Theresia Meinhardt, Ko-Vorsitzende der Fraktion der Grünen im Stadtrat. Foto: Thomas Merkenich

Theresia Meinhard ist Ko-Fraktionsvorsitzende der Grünen in Bergisch Gladbachs Stadtrat – und macht sich für das umfassende Klimaschutzkonzept der Stadt stark. Es steht in wenigen Tage zur Abstimmung an – doch die Aussichten, dass es es Gesamtkonzept verabschiedet wird, schwinden. Daher richtete sich Meinhardt in einem „persönlichen offenen Brief“ an den Stadtrat und an die Bürgerschaft.

In den letzten Wochen habe ich einige Diskussionen mit den Kolleginnen und Kollegen der CDU, FDP und FWG zum Klimaschutzkonzept geführt. Sehr erfreulich ist zunächst, dass sich grundsätzlich alle dazu bekennen, dass wir ein Klimaschutzkonzept für unsere Stadt brauchen. 

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Danach geht leider unmittelbar die Ja aber Diskussion los. 

  • Ja aber, das können wir uns nicht leisten.
  • Ja aber, die nachfolgenden Generationen müssen finanziell nicht überbelastet werden.
  • Ja aber, das müssen Kreis/Land/Bund oder Verbraucherzentrale machen.
  • Ja aber, die Zahlen sind doch veraltet und seit 2020 haben wir doch schon viel geschafft.
  • Ja aber, wir wollen die Bürgerinnen und Bürger nicht umerziehen.

Die Liste ließe sich fortsetzen.

Die Frage ist doch: Wollen wir uns endlich unserer Verantwortung stellen und auch in Bergisch Gladbach Klimaschutz effektiv und verantwortungsvoll voranbringen?

Der Kollege Wagner von der CDU hat im letzten Planungsausschuss gesagt „Wir müssen die Bürger mitnehmen!“ Ja genau, lieber Kollege. Genau darum geht es.

Die Stadt hat ein integriertes Klimaschutzkonzept für die ganze Stadt vorgelegt und nicht nur für die Reduzierung der 2 Prozent Emissionen, die aus den städtischen Liegenschaften resultieren. Marketing, Beratungsangebote und das Bekanntmachen von Best-Practice Beispielen sind essenzielle Bausteine, um die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und zu beraten. Ziel ist, eine Dynamik zu entfachen, die den Weg in die Klimaneutralität positiv begleitet. 

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Wie Bergisch Gladbach den Klimaschutz voranbringen will

Mit dem Entwurf für das Integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt Bergisch liefern die Klimaschutzmanagerinnen eine gründliche Bestandsaufnahme, spüren Verbesserungspotenziale auf, entwickeln eine Strategie und listen jede Menge konkreter Maßnahmen auf. Jetzt geht der Entwurf in die Beratung der Ausschüsse – wir haben schon einmal einen Blick hinein geworfen. Dabei fällt auf: den größten Teil der Einsparungen müssen die privaten Haushalte liefern.

Niemand spricht von umerziehen! Das ist reine Polemik, liebe FDP

Die Bürgerschaft ist erfreulicherweise viel weiter. Die Klimaschutzstelle erhält schon heute eine Fülle von Anfragen zu Photovoltaik, energetischem Sanieren, zur Wärmeplanung, zu Recyclingthemen usw.

Im Rahmen ihrer Kapazitäten werden diese Anfragen auch beantwortet oder weitervermittelt. Klar ist aber auch, dass dadurch viele andere Dinge liegen bleiben, die nicht liegen bleiben dürfen!

Hinweis der Redaktion: Das Bürgerportal steht neben seiner eigenen redaktionellen Arbeit für alle Vereine, Initiativen, Institutionen und demokratischen Parteien der Stadt als Plattform zur Verfügung. Bei diesem Text handelt es sich um einen Beitrag von Theresia Meinhardt, der Ko-Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Stadtrat.

Keine Doppelstrukturen

Das Konzept sieht nicht vor, dass wir Doppelstrukturen aufbauen wollen. Es geht um Multiplikation, um Vernetzung und um das Bekanntmachen von Beratungsleistungen, die schon andere erbringen.

