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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de. Twitter: @gwatzlawek

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2 Kommentare zu “Flüchtlinge in Bergisch Gladbach. Die Zahlen”

  1. Georg Cürten

    Ich engagiere mich gerne in der Flüchtlingsarbeit. Nur leider werden die unterschwelligen und latenten Belei-digungen unserer “besorgten Bürger” immer häufiger, auch mir gegenüber.

    Besorgte Bürger, die sich auch gerne und vehement auf unsere jüdisch-christlichen Wurzeln berufen. Jü-disch-christliche Werte, die nicht nur in der Thora oder im Neuen Testament nachlesbar sind (auch der Koran hält dort das ein oder andere Schmankerl bereit), sondern auch den Weg in unser Grundgesetz gefunden haben.

    Ist das bewußt? Wenn ja, warum leben wir nicht danach? Warum leben sie nicht danach?

    Ich habe Menschen kennengelernt, die in ihrem Leben noch nichts anderes als Krieg gesehen haben, so, wie es z.B. viele afghanischen Flüchtlinge erfahren mussten. Auch Menschen, denen es einmal gut ging in ihrer Heimat. Menschen, die ihre Erde nie verlassen wollten, aber keine Möglichkeit sahen, für ihre Familien und Kinder ein lebenswertes (was ist das eigentlich?) und sicheres Dasein, und das zunächst überhaupt nicht im materiellen Sinne, zu gewährleisten.

    Und viele von ihnen wollen auch wieder nach Hause! Nach Hause, ….. wenn das so einfach wäre.

    Viele sagen, es seien doch nur Männer unter den Flüchtlingen, kaum Familien mit Kindern. Das muss jedoch relativiert werden. Zum einen sind die Männer aus diesen Kriegsgebieten diejenigen, die direkt bedroht sind, weil ihnen dort die Verwendung als “Kanonenfutter” droht. Und wenn man einmal genauer hinschaut, allein in unseren Unterkünften befinden sich solcherart viele Familien mit Kindern. Da kommt man doch ans Nach-denken.

    Menschen kommen aus Eritrea, Irak, Iran, Afghanistan und Syrien zu uns, weil sie um das einzige was sie haben, nämlich ihr Leben, fürchten. Und sie bitten uns um Schutz. Mehr nicht.

    Sie bitten eine Gesellschaft um Schutz, die sich diese Schutzgewährung auf die Fahne geschrieben hat. Und die auch wohlhabend genug ist, diesen Schutz zu gewähren. Keinem Rentner oder HartzIV-Empfänger wer-den ob der Belastung durch die Flüchtlinge die Bezüge gekürzt. Wir fahren weiter hochmotorisierte Autos und leisten uns Flugreisen mit Billigfliegern. Keine Ecke der Welt ist vor uns sicher. Wir können es uns leis-ten. Und das ist zunächst einmal auch gut so. Und soll auch so bleiben.

    Die Flüchtlinge fliehen auch vor Waffen, die Deutschland produziert und exportiert hat. Man bedenke, in der deutschen Rüstungsindustrie sind bis zu 100.000 Menschen direkt beschäftigt, Quellen gehen von weiteren rd. bis zu 200.000 Beschäftigten in der Zulieferindustrie aus. Wenn man diese insgesamt fast 300.000 Men-schen als Haupternährer einer Familie anhält, kommt man doch locker auf 500.000 bis 1 Million Menschen, die durch die Rüstungsindustrie ernährt werden. Und ich meine, die wesentliche Triebfeder für die Rüstungs-produktion ist der Export. Denn die Bundeswehr, als eine reine Verteidigungsarmee, die noch nicht einmal Außengrenzen zu “feindlichen” Staaten hat, die verteidigt werden müssten, benötigt doch nun wirklich keine – wie geplant – Neuauflage eines Leopardpanzers.

    Schade, dass wir unsere Kompetenz in diesen Bereichen verschwenden. Es gibt so viele Wirtschaftszweige und Forschungsaufgaben, in die wir nutzbringender investieren könnten.

    Ja, es gibt auch die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge, das will ich gar nicht in Frage stellen. Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsländern. Es gibt auch straffällige Migranten wie es die aktuelle Diskus-sion in der Presse zeigt. Der in den letzten Tagen veröffentlichte Kölner Appell hat dem Rechnung getragen. Diese Menschen haben den Anspruch auf Hilfe verwirkt, …. aber sie sind nun einmal da. Hier ist die Politik am Zuge, pragmatische und umsetzbare (!) Lösungen zu finden.

    Wir als Gesellschaft sind jedoch gefordert, unser Gemeinwesen tätig zu gestalten, und dazu gehört nun ein-mal auch die Verpflichtung zur Hilfe. Auch die Hilfe zum Zusammenleben. Und diese Hilfe heißt nicht nur geben, sondern auch lehren, belehren, unterstützen und vorleben. Und manchmal auch lächeln. Eben damit unsere Kommunen lebenswert bleiben.

    Und seien wir ehrlich, in der Konsequenz kann die ganze Flüchtlingsthematik ein riesiges Konjunkturpro-gramm für die BRD sein. Und wieder sind wir zum Gestalten aufgefordert.

    Man muss nicht meiner Meinung sein. Aber gegen die Flüchtlingshilfe zu kämpfen, das ist, als wolle man Fukushima mit dem Staubsauger dekontaminieren. Wir können die Zäune noch so hoch bauen, die Men-schen werden weiterhin kommen. Not findet immer Wege! Also hilft es doch gar nicht, sich gegen diese Menschen, unsere Gäste, zu stellen, sondern vielmehr muss ein jeder von uns Deutschen sich für Integration engagieren und diese unterstützen.

    Eine Alternative gibt es in meinen Augen nicht.

    Freunschaftlichst, Georg Cürten

  2. Dirk Cromme

    Sehr geehrter Herr Watzlawek,Ihre Aufarbeitung von umfangreiche Informationen zu Bergisch Gladbacher Ereignissen, insbesondere zur Flüchtlingsproblematik hier, finde ich bewundernswert und möchte mich dafür bedanken. Die zahlreichen Vernetzungen, Links u.ä. geben dem Leser die Möglichkeit, Pro und Kontra zu einem Thema kennenzulernen und sich so eine eigene Meinung zu bilden. Das ist bester Journalismus.
    Nach der Neu-Herausgabe von “in-gl” haben Sie die Informationsaufbereitung noch erheblich verbessert. Wer in GL mitreden will, muss Ihr Bürgerforum lesen (und sollte deshalb dieses Forum auch finanziell unterstützen!)

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