Die Galerie Schröder & Dörr schließt ihren Galeriebetrieb in Refrath nach mehr als 300 Ausstellungen in 38 Jahren. Fehlen wird vor allem ein Begegnungsort. Ein Gespräch mit Galerist Uli Dörr über seine Leidenschaft, Bergische Kunst zu zeigen und Kunstschaffende zu fördern.
Text: Antje Schlenker-Kortum. Fotos: Thomas Merkenich
1986 hatten Uli Dörr und sein Partner Manfred Schröder das Rahmengeschäft von Günther Irlingbuch in Refrath übernommen. Dorthin kamen auch viele Künstler, um ihre Bilder einrahmen zu lassen. Da war es naheliegend, deren Werke auszustellen. Als sich die Gelegenheit ergab, die Räume zu erweitern, sind Schröder & Dörr 1987 sprichwörtlich durch die Wand in ein Nachbargrundstück gezogen.

Die erste Ausstellung gestalteten sie mit Eckard Alker, ein gestandener Künstler, der schon seine Kundschaft hatte. Schröder und Dörr starteten ein Ausstellungsprogramm und präsentierten sich 1993 auf der „Art Nürnberg“.
Schließlich wurde aus der „Werkstattgalerie“ die Galerie „Schröder & Dörr“ – schon um ein Zeichen zu setzen: „Die Ausstellungen dienten nicht dazu, mehr Rahmen zu verkaufen”, betont Dörr; „Die Kunst ist keine Deko; sie steht für sich“, betont der 66-Jährige.
Es folgen viele namhafte Messen: beispielsweise Kunstmessen wie „Kunst Köln“ bis 2000er oder die Art Multiple in Düsseldorf, eine Messe für Auflagenkunst oder die Art Cologne. Es entstand eine zweite Galerie in der Kölner Metzer Straße; man begann sich zu profilieren.
Doch der Zweitsitz musste nach zwei Jahren aufgegeben werden, um den Stammsitz in Refrath halten zu können. Der Rahmungsservice erwies sich als gute Kombination und so retteten die Aufträge für Bilderrahmung manches Mal über schwierige Zeiten.
Die letzte Ausstellung:
Eckard Alker: „WAS ABER SCHÖNHEIT SEI; DASS WEISS ICH NIT“
Galerie Schröder & Dörr
Wingertsheide 59, 51427 Bergisch Gladbach – Refrath
bis 8. Juni 2024
Di –Fr 14 bis 18.30 Uhr, Sa 11 bis 14 Uhr,
Feiertage: 9.bis 13. Mai und 30. Mai bis 3. Juni 2024 geschlossen
schroederdoerr@netcologne.de
Impressionen von der Vernissage der letzten Ausstellung. Eckard Alker: „WAS ABER SCHÖNHEIT SEI; DASS WEISS ICH NIT“, weitere Fotos von der Vernissage dokumentieren wir ganz unten.
Besetzung einer Leerstelle
Anfangs gab es so gut wie keine Galerie in Bergisch Gladbach, erinnert sich Dörr. Köln war in den 60ern und 70ern ein Schmelztiegel der Kunstszene – mit heute international bekannten Namen wie Polke oder Richter. Und auch heute lässt sich das Kulturangebot in Gladbach nicht mit Köln vergleichen. „Wir wollten Gegenhalten mit der Bergischen Klippe – mit Künstlern, die hier aus der Region kommen.“ Sein Leitsatz war immer: „Was soll ich in die Ferne schweifen, wenn hier gute Leute sind?“

Die ausgestellten Künstler der Galerie Schröder & Dörr kamen schon von Beginn an aus dem näheren Umfeld. Darunter Namen wie beispielsweise Eckard Alker oder Rango Bohne, die „einen gewissen Rang hatten, die uns geholfen haben, bekannt zu werden“.
Es entwickelte sich ein fester Künstler-Stamm und es kamen auch neue, junge Künstler hinzu wie Paco Höller oder Lukrezia Krämer – schon um das Programm auffrischen. Manche sind sogar sehr erfolgreich geworden wie molitor & kuzmin. „Das ist schön, wenn man das über die Jahre verfolgen kann“, sagt Dörr.
„Machen Sie die Augen auf!“
Es wurden auch dänische, kanadische, polnische Künstler ausgestellt. Wichtig war jedoch: Auf den Messen wurde die lokale Kunst gezeigt, um sie bekannt zu machen, um eine Plattform zu schaffen. Die Kunstschaffenden sollten Anerkennung bekommen und auch in ihrer Kariere weiterkommen. „Das war ein Anliegen“, betont Dörr.
Nicht nur das. Er hat sich viele Ausstellungen und Konkurrenten angeschaut und seine Schlüsse gezogen: „Da wird man taxiert, ob man Geld in der Tasche hat (…) da kommt man sich vor wie ein Fremdkörper.“ Es ist wichtig, einen „Ort der Begegnung“ zu schaffen, „wo man als Nobody einfach mal die Nase reinstecken kann“. Manche Leute hätten gesagt: „Ich habe keine Ahnung von Kunst“ und Dörr antwortete: „Machen Sie die Augen auf!“
Natürlich erkläre er gern, aber er sagte oft: „Seien Sie doch mutig und gucken einfach!“ Für ihn gehöre das dazu, ganz im Sinne des “sich zu begegnen, sich auszutauschen“ und das auch im Gespräch mit den Künstlern.
Was genau lohnt diesen Job?
Lacht. Sein Lohn sei jenseits des Finanziellen, das seien die Begegnungen, die stattgefunden haben, der eigene Kunstbegriff, der sich erweitert hat; „wo durfte ich nicht alles die Nase reinstecken und hinter die Kulissen schauen.“ Man lerne Künstler kennen, privat und das in enger Verbindung. „Das eine ist von dem anderen nicht getrennt“. Sein Leben mit der Kunst machte ihn mit vielen Dingen vertraut und schuf damit ein größeres Verständnis für die Kunst und weit darüber hinaus.
Auf der anderen Seite das „bergische Klein-Klein“ und „das Gefühl, man brät im eigenen Saft“. In einer kleinen Galerie ergibt sich Nähe und das kann Berührungsängste nehmen. Um ein Kunstverständnis zu entwickeln, müsse Offenheit da sein. In der Kunst treffe man auf Dinge, die nicht erklärbar sind.
Es geht ihm um die Erkenntnis, dass es in Ordnung ist, wenn man Dinge nicht erklären kann. Der Mensch neige dazu, Dinge, die er nicht versteht, abzuwerten; oft fehle den Menschen die Fähigkeit, das auszuhalten.
„Mein Vorteil ist, ich kann bei den Künstler solange bohren und buddeln, bis ich meine Fragen beantwortet sehe“, sagt der Kunstliebhaber Dörr. Seine Mission ist es, das zu vermitteln, nach dem Motto „Das könnt ihr auch. Geht hin und fragt nach“. Doch Kunst will keine Antworten geben, manchmal will sie auch provozieren.
Und auch darin kann man eigene Erkenntnisse finden: Beispielsweise hat Rolf Hinterecker eine Performance für ihn gemacht mit der Ansage: „Die Antworten musst du dir selbst geben.“ Da habe er „in viele Richtungen gedacht“; und das habe ihm „unheimlich viele Anregungen gegeben“. Und er resümiert, dass es unerheblich sei, ob man die Antwort findet, die der Künstler in seinem Päckchen habe. „Es ist ein Anstoß, eine Beschäftigung damit in Gang zu setzen.“
Eindrücke von diversen Ausstellungen in der Galerie Schröder & Dörr. Die Beiträge dazu finden Sie hier. Fotos: Thomas Merkenich
Der experimentelle Kunstraum
Als Galerist arbeitete er daher bewusst mit Raum. „Raum ist wandelbar. (…) das ist ja das Verrückte“, sagt Dörr. Er habe den Künstlern keine Vorgaben gemacht, sondern gefragt: „Was hast du für ein Anliegen? Was ist dein Thema?“ Er habe Mut gemacht, auch mal was Neues zu zeigen. Und später, in der Bilderhängung und Präsentation, galt es, das Konzept umzusetzen. Das Hängen stand nach vielen Jahren Galerieerfahrung schnell fest, denn „man kennt seinen Raum“, sagt er. Natürlich habe es auch Auseinandersetzungen gegeben, aber die Annäherung, die Präsentation war das gemeinsame Ziel.
Für ihn sei es Aufgabe als Galerist, „als Hausherr”, dass die Leute sich wohlfühlen. Das heißt aber nicht, dass das Gezeigte „nett” und gefällig sein muss. Das Spannende an der Galeriearbeit sei es, das Programm zu entwickeln, also das, was hinter den Kulissen abläuft. Dörr erzähle: „Es gab die verrücktesten Sachen!“. Manchmal sagte er: „Nehmt den Raum; hier könnt Ihr hämmern nageln, bauen, Performances machen.“
Hiroko Nakajima, Inge Steinbach und Maria Schätzmüller-Lukas habe er den Schlüssel in die Hand gegeben mit dem Satz „sagt mir nicht, was ihr macht“ und der Gewissheit „die kriegen etwas richtig Gutes hin“. Letztlich kam es zu einer großen, raumfüllenden Installation. „Da war klar, das kriegen wir nicht verkauft – aber das war eine total erfolgreiche Ausstellung“.