Dafür braucht es Menschen in der Verwaltung, die diese Informationen sammeln, sie für die Homepage der Stadt aktuell aufbereiten und Best-Practice Beispiele zur Nachahmung bekannt machen. Ein Beispiel ist der Vorgartenwettbewerb – den hatte die CDU beantragt und auch bekommen. 

Der Kreis berät aber eben nicht, wie immer behauptet, zu einer möglichen PV-Installation – er organisiert und rechnet eine Förderung ab.

Die Bauaufsicht braucht dringend Unterstützung, um mehr Beratungsleistungen zu energetischem Sanieren anzubieten und für den Aufbau der E-Ladesäulen Infrastruktur gibt es zwar ein kreisweites Konzept, aber die planerische Koordinierung auf städtischem Gebiet muss schon von uns gemacht werden. Gleiches gilt für den Aufbau der Mobilstationen. 

Weniger Abfall, weniger Fleisch

Das Aufregungspotential bei Maßnahmen wie „Abfalltrennung in der Stadtverwaltung“ oder „fleischarmes/fleischloses Essen in der Schule“ ist erwartbar hoch.

Mülltrennung lernt man in der 4. Klasse, habe ich mir von Kollegen vorhalten lassen. Fakt ist aber, bisher gibt es in der Stadtverwaltung keine gelben Säcke. Es gibt nur Papier und Restmüll.

Beim Thema Fleisch in der Schule bin ich zuversichtlich, dass dies von Seiten der Schule und der Elternschaft sowieso immer häufiger eingefordert wird. Auch hier ist die Bürgerschaft viel weiter als manche in der Politik meinen. Wenn dies also aus dem Konzept gestrichen werden sollte, ist dies bedauerlich, aber die Welt geht davon nicht unter.

Sie wird aber immer ungemütlicher, wenn wir weiter zu wenig tun.

Die Folgekosten des Nichtstun steigen immer weiter

Es ist mittlerweile eine Binsenweisheit, dass Nichtstun zu immer höheren gesellschaftlichen Folgekosten führt. Jeder Euro, den wir vor Ort in Klima- und Umweltschutz und in Klimaanpassungsmaßnahmen stecken, ist um ein Vielfaches rentierlich (vgl. nachfolgendes Rechenbeispiel).

Zudem ist das Klimaschutzkonzept ziemlich auf Kante genäht und zeigt nur einen Pfad auf, wie Bergisch Gladbach das 1,75° Grad Ziel erreichen kann. Von dem eigentlich 1,5° Grad Ziel sind wir weit entfernt!

Wer also Maßnahmen aus dem Integrierten Klimaschutzkonzept herausstreichen möchte, muss sagen, wie wir an anderer Stelle mehr Tempo machen.

Kein Haus ohne Fundament und Fenster

Ein filetiertes Klimaschutzkonzept ist wie der Versuch, ein zukunftsfestes Haus zu bauen, dem das Fundament und die Fenster fehlen. Solange die Sonne scheint und der Wind nur mäßig weht, kann man sich über die eingesparten Kosten freuen. Wenn es aber ungemütlicher wird, dann muss man sich Fragen gefallen lassen.   

Deswegen drehen wir den Spieß doch mal herum!

Ja aber, wie stellen sich die Filetierer vor, dass Bergisch Gladbach bis 2045 klimaneutral wird?

Ja aber, was gedenkt ihr zu tun, um unsere Bürgerinnen und Bürger angemessen zu informieren?

Ja aber, wie wollen wir ohne diese Information die Halbwertszeit von Erinnerungen erhöhen, wo doch schon heute die Flut von 2021 mit ihren desaströsen Folgen auch in Bergisch Gladbach schon vergessen scheint?

Ja aber, wer zahlt die horrenden Folgekosten, wenn wir jetzt nicht genügend handeln?

Ja aber, wie wollen wir die gesetzlich vorgeschriebenen und damit demokratisch legitimierten Vorgaben erfüllen, wenn wir die Latte nicht endlich höher legen? 

Überwinden wir diese Diskussion und bekennen uns ohne Wenn und Aber zum Klimaschutz!

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Hintergrund: Ein Rechenbeispiel

Das Umweltbundesamt gibt an, dass eine Tonne CO2 einen volkswirtschaftlichen Schaden von mindestens 180 € verursacht und bei generationengerechter Ermittlung gar 640 € zum Ansatz zu bringen wären.

