Der Strom der Stadtverwaltung soll künftig nun noch aus erneuerbarer Energie kommen, die zum Beispiel mit Photovoltaik-Anlagen gewonnen wird.. Foto: PxHere

Auf Antrag der Ampelkoalition hat der Hauptausschuss beschlossen, die Versorgung der Stadt so schnell wie möglich auf Ökostrom umzustellen, ohne dabei die Versorgungssicherheit aus den Augen zu lassen. Zudem stimmte der Ausschuss dem Vorschlag der CDU vor, eine Strategie für die Beschaffung von Energie insgesamt auszuarbeiten.

Schon seit längerer Zeit drängt die Ampel-Koalition darauf, den CO2-Ausstoß der Stadtverwaltung zu senken; mit dem Krieg in der Ukraine hatte sie nun über die Klimakrise hinaus ein zweites Argument, warum sich auch Bergisch Gladbach so schnell wie möglich von fossilen Brennstoffen unabhängig machen sollte.

„Je stärker wir uns auf eigene Energiequellen stützen, umso souveräner können wir, auch außenpolitisch, agieren. Das Ziel der Klimaneutralität geht Hand in Hand mit dem Ziel, uns unabhängiger von Autokratien zu machen. Dafür wollen wir auch vor Ort Verantwortung übernehmen,“ erklärte Theresia Meinhardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Daher legte die Ampel am Mittwoch im Hauptausschuss einen Antrag vor, der eine Umstellung der städtischen Stromversorgung auf Ökostrom (aus Wind- und Solaranlagen) vorsieht. Und rannte dabei offene Türen ein.

CDU schlägt Beschaffungsstrategie vor

Trotz einiger Anmerkungen zu den Details des Antrags begrüßte CDU-Fraktionsführer Michael Metten den Vorstoß und ergänzte ihn um den Vorschlag, dass die Stadtverwaltung eine umfassende Beschaffungsstrategie für ihre Energieversorgung ausarbeitet.

Dieser kombinierte Antrag wurde vom Hauptausschuss einstimmig angenommen.

Unklar ist allerdings, wann die Umstellung zum Zuge kommt. Aktuell läuft eine Ausschreibung – weil der letzte Stromanbieter der Stadt Ende 2020 zahlungsunfähig geworden war und im Moment die Belkaw die Grundversorgung übernommen hat. Ob sich auf die diese – wie vorgeschrieben europaweite – Ausschreibung überhaupt ein Anbieter findet, ist nicht klar.

Sollte eine neue Ausschreibung notwendig werden würde bereits der Antrag greifen, sagt Theresia Meinhardt, Fraktionschefin der Grünen. Spätestens aber zum 1.1. 2023.

„Leistungsfähiger und solventer Partner“

Die Gefahr, durch die Zwänge der Ausschreibung wieder bei einem Stromanbieter zu landen, der zwar relativ günstig, aber womöglich wieder rasch pleite geht, wird in dem Antrag der Ampel-Koalition ebenfalls aufgegriffen. Mit der Ausschreibung müsse ein „leistungsfähiger und solventer“ Partner gefunden werden.

Jörg Krell, Fraktionsvorsitzender der FDP sagt dazu: „Ziel der Ausschreibung muss sein, das finanzielle Folgerisiko einer Insolvenz für die Stadt in Zukunft zu minimieren.“ Wie das erreicht werden könnte blieb in der Debatte im Hauptausschuss außen vor.

Ein weiteres Ziel ergänzte Klaus Waldschmidt, Fraktionsvorsitzender der SPD: „Gleichzeitig ist unser Ziel, mit einer aussagekräftigeren Abrechnung aller städtischen Liegenschaften Aufschluss darüber zugewinnen, wo die Stadt Einsparpotentiale in ihren Stromverbräuchen realisieren kann.“

Idealerweise werde die Stadt in Zukunft ihre Strom mit eigenen Photovoltaik-Anlagen erzeugen, sagte Grünen-Fraktionschefin Meinhardt. Und damit sowohl von Autokraten als auch von Energiekonzernen unabhängig werden. Das ist aber noch ein sehr langer Weg, die Stadt beginnt gerade erst damit, die Dächer neu gebauter oder sanierter Gebäude so weit wie möglich mit Solaranlagen auszustatten.

Redaktion

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5 Kommentare

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  1. Es ist wunderbar, wenn der Hauptausschuss nun endlich beschlossen hat, dass ab 2023 nur noch Ökostrom für die Stadt Bergisch Gladbach bezogen wird. Wieso nicht ab sofort? Ein leistungsfähiger und solventer Partner kann sofort z.B. mit naturstrom oder EWS gefunden werden.

