Im neuen Teil des Friedhofs von Pütz-Roth befindet sich auch ein alter Steinbruch. Foto: J. Wittwer

Schon immer sieht das Bestattungshaus Pütz-Roth, die starren, in vielen Teilen überkommenen Verordnungen und Regeln für die Branche skeptisch. Hanna Thiele-Roth und David Roth haben diese Haltung ihres verstorbenen Vaters Fritz Roth übernommen und gehen mit den hauseigenen „Gärten der Bestattung” diesen Weg weiter.

Am 3. September, bei einem Tag der Offenen Tür im Rahmen des Strundetalfestes, werden sie eine umfangreiche Erweiterung des privates Friedhofes offiziell eröffnen und dabei ein weiteres Novum einführen: anders als in allen anderen Bestattungswäldern in Deutschland können dort die Urnen von Verstorbenen gemeinsam mit der Asche ihrer Haustiere beigesetzt werden.

„Unser Friedhof war der erste private in Deutschlands – er ist ein Platz lebendiger Trauer und Erinnerung. Daher gibt gibt es keine trostlosen Einheitsgräber, keine starren Friedhofszeiten und vorgeschriebenen Rituale”, sagt David Roth. Hunde seien als Begleiter der Trauernden vom ersten Tag an willkommen gewesen. Jetzt könne die Verbindung zwischen Mensch und Tier mit Unterstützung der Tierbestatterin Lea Schenker über den Tod hinaus erhalten bleiben. 

David Roth beteiligte sich selbst an der Kunstaktion „Im letzten Hemd”

Zwar müsse sich auch Pütz-Roth einigen bizarren Verordnungen beugen, berichtet Roth. So dürfen die Urnen mit der Asche der Tiere nur gleichzeitig oder nach den Urnen der Menschen eingesetzt werden, keinesfalls vorher. Die Namen der Hunde dürfen auf Grabsteinen oder Hinweisschilder auf keinen Fall in einer größeren Schrifttype gesetzt werden als die ihrer Besitzer. 

Aber darüber hinaus will das Bestattungshaus den Wünschen seiner Kunden weitestgehend entgegen kommen und sich so wenig wie möglich einmischen.

„Viele meiner trauernden Kunden wünschen sich nichts sehnlicher als irgendwann wieder mit ihrem geliebten Tier vereint zu sein. Dies wird nun als Verbindung über den Tod hinaus möglich sein,“ sagt Lea Schenker.

Im Gegensatz zu den sogenannten „Friedwäldern”, den öffentlichen Friedhöfen im Wald wie zum Beispiel an der Reuterstraße, ist in den Gärten der Bestattung die Gestaltung der Grabstätten nicht so stark reglementiert, das Anbringen von Namen ist dort erlaubt. „Die Angehörigen wollen ja zeigen, wer dort liegt”, berichtet der Bestatter. 

Das Schild zum Waldkindergarten an der Dombach-Sander-Straße

Bereits vor drei Jahren wurde auf dem Gelände des Friedhofs ein Waldkindergarten eröffnet. Die Idee, Kinder mit dem Tod vertraut zu machen, ist seit dem fester Bestandteil der Friedhofskultur in der Region.

Auch finden in den Gärten der Bestattung jedes Jahr Konzerte und Kunstevents statt, die den Friedhof zu einem Platz der Begegnung machen, auch für Menschen die nicht um einen Verstorbene Verwandten oder Freund trauern.

Seit seiner Eröffnung im Jahr 2006 ist der Friedhof der Bestatterfamilie Roth zu einem ungewöhnlichen Kultur- und Naturereignis herangewachsen. Mit Unterstützung von Lea Schenker, Gründerin und Inhaberin von „Lea Schenker – Tierbestattungen” geht die Familie noch einen bemerkenswerten Schritt weiter.