Das Klimaschutzkonzept weist für Bürger*innen aus Bergisch Gladbach den sehr niedrigen Wert von 5,2t CO2/Kopf aus. Dies liegt an der etwas speziellen Bilanzierungslogik, die für Kommunen verwendet wird und nicht alle Aspekte berücksichtigt. Nur die in der Gemeinde erzeugten Emissionen werden betrachtet, womit die KfZ-Fahrt-Emissionen und insbesondere die Flug-Emissionen außen vorbleiben.

Im Durchschnitt emittieren wir Deutsche 9t CO2eq/Kopf. Da Bergisch Gladbach eine überdurchschnittliche Kaufkraft hat, liegen wir vermutlich etwas darüber.  Rechnen wir also mit dem realistischeren Wert von 9t CO2eq/Kopf, weil wir volkswirtschaftlich gesehen Teil des Gesamtkonsums sind.

Dann fügt jeder Bürger aus Bergisch Gladbach der Umwelt einen Schaden von mindestens 1620 €/Jahr zu. Damit emittieren wir 110.000 Einwohner rund 1 Mio.t CO2 pro Jahr und verursachen damit einen Schaden von 180 Mio €! 

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Klimaschutz zwischen Dringlichkeit und politischer Realität

Bei einer stark besuchten Veranstaltung haben die Grünen über das geplante Klimaschutzkonzept der Stadt Bergisch Gladbach informiert; drei externe Referent:innen sorgten für Aufbruch-Stimmung und warben für eine starke, positive Kommunikation in die ganze Stadtgesellschaft hinein. Doch genau an diesem Punkt könnte das Projekt im Stadtrat scheitern, warnte Bürgermeister Frank Stein.

Rechnen wir es einmal weiter durch. Die Maßnahmen sind mit ca. 400.000 € pro Jahr angesetzt zzgl der Personalkosten für 6 neue Stellen von ca. 450.000 €/a. Das wären also Kosten von grob 1 Mio/pro Jahr.

Als Gesamteinsparvolumen aller quantifizierbaren Maßnahmen gibt das Klimaschutzkonzept bis 2037 grob 22.000t CO2 an. Unterstellen wir daher, dass 50 % der Maßnahmen eine Wirkung bis 2030 erzielen werden und mindestens 20 Jahre wirken (bauliche Maßnahmen wirken eher länger).

Dann haben wir für 6 Mio € Einsatz, 11.000t CO2 eingespart, die 20 Jahre wirken. Jede Tonne kostet uns somit gut 27 €. Von den Kosten ließe sich noch der Anteil eingeworbener Förderungen abziehen, die Investitionen und Steuereinnahmen nach GL bringen. Damit könnten die Kosten deutlich niedriger, gar überkompensiert werden. Schon daran ist sichtbar, dass die Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts kaum zu teuer sein können. 

Eine Abbildung aus dem Konzept, zeigt die die Wirkmacht von kommunaler Beratung auf die verschiedenen Handlungsfeldern (PHH: Privathaushalte; GHD: Gewerbe/Handel/Dienstleistungen):

Dokumentation: Das Klimaschutzkonzept

Stadtrat Bergisch Gladbach Bündnis '90/ Die Grünen

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  1. Sehr geehrte Frau Meinhardt,

    auch ich kann Ihnen ein „ABER“ hinter meinem „JA“ leider nicht ersparen. Dabei ist dies genau das, was Sie nicht mehr hören wollen.

    Zuerst jedoch vielen Dank dafür, dass Sie sich für den Schutz unseres Klimas engagiert einsetzen. Über die wirkungslose Erklärung des Klimanotstandes sind wir in Bergisch Gladbach in den vergangenen Jahren tatsächlich kaum hinaus gekommen. Es ist höchste Eisenbahn.

    Insofern sage ich als Bürger klar „JA“ zu einer konzeptionell begründeten Vorgehensweise zur Reduzierung der Treibhausgase (THG). Deutliches „JA“ auch dazu, dass die Stadtverwaltung sich dabei für ihren eigenen Entscheidungsbereich inzwischen zu einer Vorreiterrolle bekennt. Eine solch deutliche Art von Commitment ist neu.

