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Wir haben drei Bücher für Sie ausgewählt, bei denen Sie sofort vergessen, wie ungemütlich es draußen ist: Ein wahnsinnig spannender Thriller, eine feinsinnige Zeitreise und ein sozialkritischer Kriminalroman.

Andreas Pflüger: Niemals.
Suhrkamp 2017, € 20,00.

Ich habe sehnsüchtig auf dieses Buch gewartet. Der erste Thriller um die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron hatte mich völlig begeistert. Die Freude war groß, als ich es dann endlich lesen durfte.

„Niemals“ ist zwar die direkte Fortsetzung von „Endgültig“, aber gleichzeitig ein völlig unabhängiges Buch.

Zu Beginn des neuen Thrillers von Andreas Pflüger hadert Jenny Aaron mit ihrem Leben. Ihre Erblindung, die ihr bei einem fürchterlichen Einsatz durch einen Schuss zufügt wurde, ist eine schwere Bürde für die selbstbestimmte Frau. Sie trainiert verbissen Selbstdisziplin, Kampfkunst und ihre anderen Sinne. Ihr Schicksal akzeptiert sie allerdings nicht. Zweifel plagen sie: kann sie der „Abteilung“ weiter angehören? Will sie das überhaupt?

Denn die „Abteilung“ ist etwas für knallharte Profis: eine Eliteeinheit, die immer dann eingesetzt wird, wenn Einsätze für offizielle Kräfte zu heikel oder undurchführbar sind. Da diese Einheit aus hocheffizienten Spezialisten besteht, die jederzeit zu den kritischsten Fällen gerufen werden können und von denen kompromisslose Effektivität gefordert wird, fragt sich Jenny Aaron, ob sie dieser Aufgabe weiterhin gerecht werden kann.

Aber dann wird ihr die Entscheidung abgenommen: Sie muss zurückkehren, denn ihr alter Widersacher vererbt ihr nach seinem Tod zwei Milliarden Euro. Und das Rätsel: Warum? Denn eines ist sicher: Hierbei handelt es sich um sein letztes perfides Spiel.

Schon nach wenigen Seiten dieses Buches war ich gefesselt und begeistert. Ich muss gestehen, dass ich Zweifel hatte, ob dem Autor erneut ein so wahnsinnig spannender Thriller gelingen kann, wie es „Endgültig“ war. Meiner Ansicht nach ist aber genau das der Fall.

Pia Patt und Birgit Jongebloed führen die Buchhandlung Funk in Bensberg

Andreas Pflüger erzählt mit viel Intensität. Seine Protagonisten gehen mir unter die Haut. Und auch wenn es manchmal scheint, als habe Jenny Aaron übernatürliche Fähigkeiten, so wirkt sie doch auch menschlich und verletzlich. Ihre Emotionen, Gedanken und Zweifel, aber auch ihre Brutalität machen sie glaubhaft. All das macht sie zu einer Figur, der man gerne durch dieses nervenaufreibende Buch folgt.

Überhaupt ist es Fähigkeit des Autors, die Geschichte voranzutreiben, die mich förmlich an das Buch fesselte – neben den plastischen Personenbeschreibungen und den harten Actionszenen.

Dieser Thriller ist schnell, brutal, intensiv und unvorhersehbar.

„Niemals“ ist zu Ende erzählt. Trotzdem hoffe ich, dass es weiter geht mit Jenny Aaron und der „Abteilung“. Pia Patt

Daniel Kehlmann: Tyll.
Rowohlt 2017, € 22,95.

Um es direkt zu sagen: Daniel Kehlmann hat sich mit diesem historischen Roman selbst übertroffen. Die Geschichte spielt im 17. Jahrhundert – in einer Zeit, die unfassbar stark geprägt war vom Dreißigjährigen Krieg. Wie „Die Vermessung der Welt“ mischt auch „Tyll“ reale Geschichte und Fiktion munter durcheinander.

Zahlreiche Daten und Ereignisse aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die hier beschrieben werden, decken sich mit der Geschichtsschreibung. Ganz offensichtlich literarisch verfremdet hingegen ist das Leben der titelgebenden Hauptperson.

Till Eulenspiegel soll im 14. Jahrhundert gelebt haben, also ein paar hundert Jahre vor der erzählten Handlung. Aber die fehlende historische Authentizität ist nicht schlimm, finde ich. Denn jemand, der nichts und niemand respektiert und vieles mit seinen feinsinnigen Schalk durcheinanderwirbelt, tut diesem brutalen Zeitalter ganz gut.

Ein Jahrhundert, in dem dumme Könige Dummes tun, in dem scheinheilige Kirchenfürsten foltern; ein Jahrhundert, in dem Kriege entfacht werden, in dem ganze Landstriche verwüstet und entvölkert werden – warum soll man darüber nicht lachen?

