner Straße und Nikolausstraße werden die Bäume gefällt.

Zum Jahresanfang 2022 sollten eigentlich die Bagger anrollen, um die Schlossstraße in drei Bauabschnitten in eine „Straße der Begegnungen” umzuwandeln. Daraus wird vorerst nichts, erst „im Sommer” sollen die Arbeiten beginnen, räumt die Stadtverwaltung jetzt ein.

Selbst das ist optimistisch, denn die Ausschreibung für die umfangreichen Bauarbeiten ist immer noch nicht fertig gestellt; vor der EU-weiten Veröffentlichung müsse zudem „das Ergebnis der städtischen Überflutungsvorsorge“ abgewartet werden. Wann und ob überhaupt sich dann ein Bauunternehmen findet, das kurzfristig einsatzbereit wäre, ist offen.

Dennoch werden in den nächsten Wochen Bautrupps in der Schlossstraße zu sehen sein. Ganz oben, an der Einmündung in die Straße „Am Stockbrunnen”, wird schon einmal vorsorglich die Kanalisation erneuert und verlegt. Eine Zusammenlegung mit dem später folgenden Umbau sei nicht möglich gewesen, weil man sich dann bei der Auswahl der Baufirmen zu stark hätte einschränken müssen, argumentiert die Stadt noch einmal.

In diesem Bereich zwischen Commerzbank (links oben) und Einmündung der Nikolausstraße (oben rechts) sollen die Bestandsbäume gefällt und später durch Kopflinden (wie im Teilstück hinauf zum Schloss) ersetzt werden. Foto: Screenshot, Schrägluftbildviewer Rheinisch-Bergischer Kreis

Für noch mehr Aufmerksamkeit dürften die Vorbereitungen ganz unten an der Schlossstraße sorgen, zwischen Kölner Straße und Nikolausstraße, zwischen Commerzbank und Emilienbrunnen. In diesem Abschnitt sollen bereits jetzt die dort stehenden zehn Bäume gefällt werden.

Eigentlich war geplant, die Bäume erst kurz vor Start der eigentlichen Bauarbeiten weg zu nehmen. „Leider bleibt uns wegen der anstehenden Vogelbrutzeit aber keine andere Möglichkeit als die Fällungen schon im Februar vorzunehmen“, erklärt die Abteilung StadtGrün jetzt. Die „Wegnahme“ der Bäume diene aber auch dazu, das Baufeld für Vorarbeiten der Energieversorgung und spätere Fahrbahn-Verschwenkungen frei zu machen.

„Selbstverständlich werden weitere Bäume erst dann gefällt, bevor die Bauarbeiten in den jeweiligen Bauabschnitten beginnen. Eine Fällung viele Monate vor Beginn der Bauarbeiten soll so gut es geht verhindert werden”, sagt Projektleiterin Nicole Schumann. Auch die Vegetation am Emilienbrunnen bleibe „noch unberührt“.

Der Emilienbrunnen. Foto: Archiv

Die gefällten Bäume werden nach Abschluss der Arbeiten ersetzt, insgesamt werde die Schlossstraße dann 24 Bäume mehr aufweisen als derzeit und damit „deutlich grüner” werden. Einige besonders große und wertvolle alte Bäume werden verschont und in die Neuplanung integriert.

Komplexität sorgt für weitere Verzögerung

Für die erneuten Verzögerung der Bauarbeiten führt die Stadt die „Komplexität der Gesamtmaßnahme” an; sie habe den ursprünglichen Zeitplan „gesprengt”. So hatten die Planer nach massiven Protesten der Anwohnerschaft den bereits weitgehend abgeschlossenen ersten Bauabschnitt, den Platz vor der Schlossgalerie, noch einmal ganz neu anfassen müssen, um die erhebliche Schieflage ein Stück weit zu reduzieren.

Zudem hätten Planungen der Telekom zum Breitbandausbau und die Absprachen mit den Versorgungsunternehmen berücksichtigt werden müssen. Was allerdings zum Alltagsgeschäft gehört.

Konkrete Daten will die Stadt auch auf Nachfrage nicht nennen, zu oft hatte sie sich in der Vergangenheit korrigieren müssen. Rund drei Jahre Bauzeit für die gesamte Straße, in Schritten von West nach Ost, kalkulieren die Planer, die endgültige Fertigstellung sei „für das Jahr 2025 anvisiert”.


Screenshot InHK.digital

Für Informationen zum Umbau der Schlossstraße und der rund 30 weiteren Maßnahmen des InHK Bensberg hat die Stadt einen Schwerpunkt auf ihrer Website eingerichtet. Zudem kann die Entwicklung auf der Plattform „InHK.digital“ verfolgt werden.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Ich gebe hier noch zu bedenken, daß bereits 2010 bei der Umgestaltung der Gladbacher Fußgängerzone 56 Bäume trotz großer Widerstände aus der Bevölkerung gefällt wurden. Damals wurde auch damit getröstet, alle Bäume werden nachgepflanzt. Zusätzlich sollten weitere 31 Bäume an Poststr., Bahnhof etc. gepflanzt werden. Das ist nicht passiert. Selbst von den gefällten Bäumen fehlen aber noch 25 Bäume! Soweit zu den vollmundigen Versprechungen.

