In vielen Familien werden zwei oder sogar drei Sprachen gesprochen. Trotzdem herrschen zahllose Vorurteile gegenüber Mehrsprachigkeit, und Eltern wissen oft nicht, was richtig und was falsch ist. Hier lest ihr, wie drei Familien im Alltag mit ihren Sprachen jonglieren – unter anderem meine eigene. Eine Linguistin klärt darüber auf, welche Vorurteile (nicht) stimmen und gibt Tipps, wie Eltern am besten mit Mehrsprachigkeit umgehen.
„Talahon!“ Was auf Social Media kürzlich als Ausdruck für eine Art Macho-Boy trendete, ist bei uns zu Hause ein ganz alltäglicher Ausdruck. Das arabische „Ta’al La’hon“ bedeutet nämlich einfach „Komm her“.
Für mein viereinhalbjähriges Kind ist es ganz normal, dass es von seinem syrischen Vater auf Arabisch gerufen wird. Häufig wünscht es sich zum Abendessen „Babas“ selbst gebackenes „chibes“ (arabisches Fladenbrot). Und wenn es ihm beim Toben zu viel wird, ruft es „hasche!“, genug.
Wie viele Kinder mehrsprachig aufwachsen
Wir sind damit alles andere als Exoten: Verschiedenen Studien zufolge sprechen rund neun Prozent der Kinder in Deutschland zu Hause mehrere Sprachen. Betrachtet man nur Kinder mit Migrationshintergrund, sind es, je nach Erhebung, 23 bis 50 Prozent (man sieht es schon, Mehrsprachigkeit ist nicht leicht zu erforschen).
Die häufigsten Sprachen, die diese Familien neben Deutsch sprechen: Türkisch, Russisch, Arabisch, Polnisch und Englisch. Schätzungen gehen davon aus, dass in deutschen Schulen rund 100 verschiedene Sprachen gesprochen werden. In manchen Großstädten sind es gar 200.
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Für Bergisch Gladbach gibt es keine spezifischen Zahlen zu Mehrsprachigkeit. Allerdings kann man von allgemeinen demografischen Daten zumindest Hinweise darauf schließen: Zum 30. Juni 2022, dem Stichtag des letzten Zensus, lebten 12.813 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in der Stadt, was einem Anteil von 11,7 Prozent entspricht. Gut doppelt so viele Personen wiesen eine Einwanderungsgeschichte auf.
Einen weiteren kleinen Hinweis liefert auch die Konzeption des Bensberger Familienzentrums ZAK von 2020: „Im Kindergarten werden 75 Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren betreut. Die Mehrzahl der Familien wohnt im Wohnpark und hat eine Zuwanderungsgeschichte. Die Hälfte der betreuten Kinder wächst mehrsprachig auf. Es gibt zehn unterschiedliche Muttersprachen.“
Vorurteile gegen Mehrsprachigkeit
Obwohl es so viele Menschen betrifft, existieren unzählige Vorurteile gegenüber Mehrsprachigkeit. Eines davon: Kinder, die mit mehr als einer Sprache aufwachsen, lernen keine davon richtig. Ein weiteres: Sie leiden an Sprachentwicklungsstörungen oder haben zumindest Schwierigkeiten, die erlernten Sprachen voneinander zu trennen.
Alles Quatsch, sagt die Linguistin Rosemarie Tracy, die sich in ihrer Forschung mit Spracherwerb und Mehrsprachigkeit bei Kindern und Erwachsenen beschäftigt: „Kinder können sehr gut damit umgehen, wenn sie mit mehr als einer Sprache aufwachsen. Sie sind hervorragende Sprachenlerner – vor allem in der frühen Kindheit, wenn sie Sprache intuitiv erwerben.“
Voraussetzung sei allerdings, dass man mit ihnen in diesen Sprachen intensiv kommuniziere.

