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Riesiger Applaus beim Publikum und eine schwarze Null: Das ist das Resümee von Tanja Heesen und Roman Salyutov der Operette „Die Fledermaus“, die sie mit großem Team vier Mal im Bergischen Löwen gezeigt haben. Die beiden wollen jetzt nachhaltige Strukturen aufbauen, für weitere Musiktheater-Produktionen. Dafür wünschen sie sich eine breitere und flexiblere Unterstützung – und auch der öffentlichen Hand.

Der Alltag hat sie wieder, aber dennoch blicken sie glücklich zurück. Tanja Heesen und Roman Salyutov haben gemeinsam mit einem großen Team von Ehrenamtlern am vergangenen Wochenende vier Aufführungen der Operette „Die Fledermaus“ auf die Bühne des Bergischen Löwen gebracht.

Sie sind sehr zufrieden, vor allem mit der künstlerischen Leistung.

„Ich habe viele meiner Visionen zum Stück umsetzen können“, berichtet Heesen, auch wenn es hier und da ein Ringen mit den Kreativen gewesen sei. Prunkvoll und üppig geriet die Inszenierung der Regisseurin, mit einigem Tiefgang bei den Figuren.

Tanja Heesen führte die Regie. Foto: Thomas Merkenich

Leichte Muse, schwer zu spielen

Aber auch die Verzahnung der Solist:innen mit dem Orchester sei gelungen, ergänzt Roman Salyutov, Chef am Pult des Sinfonieorchester Bergisch Gladbach. „Operette ist leichte Muse, aber nicht leicht zu spielen“, macht der Profimusiker klar.

Durch die hohen Sprechanteile galt es, das Orchester fokussiert und konzentriert für die anstehenden Einsätze zu halten. Zudem habe man in Agogik (Tempiwechsel) und Dynamik den Vorgaben der Solist:innen folgen müssen. Keine leichte Übung.

Auch für das Orchester eine Premiere

Eine Operette zu begleiten – für die Musiker:innen des Sinfonieorchester Bergisch Gladbach war es eine Premiere. „Wir haben in den Proben immer wieder verschiedene Optionen geübt: Was geschieht, wenn ein Solist auf einem hohen Ton verweilt. Was machen wir, wenn eine Solistin eine Kadenz, also eine freie musikalische Verzierung, einbaut.“

So sei das Ensemble gut für alle Eventualitäten gewappnet gewesen. Und auch der kurzfristige Ersatz für das ausgefallene dritte Horn sei gelungen.

Entsprechend berichten die beiden von positiver Resonanz beim Publikum: „Ich wollte, dass es berauschend wird. Ich denke, das hat funktioniert“, schmunzelt Heesen.

„Selbst Musiker aus dem professionellen Orchesterbetrieb waren vom organischen Zusammenspiel von Bühne und Orchester angetan“, schildert Salyutov.

oman Salyutov mit dem Sinfonieorchester Bergisch Gladbach. Foto: Thomas Merkenich

Von Erfahrung profitiert

Das war keine Kleinigkeit: Immerhin hat das Team innerhalb kürzester Zeit Profis und ambitionierte Amateurmusiker:innen zu einem gestandenen Ensemble in der Königsklasse der Live-Musik geschmiedet – dem Musiktheater.

„Da war einfach eine coole Stimmung im Team“, blickt Hessen zurück, „fast wie auf einer Klassenfahrt“. Zum Schluss sei dann auch die ein oder andere Träne gekullert.

„Die Fledermaus“ ist nach der Don Giovanni-Oper bereits die zweite Inszenierung, da hat man einiges an Erfahrung mitbringen können. „Wir konnten dadurch einige Fehler vermeiden, in punkto Organisation, Aufbau, Aufgabenverteilung und Motivation“, freut sich Tanja Heesen.

„Und wir wurden echte Spezialisten darin, immer wieder tragfähige Notlösungen zu entwickeln“, erinnert sich Salyutov.

Die rezension der aufführung

„Fledermaus“ überzeugt als opulenter Intrigantenstadl mit Tiefgang

Mit einer umjubelten Premiere flatterte die Fledermaus-Operette am Donnerstag in den Bergischen Nachthimmel. Das Team um Tanja Heesen (Regie) und Roman Salyutov (Dirigent) servierte im fast ausverkauften Bergischen Löwen eine saftig-bunte und hochmusikalisch Inszenierung. Drei weitere Aufführungen stehen an.


Schwarze Null

Gemeinsam mit Norbert Brochhagen (Korrepititor) und Yvonne Fuchs (Choreografie) sei man mit viel ehrenamtlichem Engagement und einer gehörigen Portion Passion an die Aufgabe herangetreten.

Der Erfolg gibt ihnen Recht: Am Ende kommt die Produktion wirtschaftlich auf eine „schwarze Null“. Dank des ehrenamtlichen Engagements einer Vielzahl an Beteiligten, dank der vielen verkauften Karten sowie der Sponsoren.