Die Grabstellen werden von den Angehörigen selbst gestaltet, ohne dass sie großen Einschränkungen unterliegen. An stillen Plätzen könne man sich mit seiner Trauer auseinander setzen, sein Leben neu überdenken, sich seinen Ängsten stellen, seine Wurzeln spüren, beschreibt das Bestattungsunternehmen das Konzept. 

An den Grabstellen sind die Namen der Verstorben zu finden, um das anonyme Verschwinden der Toten zu verhindern, wie es in den Friedwäldern üblich ist. Es bleibt ein individuell gestalteter Gedenkplatz.

Das Haus der Trauer in den Gärten der Bestattung

In den Gärten der Bestattung haben Trauernde die Gelegenheit, auch abends ihre Toten zu bestatten oder am Wochenende.

Zu beiden Seiten des die Gärten der Bestattung erschließenden Spazierweges gibt es viel zu entdecken: Meditationsplätze und Kunstinstallationen, lauschige Wasserläufe und Quellteiche vermischen sich zu einem harmonischen, inspirierenden Ganzen.

Kunst war dem verstorbenen Gründer des Friedhofs immer sehr wichtig. Fritz Roth wollte Denkanstöße geben und Gefühle wecken und tut das auch in Zukunft. Mittels QR-Code auf neu aufgestellten Stelen gelangt man zu kurzen Filmen, in denen Fritz Roth über die Kunst auf dem Friedhof aufklärt.

Bei Pütz-Roth gestalten Jahreskünstler Haus und Gelände immer neu. 

Das Bestattungshaus liegt am östlichen Ortseingang von Bergisch Gladbach auf einem Hügel oberhalb des Strundetals mitten in der Natur. David Roth gehörte auch zu den Initiatoren des noch jungen Vereins Strundetal e.V., der beim ersten Strundetalfest am 3. September die Schönheit der Natur, den kulturellen Reichtum und die Einzigartigkeit der Industriedenkmäler des Tals ins Bewusstsein der Menschen rücken will.

Vom Ortsausgang Bergisch Gladbach bis zur Quelle der Strunde in Herrenstrunden erwarten die Besucher Konzerte, Theater, Besichtigungen, Lesungen, Spielfeste und viele weitere Attraktionen. Wie viele andere Einrichtungen im Tal hat das Bestattungshaus für seinen Tag der Offenen Tür ein breites Angebot vorbereitet: 

  • Die Roths zeigen Werke der Ausstellungen Im Letzten Hemd und Ein Koffer für die letzte Reise.
  • Die Märchenerzählerin Carmen Drees wird Kindern und Erwachsenen Geschichten erzählen.
  • Das Team des Filmprojektes Sarggeschichten wird stündlich seine Werke über Sterben, Tod und Trauer zeigen.
  • Der Künstler Rolf Hinterecker wird durch die Rauminstallation Pfad der Sehnsucht führen.
  • In den Gärten der Bestattung erwarten Sie Floristen und Steinmetze,  um über ihre Arbeit zu informieren.
  • Es gibt Führungen durch die Gärten und den neuen Teil des Friedhofs, auf dem es möglich sein wird, Tiere zu bestatten.
  • Um 14 Uhr wird der neue Teil des Friedhofs von Pfarrer Werner und Kaplan Thomsen bei einer kleinen Feier eröffnt.
  • Um 15 Uhr beginnt dann auf der Wiese neben dem Haus das Konzert mit Benjamin Brings & Fründe.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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3 Kommentare

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  1. Liebe Frau Heßbrüggen, bitte wenden Sie sich mit Ihrer Frage direkt an das Bestattungshaus, hier finden Sie die Kontaktmöglichkeiten: puetz-roth.de

  2. Lieber Herr Roth,
    bei all Ihren außerordentlichen Bemühungen um neue Bestattungsmöglichkeiten, gibt es eigentlich auch Flussbestattungen auf dem Rhein?
    Uns wäre das eine Herzensangelegenheit!!
    Mit freundlichen Grüßen.
    Uschi&Mente Heßbrüggen