„Flächennutzungsplan“ steht derzeit auf dem Programm der kommunalpolitischen Bühne. Diesmal ein Stück mit ausdrücklich animierter und vielfältig scheinender Publikumsbeteiligung. Hoffentlich mehr als interaktives Theater, denn immerhin geht es um ´was: Gesicht und Struktur von Stadt und Raum in den nächsten 20 Jahren.

Quo vadis, GL?

Wie wollen wir hier in Zukunft, zumindest die nächsten 20 Jahre, leben, wohnen, arbeiten, uns zwischen verschiedenen Punkten im Stadtraum bewegen … Das ist die große und berechtigte Rahmenfrage über dem jetzt in Neuaufstellung begriffenen „Flächennutzungsplan“ für GL.

An welchen Stellschrauben soll in welcher Richtung, mit welchem Ziel und unter Anwendung welcher Mittel gedreht werden?

Wer zu spät kommt, den bestraft der Bagger …

So ein „FNP“ stellt schon eine Art kommunalpolitischer Königsdisziplin. Was in ihm als, sagen wir, Blaupause für die Entwicklung des städtischen Raumes vorgezeichnet und dann letztlich vom Rat als Marschrichtung beschlossen wird, hat gute Chancen, sich in den Folgejahren auch konkret zu verwirklichen, also bauliche Gestalt anzunehmen.

Das müssen Sie zum Flächennutzungsplan wissen

Umgekehrt ist es „überproportional“ schwieriger, die latenten, erst recht dann akuten Folgewirkungen eines einmal beschlossenen FNP wieder zu „kippen“. Drum: Augen auf – Wer zu spät kommt, den bestraft der Bagger …

Fröhliches Hauen um´s Bauen – Aber nicht nur …

Stichwort „bauliche Gestalt“. Darum geht es im Kern bzw. das ist eben das Auf- wie Augenfälligste und auch unmittelbar „Aufregenste“ an einem solchen FNP, in der Regel dann auch Gegenstand entsprechend vitaler Kontroversen bis hin zu teils heftig aufeinander prallenden Interessengegensätzen.

Ziel erkannt bzw erkennbar?

Welche ins Visier genommenen und bis dahin freie, also bewaldete, bewieste, befelderte, somit baulich unberührte Flächen auf dem Stadtgebiet sollen in mittel- und langfristiger Perspektive eine sichtbare, spürbare und mehr oder weniger folgewirkungsträchtige Veränderung erfahren, sprich eben zu Bauland für Wohnen und Gewerbe werden?

Welchem Gesamtkonzept folgt das, welcher Leitidee – Gibt es überhaupt ein Gesamtkonzept, eine Leitidee für die zukünftige Entwicklung der Stadt? Und lässt sich das aus den entsprechenden Bauland-Absichten für Wohnen / Gewerbe ablesen?

Trau´, schau´, bau´ … Oder besser nicht?

Eben die Bauland-Absichten – Genau darum drehte / dreht sich natürlich auch alle Diskussion bereits im Vorfeld der offiziellen FNP-Vorlagen-Vorstellung am kommenden Dienstag, dem 30.08.16, ab 1700 im Ratssaale zu Bensberg.

Vorgestellt wird dort eben eine erste Vorlage der Ideen von Politik und Verwaltung über mehr als eine nützliche Flächenzukunft GL´s , begleitet von allerlei Wünschen, Begehrlichkeiten, Bedenken und Sorgen jeweiliger Interessen- und / oder Betroffenen-Gruppen.

Yesterday …

GL´s erster, bisher einziger, also bis heute gültiger Flächennutzungsplan übrigens stammt aus einer lang entlegenen Epoche mit zuhause oder in Zellen angeleinten Telefonen, qualitativ anspruchsvollen Lokalzeitungen , drei Fernsehprogrammen inklusive Sendeschluss …

Genauer von 1978. Das war drei Jahre nach der heute von vielen mit gemischter Gemütslage gesehenen Vereinigung der beiden Städte Bergisch Gladbach und Bensberg. Übrigens sah der ursprüngliche Plan gar nicht die Übernahme der Schlossstadt durch das Strundetal, sondern das genaue Gegenteil vor … Aber das ist eine andere Geschichte.

Der diskrete Charme des Stückwerks

Der damals seit drei Jahren gemeinsame Rat bzw. die neue gemeinsame Verwaltung stückte nun beide Flächennutzungspläne, den von Bergisch Gladbach und den von Bensberg, zu einem zusammen.

Und mit diesem für hiesige Verhältnisse nicht ganz untypischen Stückwerk mäanderten sich Flächen und Nutzen von Herkenrath bis Schildgen, von Lustheide bis Rommerscheid durch beinahe 40 Jahre. Wie das eben und gerade im Rheinland so ist. Zumal in der nächsten Nähe Kölns. „Et kütt …“; Un´ et hätt´ noch immer …“ – Wat willste maache …?

