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Unsere ersten Buchtipps im neuen Jahr zeigen Ihnen, wie Sie das Jahr 2018 nutzen können, um ein gutes Leben zu führen, schlagen Ihnen außerdem eine literarische Lektüre vor und mit unserem Krimitipp möchten wir Sie dazu verleiten, einen guten Abend mit einem netten Autor bei uns zu erleben.

Rolf Dobelli: Die Kunst des guten Lebens.
Piper 2017, € 20,00.

„Es ist schwierig, etwas Hervorragendes zu finden. Wenn Sie also in 90 Prozent der Fälle Nein sagen, werden Sie kaum etwas in der Welt verpassen.“

Das neue Jahr mit ein paar guten Vorsätzen beginnen – machen Sie das auch? Und was wäre, wenn man seine Ziele nicht, wie wohl meistens, im Laufe der ersten Wochen des neues Jahres wieder vergisst, sondern stattdessen aus vielen einzelnen positiven Vorhaben eine große Veränderung anpeilt, nachhaltig und leicht umsetzbar? Statt guter Vorsätze ein ganzes gutes Leben? Es gibt ein Buch, das Ihnen bei so einer gewaltigen Umstellung der Lebenshaltung helfen könnte.

„Flexibilität macht unglücklich, müde und lenkt Sie unmerklich von Ihren Zielen ab. Ketten Sie sich an ihre Gelübde. Kompromisslos.“

Rolf Dobelli, Unternehmer und Schriftsteller, liefert das geeignete geistige und wissenschaftlich fundierte Rüstzeug zu so einer Neuorientierung. Nichts Geringeres als „Die Kunst des guten Lebens“ ist das Thema seines neuen Buchs. Wie in seinen früheren Sachbüchern werden psychologische Erkenntnisse, Strategien aus Wirtschaft, Naturwissenschaften und Management mit philosophischen Leitsätzen gemischt und zu einem appetitanregenden „Regelwerk“ angerichtet.

Der Tonfall ist sachlich und analytisch, dabei aber immer unterhaltsam. Die Beispiele und Vorschläge leuchten ein. Dobelli betont, dass es sich absolut lohnt, ein „gutes“ Leben im Sinne einer „geeigneten Lebensführung“ anzustreben. Denn auch wenn Glück und Zufriedenheit natürlich immer nur temporär zu finden sind, werden es negative Erlebnisse mit der richtigen Denkhaltung ein bisschen schwerer haben, zu unserem Kern vorzudringen. Wenn die Dinge aus einer ungewohnten Perspektive heraus betrachtet werden, tun sich manchmal bemerkenswerte Neubewertungen alltäglicher Situationen auf.

„Ich zum Beispiel behandle meine Gefühle so, als gehörten sie mir nicht. Sie kommen von irgendwoher, besuchen mich und ziehen wieder davon. […] Ich sehe mich oft wie eine offene, luftige Markthalle, die von Vögeln aller Art durchflogen wird. […] Seit ich mir dieses Bild […] zurechtgelegt habe, ‚besitzen‘ mich die Gefühle nicht mehr; ich fühle mich nicht mal als ihr Besitzer.“

Die kurzen Kapitel zeigen alle möglichen Fallstricke, Denkfehler und andere Herausforderungen, die einem im Alltag begegnen können. Mit ihnen zukünftig spielerischer fertig zu werden, dabei hilft dieses Buch wie ein kluger Freund.

Es sind 52 mentale Werkzeuge, die Rolf Dobelli jahrelang selbst benutzt hat. Um wieder auf das neue Jahr zurück zu kommen: In jeder Woche könnte man sich ein neues Werkzeug aneignen. Ich finde, das ist ein verführerisch guter Vorsatz.

Anthony Powell: Ein Tanz zur Musik der Zeit.
dtv (seit 2017) und Elfenbein Verlag (seit 2015). 12 Bände.

In England schon 1951 erschienen und ein Klassiker. In Deutschland fast in Vergessenheit geraten, wurde der erste Teil des grandiosen Romanzyklus „Ein Tanz zur Musik der Zeit“ 2015 vom unabhängigen Elfenbein Verlag in einer wunderbaren Übersetzung herausgebracht. Dem Verlag kann man dafür gar nicht genug danken.

Nun kommen nach und nach alle Teile des insgesamt zwölfbändigen Zyklus zunächst bei Elfenbein heraus (bisher ist man bei zehn Bänden angelangt), und später dann bei dtv im Taschenbuch-Format (bisher sind es die ersten drei Bände). Endlich.

Diese ersten drei Bände habe ich nun gelesen und finde sie sehr vielversprechend. Vor allem, weil sie einerseits absolut zusammengehören und man immer wieder auf dieselben Figuren stößt. Aber auch, weil sie andererseits ganz unterschiedliche Aspekte des gesellschaftlichen Lebens des Ich-Erzählers behandeln und sich der Schwerpunkt von Band zu Band auf andere Themen verlagert, die sich dann jeweils wie ein roter Faden durch die Handlung ziehen. Das macht die Lektüre sehr abwechslungsreich.

Nick Jenkins heißt die Hauptfigur dieses schillernden Gesellschaftspanoramas. Der erste Band „Eine Frage der Erziehung“ beginnt in medias res, nämlich mit einer Assoziationskette, wie sie uns noch öfter in dem Werk begegnen wird.

