Fotos: Michael Werling

Auf einer Anhöhe zwischen Sand und Herkenrath, direkt hinter der Rochuskapelle, liegt der Hof Plätzchen, dessen Geschichte bis in das 17. Jahrhundert reicht. Nun steht er leer und zum Verkauf. Gleichzeitig befasst sich eine Architektur-Studentin mit der Frage, wie der Hof umgewandelt und neu genutzt werden kann. Unter besonderer Beachtung des Klimaschutzes.

In der Umnutzung landwirtschaftlicher Gebäude und im Leerstand von Gebäuden schlummert so manches Potenzial. Die Neugestaltung bietet viele Chancen, erfordert jedoch auch ein planmäßiges Vorgehen. Für das Objekt „Hofanlage Plätzchen“ in Bergisch Gladbach-Sand, Herkenrather Straße 240 ist jetzt zumindest in Sachen „geplante Umgestaltung“ ein Silberstreif bzw. ein Hoffnungsschimmer am Horizont erkennbar. 

So fand sich mit der Master-Studentin Julia Dietrich von der Fakultät für Architektur der TH-Köln eine engagierte Kandidatin, die sich in den nächsten drei Monaten intensivst mit dieser Materie auseinandersetzen möchte.

Angeboten bekam sie dieses anspruchsvolle Thema von Dipl.-Ing. Thorsten Burgmer, Professor für Entwerfen und energetische Konzepte am Institut für EnergieEffiziente Architektur der TH-Köln. 

Dies bedeutet, dass neben der sinnvollen Neunutzung der Bausubstanz auch die Themen „Ressourcen- und energieoptimiertes Bauen bei der Bearbeitung des historischen Gemäuers eine erhebliche Rolle spielen werden. 

Neben der Entwicklung neuer Nutzungskonzepte rückt dabei auch die Verwendung regional verfügbarer und sich regenerierender Baustoffe zunehmend in den Fokus. Und so wundert es nicht, dass die Bearbeiterin dieser Masterthesis dem nachwachsenden Rohstoff Stroh einen besonderen Stellenwert einräumen möchte.

Zur Sache: Stroh als alternativer Dämmstoff

Stroth fällt jährlich in großen Mengen als landwirtschaftliches Nebenprodukt an und weist gleichzeitig gute bauphysikalische Eigenschaften auf. So speichert Stroh zum Beispiel CO2 (Kohlenstoffdioxid) und eignet sich dadurch hervorragend als CO2-neutrale Alternative für Dämmstoffe oder als ökologischer Baustoff.

Dass durch die Weiterentwicklung technischer Regelwerke und bauaufsichtlicher Zulassungen sich Stroh in den vergangenen Jahrzehnten von einem traditionellen Baustoff zu einem technisch anerkannten Baustoff entwickelt hat, spricht daher für sich selbst.

Um ein wirtschaftliches Konzept für die zukünftige Nutzung dieser Hofanlage zu finden, müssen außerdem baurechtliche Fragestellungen von der Bearbeiterin entsprechend untersucht werden. Aber auch andere Kriterien, wie der räumlich- funktionale Zusammenhang der Gebäude innerhalb der Hofstelle und die Wahrung der äußerlichen Gestalt spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Abgesehen davon ist es beim Umbau von alten Gebäuden immer wichtig, die Geschichte des Hauses, seine Baustoffe und die statischen Gegebenheiten genau zu kennen, weil durch diese historische Spurensuche viel Geld eingespart werden kann. Abgesehen davon schont es die Umwelt und schützt die alte Bausubstanz. 

Prägendes Element der Kulturlandschaft

Hierbei darf man nicht außer Acht lassen, dass der Hof Plätzchen sich auf einer Anhöhe zwischen den Ortsteilen Sand und Herkenrath befindet und dieser gemeinsam mit der etwa 100 Meter entfernten Rochuskapelle (erbaut im 17. Jahrhundert) ein prägendes Element der umgebenden Kulturlandschaft bildet. 

