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Unsere Buchtipps im März erzählen von einem bewegten Frauenleben, von einer zerbrechenden Familie und von den Geheimnissen erfolgreicher Vogelbeobachter.

Tom Saller: Wenn Martha tanzt.
List 2018, € 20,00.

Türnow in Pommern, Weimar und New York – so weit von einander entfernt, so unterschiedlich und doch verbunden durch ein Frauenleben.

1900 wird Martha in Türnow/Pommern geboren. Sie wächst als Kind von Otto und Elfriede Wetzlaff in deren Musikinternat auf. Immer umgeben von Musik und Wolfgang, einem Musiker des Orchesters und engem Freund der Familie. Martha lebt frei und ungezwungen, sie hat ihren eigenen Kopf, ihre eigene Sicht der Dinge und nimmt die Musik im Haus anders wahr als andere. Musik ist für sie Form.

„Fasziniert dreht Wolfgang sich auf der Klavierbank um. Ohne hinzusehen, den Blick fest auf Martha gerichtet schlägt er eine Mollakkord an. Fragend neigt er seinen Kopf. „Kugel!“ Ein Durakkord. „Würfel!“ „Du siehst es vor dir?“ Martha zögert mit ihrer Antwort. „Du nicht?““

Kriegswinter 1916/17. Martha besucht das Lehrerinnenseminar, nicht weil sie Lehrerin werden will, sondern weil Wolfgang und sie einen Plan haben und Zeit brauchen.

Dann ist es April 1919 und die Staatliche Hochschule Bauhaus nimmt in Weimar den Unterricht auf. Und Martha geht nach Weimar. Ohne genaueres Wissen, ohne Bewerbung, aber mit ihrer ganz eigenen Selbstverständlichkeit folgt sie ihrem Plan. Dem Plan, den sie und Wolfgang nun schon einigen Jahren verfolgen, seit er in der Zeitung über Walter Gropius und die neue Schule las, die nach dem Krieg eröffnen sollte. Martha wird angenommen.

Sie lernt Ella Held kennen, die Tochter des Fotokünstlers Louis Held, die alles daran setzt, selbst renommierte Fotografin zu werden. Obwohl sie nicht das Bauhaus besucht, wird Ella Marthas engste Vertraute. Sie bietet Martha ein Zimmer im Haus ihres Vaters an, was Martha gerne annimmt. Martha bekommt Zeit, um herauszufinden, was ihr besonders Talent ist. So begegnet sie schließlich Gertrud Grunow, die an der Staatlichen Hochschule Bauhaus unterrichtet. Endlich versteht jemand Marthas „Musiksehen“. Sie hilft ihr, die Bilder in Tanz zu wandeln. Martha hat ihre Kunst gefunden.

2001 in New York. Ein junger Mann lässt bei Sotheby`s ein schwarzes Notizbuch versteigern. Für fünfundvierzig Millionen Dollar. Es ist das Notiz- und Tagebuch seiner verschollenen Urgroßmutter Martha. Mit ihrer Geschichte zwar, aber vor allem weil sich alle darin verewigten, mit spontanen Zeichnung und Skizzen: Paul Klee, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und viele andere.

Die Briefe allerdings, die in diesen Buch lagen, behält er. Zu persönlich und zu wertvoll empfindet er diese für sich und seine Familie.

Nach der Auktion erhält er eine Einladung. Die Dame, die „sein“ Notizbuch ersteigerte, möchte ihn treffen.

„Sie hebt das Glas und prostet mir zu. „Ich danke Ihnen, dass Sie meiner Einladung gefolgt sind. Wie sagten Sie gleich, lautet Ihr vollständiger Name?“ Ich habe mich nicht vorgestellt, da ich davon ausging, sie wisse, wen sie zum Dinner eingeladen hat. Dennoch antworte ich höflich: „Thomas. Thomas Wetzlaff.“ „Interessant.“ Ein seltsamer Ausdruck tritt in ihre Augen. „Das ist Marthas Mädchenname, nicht wahr?“ „Ja“, bestätige ich, „und gleichzeitig der Name meiner Großmutter.““

Tom Sallers Roman ist die mitreißende Lebensgeschichte einer mutigen und außergewöhnlichen Frau. Ich war gefesselt und konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Je mehr von Marthas Geschichte erzählt wird, je intensiver ich sie mir vorstellen konnte, je mehr interessiert mich auch die reale Zeitgeschichte. Das Bauhaus war für mich ein abstrakter Begriff, mit Namen und Bildern verknüpft. Ich habe nachgelesen und Bilder angesehen und dann wieder zu „Wenn Martha tanzt“ gegriffen.