Die Produktion wurde dabei auf mehrere Schultern verteilt: Sinfonieorchester und dessen Förderverein sowie der Musik- und KulturFestival GL e. V. seien als Veranstalter aufgetreten. Kniffliges Kulturmanagement steckt hinter der Fledermaus.

fotoreportage

Die bergische Fledermaus in 3 Aufzügen und 33 Fotos

Die Inszenierung der Operette „Die Fledermaus“ im Bergischen Löwen bietet großartige Musik – aber auch den versprochenen „Karneval für die Augen“. Zur Erinnerung für alle, die im Theater waren, und als Anreiz, noch schnell Karten zu kaufen, zeigt Thomas Merkenich einige Momente aus den drei Aufzügen.


Privatwirtschaftliche Produktion

„Man braucht nunmal Freunde und Förderer, will man Kultur in die Stadt bringen“, wird Heesen deutlich. Dies schließe finanzielles Engagement mit ein. Um eine Finanzierung durch die öffentliche Hand habe man sich nach den Erfahrungen bei Don Giovanni gar nicht mehr bemüht, „das ist zu kompliziert und unflexibel“, sagen die beiden übereinstimmend.

„Kulturförderung besteht eben nicht aus einer Rede vor dem Vorhang, es erfordert mehr“, sagt Salyutov. Er könne sich künftig zum Beispiel Unterstützung bei der Anmietung des Bergischen Löwen durch die Stadt vorstellen. Eine schnelle und unkomlizierte Förderung mit signifikanten Finanzmitteln – das erlebe er durchaus in anderen Kommunen.

Es schwingt etwas Resignation mit wenn er sagt, dass z.B. seine Idee von durch die öffentliche Hand subventionierten Eintrittskarten für ukrainische Flüchtlinge letztlich an Zuständigkeiten gescheitert sei.

Strukturen für neue Produktionen

Gleichwohl: Die Truppe bleibt motiviert und hat weitere Pflöcke für die Zukunft eingeschlagen. Unter dem Namen „Musiktheater Rhein-Berg“ formiert sich das Kernteam um Heesen, Salyutov, Brochhagen und Fuchs, um künftig weitere Produktionen zu stemmen. Welche Rechtsform die Gruppierung einnehme, solle bald entschieden werden.

Damit soll eine Struktur geschaffen werden, mit der zum Beispiel eine Neuauflage der Fledermaus auf die Bühne gebracht werden könnte. „Ich würde es mir wünschen“, meint Heesen.

Salyutov verfügt bereits über Tournee-Erfahrung mit dem Sinfonieorchester Bergisch Gladbach, ähnliches könne er sich für die Musiktheater-Produktionen vorstellen. Da wachse gerade die Organisation, beim Bühnenbild, aber auch bei den Musiker:innen: Nicht jeder könne nebenher eine Woche auf Tournee gehen.

„Nachhaltigkeit entwickeln, technisch und bei der Erarbeitung von Produktionen, darum geht es“ – Salyutov hat wie immer große Pläne.

In Bergisch Gladbach nicht vor 2024

In einem ersten Schritt will das Team die „Zauberflöte“ in Langenfeld auf die Bühne bringen. Das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach soll in Langenfeld spielen, das weitere Team werde vor Ort rekrutiert. Ein Gastspiel in der eigenen Stadt sei jedoch nicht geplant.

In Bergisch Gladbach könne man sich eine neue Inszenierung im Jahr 2024 vorstellen. Hierzu gelte es aber zunächst Mittel zu erwirtschaften. Das habe durch den Konzertbetrieb der verschiedenen von ihm betreuten Ensembles während Corona recht gut funktioniert, so Salyutov.

„Wir danken nochmals allen Ehrenamtlern, durch die die Operette erst möglich wurde“, unterstreichen die beiden abschließend unisono. Und schließen ausdrücklich das Team des Bürgerhaus Bergische Löwen mit ein: „Hier hat man uns hochprofessionell und lösungsorientiert unterstützt.“

Ab in den Urlaub und in den Alltag

Nach dem Konzert ist vor dem Konzert: Roman Salyutov hat bereits wieder Aufführungen gegeben. Und die sind auch in seinem anstehenden Urlaub geplant, beim Besuch seiner Familie in Israel.

Tanja Heesen ist zunächst einmal zurück in den Alltag gekehrt, als Dozentin an der Musikhochschule Köln. „Blattsingen“ und „Solfège“ (spezielle Singübungen) stehen auf dem Programm: „Mein Urlaub folgt in den Semesterferien.“

Es läuft weiter, beim Musiktheater-Team.


Hinweis der Redaktion: Unser Fotograf Thomas Merkenich arbeitet an eine weiteren Fotoreportage: hinter den Kulissen, im Orchestergraben und in der Garderobe. Einige der Fotos zeigen wir hier oben vorab, sehr viel mehr kommen noch. Bleiben Sie dran!

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Das alles war und ist absolut bewundernswert! Ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten!