Galerist Uli Dörr und Maler Jörg Extra inmitten ihrer Ausstellung „Jazz”

In einer neuen Ausstellung „Jazz” in der Galerie Schröder und Dörr geht Jörg Extra ganz nah ran ans Geschehen der avantgardistischen Jazzmusik. Galerist Uli Dörr erzählt zur Eröffnung, was Ausstellungen in Bergisch Gladbach von denen in Köln unterscheiden.

Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Helga Niekammer

Seit mehr als 30 Jahren schon ist Uli Dörr Galerist der Galerie Schröder und Dörr, gemeinsam mit seinem Kompagnon Manfred Schröder und seit 1987 schon ist sie ansässig in Refrath. Dörr war zuvor lange in der Kölner Kunstszene heimisch. Daher kann er vergleichen und berichten, welche Vorteile es hat – in Bergisch Gladbach auszustellen, im Unterschied zu Köln.

Einfach dadurch, dass die Szene hier vergleichsweise übersichtlich ist, „muß man sich hier nicht begrenzen, man kann aus dem Vollen schöpfen, was natürlich für einen Galeristen einfach Spaß macht,“ sagt Dörr.

In der Konkurrenz mit vielen Galerien sei es in Köln im Gegensatz zu hier, üblich sich thematisch von den anderen abzugrenzen und sich auf bestimmte Künstler und Kunstrichtungen zu spezialisieren.

Uli Dörr (links im Bild) hat viel zu erzählen über seine Künstler und über die Kunstszene

Hier in Bergisch Gladbach freue er sich umso mehr über jede weitere gute Ausstellung der Kollegen, über jede neue Galerie, die hier neu eröffnet. Manchmal wäre es schön, wenn man auch mal gemeinsame Sache machen würde, eine gemeinsame Veranstaltung, eine Absprache und dergleichen, manchmal würde sich das einfach anbieten, was auch dem Publikum zugutekommen würde.

Jörg Extra kenne er, wie viele seiner Künstler, schon seit Jahren, ausgestellt habe er ihn erstmalig 2014: „Man entwickelt häufig eine sehr private Beziehung zueinander, was ja auch ganz wichtig ist, schließlich will man den Künstler auch in seinem Entwicklungsprozess kennenlernen und begleiten“, sagt Dörr.

Man arbeite „durchaus auch programmatisch“, aber die Galerie Schröder und Dörr wähle die Künstler sehr intuitiv aus, und eben vornehmlich danach, wer und was das Galeriespektrum stimmig ergänzt. Ganz leidenschaftlich erzählt Uli Dörr von bisherigen Ausstellungen mit beispielsweise Georg Baselitz, Horst Jansen, Walter Hanel oder Reiner Emrich.

Eine Ansprache mit und über Nähe

Dann hält er eine Ansprache an das neugierige, zahlreich erschienene Publikum, „Kommen Sie näher, das ist muckeliger“ ruft er die Leute zu sich. In freier, sehr persönlicher Ansprache stellt er Jörg Extra, den heutigen Künstler der Ausstellung „Jazz“ vor.

Extra hat 1981 bis 1986 in der Bergischen Universität in Wuppertal Visuelle Komminikation studiert, in Köln geboren lebt und arbeitet er heute in Bensberg. Er hat sich einen Namen gemacht mit Illustrationen unter anderen für führende deutsche Wirtschaftsmagazine wie Capital, DM, DVA, Manager Magazin und Wirtschaftswoche.

Jörg Extra hat sehr lange sehr naturrealistisch nach eigenen Fotovorlagen gearbeitet. Der interessierte Betrachter findet auf der Künstlerseite viele Bilder der Gemälde aus dieser Zeit.  Täuschend echt hat er in seinen Streetlife Reihen New York und andere Metropolen gemalt.

Zurück zu den Wurzeln malt Jörg Extra heute ganz nah am Geschehen

Oft dienten live gezeichnete Eindrücke neben den Fotos von Jazzabenden als Vorlage

Hier sei es insbesondere die „emotionalen Ferne, die Distanz zum Geschehen, die das Spannungsverhältnis dieser Sujets ausmache“, erklärt Uli Dörr. Mit den hier gezeigten Arbeiten der Reihe „Jazz“ gehe Jörg Extra zurück zu seinen Wurzeln als Zeichner und Illustrator.

Im Gegensatz zu den Metropolen „ist Extra in dieser Malerei nahe am Geschehen, mitten drin in der avantgardistischen Jazzmusik“, schwärmt Dörr in seiner Ansprache.

Gemalte Details zum Hören

Eine Entwicklung, die sich mit seiner „großen Liebe zum Jazz entwickelt hat” bestätigt Jörg Extra später. Auch hier arbeite er nach Fotovorlagen, aber er sammele auch zeichnerisch Eindrücke, die er in schnellen Skizzen festhält. Man merkt ihm seinen hohen künstlerischen Anspruch an, weshalb er sich „dem Instrument der Fotografie auch ganz systematisch bediene“.

Man erkennt viele kleinste und wichtige Details der Musikinstrumente. Was sicher nicht ganz unwichtig ist. Der Musikkenner kann diese technischen Details sicher bestimmten Klängen und Musikrichtungen zuordnen. Vermutlich hört gerade der Jazzkenner durch diese visuelle Zusatzinformation die Musik im inneren Ohr.

Der Musikkenner erkennt Details, die die Musik vorstellbar machen

Zugleich empfindet man die jazztypisch familiäre Stimmung der kleinen Clubs. Virtuose Bewegungen, Musikerkompositionen, Mimik und Gestik, die in den minimalistischen Strichen und Schattierungen angedeutet sind.

Man sieht förmlich die wunderschönen Frauen gefühlvoll singen und man beobachtet den Pianisten im virtuosen Klavierspiel schwelgen. Für diese Serie hat Jörg Extra eine im positivsten Sinne eigenwillige Mischtechnik entwickelt, deren Stil sich auch den benachbarten Zeichnungen nochmal ganz anders zeigt.

Im Gespräch unter Künstlern erklärt Jörg Extra, wie er arbeitet. Hier mit Christoph Müller und der Autorin

Jörg Extra ergänzt nicht nur das stylistisch breite, aber handwerklich anspruchsvolle Spektrum der Künstler der Galerie Schröder und Dörr. Ganz nach erlernter Manier eines Künstlers der visuellen Kommunikation, rahmt er stilsicher die musikalischen Programme, die hier auch regelmäßig stattfinden.

Die meisten dieser hier gezeigten Arbeiten seien im ArtTheater Köln entstanden, die jeden Dienstag Abend mehreren Livebands oder auch Newcommern aus der Hochschule für Musik und Tanz Köln eine Bühne bieten. Wer aber aufmerksam den Veranstaltungskalender liest, kann auch ganz in der Nähe, zum Beispiel bei Schröder und Dörr einen schönen Jazzabend erleben.

Die Extra Malerei zaubert eine jazzige Stimmung, ganz wie bei einem Live Konzert.

Die Details zur Austellung “Jazz”
Arbeiten auf Papier und Leinwand von Jörg Extra
bis zum 16. März 2019

Galerie Schröder und Dörr
Wingertsheide 59
51427 Bergisch Gladbach-Refrath
Tel.: 02204 64170
e-mail: schroeder-doerr@netcologne.de

Öffnungszeiten:
Di-Fr: 14-18.30 Uhr
Sa: 11-14 Uhr
Karneval vom 28.2.-5.3. geschlossen

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