Welche Aufgaben hat eigentlich ein Landrat? Diese Frage stellten sich die Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums der Leistungs- und Grundkurse Sozialwissenschaften in Bergisch Gladbach, die am kommenden Sonntag erstmalig für die Wahl eines neuen Landrats ihre Stimme abgeben dürfen.

Daher statteten sie kurz vor der Wahl der benachbarten Kreisverwaltung einen Besuch ab, denn dort gab es für sie alle Infos aus erster Hand. „Ich freue mich, dass Sie so interessiert sind und sich intensiv auf die Wahl vorbereiten“, begrüßte Kreisdirektor Dr. Erik Werdel, der allgemeine Vertreter des Landrats, die rund 25 Schülerinnen und Schüler.

Hinweis der Redaktion: Infos zu den Landratskandidaten finden Sie unten

Die Schülerinnen und Schüler interessierte besonders, welche Voraussetzungen man erfüllen muss, um als Landrat zu kandidieren, wie der Wahlkampf organisiert und finanziert wird und ob auch parteilose Kandidaten sich zur Wahl stellen können.

Kreisverwaltung als Arbeitgeber

Aber auch die Kreisverwaltung als potenzieller Arbeitgeber kam zur Sprache, schließlich gibt es hier neben den klassischen Verwaltungsberufen eine Vielzahl weiterer spannender Professionen, wie beispielsweise Ingenieure, Ärzte, Informatiker, Geografen und vieles mehr.

Darüber hinaus erklärte Kreisdirektor Dr. Erik Werdel, gemeinsam mit Thorsten Steinwartz, Persönlicher Referent des Landrats, den Erstwählern den Aufbau der Kreisverwaltung und gab einen Überblick über die verschiedenen Themenfelder und Aufgaben. Ein Auszug aus dem Kalender des Landrats vermittelte dabei einen Eindruck, wie ein exemplarischer Tagesablauf aussehen kann und wie vielfältig die Aufgaben dabei sind.

Chef der Kreisverwaltung, der Kreispolizei, Vorsitzender Kreistag, … 

Denn der Landrat ist nicht nur oberster Chef der Kreisverwaltung, sondern auch der Kreispolizei. Daneben hat er den Vorsitz im Kreistag und ist damit auch Ansprechpartner für die Belange der Politik. Diese trifft wichtige Entscheidungen, beispielsweise wie viel Budget der Verwaltung jährlich für welche Aufgaben zusteht, ob neues Personal eingestellt werden soll oder mit welchen Themen man sich in Zukunft intensiver auseinandersetzen sollte. Die Kreisverwaltung setzt dies dann um.

Ganz unbekannt war Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke den jungen Wählern nicht, schließlich nimmt er auch repräsentative Aufgaben wahr und ist bei vielen Veranstaltungen im Kreisgebiet vor Ort. So ist er Ansprechpartner für die Bürgerinnen und Bürger. Bei der monatlich stattfindenden Bürgersprechstunde haben sie zudem die Möglichkeit, ihre Anliegen direkt mit dem Landrat besprechen.

Schulen, die ebenfalls Interesse daran haben, die Aufgaben der Kreisverwaltung sowie des Landrates etwas genauer kennenzulernen, können sich gerne bei der Pressestelle des Kreises melden, E-Mail: pressestelle@rbk-online.de, Telefon: 02202 13-2396.

Was ist ein Landrat, was macht er, was verdient er?
Der Landrat wird direkt gewählt, wie ein Bürgermeister. Als „hauptamtlicher kommunaler Leitungsbeamter“ verdient er rund 100 000 Euro brutto plus etwas mehr als 30.000 Euro für zusätzlich wahrgenommene Ämter (abzüglich der an den Kreis abzuführenden Gelder).

Der Landrat muss aber nicht nur ein erprobter Verwaltungsfachmann, sondern auch ein gewieften Politiker sein. Denn er hat viele Job und Aufgaben – die die Bürger ziemlich direkt betreffen.

Er ist Chef der Kreisbehörde, die mehr als 1000 Menschen beschäftigt, in so beliebten Einrichtungen wie etwa dem Kraftfahrzeugamt.

Er ist Chef der Kreispolizeibehörde – und damit oberster Polizist des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Er ist Vorsitzender des Kreistag, dessen Sitzungen er leitet. Der Landrat hat im Kreistag normales Stimmrecht – wie jedes andere Mitglied.

Er beaufsichtigt die Gemeinden – und ist in den Zeiten der kommunalen Finanznot dadurch ein sehr wichtiger Mann geworden, denn er beaufsichtigt in erster Instanz die Nothaushalte der Kommunen – und schreitet ein, wenn die Vorgaben nicht erfüllt oder gar getrickst wird.

Er ist der lokale Verbindungsmann der Landesregierung – und muss sie über alles landespolitisch Relevante in seinem Landkreis informieren.

Man merkt, der Landrat führt ein Doppelleben, als Beamter und Politiker. Daraus ergeben sich auch seine unterschiedlichen formalen Kompetenzen. Im Bereich der Aufgaben des Landkreises ist er die Beschlüsse des Kreistages und seiner Ausschüsse gebunden, als Chef des staatlichen Landratsamtes aber an die Weisungen der staatlichen Mittel- und Oberbehörden. In diesem Bereich hat der Kreistag nichts zu sagen.

Warum muss jetzt ein neuer Landrat gewählt werden? Wie? Für wie lange?
Der amtierende Landrat Hermann-Josef Tebroke (CDU) kandidiert für seine Partei für den Bundestag. Daher hat er sein Amt zur Verfügung gestellt, der Nachfolger wird parallel zur Bundestagswahl am 24.9. gewählt. Gewählt ist, wer mehr als 50 Prozent der Stimmen erhält. Sollte im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhalten gibt es am 8. Oktober eine Stichwahl.

Normalerweise dauert die Amtszeit des Landrats sechs Jahre – in diesem Fall sind es aber ausnahmsweise acht Jahre: NRW hatte 2007 die Amtszeit der Bürgermeister und Landräte von 5 auf 6 Jahre verlängert. Damit erfolgte eine Entkopplung von den allgemeinen Kommunalwahlen. 2013 wurde dies wieder rückgängig gemacht. Künftige Wahlen sollten dann wieder zeitgleich mit den Kommunalwahlen stattfinden. Um dieses landeseinheitlich zu erreichen, hat der Gesetzgeber Übergangsregelungen getroffen.

In den Fällen, in denen die Amtszeit innerhalb der ersten drei Jahre der laufenden Wahlperiode des Rates bzw. Kreistags endet (bis 31.05.2017), werden die neuen Amtsinhaber bis zum Ablauf der Wahlperiode (30.10.2020) gewählt. Endet die Amtszeit jedoch nach dem 31.05.2017 und dies ist im Rheinisch-Bergischen Kreis der Fall, wird die/der Neugewählte bis zum Ende der dann folgenden Wahlperiode und somit bis zum Jahr 2025 gewählt.

Wer darf den Landrat wählen?
Wahlberechtigt für die Wahl ist derjenige, der am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet hat, Deutscher ist oder die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der Europäischen Gemeinschaft besitzt, seit mindestens dem 16. Tag vor der Wahl im Wahlgebiet des Rheinisch-Bergischen Kreises seine Wohnung, bei mehreren Wohnungen seine Hauptwohnung hat und nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen ist.

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Rheinisch-Bergischer Kreis

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