Die Johannes-Gutenberg-Realschule in Bensberg. Foto: Thomas Merkenich

Die Elternschaft der Johannes-Gutenberg-Realschule in Bensberg wendet sich mit einem Brief an die Öffentlichkeit und die Bezirksregierung und bittet um eine langfristige Lösung. Die bisherige Stellvertreterin hat seit dem Ausfall der Direktorin beide Funktionen inne. Das hat Folgen für Schülerschaft und das Kollegium – und ist kein Einzelfall.

Doppelte Arbeit bei gleicher Bezahlung – so lässt sich knapp zusammenfassen, was eine stellvertretende Schulleiterin seit drei Jahren leistet. Denn: Seit 2023 fehlt an der Johannes-Gutenberg-Realschule (JGR) in Bensberg die Rektorin. „Diesen Zustand halten wir als Förderverein ebenso wie die Elternpflegschaft der Schule für nicht länger hinnehmbar“, sagt Thomas Latschan, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins der Schule.

Seit dem Ausfall der eigentlichen Schulleiterin übernimmt die Konrektorin deren Funktion vertretungsweise. Allerdings nur inoffiziell. Offiziell ist sie weiterhin die Stellvertreterin. Und offiziell ist die Rektorenstelle auch nicht „vakant“, wie die Bezirksregierung Köln auf Anfrage des Bürgerportals mitteilt. 

Stellvertretung übernimmt

Die eigentliche Rektorin ist laut Bezirksregierung erkrankt. In solchen Fällen gebe es für alle Schulen in NRW eine klare Vertretungsregel. Heißt: Die Stellvertretung übernimmt übergangsweise die Leitung. Die Aufgaben der Stellvertretung wiederum müssten dann wiederum auf andere Lehrkräfte verteilt werden.

Der Förderverein und die Elternpflegschaft der JGR haben sich mit einem Brief an die Redaktion und die Bezirksregierung gewandt: Die aktuelle Situation sei für alle Schülerinnen und Schüler, für das Lehrerkollegium „untragbar“, die Doppelbelastung für die Konrektorin seit mehr als 36 Monaten „unzumutbar“. Diese werde für ihren Mehraufwand nicht zusätzlich vergütet und müsse selbst auf eine Stellvertretung verzichten.

Auswirkungen auf das Schulleben

„Unter den Folgen dieser Vakanz leiden Lehrer- und Schülerschaft gleichermaßen“, schreiben Eltern und Förderverein in ihrem Brief. Schulische Anliegen können demnach „oft kaum bearbeitet werden, viele Entscheidungen verzögern sich, andere werden notgedrungen gar komplett auf Eis gelegt“. Die JGR hat aktuell rund 560 Schüler:innen und 40 Lehrkräfte.

Die Eltern unterstreichen, dass sie mit der stellvertretenden Schulleiterin „eng und vertrauensvoll“ zusammenarbeiten und dass diese „angesichts der widrigen Umstände einen hervorragenden Job“ mache.

Eltern fordern Entlastung

Deshalb fordern sie „mit Nachdruck eine zügige Neuausschreibung der Rektorenstelle“, auf die sich die bisherige Stellvertreterin dann bewerben könne. Danach könnte auch die Konrektorenstelle neu besetzt werden, was für eine „spürbare Entlastung des Rektorats“ sorgen würde.

So einfach ist die Sache allerdings laut Bezirksregierung nicht. Denn offiziell sei die Rektorenstelle nach wie vor besetzt. Daher könne sie auch nicht ausgeschrieben werden. Und ebenso verhalte es sich mit der Stelle der Stellvertretung. 

Mangel an Schulleitungen

Über den Mangel an Schulleitungen haben wir bereits in der Vergangenheit berichtet. Dieser betrifft vor allem Grundschulen und dort insbesondere die Konrektorenstellen. Das hängt unter anderem mit der hohen Arbeitsbelastung und der im Vergleich schlechteren Bezahlung zusammen.

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Rektoren gesucht: Ein Viertel der Grundschulen hat keine Leitung

An jeder vierten Grundschule in Bergisch Gladbach ist der Posten der Schulleitung nicht besetzt. Das liegt auch an der hohen Arbeitsbelastung des Jobs. Meist springen dann die Stellvertreter:innen kommissarisch ein. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Person zwei Schulen gleichzeitig leitet.

Laut Bezirksregierung sind an den 20 Grundschulen in Bergisch Gladbach aktuell vier Leitungsstellen sowie neun Stellvertretungen nicht besetzt. Das bedeutet: Jede fünfte Grundschule wird vertretungsweise geleitet und fast jede zweite steht ohne Konrektor:in da.

An den anderen Schulformen sind laut Bezirksregierung sämtliche Rektoren- und Konrektorenstellen besetzt. Lediglich an einem Gymnasium sei eine Konrektorenstelle aktuell nicht besetzt. In dieser offiziellen Statistik taucht die Johannes-Gutenberg-Realschule also gar nicht auf.

Die Eltern haben die Sorgen, dass die bisherige Stellvertreterin aufgrund der zusätzlichen Belastung ebenfalls erkranken könnte oder die Schule verlässt: „Als Schulleitung möchten wir sie auf keinen Fall verlieren.“ 

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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