    Zum vorliegenden Konzept kann ich Ihnen allerdings ein (weiteres) „ABER“ leider nicht ersparen, wie schon gesagt.

    Der Hintergrund für mein „ABER“:

    Neben umfassenden Statistiken, detaillierten Zahlenanalysen und Hintergrundinformationen besteht das Konzept aus einer Liste möglicher Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgase (THG) in Bergisch Gladbach. Für mich ist dieser Teil (diese Liste) der Kern des Konzeptes, da er besondere praktische Relevanz hat.

    Ausgerechnet in diesem Kern bleibt das Konzept leider unklar: Bei fast jeder der aufgelisteten ca. 50 Maßnahmen fehlt eine (belastbare) Angabe darüber, wie groß ihr Effekt sein könnte (= Reduzierung der THG).

    Dieses Konzept und das Maßnahmenpaket jetzt komplett zur Umsetzung zu beschließen, wäre daher ein Blindflug. Die Wahrscheinlichkeit der Fehlinvestition von Zeit und Geld wäre hoch. Und beides ist knapp. In diesem Fall die Zeit ganz besonders. Die Einstellung zusätzlichen Personals erfolgte möglicherweise an der falschen Stelle. Im Text ist von 19 MitarbeiterInnen die Rede, die notwendig sind, um alle Maßnahmen weiterzuführen. Das ist nicht wenig.

    Warum machen Sie das Konzept also nicht entscheidungsreif, indem sie die Maßnahmen konkretisieren und deren Umsetzungspotential nachvollziehbar quantifizieren? Der Blindflug könnte so vermieden werden werden.

    Um darüber hinaus Tempo in die Umsetzung zu bringen, sollte sich das Konzept zusätzlich vorerst auf eine handvoll der vielversprechendsten Maßnahmen fokussieren (neben den gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen, dem Hochwasserschutz und den übliche kleinen und nützlichen Dingen).

    Z.B. könnte die Belkaw könnte umgehend damit beginnen grünen Strom einzukaufen – sofern der Klima-Nutzen nachweisbar ist. Mit dieser einzigen Maßnahme wäre man schon fast zur Hälfte am Ziel, gemessen an der dargestellten THG-Reduktion. Mit einem ambitionierten Installationsprogramm von Solaranlagen auf den Dächern zusätzlich käme man wahrscheinlich schon auf zwei Drittel.

    Eine solche Fokussierung hat Herr Migenda letzte Woche bei der Informationsveranstaltung in der Fachhochschule (FHDW) bereits vorgeschlagen. Dort hat er deutlich für die Anwendung der Pareto-Prinzips bzw. der 80/20-Regel geworben, also 80 Prozent Erfolg mit 20 Prozent Aufwand bei der Umsetzung des Konzeptes.

    Warum folgen Sie selbst Herrn Migenda nicht, sondern bestehen auf der Durchsetzung des gesamten Paketes, so wie es ist?

    Mein „ABER“ würde sich mit der beschriebenen Konkretisierung und Fokussierung der Maßnahmen jedenfalls auflösen. Dann könnte man aus meiner Sicht das Konzept beschließen.

    Und viel wichtiger – die übrigen Teile des Stadtrates könnten sich einer derartig nachvollziehbaren Vorgehensweise wohl kaum entziehen.

    Am wichtigsten aber: Das Konzept hätte eine praktische Erfolgschance, ohne sich in einer Vielzahl ungewisser Maßnahmen zu verzetteln.

    Denn es geht doch darum, möglichst zügig und nachhaltig die THG-Emissionen zu reduzieren! Es geht nicht darum, möglichst schnell ein Konzept vorweisen zu können.

    Ich hoffe, mit diesem letzten Satz spreche ich in Ihrem Sinne.

    Freundliche Grüße
    Hanns-Eberhard Schulze

    P.S.: Ich als Bürger benötige ich von meiner Stadtverwaltung keine zusätzliche Aufklärung oder ein Marketing in Sachen Konsumverzicht oder Klimaschutz. Davon gibt’s in Deutschland weit mehr als genug. Dies könnte man aus meiner Sicht aus dem Konzept streichen.

