Eilert Ohrt in seinem Garten. Fotos: Annette Voigt

Seit mehr als fünfzig Jahren ist Eilert Ohrt im Bensberger Obst -und Gartenbauverein und in seinem eigenen Garten aktiv. Seinen reichen Erfahrungsschatz teilt der 89-Jährige gerne. Zum Beispiel, wie man seinen Garten jetzt für den Winter fit macht.

Ein Garten ist wie ein Freund, den man jederzeit besuchen kann, so lautet eine englische Gartenweisheit. Und auch ein Garten-Freund möchte pfleglich behandelt werden und dazu gehört es auch den Garten für die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Jetzt im Herbst fällt daher eine Menge Gartenarbeit an.                                                                                                 

+ Anzeige +

Seit über fünfzig Jahren ist Eilert Ohrt (89 Jahre alt) Mitglied im Bensberger Obst -und Gartenbauverein und Freizeitgärtner mit eigenem Garten. Seine Erfahrungen teilt er gerne mit Anderen und viele aus dem Verein bitten ihn häufig um seinen Rat. Alle schätzen sein fundiertes Wissen sowie seine Fachvorträge unter anderem zu Beerensträuchern, zum Kompostieren oder zur Produktion von Wein. „Eilert weiß Bescheid, frag ihn mal.“

Mehr zum Thema

Die grüne Welt der Freizeitgärtner

Die Obst – und Gartenbauvereine (OGV) in Bensberg und Refrath engagieren sich seit 100 Jahren für mehr Grün in der Stadt. Die Gartenfreunde beschäftigen sich mit Obstanbau, Gartenbau und Landschaftspflege. Aber auch der gärtnerische (und soziale) Austausch spielt in beiden Vereinen eine große Rolle. Sie geben immer wieder Impulse für ihre Stadtteile und sind Quelle der Inspiration für alle Freizeitgärtner. Unsere Autorin hat beide Vereine besucht.

Dem Johannisbeerstrauch der Autorin, die selbst begeisterte Gärtnerin ist, verhalf der Gartenexperte zu neuer Pracht. Als Kübelpflanze fristete diese Beere ein kümmerliches Balkonleben. Er riet den Beerenstrauch ins freie Beet zu setzen. Der Obststrauch ist ein „Flachwurzler, der viel Fläche haben möchte und sich daher nicht zur Kübelpflanze eignet. Jetzt wächst der Beerenstrauch rasant und trägt zahlreiche schwarze leckere Früchte. 

Gehölze schneiden

Jetzt im Herbst ist die richtige Jahreszeit Obstgehölze wie beispielsweise Apfel -und Birnbäume oder die Johannis – und Stachelbeere zu schneiden. Gehölze werden geschnitten, um das Wachstum ihrer jungen Triebe zu fördern, die eine bessere Frucht als die alten ergeben.

Johannisbeerstrauch

Bei den Obstbäumen bringt das Schneiden mehr Licht in die Bäume, denn Zweige, die nach innen wachsen, nehmen den anderen Licht. Das alte Holz, das dunklere, dieser Obstgehölze wird hierbei entfernt und das helle Holz, die neueren Triebe, bleiben. Bei den Brombeeren werden die Ruten, die in diesem Jahr Früchte trugen, bis zur Wurzel gekappt.                                                                                 

Eilert kürzt sein Hibiskus-Bäumchen nur sehr wenig, wenn überhaupt, kürzt allenfalls die Spitze, damit dieses in die Breite wachsen kann. Es ist nicht zwingend Blütensträucher zu schneiden. Die Rosen schneidet er erst im nächsten Frühling, sobald die Forsythie blüht. 

Der Sommerflieder kann bereits jetzt zurückgeschnitten werden und nicht erst ab Februar vor der ersten Wärme, wie es allgemein behauptet wird. Es ist allerdings ratsam, diesen so spät wie möglich zu stutzen. Je zeitiger dieses Gehölz geschnitten wird, das Schmetterlinge so sehr lieben, desto voluminöser treibt es später wieder aus. Einen Radikalschnitt hält der Sommerflieder nach Eilerts Erfahrung ebenso wie Frost gut aus.    

Beim Wein werden im Herbst die tragenden Äste auf Länge geschnitten und anschließend angebunden, denn aus ihren „Blattachseln“ wachsen später die Fruchtzweige. Dabei bleiben nur wenige tragende Äste stehen.

