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Die neuen Buchtipps stammen diesmal gar nicht von uns, sondern von den wahren Experten, nämlich von Ihnen, von unseren Kunden. Wir bekommen immer so viele tolle Tipps, die uns so großartigen Büchern führen, auf die wir selbst wahrscheinlich gar nicht ohne Sie aufmerksam geworden wären.

Deshalb lenken wir heute den Blick auf Bücher, die uns unsere Kunden ans Herz legen. Sandra Musculus empfiehlt einen Fantasy-Roman, Susanne H. hat einen verlorenen Klassiker entdeckt und Rainer Lingmann stellt ein Sachbuch über amerikanische Zeitgeschichte vor. Wir bedanken uns sehr für diese wunderbaren Buchtipps!

Brian Lee Durfee: Der Mond des Vergessens
(Die fünf Kriegerengel, Bd. 1)
Klett-Cotta 2018, €25,00).

Ein Buch aus der Hobbit Presse. Mein erster Gedanke: „Das kann doch eigentlich nur gut sein!“ Mit über 800 Seiten High-Fantasy weckt Brian Lee Durfee die Hoffnung auf spannendes Lesevergnügen.

Das Äußere

Das Buch kommt in der gebundenen Ausgabe eher unscheinbar daher, so zumindest mein Eindruck. Der Einband ist in Grau- und Rot-Tönen gehalten, etwas düster. Leider handelt es sich um glattes Papier ohne jegliche Prägung oder aufgebrachten Lack, der bei manchen Fantasy-Büchern schon das Anfassen zu einem Erlebnis macht. Klar, es geht um den Inhalt, aber ich mag es, wenn auch die Aufmachung liebevoll und hochwertig ist, besonders bei gebundenen Ausgaben.

Zumindest verspricht das Motiv auf dem Einband – ein Ritter samt Schlachtroß in Rüstung, eine dunkle Burg, stürmische Wolken und funkensprühendes Feuer – große Schlachten und mystische Stimmung.

Die inneren Werte

Anfangs tat ich mich schwer, in die Geschichte hinein zu finden. Die einzelnen Kapitel handeln von unterschiedlichen Personen, sind gerade lang genug, die handelnde Person zu spüren, dann enden die Kapitel und es geht mit der nächsten Person weiter. So tat ich mich schwer, eine Beziehung aufzubauen.

Doch wenn man sich an diese Art des Erzählens gewöhnt hat, findet man immer mehr zu den handelnden Personen. Und das ist das Geheimnis dieses Buches, wenn man es dann so nennen will: Viele unterschiedliche Personen, die Handlungsstränge jeweils um sie herum erzählt, Perspektivwechsel und auch emotionale Wechsel.

So hat das Buch ein ganz eigenes Tempo und je tiefer man in die Geschichte eindringt, umso mehr fesselt sie. Ab ungefähr der Mitte des Buches habe ich einen Suchtfaktor empfunden, wollte mehr wissen. Und dann geht alles ganz schnell, die Handlung überschlägt sich, das Buch nähert sich dem Ende und viele Fragen bleiben offen.

Bis auf eine Frage: Will ich den zweiten Band lesen? Ja, sofort!

„Die fünf Kriegerengel“ hat alles, was ein guter Fantasy-Roman in meinen Augen benötigt: Eine eigene Welt, ein „Gesellschaftssystem“ mit Konfliktpotential, einen besonderen Glauben bzw. eine Religion, die für Zerwürfnisse sorgt und Helden. Männliche Helden, weibliche Helden, vermeintliche Helden. Sogar einen vierbeinigen Helden.

Für mich eine klare Lese-Empfehlung, Brian Lee Durfee findet einen schönen Mittelweg zwischen Kampfszenen, politischen Ränkeschmieden und persönlichen Geschichten. Erlesen von Sandra Musculus

Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende.
Klett-Cotta 2018, € 20,00.

In diesem spannenden Roman fühlt man sich in die Zeit im November 1938 hineinversetzt. Der Berliner Kaufmann Otto Silbermann wird in seinem eigenen Haus von Nazis überfallen. Seine „Freunde“ bringen ihn um sein Vermögen. Seine „arische“ Frau wähnt er bei ihrem Bruder in Sicherheit.

Doch für ihn gilt plötzlich kein Recht mehr. Er hat einen Pass und viel Bargeld, doch ein Fluchtversuch nach Belgien geht schief. Er reist mit der Bahn – verängstigt und ziellos – durch ganz Deutschland, aber überall sind Spitzel. Jede Unterhaltung und auch ein kleiner Flirt sind lebensgefährlich.

Er war ein wohlhabender und angesehener Bürger, jetzt ist er ein rechtloser Jude, ein „menschenähnliches“ Wesen. So geht es auch seinen Glaubensgenossen.