The world goes round and round – und manchmal auch voran …

Fast 40 Jahre,  in denen sich die Welt von 1978 auf vielfach überraschende, unerwartet tiefgreifende, teils glückliche, teils dramatische, ebenso erhebende wie enttäuschende Weise, in mehrfachem Überschlag oder langwellig schleichend veränderte. Auf sämtlichen Gebieten, in sämtlichen Hinsichten (nur das menschliche, allzumenschliche Naturell ausgenommen).

Ökologie beispielsweise ist von einer belächelten Politesoterik zu einer festen Größe intelligenter, zusammenhängender und nachhaltiger Wirtschafts-, Verkehrs-, Stadt- und Raumentwicklung geworden. Zumindest theoretisch und vielerorten auch längt praktisch.

(Fast) Alles (oder Vieles) neu macht der FNP

37 Karnevalssessionen nach der Welt von 1978, um eine für die Strunder Schlossstadt passende Zeitrechnung zu nehmen, schreiben wir auch dort, also hier das Jahr 2016. Höchste Zeit also für einen neuen Flächennutzungsplan, der auf Höhe der Zeit, im Lichte aller Erfahrung, mit Blick auf die Zukunft und nach Maßgabe einer übergreifenden Gesamtvorstellung die Konturen des GL von morgen zeichnen soll. Oder sollte. Müsste. Auf jeden Fall könnte.

Raumschiff GL …

Jetzt höre man im Geist die Klänge jener legendären Anfangssequenz einer heute selbst längst historischen Science-Fiction-Serie …:

„Der Stadtraum – unendliches Grün, wir schreiben das Jahr 2016. Dies sind die Abenteuer von Politik und Verwaltung in GL, die mit ihrer vielköpfig starken Besetzung mehrere Jahre unterwegs sind, um frische Territorien zu erschließen, neues Bauland und neues Wachstum. Viele Lichtjahre von der Realität entfernt, bereiten sie Bauland-Neuausweisungen vor, auf die sonst kein Mensch kommen würde …“

In der genüsslichen Polemik steckt die rundum wahrgenommene Kritik

Zugegeben: Das war nun allerdings satirisch gespitzte Polemik. Aber nicht wenige Bürger sehen die bislang erkennbaren Trends oder Vorstellungen der kommenden FNP-Vorlage sehr kritisch. Natürlich im Hinblick auf die oben erwähnten Neuausweisungen von Bauland für Wohnen und Gewerbe. Im Focus zunächst, nicht überraschend: Das Wo und das Wieviel.

Nicht nur „Wo“ und „Wieviel“, sondern „Wozu“ und „Wohin“?

Und es geht jetzt nicht vorrangig darum, dass sich die Begeisterung derer, die in ihrem unmittelbarem Wohn-/Lebensumfeld über kurz oder lang Gewerbegebiete samt Kollateraleffekte entstehen sehen, verständlicherweise in Grenzen hält.

Auch nicht vorrangig darum, dass überzeugte Naturfreunde und Landschaftsschützer einer massiven Neuversiegelung von Flächen ebenso erwartbar wenig Ersprießliches abgewinnen können.

Es geht, vom „Wo“ und dem „Wieviel“ abgesehen, noch um etwas anderes: „Höchste Zeit also für einen neuen Flächennutzungsplan, der auf Höhe der Zeit, im Lichte aller Erfahrung, mit Blick auf die Zukunft und nach Maßgabe einer übergreifenden Gesamtvorstellung die Konturen des GL von Morgen zeichnet …“

FNP at it´s best – Bestenfalls …

Bestenfalls – Das wäre eine sich im Flächennutzungsplan ausdrückende, entsprechend übergreifende Rahmen- und „Gesamtvorstellung“ über das „GL von Morgen“ – „auf Höhe der Zeit“ – „im Lichte aller Erfahrung“ – „mit Blick auf die Zukunft“ …

Wir schreiben auch in GL das Jahr 2016, also Zweitausend(!)sechzehn …

Haben wir das? Gibt es das? Steckt das in der kommenden FNP-Vorlage? Ein eben stimmig zusammenhängendes, gerade auch regional abgestimmtes Gewerbe-Verkehrs-Wohn-Raumentwicklungs-Konzept aus einem Guss; ein Konzept, das Charakter und Lage der bundesweit „drittgrünsten Stadt“ ( ! ) entspricht (Ja, auch das ist ein Standortfaktor und –vorteil!), das ihre vorhandenen Stärken wie gegebenen Potentiale fokussiert, ausbaut, anschließt, „vernetzt“, in einem langfristig ausgerichteten Blick, Stand 2016 (!) und Richtung Zukunft …?