Natürlich, sagt sie, sei die Sprachkompetenz in den einzelnen Sprachen nicht unbedingt gleich. Wenn ein Kind zum Beispiel nur mit der Großmutter Russisch spricht, und das meist in der Küche, dann entwickelt es einen spezialisierten russischen Wortschatz für Themen rund ums Kochen. In anderen Lebensbereichen kennt es dafür vielleicht keine oder nur wenige Worte auf Russisch.
Manch einer mag jetzt kritisch denken: „Das ist dann ja wohl keine richtige Mehrsprachigkeit.“ Aber auch das ist ein Vorurteil. Völlig ausgewogene Sprachkompetenzen sind ohnehin unwahrscheinlich. In einer der Sprachen verfügt man vielleicht über unterschiedliche Dialekte, hat dafür in einer anderen Sprache auch Lesen und Schreiben gelernt.
Was ist Mehrsprachigkeit überhaupt?
Als mehrsprachig kann gelten, wer sich in mehr als einer Sprache unterhalten kann. Wenn von früher Kindheit an mehr als eine Sprache in der Umgebung existiert, kann man eigentlich davon ausgehen, dass man mehr als eine Erstsprache hat.
Natürlich kann man auch nach der frühen Kindheit noch gut neue Sprachen erwerben – manche sogar so gut, dass man sie für Muttersprachler:innen dieser Sprachen halten könnte.
Eine US-amerikanische Tagesmutter
Meine Kollegin Kathy Stolzenbach erfuhr durch Zufall, wie leicht Kinder eine zweite Sprache lernen. Ihre Familie ist einsprachig, aber als sie für ihre erste Tochter eine Betreuung suchte, bekam sie von der Stadt einen Platz bei einer US-amerikanischen Tagesmutter vorgeschlagen, die ausschließlich Englisch mit den Kindern spreche.
Anstatt das als Vorteil zu sehen, waren sowohl die Stadt als auch Kathy selbst zunächst skeptisch: „Niemand von uns hat einen englischsprachigen Background, daher fanden wir das irgendwie seltsam. Aber wir haben uns für sie entschieden, weil sie so toll war – und die Tatsache, dass sie Englisch spricht, sollte kein Ausschlusskriterium sein.“
Guck mal, Mama, ein digger!
Sie und ihr Mann waren „baff“, wie schnell ihr Kind und später die zweite Tochter alles verstanden und zunehmend auch Englisch sprachen, sobald sie bei der Tagesmutter waren. Ganz problemlos und selbstverständlich schalteten sie zwischen Deutsch und Englisch um.
Nur bei neu erlernten Wörtern mischten sich die Sprachen manchmal. Kathy lacht und erzählt, wie ihre Tochter einmal auf einen Bagger zeigte und sagte: „Guck mal, Mama, ein digger!“
Drei Sprachen im Alltag organisieren
Mehrsprachigkeit beschränkt sich aber natürlich nicht immer auf zwei Sprachen. Vanessa Lee Tysons Tochter Ashley wächst mit drei Sprachen auf: Deutsch, Englisch und Ungarisch. Vanessa ist in den USA geboren, in Ungarn aufgewachsen und hat als Erwachsene 15 Jahre in Kalifornien gelebt, bevor sie nach Bergisch Gladbach zog.
Es war ihr wichtig, dass Ashley alle drei Sprachen lernen würde. Also recherchierte sie, wie man ein Kind mit mehreren Sprachen aufziehen kann. Sie fand ein Konzept, nach dem sie erst einmal aufschlüsseln und schriftlich festhalten sollte, welche sozialen Kontexte welche Sprache unterstützen könnten.
„Mehrsprachigkeit ist ein Schatz“
Seit bald 16 Jahren unterstützt der Verein MiKiBu Grundschulkinder mit Förderbedarf. Wir haben mit Vorstand Henry Stewen darüber gesprochen, wie die ehrenamtlichen Mentor:innen spielerisch mit den Kindern Deutsch üben, wie schnell sie die Sprache in dem Alter lernen und welche Vorteile Mehrsprachigkeit mit sich bringt.