Der Ich-Erzähler beobachtet Straßenarbeiter, die ihn an ein bestimmtes Gemälde erinnern, von dem sich Powell den Titel und Thema für sein Werk geliehen hatte. Munter wird weiter assoziiert: Vom Gemälde, das einen Tanz der Jahreszeiten zeigt, zu den Menschen, die während ihres Lebens dem Zeitlauf ausgeliefert sind, in ihrem Tanz durchs Leben stets nach außen gewandt, mit unsicheren Bewegungen, in einer scheinbar sinnlosen Tanzschrittabfolge – ein erstes Wow bei mir. Ein tolles gedankliches Bild, das ein wichtiges Thema des Romans vorstellt.

Im Verlauf folgen weitere Assoziationen, Gedanken- und Handlungssprünge. Das hat meine Konzentration zunächst ziemlich gefordert. Aber als ich mich darauf eingelassen hatte, kam ich sehr gut mit diesem Buch zurecht.

Der Roman besteht im Grunde aus einzelnen, nur grob miteinander verbundenen Episoden, die aber jede für sich ausführlich beschrieben werden und ausreichend Handlung bieten, um mit Hingabe in dieser Welt der 1920er Jahre zu versinken. Ich habe schnell begonnen, diesen ersten Band aus vollem Herzen zu lieben.

Das liegt nicht zuletzt an dem ausführlich beschriebenen Personal. Man sieht diese Leute förmlich vor sich: den sarkastischen Stringham, den netten Farebrother, den promisüchtigen Sillery. Und witzig ist das Buch auch. Urkomisch sind etwa Jimmy Striplings Wutausbrüche, wenn Wörter wie “Krieg” oder “Schlacht an der Somme” fallen. Denn sein eigener gesellschaftlicher Beitrag während des Ersten Weltkriegs war von ganz besonderer Art, was ihn nach eigener Auffassung allen Kriegsteilnehmern hoffnungslos unterlegen macht. Herrlich!

Der Zyklus wird oft mit „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ verglichen. Das gibt, bei allen Unterschieden im Schreibstil, schon eine Richtung an, was für ein Text zu erwarten ist. Da wäre zum Beispiel die Konzentration auf ein ähnliches Personal, nämlich die gehobenen Gesellschaftsschichten. Und natürlich der Versuch, Erinnerung und Assoziationen literarisch umzusetzen.

Powell beschreibt allerdings längst nicht so ausufernd wie Proust, sondern konzentriert und episodenhaft. Er ist im Grundton nicht träumerisch, sondern nüchtern und in der Grundhaltung wohl eher bissig als wehmütig.

Was soll man nach so einem grandiosen Buch lesen? Das wäre das einzige, was ich dem Autor vorwerfen könnte: Dass er den Lesegeschmack für alle folgenden Bücher verdirbt, weil er die Messlatte sehr hoch setzt. Da ist es doch ein Segen, dass noch so viele Fortsetzungen folgen. Danke, Mr. Powell!

Der erste Band ist übrigens auch Thema bei unserem offenen Lesekreis am 17. Januar 2018. Ich bin gespannt, wie unsere nette Gesprächsrunde diesen Roman findet.

Linus Geschke: Das Lied der toten Mädchen.
Ullstein 2018, € 10,00 (erscheint im Laufe dieser Woche)

Im dritten Band um den Journalisten Jan Römer geht es um einen alten, ungeklärten Kriminalfall. Nach den ersten Bänden, die im Bergischen Land und in der Eifel spielten, wird nun ein ungelöster Mordfall im beschaulichen Sauerland neu aufgerollt.

Jan Römer und seine Kollegin untersuchen die Ermordung einer jungen Frau, die vor 20 Jahren in einem einsamen Waldgebiet nahe Schmallenberg mit einem einzigen Stich ins Herz getötet wurde. Einiges am Tatort warf Rätsel auf. Besonders unheimlich ist die Spieluhr, die der Mörder offenbar neben der Leiche zurückließ. In Schmallenberg stoßen die Journalisten auf vage Hinweise und wenig hilfsbereite Mitbürger. Dann überschlagen sich die Ereignisse.

Pia Patt und Birgit Jongebloed führen die Buchhandlung Funk in Bensberg

Dieses Buch ist so brandneu, dass es noch gar nicht erschienen ist. Momentan befindet es sich noch in der Druckerei und wird im Laufe der nächsten Tage erhältlich sein. Ich durfte schon einen Blick in das Manuskript werfen (eine große Ehre, für die ich sehr dankbar bin) und muss sagen, dass es mir richtig gut gefallen hat. Ich freue mich schon darauf, das Buch in wenigen Tagen in der Hand zu halten und weiterzulesen.

Linus Geschke ist nicht nur Krimi-Autor, sondern auch Journalist, und das merkt man seinen Büchern an. Sie haben Hand und Fuß, sind spannend, souverän erzählt und haben immer das gewisse Etwas. Seine Krimis zeigen deutlich, dass da jemand intensiv und sehr gründlich recherchiert hat.

Die Bekanntschaft mit dem ausgesprochen sympathischen Linus Geschke verdanken wir übrigens Facebook und Instagram, wo er (wie wir) recht aktiv ist und übrigens auch aufschlussreiche Hintergrundinformationen zu seinen Büchern bietet und Interviews verlinkt. Wie er sich dort präsentiert, hat uns extrem gut gefallen.

Schnell hatten wir den ersten Kontakt aufgenommen und als wir hörten, dass nun sein dritter Krimi erscheint, haben wir direkt zugeschlagen und ihn eingeladen. Wir freuen uns deshalb sehr darauf, ihn bald persönlich kennenzulernen: Am 01.02.2018 liest er bei uns aus dem neuen Krimi und wir sind sicher, das wird ein toller Abend mit viel Einblick in seine Arbeit. Birgit Jongebloed

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

Sie können alle Bücher in unserem Online-Shop bestellen.

Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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