Für die Galeristen war es spannend, auszuloten, „wo kann man hingehen mit diesem Raum“. Nicht nur die Besucher, auch der Künstler selbst soll eine Erfahrung machen können. Diese Art Ausstellungsvorbereitung ist ein kreativer Prozess der, der in Kooperation von Künstlern mit den Galeristen abläuft – in der Galerie Schröder & Dörr war er zum Teil komplett experimentell.
Damit setzte die Galerie bewusst ein Statement – nach dem Motto: „Mach doch was aus dem Raum hier!“, denn solche Angebote fehlen hier in Bergisch Gladbach.
Abschied mit Standing
Ab Juni schließt die Galerie ihre Türen; es wird keine Ausstellung mehr stattfinden. Der Markt hat sich bekanntermaßen über die Jahre massiv verändert.
In Galerien „mit Spitzenkünstlern“ und mit Kunden, die das Geld für Kunst haben, gäbe es das Problem so sicher nicht, stellt Dörr fest. Außerdem hätten die Leute andere Probleme – schon durch die Inflation – obwohl Gladbach „materiell schon gut bestellt sei“, so spüre man doch die Zurückhaltung der Käuferschaft, resümiert Dörr.

Hinzu kommt, dass die anstrengende Arbeit schon aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr so funktioniert. So kam eins zum anderen. Eine befreundete Künstlerin suchte ein Atelier; ab Herbst bezieht sie die Galerie.
Natürlich fehle dann etwas, nach 38 Jahren Galerie und mehr als 300 Ausstellungen – das sei ihm bewusst, sagt Dörr und ergänzt: „Auch mir fehlt was innen drin. Doch lieber ein Abschied, bei dem man gerade steht, anstatt irgendwie wegzudümpeln“, führt er fort. Aber ganz das rheinische Frohgemut, für das er bekannt ist, fügt er hinzu: „Jetzt mal die Nächsten ran!“
Mehr als Rahmen – die Kunst geht weiter
Immerhin: Der Rahmenservice bleibt. Auch als Dienstleister liegt das Augenmerk stets darauf, dass die Präsentation sauber und stimmig ist. „Hier bin ich Berater, der mit Fach- und Sachkunde berät und eine tolle Rahmung zaubert, egal, was er rahmt,“ sagt Uli Dörr.
Doch auch hier geht es um die Kunst. Bei privaten Kunden sagt Dörr oft: „Es ist Ihr Kunstwerk, weil Sie es besitzen. Verändern können Sie es nicht, aber das, was Sie rundrum machen, das können Sie beeinflussen. Sie müssen damit leben.“ Dörr, der selbst Musiker ist, vergleicht das Rahmen mit der Wohlterminierung eines Orchesters: „Der Rahmen muss zur Kunst passen.“
Dabei spricht er aus jahrelanger Erfahrung als Kunstkenner und -sammler. Es gibt nichts Schöneres für mich als die Künstler, mit denen ich zusammengearbeitet habe, an der Wand zu haben. Manfred Schröder und ich haben uns eine kleine Sammlung von der „bergischen Klippe“ gegönnt.
Er räumt ein: „Das kriege ich nicht alles gleichzeitig an die Wand.“ Natürlich kenne er den Einwand, dass man „die Wände voll habe“. Da hat er einen Tipp: „Hängen Sie mal ein Bild ab. Ein gelesenes Buch legt man doch auch nicht aufgeschlagen hin. Das wird weggelegt und irgendwann lesen Sie den Roman nochmal.“ Er habe gute Erfahrungen damit gemacht, Bilder umzuhängen; manchmal müsse ein Bild weichen, wenn ein neues Werk hinzukommt. „Und nach 10 Jahren entdeckt man es wieder und man freut sich. Dann müssen eben andere Bilder weichen!“, erklärt er. Dann sehe man es auch mit neuen Augen, denn „ein Bild erzählt immer weiter, weil man sich selber weiter entwickelt.”
Schröder u. Dörr
Kunst und Rahmen,
Wingertsheide 59,
51427 Bergisch Gladbach
Tel.: 02204-64170
schroederdoerr@netcologne.de
Impressionen von der Vernissage der letzten Ausstellung. Eckard Alker: „WAS ABER SCHÖNHEIT SEI; DASS WEISS ICH NIT“.
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So manche Vernissage/ Finissage wurden auch durch musikalische Beiträge begleitet, Musikern eine Plattform geboten!
Uli Dörr, selbst Musiker ( Drummer/ Heavy Disturbed ) hatte ein gutes Gespür
die Bilder mit musikalischen Beiträgen zu verbinden!
Wir werden es sehr vermissen! Es war eine schöne Zeit!
Viele Grüße
TIRED HIPPIES