Bürgermeister Frank Stein. Foto: Thomas Merkenich

Gut fünf Monate nach der Verabschiedung hat der Landrat als Kommunalaufseher den Haushalt 2022 der Stadt Bergisch Gladbach genehmigt – und gibt ihr den Mahnung mit, die Finanzen wieder in den Griff zu bekommen. Genau daran, sagt Bürgermeister Frank Stein, werde bereits hart gearbeitet.

Vollgas geben, auf der Bremse stehen und nicht ins Schleudern geraten – dieses Experiment führt die Stadt Bergisch Gladbach gerade durch. Bei geplanten Ausgaben in Höhe von 376 Millionen Euro fehlen laut Haushaltsplan am Jahresende 43 Millionen Euro, die aus den Rücklagen genommen werden müssen. Die aber schnell abschmelzen.

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Kein Wunder also, dass der Landrat bei seiner Genehmigung des Haushalts 2022 eine Mahnung mitgibt: Die Bergisch Gladbach stehe vor der „gewaltigen Herausforderung, ihre Finanzsituation wieder in geordnete Bahnen zu lenken“, heißt es im Begleitschreiben, berichtet die Stadt in ihrer Pressemitteilung.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Derzeit laufen die städtischen Finanzen nicht in geordneten Bahnen.

Dennoch fühlt sich Bürgermeister Frank Stein durch die Mahnung des Landrats in seinem eigenen Handel bestätigt. Denn auf sein Drängen hin hatte der Stadtrat im Dezember nicht nur das Rekorddefizit genehmigt, sondern gleichzeitig ein Sparprogramm in Form eines Haushaltsbegleitbeschlusses verabschiedet.

„Dahinter steht das Anliegen der gesamten Verwaltungsführung, eine nachhaltige Haushaltswirtschaft zu sichern,“ sagt Stein.

Im Klartext: Nach dem tiefen Schluck aus der Pulle, der für die Investitionen in Schulen, in das Zanders-Gelände und vor allem für zusätzliches Personal erforderlich sei, muss das Ruder herumgelegt werden. Denn sonst droht die Stadt wieder in das Haushalts-Sicherungskonzept zu geraten – und bei ihren Finanzentscheidungen massiv eingeschränkt zu werden.

„Eine erneute kommunale Mangelwirtschaft und die gravierende Einschränkung unserer finanziellen Selbstbestimmung gilt es aber in Bergisch Gladbach unter allen Umständen zu verhindern”, betont der Bürgermeister. Was nicht einfach sein, denn die Stadt müsse „die ständig wachsenden Aufgaben mit einer Finanzdecke zu bewältigen, die in vielen Richtungen reichlich kurz ist.“

Kämmerer Thore Eggert, der für die Umsetzung zuständig ist, ergänzt: „Die Rückmeldung des Kreises bestätigt, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, richtig und gut ist. Es gilt jetzt nachhaltige Effekte zu generieren, die uns eine eigenständige und zielgerichtete Haushaltsbewirtschaftung ermöglichen. Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Ziel gemeinsam erreichen werden.“

Was das heißt, „nachhaltige Effekte zu generieren“, hatte die Verwaltung im Haushaltsbegleitbeschluss ein wenig konkreter festgeschrieben, daran erinnert sie jetzt noch einmal:

  • Strategische Haushaltskonsolidierung mit Produktanalyse und Definition von Stadtentwicklungszielen
  • Optimierung der internen Ablauforganisation
  • Zanders-Konversion – möglichst zeitnahe Realisierung von Erträgen
  • Durchgängige Kontrolle der Ausgleichsrücklage mit der Möglichkeit unterjähriger Gegensteuerungsmaßnahmen in der Haushaltswirtschaft 
  • Strukturelle Verbesserung der Gewerbesteuereinnahmen
  • Einhaltung von Spielregeln einer freiwilligen Haushaltssicherung:
    • Konsumtive Sparsamkeit zur Ermöglichung notwendiger Investitionen, insbesondere in den Bereichen Schulbau, Straßenbau und Klimaschutz
    • Restriktive Handhabung zusätzlicher freiwilliger Leistungen und höherer Standards bei Pflichtaufgaben
    • Priorisierung größerer und großer Investitionsmaßnahmen nach Wirtschaftlichkeit
    • Interfraktioneller Arbeitskreis „Nachhaltige Haushaltswirtschaft“

In diesem Jahr seien bereits erste Maßnahmen ergriffen worden: „die Begrenzung bei der Einrichtung zusätzlicher Stellen sowie Reformen der städtischen Beteiligungen und der Verwaltungsstrukturen“.

Zunächst einmal will und muss die Stadt jetzt neues Personal einstellen, denn die Fachkräfte fehlen an allen Ecken und Ende. 65 neue Stellen sieht der Haushalt vor; sie konnten bislang nicht ausgeschrieben werden, weil die endgültige Genehmigung noch fehlte.