In Sachen „2016“ und Stand der Dinge außerhalb GL´s … z.B. auch:

wissenschaftsjahr-zukunftsstadt.de/

iao.fraunhofer.de/lang-de/ueber-uns/presse-und-medien/1101-nationale-plattform-zukunftsstadt.html

nationale-plattform-zukunftsstadt.de/npz-34.php

morgenstadt.de/de/morgenstadt-initiative.html

Qualität statt Quantität oder Planieren ersetzt keinen Plan

Da nun mit offizieller Erstpräsentation der FNP-Vorlage seitens Politik und Verwaltung eine gewünscht breite Diskussion unter möglichst vielen Bürgern in Gang kommen soll, vielleicht zur Anregung ein paar Orientierungsfragen, um das, was dann offiziell zur Vorlage kommt, unter die Lupe zu nehmen …

So reden die Bürger beim Flächennutzungsplan mit

Die FNP-Vorlage bittet zum Tanz der Meinungen und Gedanken …

Sicher gibt es noch viele andere Fragen, die nachfolgenden heben versuchsweise darauf ab, eben den Aspekt der Qualität zu beleuchten. Denn mit bloßer und möglichst großzahliger Quantität bei der Flächen-Neuausweisung ist es Heute nicht mehr getan. Entscheidend wirkt der qualitativ durchdachte Rahmen- und Gesamtplan, zu dem ein neuer FNP geradezu einlädt …

  • Würden alle bereits bestehenden Gewerbeflächen der Stadt vital und nach einem übergreifenden Wirtschaftskonzept sozusagen „sanft steuernd“ bespielt (z.B. hier auch immer wieder interessant das große Stadtentwicklungskonzept ISEK 2030, dann …;
  • Würden die gleich riesigen Zaunpfählen winkenden und zu allemal reizvollen Projekten (z.B. „Zukunftscampus“ / „Wohn-und Gewerbepark 4.0“ etc.) einladenden Brachflächen im Zentrum GL´s intelligent und zusammenhängend entwickelt (z.B. so), von bereits großen Teilen des unmittelbar gleisangebundenen Zanders-Geländes nicht zu reden, dann …;
  • Wenn das einzige Argument gegen eine Wiederbelebung eben reichlich bestehender Flächen ´mal wieder die Gewinnschmälerung Einzelner sein sollte – Nun, der ständige Neuverbrauch von Flächen ist keinesfalls günstiger, er sourct nur die Kosten aus, an die Allgemeinheit und die Zukunft …;
  • Wird i.d.Z. überhaupt der Wert von „Landschaft“ als Raum- und Wirtschaftsfaktor in einer Region wie der hiesigen erkannt und berücksichtigt – oder ist das nicht „sexy“ genug, so á la:  „Jetzt wird wieder in die Landschaft geguckt, wir planieren für´s Bruttosozialprodukt …!“ (man glaubt gar nicht, welche Rolle die pure Psychologie und allerlei „archaische Archetypen“ und „Denk“-Muster dabei spielen …)?;
  • Welche Arten Gewerbe sollen denn auf den potentiell neu auszuweisenden Flächen angesiedelt werden? Welche Arten Gewerbe passen hier zu Stadt, Lage, Stärken, Perspektiven, Anbindungen? Welche Gedanken gibt es in dem Sinn zum Wirtschaftsstandort GL als Einheit, z.B. im Hinblick auf synergetische „Clusterbildung“ (heißt eben passende und zukunftsfähige Kernansiedlungen mit Folgezug und Ergänzungseffekten), hier wiederum der Zusammenhang auch mit demographischer und technologischer, ebenso Einzelhandels- und touristischer Gesamtperspektive?

Die Spiele sind eröffnet …

Wie auch immer: Da ein neuer Flächennutzungsplan eben über Gesicht und Struktur einer Stadt für die kommenden Jahrzehnte entscheidet, ist eine konstruktive, kritische, kreative Diskussion hinsichtlich seiner eigentlich planerischen Qualität mehr als angemessen und auch sinnvoll. Eventuelle „Quantitäten“ müssen sich schlüssig aus dieser Qualität ergeben … Schau´n wir ´mal, es ist schon und wird wohl noch durchaus spannend.

Und hier sprudeln die Quellen …

Wer sich übrigens umfassend zum Thema FNP informieren möchte, ist hier beim GL-Bürgerportal wie stets an der richtigen Adresse. Aber auch bei der Stadt GL selbst gibt´s, was Herz und Hirn dazu begehren.

Ein „Ruhrgebiet“ im Gladbacher Osten?

CDU-Fraktionschef will widerstrebende Interessen vereinen

CDU verabschiedet sich von großen Gewerbeflächen

Verdichten – um zu wachsen

Die Stimme der Wirtschaft beim Flächennutzungsplan

Sieben Thesen zur Zukunft von Bergisch Gladbach

Unternehmer wollen mehr als 55 Hektar

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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