    1. Sehr geehrter Herr Schulze,

      viele Ihrer Punkte kann ich nachvollziehen, deshalb ein herzliches Dankeschön für das konstruktive Kommenieren meines Artikels und vor allem für den letzten Satz.

      Trotzdem kommt jetzt natürlich wieder mein ABER:

      -genau das Konkretisieren wollen wir ja nun machen. Das Konzept ist der Leitfaden für die nächsten Jahre. Das heißt aber nicht, dass jede Maßnahme nun unumstößlich so und nicht anders durchgeführt werden wird. Das Konzept soll fortgeschrieben, angepasst und gegebenenfalls auch geändert werden, bzw. neu priorisiert. Es soll leben! Zudem wird für jede Maßnahme, die nicht mit Boardmitteln durchgeführt werden kann, eh noch einmal im zuständigen Fachausschuss diskutiert werden.

      -es geht also mitnichten um einen Blindflug, sondern um lernendes Handeln!
      -deswegen hat Herr Migenda ja auch völlig recht: mit den einfachen und wirkungsvollsten Maßnahmen beginnen!
      Genau das ist der Plan.

      -daher denke ich auch nicht, dass sich die Verwaltung in wenig wirkungsvollen Maßnahmen verzetteln wird

      -unmöglich ist aber Ihre Forderung – so lese ich dies zumindest – zunächst jede vorgeschlagene Maßnahme auf die möglichen tCO2 eq Reduktionen genau durchzurechnen. Wo dies möglich ist, wurden diese Angaben im Konzept gemacht, Vieles bleibt aber schwer zu quantifizieren. Gerade bei den Klimabildungsmaßnahmen – die ja besonders in Ihrer Kritik (FWG) sowie FDP und CDU stehen – würde ich doch davon ausgehen, dass hier ein enormer Hebel besteht.

      Gerade gestern startete eine dieser Maßnahmen: der Walking-Bus für die Grundschulkinder in Refrath/In der Auen. Kinder laufen gemeinsam nach “Fahrplan” zur Schule, anstatt von den Eltern mit dem Auto gebracht zu werden. Das sind genau die Maßnahmen, die u.a. aus den Klimabildungstopf bezahlt werden sollen. Aber wie sollen wir nun berechnen, wie groß die CO2 Reduktion genau ist?

      Dass Sie persönlich keine Beratung zu zB PV brauchen, ist mir klar. Die Realität für unsere 2 Klimamangerinnen ist aber eine andere. Sie berichten von einer Fülle von Anfragen! Sollen die alle ins Leere laufen? Wir berechnet man die CO2 Reduktionsausfälle, weil die Stadt zu schlecht beraten hat?

      Außerdem sollen mitnichten 19 neue Stellen geschaffen werden. Es sind 6 neue Stellen vorgesehen. Die restlichen Maßnahmen sollen von den bestehenden Mitarbeitenden umgesetzt werden. Die brauche nun aber endlich einen genauen Fahrplan, damit sie noch mehr Fahrt aufnehmen können.

      Ich würde es wirklich sehr begrüßen, wenn die FWG dem Konzept zustimmt und dann bei den konkreten Maßnahmenbeschlüssen genau hinsieht und bewertet nach Kosten/Nutzen.

      Aber jetzt müssen wir erst einmal ein Konzept haben – sonst gibt es für viele der Maßnahmen auch keine Möglichkeit an Fördermittel zu kommen. Und dann verlieren wir noch mehr Zeit.

      Auch die BELKAW wird ihren Teil leisten.

  2. Ich habe mich sehr über den “Ja, aber” Artikel von Theresia Meinhard gefreut und stimme ihr inhaltlich und sachlich voll zu. Sie kommt ohne Polemik daher und benennt die Probleme im Kern. Genau wie der Kommentar von Lothar Esser, dem ich sehr zustimme.

    Auch ich gehöre keiner politischen Partei an, merke aber, wie alle klimabesorgten Bürger*innen von Bergisch Gladbach vermutlich auch, wo mir ein “X” für ein “U” vorgemacht werden soll.