    Anmerkung an Theresia Meinhardt und Klaus Waldschmidt: Es geht jetzt nicht um einen langen Weg, sondern um die ersten konkreten Schritte sofort hin zur Energiewende. Der Weg ist das Ziel. Es gilt jetzt, die Energiewende voranzutreiben. Das Ziel auf dem Weg ist die Klimaneutralität bis 2030.

    Wie kann das gelingen? Setzen Sie sich dafür ein, dass ab sofort die BELKAW nur noch 100% Ökostrom liefert. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Stadt Bergisch Gladbach die BELKAW drängt, ab sofort das Solarpotentienzial in Höhe von 489 GW/h mit eigenen Erneuerbaren Energien zu heben. Die Sektorenkoppelung von Strom, Wärme, Gebäuden und E-Mobilität ist angesagt.

    Es gilt jetzt, dass ab sofort alle städtischen Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Alle bürokratischen Hürden müssen abgebaut werden.

    Dazu sind konkrete Ansagen erwünscht, keine wolkigen Aussagen. Die Zeit ist jetzt. Lassen sie uns gemeinsam mit allen AkteurInnen in der Zivilgesellschaft – den BürgerInnen, den Sebstständigen, den Gewerbetreibenden, den Wirtschaftsunternehmen – die Energiewende gemeinsam gestalten. Weg von den fossilen Energieträgern hin zu den Erneuerbaren Energien zu 100%.

    Martin Häusling, Klimafreunde Rhein-Berg e.V.

  2. Gut, dass sich die Stadt (endlich) über dieses Thema Gedanken macht!

    Der Teufel liegt allerdings im „Detail“ – in Anführungszeichen, weil es um die grundsätzliche Frage geht, ob überhaupt genug Ökostrom lieferbar ist. Da nicht schnell genug EE-Anlagen neugebaut werden (können), nehmen viele Anbieter derzeit keine neuen Kund:innen an.
    Damit besteht die Gefahr, bei „fake“-Ökostrom zu landen, der nur als „grün“ etikettiert wird, weil der Versorger Strom rechnerisch umverteilt oder z.B. aus Skandinavien Grünstrom-Zertifikate zukauft. Diese beziehen sich meist auf längst bestehende Wasserkraftwerke, deren Strom ohnehin im Netz ist. Auf dem Papier bekommt die Stadt dann norwegischen Wasserstrom, dafür erhalten dortige Verbraucher RWE-Kohlestrom. Dem Klima nützen solche Taschenspielertricks genau gar nichts – sie schaden vielmehr, da sie Verbraucher im Glauben lassen, „etwas für die Energiewende zu tun“!

    Wichtiger als die eigene Strombeschaffung ist daher, dass die Stadt bei der Bestückung öffentlicher Dächer mit Solarpaneelen endlich aufs Tempo drückt. Und warum eigentlich keine Windräder auf dem Höhenzug Moitzfeld – Herkenrath – Bärbroich?

    1. Weil die Windkarten keinen ökonomischen Betrieb dort anzeigen.

      Wenn Ökostrom-Kunden nur Ökostrom beziehen würden, würde einigen nachts ein Licht aufgehen, wenn die Lichter ausgehen ;)

      EE können nur zur Unterstützung dienen.

      Kohle und Gas haben in diesem Moment 40% Anteil am Energiemix.
      https://app.electricitymap.org/zone/DE
      Solar nutzt aktuell 5,85% der installierten Leistung und trägt 5% bei.
      Um Gas und Kohle zu ersetzen bräuchte es also in diesem Moment die 8-fache Fläche.

      1. Die Preise für fossile Energien steigen rasant, die für Wind + Solar fallen. Somit gibt es immer mehr Standorte, wo ein „ökonomischer Betrieb“ möglich ist (dass nicht alles ‚ökonomisch‘ sein muss, steht auf einem anderen Blatt).

        Der Rest Ihres Posts ist wohl dem Datum geschuldet…April, April! :-)

      2. „Solar nutzt aktuell 5,85% der installierten Leistung und trägt 5% bei.“

        Das ist natürlich sehr praktisch, wenn man sich ausgerechnet die volatilste EE-Quelle herauspickt. Das ist aber nur eine von vielen, und die sind auch noch breitflächig verteilt.

        „Um Gas und Kohle zu ersetzen bräuchte es also in diesem Moment die 8-fache Fläche.“

        Es verlangt wohl niemand, dass man allein mit Photovoltaik Gas und Kohle ersetzen soll. Dafür ist ein Mix aus verschiedenen EE-Quellen nötig – und natürlich eine ausreichende Kapazität. Dass das geht, zeigt ein Klick auf Ihren Link und dort die Auswahl der Niederlande, die im Moment ihren Strombedarf zu 93% aus EE deckt und dabei auch noch mehr exportiert als importiert.