  2. Eine “Schlossstraße” gibt es in Bergisch Gladbach nicht, wohl aber die “Schloßstraße”.
    Die Rechtschreibreform der 1990er Jahre hat keine Auswirkungen auf Eigennamen wie z.B. Straßennamen.

  3. Man könnte mindestens schmunzeln, wenn es nicht so traurig wäre. Da geht die Planungs- und Ausführungsinkompetenz in der Schlossstraße weiter, egal, welche Farbe die Entscheider tragen. Vom CDU/SPD-Planungs-Chaos in das der Ampel, armes Bensberg.

    – Der Vögel wegen müssen nun schon Bäme weichen, obwohl eigentlich jeder ahnt,
    dass der waage Termin “Miite des Jahres” für den Beginn der Baumaßnahmen
    nicht eingehalten werden wird – die Erfahrung mit der Verwaltung lässt keine
    andere Vermutung zu.
    – Außerdem fehlen immer noch Ausschreibungen, was mit allen möglichen
    Gründen erklärt wird – gerne die Problematik der Pandemie nutzend. Der
    Hinweis auf die fehlende “städtische Überflutungsvorsorge” lässt mich ahnen,
    dass man die topographische Lage von Bensberg aus dem auge verloren hat.
    – Stolz berichtet Objektleiterin Schumann, dass später viel mehr Bäume in der
    Schlosstraße stehen werden – die leider aber erst nach 10 Jahren oder mehr ihre
    umweltschützenden Funktionen aufnehmen können. Was kümmert die
    Verwaltung schon momentane Problemstellungen, die sich durch die Pflanzungen
    auf der falschen, sprich sonnenangewandten Seite potentieren.
    – Ein weiterer Beweis für die kaum zu lobende Arbeit der Verwaltung ist, dass man
    jetzt mit dem Hinweis auf die “Komplexität der Gesamtmaßnahme” die vielen
    Versäumnisse, die während nun 15 Jahren Planung hingenommen wurden,
    entschuldigen will. Der Bürger ist nicht dumm, werte Verwaltung, denn viele der
    schon vor der Ampel dort Tätigen sitzen heute noch in ihren Sesseln.
    – Zum guten Schluss sind die Bürger noch selbst Schuld an den unglaublichen
    Verzögerungen, weil die gegen einen Sachverhalt protestierten, den der
    Volksmund “Bensberger Rodelbahn” nennt. Diese Sicht nennt man den
    unangemessenen Tausch von Ursache und Wirkung, in der Politik sehr beliebt.

    Ich wage mal eine Prognose: Wenn die Schlossstraße mal so aussieht, wie die Planer sie haben wollen, werden wir am Ende des laufende Jahrzehnts angekommen sein.

  4. Baum-Chaos in Bensberg
    Das gesunde, Kraft strotzende und Schatten spendende Bäume in der Schlossstrasse vor dem Intersportgeschäft und auf dem unteren Teil der Strasse gefällt werden sollen, muss man erst mal Begreifen. Dafür werden ja neue ,kleine Bäume gepflanzt, leider auf der falschen Seite.
    Die neuen Bäume in der Schlossstarsse auf der rechten Seite, in Fahrtrichtung werden nur morgens bis 11.oo Uhr und abends ab 17.oo Uhr den dringend benötigten Schatten im Hochsommer spenden können. Auf der linken Seite wären die Bäume viel effektiver für den Schutz der Bürger und Bürgerrinnen und den Einkaufenden im Einsatz, zumal auf der Seite auch noch mehr Außengastronomie die Fläche nutzt.
    Ich weiß wovon ich schreibe, habe ca. 30 Jahre ein Geschäft dort betrieben und konnte es im Sommer nur mit zwei Klimaanlagen aushalten – das war teuer und nicht gerade umweltfreundlich.
    Ein Satz noch zum sogenannten Stadtplatz in Bensberg. Rösrath bekommt auf dem Sülztalplatz einen multifunktionalen großflächigen Veranstaltungsplatz gebaut. Und was kann Bensberg vorweisen – einen stark abschüssigen Bereich mitten im Centrum der kaum sinnvoll nutzbar ist.
    Liebe Stadt – lieber Planer noch ist es Zeit für eine Richtigstellung in der Schlossstrasse, das geplante Baum-Rückgrat kann auch auf der linken Seite genau so gut entstehen und bringt hier mehr Nutzen für Alle.