    Alle Fraktionen, mit Ausnahme der AfD, bekennen sich vollmundig zum Klimaschutz, aber es herrscht immer noch das alte Prinzip: “Wasch’ mir den Pelz, aber mach’ mich nicht nass”. Klimaschutz zum Null-Tarif gibt es nicht. Wer jetzt die nötigen Investitionen in die Zukunft nicht tätigt, lastet alle Kosten und Folgen auf die Schultern unserer Kinder und Enkelkinder. Wieviel Klimaschulden wollen wir denn noch aufhäufen?

    Es geht um die schnelle Umsetzung des IKSK der Stadt, die Zeit des Zerredens ist vorbei, die Bedenkenträger*innen und Nein-Sagenden können sich nicht auf die Mehrheit von uns Bürger*innen berufen. Ein Exkurs zur Atomkraft sei mir erlaubt.

    Wenn Sie, Dr. Alban, den totgerittenen Gaul “Kernenergie” erneut satteln wollen, tun Sie das, aber verbreiten Sie keine Desinformationen mehr. Diese Hochrisiko-Technologie ist weder klimaneutral, noch sinnvoll, noch zielführend. Es gibt kein sicheres Endlager für den strahlenden, radioaktiven Müll weltweit, geschweige denn in Deutschland. Ich will in dieser unseligen Diskussion nicht zu sehr in die Tiefe gehen, aber verweise nur auf ein Detail der Uran-Beschaffung. Frankreich und andere Länder mit AKW’s beziehen einen Großteil des Uran aus Niger, wo gerade das Militär geputscht hat. Frankreich wird große Probleme bekommen, weil ein Exportstopp vom Militär verhängt wurde. Die anderen Uran-Quellen in Kasachstan und Kanada können zwar liefern, aber unter welchen Bedingungen? Es ist insgesamt ein schmutziges, blutiges Geschäft, mit dem der erneuerbaren Energien in keinster Weise vergleichbar.

    Zurück nach Bergisch Gladbach. Ich wünsche mir sehr, dass das IKSK doch noch eine Mehrheit im Rat findet. Endlich umsetzen. Endlich machen.

      1. Ist diese Frage ernst gemeint? Es lässt sich sehr leicht herausfinden, dass der „Martin Häusling“, auf den Ihr Link verweist, EU-Abgeordneter der Grünen mit Wohnsitz Wiesbaden ist. Mit dem Martin Häusling aus Bergisch Gladbach, der hier mitdiskutiert, ist er nicht identisch.

  3. Auf Bundesebene hat die Merkel-Regierung den Klimaschutz massiv untergraben (Rückbau der Solar-Subventionen, was die Solar-Industrie in Deutschland zerstört hat, Verschleppung des Ausbaus von Windkraftanlagen (Altmeyer-Delle), fehlender Fortschritt des Ausbaus der Nord-Süd-Stromtrassen). Dazu hat sie und zuvor die SPD uns in eine Abhängigkeit des russischen Kriegs-Diktator Putin getrieben.

    Auf lokaler Ebene wollte uns die CDU federführend (allerdings auch FDP und SPD…) in eine Zupflasterung von Klima-relevanten Flächen mit Wohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Industrie treiben, um Probleme von Köln „zu lösen“ – was unsere Klima-Situation massiv verschlechtert hätte.

    Und das, obwohl mehr als genug alternative Flächen zur Verfügung standen und unter wissentlichem Ignorieren dieser und vieler anderer Fakten (Generationswechsel, Ausbaureserven usw.).

    Ich bin kein Parteimitglied irgend einer Partei, möchte mich aber mal ausdrücklich bei der Partei „Die Grünen“ sowie speziell bei Theresia Meinhard bedanken für ihren unermüdlichen Einsatz für die Bürger von Bergisch Gladbach!! Endlich werden mal Dinge in Bergisch Gladbach (und auf Bundesebene) angepackt, die bisher nur verzögert wurden – aus welchen Interessen auch immer…!

    Echte Reformen scheinen nicht die Stärke der anderen Parteien zu sein. Das die CDU inzwischen Respekt vor dem Wähler hat, ist wohl ein Ergebnis ihrer eigenen Politik, die zur Abwahl der „großen Koalition“ bei der letzten Ratswahl und der aktuellen Rot/Grünen Koalition geführt hat. Ein Ergebnis falscher, am Bürger vorbei gemachter Politik.