„Deutsch war einfach, weil ihr Vater und dessen Eltern immer Deutsch mit Ashley sprachen“, erzählt sie. Von dem Vater ist Vanessa inzwischen getrennt, aber Ashley sieht ihn regelmäßig. Auch in der Kita spricht die Dreieinhalbjährige jeden Tag Deutsch.
„Sorgenkind“ Drittsprache
Über Englisch machte sich Vanessa mehr Gedanken – weil sie die einzige in Ashleys Umgebung war, die diese Sprache regelmäßig mit ihr sprechen würde. Und weil sie selbst nur wenig Deutsch kann. „Zum Glück habe ich einen Partner, der mich sehr unterstützt und mit ihr zu Hause auch nur auf Englisch kommuniziert.“

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.
Das größte „Sorgenkind“ war Ungarisch: Ihre Mutter war der einzige soziale Kontext, in dem Ashley mit der Sprache Kontakt haben würde. Meist ist die Mutter eine Woche im Monat bei der Familie zu Besuch, in der Zeit sollte sie – und dann auch Vanessa – ausschließlich Ungarisch sprechen.
Nur funktionierte das nicht so wie geplant: Weil Ashley immer besser Englisch sprach, was auch Vanessas Mutter kann, wechselte diese oft mit ihr ins Englische, weil es einfacher war.
Strenge Struktur …
Dem Ansatz zufolge, den Vanessa für die mehrsprachige Erziehung nutzte, sollten alle Sprachen gleichmäßig gefördert werden. Sonst würde die Sprache, die am wenigsten gefördert wird, leiden – und es könnte sein, dass das Kind sie überhaupt nicht lernt.
Heute sagt Vanessa: „Ashleys Ungarisch hat sich nicht so stark entwickelt wie die beiden anderen Sprachen. In Deutsch und Englisch ist sie ungefähr gleich stark, vielleicht in Deutsch ein bisschen besser.“

Anderen mehrsprachigen Familien empfiehlt sie, in den unterschiedlichen sozialen Kontexten sehr diszipliniert zu sein und ausschließlich die jeweils zugeordnete Sprache zu nutzen.
Auch eine Zuordnung zu unterschiedlichen Orten könne helfen, also dass zum Beispiel zu Hause immer Englisch gesprochen werde. Oder eine zeitliche Struktur: Ein Tag ist Sprache eins, der andere Tag Sprache zwei gewidmet. Und noch eine Möglichkeit: „Manche benutzen einen Hut. Wenn sie diesen Hut trage, wird die eine Sprache gesprochen, wenn sie ihn nicht tragen, die andere Sprache.“
… oder ganz ohne Zwang?
Linguistin Rosemarie Tracy sieht das sehr viel entspannter, weil es Familien belasten und zu Spannungen führen könne, wenn man versuche, sich an eine rigide Aufteilung zu halten. Sie rät auch davon ab, darauf zu bestehen, dass das Kind eine bestimmte Sprache spricht – oder so zu tun, als würde man eine Sprache nicht verstehen.
„Kinder merken, wenn Eltern mit anderen Menschen gut Deutsch sprechen können. Wenn sie dann zu Hause behaupten, sie würden das Kind nicht verstehen, entspricht das ja nicht den Tatsachen.“
Wenn wir Mehrsprachigkeit fördern wollen, sollten wir positive Einstellungen zu den unterschiedlichen Sprachen fördern – ohne Zwang
Nur wenn man eine Sprache wirklich nicht versteht, kann man das glaubhaft sagen. Ansonsten sollten Eltern großzügig darüber hinwegsehen, wenn ein Kind phasenweise nur die Umgebungssprache oder nur eine der Sprachen der Eltern verwendet. „Wenn wir Mehrsprachigkeit fördern wollen, sollten wir positive Einstellungen zu den unterschiedlichen Sprachen fördern – ohne Zwang.“
Sie ermutigt vor allem dazu, einfach zu machen. Egal wie, egal wie viel. Einzige Bedingung: Man sollte die Sprache(n), die man mit dem Kind spricht, gut beherrschen, weil man nur dann ein gutes Sprachvorbild sein kann.