  5. Wenn auch mit etwas Sarkasmus außer den Sitzstufen gemeinschaftlich über die Jahre nicht mehr verändert zu haben ……

    ………die weitere Umsetzung des “Siegerentwurfs” wirft ihre langen Schatten voraus. Bäume ab und in einer Reihe aufgestellt, Bäume einer Art, kleinere zwar und auf der falschen Seite, aber dafür mehr.

    Hügel und Treppen wo bislang keine waren und wo man bislang Hindernis frei laufen konnte, die alternde Bevölkerung und die Markt-Beschicker sind schon in Vorfreude auf die Fertigstellung.

    Weitere Jahre des Umbaus und der Provisorien, ein Arbeitsbeschaffungsprogramm, es wird die Eigentümer, Mieter und Besucher in Atem halten.

    Ein Dönerplätzchen für die Emilienpause rundet das Flair des “Siegerentwurfs” ab. Eine Meisterleistung deutscher Architekturkunst.

    Der neue Feiertag heißt “Tag der Städtebauförderung” und die BZR grüßt: „Na, dann freut Euch mal schön….“

  6. Im Stadtgebiet stehen so viele Bäume und sonstiges Grün, da hat der Bestand an der Schlossstraße wirklich nur eine dekorative Bedeutung. Ehe man dem romantischen Impuls nachgibt, jeden Stamm zu umarmen, darf man sich das ruhig einmal verdeutlichen.

  7. Wie mittlerweile in vielen anderen Bereichen auch, scheinen letztlich bloß noch psychologische Reflexe und um sich selbst kreisende Machtmechanismen zu wirken.

    Die notorische Baumfällerei ist dabei sogar ein archaisches Motiv; wahrscheinlich halten sich die Verantwortlichen für „Erbauer” oder mindestens Bewahrer „großer Zivilisation”
    – hiesig eben gipfelnd im „Parkraumkonzept”, ohnehin dem Zentralfetisch Bensberger Gestaltungstreibens..

    Schaut man sich dazu allerdings das beeindruckend automobile Gewimmel und Gedränge allein vor der Schlossgalerie an (bei reichlich freien Plätzen in den beiden oberen und extra dafür eingerichteten Park-Geschossen des Gebäudes), wird klar, warum die „fortschreitenden” Baumfäller sich zudem wohl als Vollstrecker „allgemeinen Mobilitätswillens” sehen.

    Und seitens der organisierten Händlerschaft wurden die Präferenzen ja auch hinreichend deutlich gemacht:
    Wo man gleich vor der Türe parkt, da fahre hin, denn Bäume haben nur bedingten Sinn …

    Der Rest ist bekannt: Da helfen keine Widerstandsbekundungen, Unterschriftenlisten, Versammlungen und Argumente schon gar nicht
    – Der einmal festgeschriebene Plan muss und wird plangetreu durchplaniert werden …

    Etwas kurios bleibt dieser verstockt unbedingte Kahlschlag angesichts der ansonsten wogend „klimatischen Missionierung” und einer immerhin doch grünenden Ampel dennoch …

  8. Der „Siegeszug“ des städtischen Konzeptes „Boulevard der zahlreichen Begegnungen“ nimmt Fahrt auf.

    Während das Land NRW ganz aktuell ein Millionen schweres „1.000 Bäume für die Innenstadt“- Programm aufsetzt, beginnt unsere Stadtverwaltung ihre Baumfällaktion, ganz nach dem kölschen Motto: „Wat fott es es fott“.

    Ich finde, es tut richtiggehend weh: Fast alle heutigen Bäume an der Schloßstraße sollen im Zuge der Neugestaltung gefällt werden, um dann, meist nur leicht versetzt, durch junge Bäume ersetzt zu werden. Parkraumkonzept und Straßen-Design verlangen es so.

    Was in der Berichterstattung dabei regelmäßig vergessen wird: Für unser städtisches Klima ist auf absehbare Zeit nicht entscheidend, dass wir zukünftig mehr Bäume bekommen sollen (das wird immer gerne gesagt), sondern dass diese neu gepflanzten Bäume natürlich klein sind und sehr viel Pflege brauchen, bevor sie dann hoffentlich groß sind (dies wird nicht gesagt).

    Dadurch wird es bis zu 10 Jahre dauern, bis die kleinen neuen Bäume die Klimaleistung (CO²-Bindung, Sauerstoffproduktion, Feuchtigkeitsspeicher, Luftkühlung, Staubbindung) der heutigen ausgewachsenen Bäume erreichen werden. So lautete jedenfalls die letzte Aussage von Stadtgrün Ende 2019.

    Für diese Jahre wird in Bensberg die Not durch den Klimawandel also erst einmal verstärkt, anstatt sich ihr entgegenzustellen.

    In diesem Punkt bleiben sich unsere Städteplaner treu – und sogar im Plan. Egal, wie sich die Welt um sie herum entwickelt.