    Lieber Rat: traut euch doch und macht eine Umfrage/Abstimmung, gerne auch online. Das ist relativ einfach umzusetzen und ihr erfahrt, was den Bürger wirklich umtreibt.

    1. Ohne Subventionen war die PV-Industrie nicht wirtschaftlich? Ich dachte der Strom kommt da umsonst, dann kann eine Anlage doch ruhig teuer sein ;)

      Merkels Fehler war es, aus wahltaktischen Gründen, die Kernenergie abzusägen, anstatt sie auszubauen. Geholfen hat es weder ihren Wahlergebnissen noch dem Klima.
      Daten von heute Morgen 8:00
      Deutschland 549 gCO2/kWh
      Frankreich 61 gCO2/kWh, als nur knapp ein Zehntel und mit über 4% der größte Importeur von Strom unserer Nachbarn.

      Solang Grüne weiter gegen Kernenergie sind, brauchen die mir nicht mit Ihren Vorgaben und Wünschen nach Degrowth kommen.

      Und die Zupflasterung der Flächen ist dem Druck der Zuwanderung geschuldet.
      Der Wanderungssaldo laut Destatis für 2015-2022 liegt bei 4,79 Millionen Menschen. Da soll man nicht bauen müssen? Wo sollen die wohnen?

      Wenn man Ihren Text liest, braucht man sich nicht wundern, dass diese Partei immer noch im zweistelligen Bereich liegt.

      1. #Dr.Alban Sie haben vergessen, die aktuellen Tageswerte für Plutonium- und andere Atommüllproduktion mit abzubilden. Ich bitte um Nachbesserung.

      2. Dafür gibt es Lager, siehe Finnland und bald Schweiz.

        Denke, dass dies das kleine Übel ist, wenn es darum geht, den CO2 Ausstoß zu reduzieren. Zumindest ähnlich der Giftstoffe aus WKA und PV Produktionen aber um Längen besser als Tonnen an Kohle zu verbrennen.
        Warum muss DE da einen alleinigen Weg in der EU gehen und als schlechtes Beispiel dienen?

      3. Ich glaube, da ist der Blickwinkel durch zu wenige und falsche Infos getrübt…

        Die Solar-Industrie ist nicht am Geldbeutel der Bürger oder der Effizienz der Solaranlagen gescheitert sondern am Preisdruck der Asiaten. Die Subventionen für die deutschen Hersteller hat die CDU abgebaut und damit den Untergang einer ganzen Branche in Deutschland verschuldet.

        Die Zuwanderung gleicht gerade mal den Geburtenrückgang aus. Diese von Ihnen falsch dargestellten Werte helfen in der Diskussion nicht. Junge Menschen drängen in die Großstädte und die Mieten steigen ins unbezahlbare. Das führt dazu, dass die, die sich das nicht leisten können, ins Umland (BGL) abwandern.

        Der Ausstieg aus der Kernenergie war ein wichtiger und absolut richtiger Schritt, da es mit Abstand die teuerste Energie ist (Kosten für Rückbau und Lagerung einkalkuliert) und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland noch weiter unattraktiv macht. Das aber zu tun ohne Alternativen voranzutreiben war die eigentliche Katastrophe der Politik der CDU. Solarparks, Windparks, private PV, Stromtrassen – alles verschleppt anstatt voranzutreiben.

        Schuld am Dilemma sind hier eindeutig CDU und SPD. Die Grünen versuchen es aktuell mit massiver Kraftanstrengung noch hin zu bekommen. Die von Ihnen aufgeführten Werte mögen richtig sein, die Schlussfolgerung nur leider völlig falsch. Die Ursachen für das, was wir aktuell erleben, liegen 8-20 Jahre zurück. Die Auswirkung der aktuellen Maßnahmen werden wir erst in 4-10 Jahren merken. Wer das ignoriert, hat keine Ahnung, wie eine Volkswirtschaft funktioniert!

      4. #Dr.Alban
        Warum keine Atommülllager in Polen? Ach ja, die sind schon mit unserem Hausmüll voll ausgelastet. Hauptsache, weg mit dem ganzen Dreck aus unserem verhinderten Beispiel-für-Andere-Deutschland.
        Ähnlich der Giftstoffe aus WKA- und PV-Produktion? Nennen Sie bitte auch die Halbwertzeiten dieser Giftstoffe…

      5. Halbwertzeiten der Giftstoffe ist unendlich, siehe Herfa-Neurode.

        Und ja, den Müll ins Ausland zu bringen kritisiere ich auch. Die Verwertung und im letzten Schritt thermische Verwertung muss im Land des Entstehens erfolgen.

