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Unsere Buchtipps geleiten Sie an der Seite einer starken Frau durch das turbulente 20. Jahrhundert, bringen Sie nach Finnland zu einem Ermittler, der genug hat von den Toten und nehmen Sie schließlich mit nach Hokkaido zu einer wilden Schafsjagd.

Bernhard Schlink: Olga.
Diogenes 2018, 24,00 €.

Olga – eine starke Frau – eine starke Geschichte!

Im Zentrum der Geschichte steht Olga. Sie wird Anfang des 20. Jahrhunderts in der Nähe der polnischen Grenze geboren. Schon früh ist sie Waise und lernt als Kind Herbert und seine Familie kennen. Sie ist intelligent und zielstrebig und arbeitet hart an Ihrem Ziel, Lehrerin zu werden. In einer Zeit, in der Unabhängigkeit und Selbstständigkeit nicht unbedingt Frauen zugeschrieben werden.

Aus der Kinderfreundschaft mit Herbert wird eine große Liebe fürs Leben, obwohl nicht standesgemäß, da Herberts Eltern Gutsbesitzer sind und Olga aus einfachen Verhältnissen stammt. Aber so groß Herberts Liebe zu Olga ist, so groß ist auch sein Fernweh und seine Abenteuerlust. Es zieht ihn in fremde Länder, es zieht ihn in den Krieg nach Deutsch- Südwestafrika, nach Argentinien und schließlich zu seiner letzten Expedition in die Arktis, von der er nicht wiederkehrt.

Olga hält ihm ein Leben lang die Treue. In Briefen lebt sie mit ihm weiter- und es ist ein langes Leben. Sie durchlebt den Zweiten Weltkrieg, flieht nach Heidelberg und stirbt dort im hohen Alter.

Dieses Buch ist nicht nur die Geschichte einer starken, beeindruckenden Frau, sondern ein Panorama der deutschen Geschichte. Einfach wunderbar.

Erlesen von Helena Cadsky

J.M. Ilves, Bordertown – Der Puppenmeister.
Suhrkamp 2017, 14,95 €.

Als sich Kari Sorjonen nach Lappeenranta versetzen lässt, tut er dies hauptsächlich für seine Familie. Von der alten Heimat seiner Frau Paaliina nahe der finnisch-russischen Grenze verspricht er sich mehr Zeit für Frau und Tochter und weniger Tote. Kari Sorjonen soll die neu gegründete Sondereinheit Schwerkriminalität unterstützen und neue Methoden in die Ermittlungsarbeiten einbringen.

Davon, dass Kari eigentlich Abstand zu seinem Beruf sucht und nun endlich seine oft gebrochenen Versprechen seiner Familie gegenüber erfüllen möchte, wissen seine Kollegen nichts. Ihm eilt der Ruf eines brillanten Ermittlers mit vielen Erfolgen voraus. Er selbst aber möchte mit Leichen eigentlich gar nichts zu tun haben.

„Allerdings verabscheue ich mein Talent aus tiefstem Herzen. Es ist schuld daran, dass ich meine Leben damit verbringe, im Dreck der Menschheit zu wühlen.“

Leider bereiten Kari Sorjonen nicht nur Leichen Probleme. Auch der Umgang mit Kollegen und sämtliche sozialen Beziehungen sind für den talentierten Ermittler schwierig zu meistern. Schon als er sich seinen neuen Kollegen vorstellt und seine Ermittlungsmethode anhand von Personalakten demonstriert, bringt er alle gegen sich auf. Auch seine neue Vorgesetzte. Er selbst hingegen erkennt eigentlich gar kein Fehlverhalten.

„Paaliina sagt immer, dass ich tausendmal besser darin sei, Gegenstände und Tote zu verstehen als lebende Menschen. Ihrer Meinung nach fehlt mir eine auf die menschliche Frequenz ausgerichtete Antenne.“

In Lappeenranta ist es mit der erhoffen Ruhe schnell vorbei. Kurz nach Karis Ankunft wird die Leiche einer jungen Frau gefunden.

Pia Patt und Birgit Jongebloed führen die Buchhandlung Funk in Bensberg

Zweiter Handlungsstrang: Lena Jaakkola ist Agentin beim FSB, dem russischen Inlandsgeheimdienst. Mit ihrer Tochter hat sie Streit, in einem laufenden Einsatz gerät sie durch eine unangemessene Reaktion in große Schwierigkeiten, kurzum: es könnte gerade alles besser sein. Dann hört sie eine Nachricht ihrer Tochter auf dem Anrufbeantworter und sofort ist sie in Alarmbereitschaft.