Sprachenlernen geht auch noch später
Es ist übrigens auch völlig in Ordnung, wenn Kinder erst in der Kita Deutsch lernen. Die Forschung geht davon aus, dass sich Kinder auch noch mit drei bis vier Jahren eine zweite Sprache wie eine zweite Erstsprache aneignen könne. Aber, schränkt Tracy ein: „Das hängt natürlich davon ab, dass die Kinder in der Kita verlässlich in intensiven Kontakt mit dem Deutschen kommen.
Anlaufstellen für mehrsprachige Familien
Unterricht in anderen Herkunftssprachen, migrantische Vereine, Kita- und Schulprojekte, Spielgruppen oder Treffpunkte: Bergisch Gladbach bietet einige Anlaufstellen für Familien internationalem Hintergrund und mehrsprachig aufwachsenden Kindern. Hier eine hoffentlich vollständige Liste.
Wenn einige Fachkräfte dort selbst keine Deutsch-Muttersprachler:innen sind, sei das kein Problem, solange es nicht alle seien. Kinder würden schnell erkennen, wenn Erwachsene selbst noch Schwierigkeiten mit der Sprache hätten, und sich dann an denen orientieren, die ein besseres Sprachmodell bieten. „Das ist ja auch oft zu Hause so, wenn Eltern unterschiedliche Sprachen sprechen.“

Und natürlich kann man auch noch später neue Sprachen lernen. Auch mit viereinhalb. Mein Mann war nämlich leider den gängigen Vorurteilen aufgesessen und, ich gebe es zu, wir beide haben uns auch nicht wirklich weiter dazu informiert. Er machte sich Sorgen, dass unser Kind nicht gut Deutsch lernen würde, wenn er mit ihm ausschließlich Arabisch spräche.
Und als das Kind begann, immer besser Deutsch zu sprechen, wurde es immer schwieriger, zu Arabisch zu wechseln. Auch, weil Arabisch in unserem Alltag sonst kaum eine Rolle spielt. So beschränkt sich der arabische Wortschatz unseres Kindes auf typische Elternanweisungen (wie „Talahon“) und Küchenvokabular, denn da verbringen die beiden viel Zeit miteinander.
Wie ein später Start gelingen kann
Tracy sagt aber, dass mein Mann noch eine Chance hat, das Arabische stärker zu verankern. Mit viereinhalb wird Sprache zwar nicht mehr, wie bei einem doppelten Erstspracherwerb, rein intuitiv gelernt, aber auch der kindliche Zweitspracherwerb habe in dem Alter noch „sehr, sehr gute Aussichten“. Und, fügt sie hinzu: Man sollte nicht vergessen, dass wir eigentlich unser Leben lang neue Sprachen lernen können.
Sie empfiehlt, gemeinsame Routinen zu schaffen, die Spaß machen und eine positive Einstellung zu der Sprache entstehen lassen. Vater und Sohn könnten zum Beispiel zusammen arabische Bücher angucken und Spiele spielen, bei denen sie miteinander reden.
Wenn Sie auch Arabisch lernen wollen, könnten Sie das gemeinsam spielerisch angehen, vielleicht sogar eine Art Wettbewerb daraus machen
Hilfreich wäre auch der Kontakt zu anderen arabischsprachigen Kindern oder Besuche bei den Großeltern. Wenn ein Kind merke, dass es die Sprache benutzen muss, um sich mit den Großeltern und Freunden zu verständigen, würden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell Fortschritte einstellen – und das könne enorm ermutigen.
„Wenn Sie auch Arabisch lernen wollen, könnten Sie das gemeinsam spielerisch angehen, vielleicht sogar eine Art Wettbewerb daraus machen: Kannst du es schneller lernen als ich?“, sagt Tracy zu mir. Ob man das einmal die Woche umsetze oder jeden Abend, sei egal.
