Autoexperte Markus Lüttgen, Ford Lüttgen, Bergisch Gladbach

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Das Thema Fahrverbote für Diesel-Motoren beschäftigt derzeit die Gemüter. Viele Kunden sind verunsichert, für welchen Antrieb sie sich entscheiden sollen, wenn ein neues oder gebrauchtes Auto ansteht.

Natürlich steht mir als Automobilhändler nicht zu, die Situation in Gänze zu beurteilen. Dennoch möchte ich (politisch wahrscheinlich völlig unkorrekt) ein paar Anmerkungen zu dieser Thematik machen.

Der Dieselmotor wurde im Jahre 1893 von Rudolf Diesel erfunden und weist einige Vor-, aber auch Nachteile gegenüber einem Ottomotor auf, der nach fast gleichem Prinzip seit 1876 seinen Dienst tut. Detaillierte und gleichzeitig komprimierte Informationen findet man auf Wikipedia.

Der Diesel hat grundsätzlich einen höheren Wirkungsgrad – verbrennt den Kraftstoff also besser – und hat somit einen geringeren spezifischen Kraftstoffverbrauch. Die derzeit argumentierten Nachteile sind höhere Emissionen von Stickoxiden und Feinstaub.

Aber man erlaube mir dazu grundsätzliche Überlegungen: Wenn fossile Stoffe verbrannt werden, entstehen IMMER Emissionen, auch beim Ottomotor, auch bei mit Erd- oder Autogas betriebenen Fahrzeugen und auch bei Fahrzeugen mit Elektromotor (sofern der Strom aus Kohle-, Öl- oder Gaskraftwerken stammt).

Die Automobilindustrie hat deutliche Anstrengungen unternommen, die Emissionen zu reduzieren (und ja: Es soll auch Hersteller geben, die „besonders erfinderisch“ bei den technischen Lösungen waren, aber das nur am Rande). Die bisherigen Schritte und die eingesetzte Technik haben zu einer deutlichen Verminderung der Emissionen geführt. Allerdings – auch das darf man nicht verschweigen – gleichzeitig zu einer spürbaren Preissteigerung bei diesen Fahrzeugen.

Ob die derzeitigen Diskussionen um Fahrverbote für die Allgemeinheit und auch in der Sache hilfreich sind, möchte ich aus folgenden Gründen bezweifeln.

Wir sind derzeit abhängig vom Diesel!

Die Belieferung der Supermärkte, in denen wir täglich einkaufen, erfolgt mit LKW und leichten Nutzfahrzeugen, die derzeit in der Regel mit Dieselmotoren ausgerüstet sind. Viele Paketdienste, die uns die Amazon- und Zalando-Pakete nach Hause bringen, nutzen Fahrzeuge mit Diesel-Motor. Auch die meisten Handwerksbetriebe, die in den privaten Hauhalten Installationen vornehmen und viele Dinge reparieren, kommen meist mit einem Transporter vorgefahren, der Diesel tankt.

Diese Unternehmen haben jetzt zwei Alternativen: Entweder müssen sie ihre alten Fahrzeuge veräußern und neue kaufen. Aber: Der Markt für die alten wird immer kleiner, weil diese Autos immer weniger Abnehmer finden (die können sie ja schließlich auch nicht nutzen) und damit sinkt der Preis.

Oder die Unternehmer entschließen sich, die entsprechenden Regionen mit Fahrverbot nicht mehr anzufahren; mit der Konsequenz, dass künftig die Lieferqualität leidet und man noch schwieriger einen Handwerker findet, der die Heizung repariert.

Das Feinstaub-Argument ist keins

Laut Bundesumweltministerium verteilt sich die Feinstaubemission wie auf dieser Grafik dargestellt. Lediglich 20 Prozent Feinstaub wird also durch den Straßenverkehr emittiert, dazu gehören PKW und Nutzfahrzeuge.

Erwähnen muss man auch, dass ein Großteil der Emissionen nicht vom Motor, sondern vom Reifenabrieb erzeugt wird. Schätzungen gehen dahin, dass lediglich ca. sieben Prozent der gesamten Feinstaubemissionen aus den Motoren von Diesel-PKW entstammt. Und in diesem Anteil sind die geschätzten 60 Prozent älterer Diesel-Fahrzeuge, die die Euro 6-Norm nicht erfüllen, enthalten.

Euro 6 versus ältere Diesel

Zur Beruhigung für diejenigen, die derzeit vor einer Kaufentscheidung stehen, sei folgendes gesagt: Die Diskussion um Fahrverbote in Städten richtet sich derzeit gegen Dieselmotoren älterer Generation. Das bedeutet, dass man sich nach bisherigem Diskussionsstand beruhigt für ein Diesel-Fahrzeug mit Abgasemissionen nach Euro 6-Norm entscheiden kann, da für diese derzeit kein Fahrverbot diskutiert wird.

Viele Fahrzeuge, wie z.B. der Ford Focus, sind schon seit einiger Zeit mit Euro 6-Dieseln bestückt, so dass man auch schon den ein oder anderen Gebrauchtwagen finden kann.

Aus allen diesen Gründen würde ich mir wünschen, dass die Diskussion insgesamt sachlicher geführt wird. Natürlich müssen wir uns überlegen, wie unsere Umwelt zu schützen ist und auch, wie Menschen gegen schädliche Emissionen geschützt werden. Aber in der derzeitigen Situation scheint die Politik wieder vorschnell handeln zu wollen mit möglicherweise noch nicht absehbaren Konsequenzen für den allgemeinen Wohlstand.

Und noch einmal: Ich habe bestimmt bei Weitem nicht alle Argumente aufgeführt und bin auch nicht neutral in meiner Meinung. Daher lade ich gerne zur Diskussion auf unserer Facebook-Seite ein.

Bis zum nächsten Mal, Ihr Markus Lüttgen

Das Autohaus Lüttgen wurde 1928 vom Bergisch Gladbacher Huf- und Wagenschmied Jean Lüttgen als einer der ersten zehn Fordhändler in Deutschland gegründet. Heute führen seine Enkel Markus und Michael Lüttgen das Unternehmen mit knapp 40 Mitarbeitern. Vor 87 Jahren ging das Unternehmen die mutige Verpflichtung ein, mindestens vier „Motorwagen“ im Jahr abzunehmen. Derzeit verkauft Lüttgen mehr als 800 Neu- und Gebrauchtwagen jedes Jahr.

Odenthaler Str. 153, 51465 Bergisch Gladbach
Website, Facebook, Mail: service@luettgen.de

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Markus Lüttgen

geboren 1968, hat in Köln Betriebswirtschaftslehre studiert und ist verheiratet. Seit 1994 arbeitet er im Familienunternehmen Autohaus Lüttgen, seit 1998 in verantwortlicher Position. Sein Auto ist ein Ford Mustang, rot.

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