Die Spur ihrer Tochter führt nach Finnland, nach Lappeenranta, und Lena beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln.

J.M.Ilves ist das Pseudonym zweier Finnischer Autoren, die sich dem Nordic Noir verschrieben haben. Krimis im Stil des Nordic Noir setzten sich nicht nur mit der kriminellen Handlung auseinander, sondern beleuchten die Realität jenseits des egalitären Sozialstaats und skandinavischem Wohlfühlambiente.

Die Autoren erschaffen eine beklemmende Stimmung. Ihre Charaktere waren für mich von Beginn an glaubwürdig. Der undurchsichtige Fall ist sehr spannend – ein wirklich guter Krimi.

Erlesen von Pia Patt

Haruki Murakami: Wilde Schafsjagd.
DuMont Buchverlag 2005, 24,00 € oder bei btb (2006), 10,00 €.

Es ist ein neuer Roman von Haruki Murakami erschienen. Bei diesem Autor ist es so: entweder man vergöttert ihn – oder man kann gar nichts mit ihm anfangen. Entsprechend euphorisch sind die Reaktionen seiner Fans auf das neue Buch „Die Ermordung des Commendatore“.

Wenn viele kluge Leute so dermaßen hin und weg von einem Buch sind, horche ich immer auf, sogar bei Murakami – denn bisher war ich absolut keine Murakami-Jüngerin, im Gegenteil. Ich gebe zu: Murakami war nach einem missglückten Versuch vor einigen Jahren nie auf meiner Leseliste. Das Erscheinen eines neuen Romans habe ich zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Ohne Gefühlsentwicklung.

Das hat sich nun geändert, denn, angestachelt von der Begeisterung einer bloggenden Buchhändler-Kollegin, bin ich neugierig geworden, habe mich bei ihr erkundigt, womit ich einsteigen könnte in die anspruchsvolle Welt des Haruki Murakami.

Ich lese nun also (noch) nicht den „Commendatore“, sondern „Wilde Schafsjagd“. Tatsächlich finde ich dieses Buch wider Erwarten ziemlich fantastisch. Ein ziemlich verrücktes Buch mit einer Kriminalhandlung und phantastisch-träumerischen Elementen, das sich großartig liest und richtig Spaß macht.

Darum geht es: Tokio 1978. Ein Ich-Erzähler ohne Namen, Mitte 30, ist frisch geschieden und gelangweilter Inhaber einer Werbeagentur. Er befindet sich in einem deprimierenden Alltagstrott. Als er eine junge Frau mit überirdisch schönen Ohren kennenlernt, kommt ein wenig Bewegung in sein Leben. Richtig Fahrt nimmt die Geschichte auf, als ein merkwürdiger Mann in der Werbeagentur auftaucht.

Er kommt mit einem besonderen Auftrag: Die Agentur hatte vor kurzem eine Werbezeitschrift erstellt. Dort war ein unscheinbares Foto abgedruckt, Schafe in einer Landschaftszene auf Hokkaido. Ein Schaf sticht aus seiner Herde hervor, und dieses Schaf soll der Ich-Erzähler suchen. Weigert er sich, wird seine Existenz vernichtet.

So weit, so schräg? Ja, schon. Aber während ich immer tiefer in dieses Buch eintauche, kommt mir das alles absolut plausibel vor. Es ist ein düsterer Text, der ein bisschen kafkaesk anmutet, ein bisschen existentialistisch. Ein bisschen erinnert er an russische Autoren. Es gibt einen eleganten Übergang von der realistischen Welt hin zu einer phantastischen, träumerischen Ebene. Zwischendurch ist es beißend komisch.

Fazit: Dieses Buch ist perfekt geeignet, wenn Sie noch nie etwas von Murakami gelesen haben. Hier sind, so wurde mir gesagt, bereits einige immer wiederkehrende Motive und Themen in seinen Romanen angerissen.

Ich werde mich nun öfter gezielt der „Backlist“ zuwenden. So nennen wir Buchhändler Bücher, deren Erscheinungstermin schon länger zurückliegt, die eine Buchhandlung aber vorrätig haben will oder sollte, weil entweder die Kunden oder wir sie mögen. Auch abseits der Neuerscheinungen gibt es viele gute und lesenswerte Bücher zu entdecken. Murakami nicht gelesen zu haben, wäre jedenfalls für mich ein großer Verlust gewesen.

Erlesen von Birgit Jongebloed

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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