Es ist ein wunderschöner Anblick, wenn sich in vielen Gärten der Wein rot verfärbt. „Nachdem das Chlorophyll in den grünen Blättern im Herbst abgebaut ist, kommen die Anthocyane zum Vorschein und färben das Blatt rot. Anthocyane sind wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe, die im Zellsaft fast aller Pflanzen vorkommen und Blüten und Früchten eine intensive rote, violette oder blaue Färbung verleihen“ so in Wikipedia nachzulesen.

Boden und -Rasenpflege

Jetzt im Herbst verlieren viele Bäume und Sträucher ihre Blätter und auf dem Rasen und in den Beeten sammelt sich das Laub. Wie viel Laub ist akzeptabel und gibt es ein Zuviel? Der langjährige Gärtner weiß auch hier eine Antwort. „Laub in unseren Beeten ist nicht dramatisch. Mehr als eine Handbreite Laub im Beet sollte allerdings abgeräumt werden, denn das Laub macht den Boden sauer.

Im Boden befinden sich Bakterien und Würmer, die eine kleine Menge an Laub in Kompost umwandeln. Laub sorgt also für guten Boden im Beet. Etwas Laub bietet Kleingetier Schutz und wärmt zudem den Boden.

Laub auf dem Rasen sollte allerdings unbedingt beseitigt werden, da sich sonst Moos bildet und wer will schon Moos auf dem Rasen“. Moos ist immer ein Indiz für sauren Boden, dessen PH-Wert neutralisiert wird, wenn Kalk auf das Beet gestreut wird. Sauren Boden mögen Pflanzen nämlich nicht und Moos in den Beeten sollte hier ebenfalls entfernt werden.

Ende Oktober/ Anfang November ist der Rasen nochmals zu mähen und dann während des Winters bei einer Länge von rund 55mm so belassen werden. Falls der Rasen zum Frühjahr kräftiger sein soll, kann jetzt nach dem letzten Mähen gedüngt werden.

Eilert wendet jetzt im Herbst den Boden nicht mehr um, sondern „bricht“ diesen nur locker auf. Dadurch wird den Bakterien und den Würmern im Boden ihr Lebensraum erhalten.  

Bunte Blühpracht im Herbst

Wer es im Herbst und Winter bunt im Garten mag, kann aus einem vielfältigen Pflanzenangebot wählen. Als erstes fällt einem Gartenliebhaber das Heidekraut Erika oder Astern und Chrysanthemen ein. Doch es gibt viel mehr winterharte Zierpflanzen und Sträucher. Stiefmütterchen und Hornveilchen beispielsweise trotzen der Kälte und bieten eine bunte Vielfalt in Kübeln und Beeten. Auch winterharte Fuchsien gibt es, die jetzt noch blühen oder Hibiskus Sorten, die jetzt für schöne große violette und gelbe Blüten sorgen.

Der Blattschmuck der Funkie lässt sich gut mit blühenden Zierpflanzen kombinieren, vorausgesetzt die Schnecken lassen diese in Ruhe. Weitere Pflanzen sind unter anderem das Lungenkraut mit kleinen violetten Blüten im Frühling oder die Orangenblüte mit ihren kleinen weißen Blüten ebenfalls im Frühling, die Christrose, der Lerchensporn, ein gelb blühendes Wildkraut, oder die bekannten Primeln in allen Farbschattierungen. 

Zwiebeln für Frühjahrsblüher wie unter anderem Narzissen, Tulpen, Krokusse, Hyazinthen, Schneeglöckchen, Gänseblümchen können jetzt oder auch in der kalten Jahreszeit gesetzt werden. Dabei gilt eine Grundregel, nämlich die Zwiebel so tief wie diese groß ist mit der Spitze nach oben einzusetzen. Ist die Zwiebel beispielsweise 2 cm groß wird diese auch 2 cm tief gepflanzt. Ein anschließendes Gießen ist nicht erforderlich.

Zum Anpflanzen von Gemüse und Kräutern ist es bis auf Grünkohl und Endiviensalat jetzt zu spät. Manche verfüttern den Grünkohl an ihre Hühner, weil dann die Eier besonders schmackhaft werden, so erzählte es eine ältere Dame, die unsere Autorin zufällig bei der Gartenarbeit in Branitz traf.  