Bis zum Jahresende wird die Stadtverwaltung wahrscheinlich nur einen Teil der Stellen besetzen können, weil es an qualifizierten Bewerber:innen fehlt.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Die Reaktionen von Bürgermeister und Kämmerer auf die Kritik vom Landrat sind beunruhigend. Nichts Neues, Verbreitung von “das wird schon”, mehr Sand in die Augen der Bevölkerung streuend als Substanzielles, 65 (in Worten fünfundsechszig) neue Mitarbeiter ohne finanzielle Grundlage und Generierung von nutzlosen Fahrradwegen, für deren Entstehen bereits Hunderttausende ausgegeben wurden und noch werden sollen.

    Der Kämmerer spricht von Vorhaben, die längst zur täglichen Pflicht unserer armen Stadt gehören sollten, der Bürgermeister wandelt die fällige Kritik des Landrates in vorauseilenden Gehorsam der Stadt um und schwabuliert von einer “nachhaltigen Haushaltswirtschaft”. Es scheint, man strebt eine Konsolidierung mittels des Schwergewichts ZANDERS an, was durchaus zur Verramschung des Filetsstücks unserer Stadt führen könnte.

    Einige der Schwerpunkte, die sich die Stadtverwaltung verfolgen möchte, könnte sie verwirklichen, hätte sie auch in früheren Legislaturperioden nicht auf eigene Ideen denn auf Notwendigkeiten gesetzt und viel Geld (siehe Bahndamm) für a priori unduchführbare Pbjekte nicht ausgegeben.

  2. ich freue mich über die “Absichtserklärung“ in den aufgeführten Vorhaben zum kommenden Haushalt „nachhaltige Effekte zu generieren“ um …..Strassen ??zu bauen. Hier handelt es sich doch sicher eher um Fahrradwege! Unsere Strassen müssen dringendst saniert werden, die Radfahrer könnten ja sonst durch die vielen Schlaglöcher an der Benutzung gefährdet werden! Ironie aus.

  3. Eine „Nachhaltige Haushaltswirtschaft“ erklären die Herren Eggert und Stein als Lösungsansatz, um die Finanzsituation der Stadt wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

    Frage: Ist diese Art der Haushaltsführung nicht selbstverständlich für eine Stadtverwaltung?

    Insofern ist zu klären, was damit – Neues – gemeint ist. Was ist das Ziel? Ist geplant, die großen Defizite im Haushalt zu beseitigen oder will man – wie bisher – lediglich um eine Haushaltssicherung herum kommen und die wachsenden Schulden weiter vor sich her schieben?

    Und, wie realistisch wäre in den kommenden Jahren eine spürbare Defizitbeseitigung (bisher geplant für 2022: Neben 40 Mio. Defizit soll eine Verdoppelung der Verschuldung auf 600 Mio. erfolgen. Für 2025 beträgt das geplante Haushaltsdefizit bereits 55 Mio.).

    Das im Beitrag erwähnte Sparprogramm wird jedenfalls nicht annähernd ausreichen, um aus den roten Zahlen zu kommen. Außerdem ist dieses Programm alles andere als neu. Und bisher ist nahezu nichts passiert.

    Auch der Wunsch nach steigendem Gewerbesteueraufkommen durch neue Gewerbegebiete (wie es in der Presse zu lesen ist) wird keine spürbare Entlastung bringen. Im Zweifel würde dieses zusätzliche Steuervolumen ohnehin um Jahre zu spät kommen. Außerdem geht es in der Wirtschaft vor dem Hintergrund der Krisen wahrscheinlich ohnehin leider nicht aufwärts. Von den Aspekten des Klima- und Umweltschutzes einmal ganz abgesehen.

    Bleibt noch die Erhöhung von Abgaben oder Steuern: Wenn das die Lösung ist, sollte der Bürgerschaft (und ggf. der Wirtschaft) das mitgeteilt werden. Im Haushaltsbegleitbeschluss ist davon nichts zu lesen.

    Unterm Strich:

    Die Bürgerschaft hat einen Anspruch auf Transparenz darüber, was auf sie zukommt. Keine „fiktiven“ Zahlen mehr. Keine Regelungen in Hinterzimmern. In den kommenden Monaten wird sich dann hoffentlich herausstellen, wie (ernst) „Nachhaltigkeit“ und „Wirtschaften“ gemeint sind.

    Eines jedenfalls ist klar: Erst einmal werden die Ausgaben um 4 – 5 Mio. Euro jährlich steigen. Denn die 65 zukünftig zusätzlichen MitarbeiterInnen wollen zu Recht bezahlt werden.

    Und es ist sehr wahrscheinlich, auch wenn ich das nicht wahr haben möchte (wie sicherlich viele andere auch, die bisher das Gelände oder die aktuellen Planungen kennengelernt haben): Man wird jetzt konkret darüber nachdenken, wie man das Zanders-Gelände möglichst schnell zu Geld machen kann.