„Der Krieg dauert schon so lange, dass die meisten, die heute leben, keinen Frieden gesehen haben.“

Der Krieg und seine Auswirkungen, die Schlachten, das Elend, der Tod: harte Kost. Es war ein allumfassender Krieg, der jeden traf, denn die Bevölkerung war Plünderungen und Morden vorbeiziehender Soldaten hilflos ausgeliefert. Das ist alles grausam und düster.

Auch wenn Tyll, der respektlose, berühmt-berüchtigte Gaukler, alles leichter erträglich macht: Nachhaltig im Bewusstsein blieb mir eine Schlachtszene, deren Schrecken nicht zu beschreiben sei, heißt es im Roman. Denn der berichtende Chronist sieht sich „nicht imstande, es in Sätze zu fassen, die wirklich etwas bedeuteten.“

Daniel Kehlmann gelingt es jedoch sehr gut, dieses unbeschreibbare Massaker zu beschreiben. Dabei verzichtet er zum Glück auf blutige Einzelheiten. Der Roman ist an keiner Stelle voyeuristisch, weil es nicht zum moralischen und ästhetischen Schreibkonzept des Autors passt, wie er in Interviews sagt.

Schön und gut, denken Sie jetzt vielleicht. Und was ist nun so besonders an dem Buch? Ich finde die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges sehr wichtig: Eine fragile politische Ordnung, eitle und ungeschickte Herrscher, brutale Schlachten um Glaubensfragen, unfassbare Gewalt, die nur unter größten Anstrengungen zu stoppen ist: Ist das nicht dramatisch aktuell?

Neben diesem inhaltlichen Aspekt gefallen mir der feine Humor und der meisterliche Sprachwitz ausgesprochen gut. Er ist ein bisschen dosierter und etwas leiser als bei „Die Vermessung der Welt“.

Herrlich, wie Elisabeth Stuart die Dinge betrachtet. Oder wie ihr glückloser Gatte, der Winterkönig, Menschen und Situationen vollkommen hilflos missdeutet. Oder wie Tyll der Welt den Spiegel vorhält. Oder wenn die Gelehrten sich an Logik versuchen.

„Nicht die Augen schließen“, sagte der Narr. „Mach ich nicht“, sagte der König. „Sei still“, sagte der Narr, und der König fragte sich, ob er es durchgehen lassen durfte, Narrenfreiheit hin oder her, das ging zu weit.“

Ein fabelhafter Schmöker. Witzig und doch erschreckend finster. Dieses Buch zeigt, wie unmenschlich es sein kann, Mensch zu sein. Birgit Jongebloed

Monika Geier: Alles so hell da vorn.
Ariadne Kriminalroman im Argument Verlag, € 13,00.

Ein Freier wird in einem Bordell erschossen. Der Tote: ein Polizist. Die Täterin: eine junge, viel zu junge Zwangsprostituierte. Weitere Tote folgen. Wer ist die geheimnisvolle junge Frau, die auf der Flucht ist vor den Ermittlern und vor Schlägern aus der kriminellen Szene? Und was hat ein vor Jahren verschwundenes Mädchen mit dieser Gewaltspirale zu tun?

Die eigenwillige Kriminalkommissarin Bettina Boll aus Ludwigshafen hat mir sofort gefallen. Ein magischer erster Satz reicht manchmal aus: Eine Frau, die „ihren Taunus auf dem Trottoir unter der alten Eibe aus Tante Elfriedes Vorgarten parkte“, kann eigentlich nur eine sehr vielversprechende Hauptperson sein.

Ein realistisch gezeichnetes Ermittlerteam mit allen Höhen und Tiefen des deutschen Beamtenapparats, eine spannende Story, die tatsächlich bis zur letzten Seite fesselt und in unvorhersehbare Abgründe führt – der Krimi ist richtig gut.

Die Details dieser Geschichte sind unappetitlich und gemein, und es ist ganz klar, auf wessen Seite diese erstklassige Schriftstellerin steht. Ein sozialkritischer Kriminalroman, der weit mehr bietet als Spannung. Hier werden innergesellschaftliche Konfliktlinien benannt und genauestens seziert.

Es werden Themen beleuchtet, von denen man sonst kaum etwas liest, da sie nicht Teil der täglichen Debatten in den Medien sind. Und das ist etwas, was sehr gute Kriminalliteratur leisten kann und meiner Meinung nach auch soll: Aufmerksamkeit lenken auf die Schwachen und Benachteiligten, die sonst keine Stimme haben.

Stilistisch ebenfalls Bestnote. Dieses Buch, bereits der siebte Fall mit Bettina Boll, ist Spannungsliteratur auf höchstem Niveau. Einer der besten Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe! Die anderen besten Krimis waren zum größten Teil übrigens ebenfalls aus der Ariadne-Reihe, die wir auf der Frankfurter Buchmesse für Sie entdeckt und neu in unser Sortiment aufgenommen haben. Birgit Jongebloed

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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