Was die Vögel jetzt brauchen

Tiere sind Teil eines Gartens und daher abschließend noch ein Tipp zum richtigen Vogelfutter. Vögel sollten nur mit losem Streufutter versorgt werden. Die üblichen Meisen-Knödel enthalten Fette und andere Zutaten, die diese nicht gut vertragen. Das Vogelhäuschen ist regelmäßig zu säubern und trocken zu halten, denn nasses und verdrecktes Futter schadet den kleinen Gesellen ebenfalls.  

Eilert Ohrt wünscht allen ein gutes Gelingen und im Frühjahr eine reichhaltige Ernte, eine farbige Blütenpracht und einen kräftigen Rasen. Arbeit und Zeit, die jetzt in den Garten investiert werden, lohnen sich allemal wie jeder Gärtner weiß. 

Weitere Beiträge zum Thema

Grün trifft Begegnung: Der Dorfplatz in Schildgen

Nur wenige Meter von der Altenberger-Dom-Straße entfernt gibt es mitten in Schildgen eine richtig große grüne Oase: Der städtische Dorfplatz hinter der Herz-Jesu-Kirche wird seit vielen Jahren von einer Gruppe engagierter Ehrenamtlicher gestaltet und gepflegt – und dient der Gemeinschaft aller Generationen im ganzen Stadtteil.

Kinder lassen Lehrergarten am Schulmuseum neu erblühen

Schülerinnen und Schüler der OGS Katterbach haben den früheren Lehrergarten am Schulmuseum neu gestaltet. Gemeinsam mit dem Museumsteam und einigen weiteren Unterstützer:innen pflanzten sie historische Sorten, lernten etwas über Gartenbau vor 100 Jahren – und schufen einen Ort, der Natur, Geschichte und praktisches Lernen verbindet.

Wie der Gartenbauverein Refrath für die Blüten und Gärtner von morgen sorgt

Seit 25 Jahren führt der Obst- und Gartenbauverein Refrath zusammen mit den Kitas und Grundschulen des Stadtteils im Frühjahr und Herbst Pflanzaktionen durch. Um die Kinder auf spielerische und natürliche Art an die Natur und das Gärtnern heran zu führen. Unsere Autorin hat sich angeschaut, wie das abläuft.

Auf grünen Wegen durch Gronau

Der Stadtteil Gronau besitzt ein vielfältiges grünes Potenzial: einigen kaum genutzte und verwaiste öffentlichen Grünflächen könnten mit wenig Aufwand in ansprechende grüne Oasen verwandelt werden. Zu diesem Ergebnis kommen Inge Andersch, Doro Corts und Michael Wittassek vom ForumGronau, die unsere Autorin auf einem grünen Spaziergang durch Gronaus unbekannte Winkel begleiten. 

Refrather Schülerfirma sorgt für Ordnung im Garten

Die Verbundschule Mitte in Refrath betreibt eine ganze Reihe von Schülerfirmen, in denen die Jugendlichen sich selbst erproben können und auf die Berufswelt vorbereitet werden. In der Firma „Easy Gardening“ sind die Schülerinnen und Schüler freitags unterwegs, um private Gärten vor dem Verwildern zu retten. Mit einem Besuch der Truppe setzen wir unsere Serie MehrGrün fort.…

Zaubersee, Steinbreche und Motte: Grüne Vielfalt in … Refrath

Wer in Refrath nur Dolmanstraße und Peter-Bürling-Platz kennt, verkennt Refrath. Der Ortsteil ist von großen grünen Flächen umgeben und bietet im Inneren viele grüne Inseln, die der Seele guttun, Schatten spenden und zum Ausruhen einladen. Annette Voigt hat den Zaubersee, den Kahnweiher, die Steinbreche, die Motte und weitere kleine Oasen entdeckt – und setzt damit…

Eine Pforte ins Paradies, eine Reise in die Zeit der Papiermacher

Auch ein Bauerngarten gehört zum LVR Industriemuseum Alte Dombach – und macht deutlich, wie wichtig die Nutzgärten für die Familien der Papiermacher früher waren. Heute wird der Garten von drei Ehrenamtler:innen bewirtschaftet, die die Tradition wach halten und sich selbst einen paradiesischen Ort der Stille und Demut geschaffen haben.

Wie Schottergärten für Insekten akzeptabel werden

Um Insekten zu schützen, veranstaltet der Rheinisch Bergische Kreis eine Reihe von Workshops. Dabei kann man lernen, den eigenen Garten mit einfachen Mittel so umzugestalten, dass die Artenvielfalt profitiert. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Something went wrong. Please refresh the page and/or try again.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.