Pia Patt und Birgit Jongebloed führen die Buchhandlung Funk in Bensberg

Sein Geschäftsfreund Hamburger kann ihm nicht helfen, kompromittiert ihn eher. Denn Silbermann sieht aus wie ein „Goj“, Hamburger sieht man dagegen „den Juden“ an. Aber auch sein Aussehen schützt ihn nicht. Sein Sohn lebt in Paris, aber er kann kein Visum für seinen Vater bekommen. Otto Silbermann sieht keinen Ausweg. Der Besuch bei seinem Rechtsanwalt Löwenstein wird ihm zum Verhängnis.

Der Autor Ulrich Alexander Boschwitz hat diesen Roman zeitnah im Alter von 23 Jahren geschrieben. Sein sehr ähnliches Schicksal ist spürbar. Er starb schon mit 27 Jahren auf einem englischen Flüchtlingsschiff, das von einem deutschen Torpedo getroffen wurde.

Es ist wohl das früheste literarische Dokument der Gräueltaten im Dritten Reich, ein Jahr vor Ausbruch des II. Weltkrieges und lange bevor die Ausmaße des Holocaust bekannt wurden. Heinrich Böll hat sich schon nach dem Krieg für diesen Roman eingesetzt, aber leider keinen Verleger gefunden. Es mussten noch 70 Jahre vergehen, bis dieses Buch in deutscher Sprache erscheinen konnte. Erlesen von Susanne H.

Ta-Nehisi Coates: We Were Eight Years in Power.
Hanser Berlin 2018, €25,00.

In den USA verschlimmert sich derzeit die so genannte „Opioidkrise“ dramatisch: Die Zahl der Herointoten alleine hat sich von 2010 bis 2015 vervierfacht. Der Staat reagiert, indem er unter anderem die Vorbeugung von Suchtkrankheiten stärkt und die Verfügbarkeit von Medikamenten zur Behandlung von Überdosen erleichtert.

Was er hingegen nicht tut, ist die Strafen für den Besitz von Heroin zu erhöhen. Das war in den 70er- bis 90er-Jahren ganz anders. Damals wurden in einer ähnlichen Situation die Strafen für den Missbrauch von Crack drastisch erhöht, die Zahl der US-Gefängnisinsassen vervielfachte sich.

Wer Ta-Nehisi Coates gelesen hat, vermutet sofort, worin dieser Unterschied begründet sein könnte: Die aktuelle Opioidkrise betrifft hauptsächlich Angehörige der weißen Arbeiterklasse, Crack war die Droge der schwarzen Ghettos.

Ta-Nehisi Coates ist Journalist und Schriftsteller und die neue intellektuelle Stimme des schwarzen Amerikas. „We Were Eight Years In Power“ versammelt acht Reportagen von Coates aus den acht Jahren der Präsidentschaft Barack Obamas sowie einen Epilog zum ersten Jahr unter Donald Trump.

Es sind Reportagen im besten Sinn: so erzählerisch wie faktenreich, schriftstellerisch auf hohem Niveau. Anekdoten und Lebensgeschichten fügen sich nahtlos in die größere Erzählung von Coates ein, nämlich wie sich der Rassismus in den USA in gesetzlicher und struktureller Benachteiligung schwarzer Menschen niedergeschlagen hat – von der Sklaverei über den De-facto-Ausschluss von Roosevelts Wirtschaftsbelebungsprogramm „New Deal“ und fortgesetzt bis in die heutige Zeit.

So lehrreich und intellektuell Coates ist, so kämpferisch ist er auch. Der Durchbruch gelang ihm mit dem „Plädoyer für Reparationen“, das auch in diesem Band enthalten ist: 

„Amerika wurde auf der Vorzugsbehandlung von Weißen aufgebaut – 395 Jahre lang. Sich vage zu einer heimeligen Wohlfühl-Diversität zu bekennen trägt nur wenig dazu bei, diese Tatsache zu überwinden.“

Das kann nach Ansicht von Coates nämlich nur die materielle Entschädigung der Schwarzen dafür, dass ihnen der Aufbau von Vermögen bis heute durch staatliche Maßnahmen erschwert wird, obwohl sie buchstäblich die Grundsteine für den Aufbau der reichsten Nation der Erde legten.

„We Were Eight Years In Power“ ist ein flammendes Plädoyer für einen geänderten Blick auf amerikanische Geschichte und Zeitgeschichte und für die Konsequenzen, die daraus gezogen werden sollten. Dass so ein Plädoyer spannend und flüssig zu lesen ist, gelingt nur den besten Autoren. Ta-Nehisi Coates ist solch ein Autor. Erlesen von Rainer Lingmann

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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