Mit leichter Hand erzählt ist diese Geschichte, die zwischen Marthas Leben und dem Ihres Urenkels springt. Diese Zeitsprünge haben für mich keine unangenehmen Brüche in der Geschichte bedeutet, sondern die Spannung erhöht. Ich bin begeistert und kann Ihnen Tom Sallers Buch, das am 9. März erscheint, nur ans Herz legen. Gelesen von Pia Patt

Gert Loschütz: Ein schönes Paar.
Schöffling 2018, € 22,00.

Nach dem Tod seines Vaters räumt Fotograf Philipp dessen Wohnung aus. Er macht eine unerwartete Entdeckung auf dem Dachboden, die ihn auf das Leben seiner Eltern zurückblicken lässt.

Er erzählt von Hertas und Georgs jungem Glück, der überstürzten Flucht der Familie aus der DDR und den Hoffnungen, die damit verknüpft waren. Doch der Vater wird in der neuen Heimat nicht glücklich. Aus Liebe getroffene Entscheidungen lassen die Ehe zerbrechen. Herta verlässt ihren Mann.

Behutsam erinnert sich Philipp an die Zerrissenheit und Sprachlosigkeit, die er als Kind erlebt hat. Seine stille Sehnsucht danach, dass seine Eltern wieder zueinanderfinden, wurde nicht erfüllt. Doch sie blieben am Ende auf eine besondere Art miteinander verbunden.

Der Autor lässt den Ich-Erzähler die Erlebnisse sehr sachlich, fast distanziert schildern. Trotzdem hat mich die Geschichte sofort ergriffen. Gerade dadurch kann der Leser die Beweggründe und Gefühle der einzelnen Familienmitglieder sehr gut nachvollziehen und bleibt dabei trotz aller Tragik ein neutraler Beobachter. Gelesen von Viviana Domokos

Johanna Romberg: Federnlesen.
Bastei Lübbe 2018, € 24,00.

Ich freue mich immer sehr, wenn ich im Garten eine neue, mir bisher unbekannte Vogelstimme höre oder auf der Terrasse eine Vogelart entdecke, den ich noch nicht kenne. Dann wühle ich in diversen Bestimmungsbüchern und höre mir Soundfiles von Vogelstimmen an, so lange, bis ich mir einigermaßen sicher bin, den richtigen Kandidaten gefunden zu haben.

Systematische Vogelbeobachterin bin ich aber weiß Gott nicht. Ich freue mich, wenn ich Vögel erkenne, habe aber keine Ahnung, wie sie leben oder warum sie in bestimmten Gebieten auftauchen und woanders nicht. Bislang fehlte mir dazu auch eine Handreichung, wie man bei der Vogelbeobachtung praktisch vorgeht.

Pia Patt und Birgit Jongebloed führen die Buchhandlung Funk in Bensberg

Wenn es Ihnen ähnlich geht, werfen Sie doch einen Blick in das neue Buch „Federnlesen“ von Johanna Romberg! Es gibt praxisnahe Tipps zur Vogelbeobachtung, gerade für diejenigen, die wie ich von den vielen Stimmen im Gartenkonzert nahezu überwältigt sind. So wird meistens dazu geraten, mit der Vogelidentifizierung im Frühjahr zu beginnen.

Falsch, findet Johanna Romberg. Der Winter sei viel geeigneter, denn es ist weniger los im Garten und dank fehlender Blätter seien die Sänger auch einfacher zu entdecken. Auch Tipps zur Beobachtung mit einem Fernglas finden sich in diesem Buch. Blau- und Kohlmeisen scheinen fantastische Übungsobjekte zu sein, wenn man den schnellen und sicheren Umgang mit dem Fernglas noch nicht gut beherrscht.

Abgerundet mit diversen vogelrelevanten Themen, wie etwa den Widrigkeiten, die sich bei der Beobachtung von Spechten auftun oder dem Pro und Contra von ganzjähriger Vogelfütterung, ist „Federnlesen“ nicht nur eine Schatzkiste voller guter Übungen, sondern auch ein persönlich gehaltenes Buch, in dem die Autorin viel über ihre eigenen Erkundungen erzählt. Dabei verbindet sie praktisches und theoretisches Wissen zu einem angenehm zu lesenden, unterhaltsamen Buch, das nicht zuletzt wegen seiner schönen Ausstattung ein wunderbares Geschenk für alle Naturliebhaber ist. Gelesen von Birgit Jongebloed

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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