      6. Frankreich ist auch das Extrembeispiel für Kernenergie. Und trotz der vielen Kernenergie kann es da jederzeit durch hohe Treibstoffkosten zu “Gelbwestenprotesten” kommen. Weitet man den Blick auf die Stärke des Rechtspopulismus, soziale Spannungen, Stand-Land-Gegensätze, Segregation, Ghettoisierung in Großstädten usw. muss man echt froh sein, in Deutschland zu leben.

      7. #Dr.Alban, Radioaktive Stoffe sind sogar in Herfa-Neurode ausgeschlossen.
        Obwohl – Plutonium könnte für die weltweit bevorstehende Aufrüstung der Atomwaffen wieder ein begehrter “Rohstoff” werden und somit wirtschaftlich attraktiv. Viele Kernkraftbefürworter haben diese Option nicht aus den Augen verloren. Aus meiner Sicht jedoch ein weiterer Grund für den Atomausstieg. Wir sollten den nachfolgenden Generationen zumindest die unselige atomare Abschreckung für eine fragwürdige Friedenserhaltung ersparen, wie sie meine Generation erleiden musste.

      8. Herr Niemann, da müssen Sie sich schon den langjährigen Schnitt ansehen, statt ein paar Monate herauszupicken.

      9. @Drucker. Ich sehe die Graphik ab dem 15.04.2023. Das ist der Zeitpunkt an dem die letzten 3 Kernkraftwerke abgeschaltet wurden. Seitdem wird permanent Strom importiert. Dem können Sie sich nicht verschließen.

      10. Herr Niemann, dann sehen Sie sich mal einen längeren Zeitraum an, etwa ab Anfang 2018, und filtern Sie nach Frankreich:
        https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_import_export/01.01.2018/24.08.2023/today/

        Da sehen Sie, dass das zyklisch ist und jedes Jahr im Frühling die Importe zu überwiegen beginnen, um dann im Herbst wieder Richtung Export zu gehen. Dabei sehen Sie auch, dass der Ausschlag in diesem Jahr nicht ungewöhnlich ist und die Tendenz sich schon wieder Richtung Verringerung der Importe bewegt.

        Der Zeitpunkt hat nichts mit den Kernkraftwerken zu tun, sondern damit, dass in Frankreich eine große Zahl von Stromheizungen betrieben wird. Dafür muss Frankreich zukaufen, da Kernkraft in erster Linie für die Grundlast geeignet ist. Das beginnt naturgemäß mit der Heizperiode und endet auch damit.

        Die Veränderung in der Stromhandelsbilanz beruht in erster Linie auf Veränderungen im Stromhandel mit Skandinavien; Frankreich ist da außen vor.

        Aber ich nehme an, dass es Ihnen ohne weiteres gelingt, sich dem zu verschließen.

      11. @Drucker. Danke für den Hinweis. Ich werde das bis Ende des Jahres weiterverfolgen. Wir werden sehen wie sich das entwickelt.

    2. #Lothar Esser Ausgezeichnete Meinungsäußerung – es gibt m.E. nichts hinzu zu fügen… Sie geben genau das wieder, was ich und die Mehrzahl der Gladbacher Bürger auch denken. Vielen Dank dafür!

      1. Gerne!

        Leider gibt es immer noch einige CDU und FDP Wähler, die den Machtverlust offenbar noch nicht verschmerzt haben und deren blinden Festhalten an veralteten Meinungen dieser Parteien schwer aufzudröseln ist.

        Politik muss man in Jahrzehnten bewerten, nicht in Wochen oder Monaten. Das vergessen viele.

  4. Sehr guter Artikel!
    Ja aber, wer zahlt die horrenden Folgekosten, wenn wir jetzt nicht genügend handeln?
    Das sollen die erklären, die einzelne Massnahmen des Klimaschutzkonzeptes nicht mittragen wollen. Zahlen die Zögerer dann die Kosten?