In Sachen „Baugeschichtliches“ darf angeführt werden, dass die auf einem rund 18.000 m2 großen Grundstück befindliche Hofanlage Plätzchen anhand seiner ehemals aus Fachwerk errichteten Vorgängerbauten bis in das 17. Jahrhundert zurückdatiert werden kann.

Schon zu dieser Zeit baute man vor Ort Feldfrüchte an und hielt Nutztiere. Aber auch die Nutzung einer Gaststube im Wohnhaus ist überliefert. So soll pausierenden Fuhrleuten das Anwesen als Ort der kurzen Einkehr zur Verfügung gestanden haben. 

Anlaufpunkt für Mensch und Tier

Damals mussten die Fuhrleute entweder den Hohlweg von Oberlerbach aus, oder die Strecke direkt von Sand bis zu dieser Anhöhe überwinden, was äußerst beschwerlich war. Deshalb war es sinnvoll, exakt auf dieser Anhöhe einen Anlaufpunkt zu schaffen, um in den Pausen Mensch und Tier kurz versorgen zu können.

Vermutlich zählte das Anwesen Plätzchen, wie die umliegenden Höfe (z.B. der Wesselsteinbacher- oder der Oberlerbacher Hof), zum Lerbacher Grundbesitz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte die Hofanlage einschließlich anderer Liegenschaften der Familie Zanders, später der Familie von Siemens. 

In den 1950er Jahren ist der alte Hof abgebrochen und durch einen umfangreicheren landwirtschaftlichen Betrieb ersetzt worden, der als Musterhof für Milchvieh angelegt wurde. Wegen eines Brandschadens musste die Hofanlage 1967 neu errichtet worden.

Standort für generationenübergreifendes Wohnen?

Das Bergisch Gladbacher „Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK 2030)“ sieht für den Standort der Hofanlage Plätzchen eine Nutzung mit dem Schwerpunkt auf gemeinschaftliches und generationenübergreifendes Wohnen vor. Darüber hinaus soll die Entwicklung eines ergänzenden Begegnungs- und Mobilitätsangebotes vorgeschlagen werden (Expose von Julia Dietrich 2026).

Mehr zum Thema

Wohnprojekt in Herkenrath feiert Spatenstich

Seit siebeneinhalb Jahren planen die Mitglieder der Christlich-Ökologischen Wohngemeinschaft CÖW ein gemeinschaftliches und klimagerechtes Wohnprojekt in Herkenrath. Nach vielen Rückschlägen feierten die Mitglieder mit beteiligten Akteur:innen nun den Spatenstich. Sie suchen noch weitere Mitbewohner:innen für ihr „Mikro-Dorf“ auf der grünen Wiese.

Letztgenannter Ansatz lässt an die ehemalige Nutzung des Hofes Plätzchen als Rastplatz für die Fuhrleute denken. Insofern wäre ein generationenübergreifendes Wohnprojekt, verbunden mit privaten Rückzugsorten einschließlich großzügiger Gemeinschaftsflächen in Verbindung mit einem Rastpunkt für Wanderer oder Radfahrer ein anzustrebendes Entwurfskonzept. 

Natürlich gäbe es auch noch andere Nutzungsmöglichkeiten, die einen nachhaltigen Beitrag zur langfristigen Stärkung dieses Bereiches zwischen Sand und Herkenrath leisten könnten. 

Wir dürfen also gespannt sein, was die Masterstudentin Julia Dietrich vorschlagen wird! Momentan ist die Anlage unbewohnt bzw. ungenutzt und wird über die Firma Heinz. P. Hinterecker Immobilien GmbH & Co. KG zum Verkauf angeboten. 

Prof. Dr. Michael Werling, geb. 1950 in Ludwigshafen am Rhein. Nach einer Lehre als Bauzeichner, Studium der Architektur an der Ingenieurschule Mainz sowie an der TH Karlsruhe. Assistent am Lehrstuhl für Industrialisiertes Bauen und Industriebau an der Technischen Universität in Kaiserslautern. Parallel...

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.