Wenn man sich als Elternteil selbst als Anfänger und Lernende zeige, zeige man zugleich, dass Lernen erstrebenswert ist und wertet auch die Sprachen auf, die außerhalb des Elternhauses oft wenig Anerkennung finden.
Sprachen können ein Leben lang bleiben
Kathys Kinder hörten übrigens bald, nachdem sie in die Kita wechselten, auf, Englisch zu sprechen. Wenn sie die Tagesmutter heute privat treffen, muss diese mit ihnen Deutsch sprechen, weil sie sie nicht mehr verstehen.
Doch einmal gelernte Sprachen verschwinden nicht immer völlig, sagt Rosemarie Tracy. „Wenn Erwachsene die Herkunftssprache eines Elternteils lernen (oder eine andere Sprache, Anm. d. Red.), die sie in der frühen Kindheit gehört haben, fällt ihnen das durchaus leichter, als wenn sie diese Sprache als völlig unbekannte Fremdsprache lernen würden. Vor allem die Aussprache kann ihnen viel leichter fallen.“
Das kann ich bestätigen: Ich habe als kleines Kind eineinhalb Jahre auf den Philippinen gelebt und parallel Deutsch und Englisch gelernt, beherrschte beide Sprachen gleich gut. Als ich mit drei Jahren nach Deutschland zurückkehrte, weigerte ich mich, weiter Englisch zu sprechen und verstand bald auch nichts mehr.
Doch nach meiner ersten Englischstunde in der fünften Klasse rief der Lehrer meine Mutter an und fragte, ob ich in meiner Kindheit Kontakt mit der Sprache gehabt hätte. Es fiel mir sehr leicht, in der Schule Englisch zu lernen, bis heute fühlt es sich nicht nach einer Fremdsprache an.
Mehrsprachigkeit hält das Hirn fit
Und es hat noch einen Vorteil, mehrere Sprachen zu beherrschen und aktiv zu verwenden: Die Forschung geht inzwischen davon aus, dass Mehrsprachigkeit Demenz und kognitives Altern herauszögert. Das liegt daran, dass das ständige Entscheiden, welche Sprache in welchem Kontext gerade angemessen ist, das Gehirn fit hält.
Viele Gründe also, die Vorurteile gegenüber Mehrsprachigkeit über Bord zu werfen und sprachliche Vielfalt als eine wertvolle Ressource anzuerkennen und zu fördern. Mehrsprachige Kinder sind kein Problem, sondern ein Potenzial.
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Wenn man es genau nimmt, ist die Zweisprachigkeit in Deutschland noch weit stärker verbreitet, als man zunächst annehmen mag: Ich selbst bin mit Kölsch und Hochdeutsch aufgewachsen, und diese Situation gibt es auch mit zahlreichen anderen Dialekten.
Nun könnte man sagen, dass ein deutscher Dialekt ja doch irgendwie deutsch sei – weit gefehlt. Es gibt so viele Eigenheiten in Lautung, Wortschatz und Grammatik, dass die Dialekte nachträglich wie eine eigene Sprache gelernt werden müssten. Wer es nicht glaubt, kann sich ja hier einmal ein wenig durchlesen:
https://ksh.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Houpsigk
Und wer Kölsch kann, weil er selbst zweisprachig ist, versucht es mal hier:
https://frr.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hoodsidj-%C3%B6%C3%B6mrang
In Schleswig-Holstein wachsen nahe der Grenze viele Menschen mit der dänischen Sprache und Kultur auf. Es gibt dänische Schulen der Minderheit. Auch werden in Nordfriesland zudem mehrere friesische Arten Friesisch gesprochen, feering, frasch oomrang solring usw.
In der Region ist es selbstverständlich und viele wechseln je nach Kontext die Sprache. Schleswig-Holstein ist das Land mit den meisten Sprachen in Deutschland.
Ja ich bin 78 habe bis zu meinem 12 Lebensjahr zu Hause deutsch auf der Straße polnisch gesprochen.Gleichzeitig beide Sprachen lesen und schreiben gelernt.kann es immer noch begrenzt.