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Unser Sommer-Tipp „sechsuhrsieben” ist ein toller Schmöker – und begeistert uns umso mehr, weil er aus dem Scylla Verlag in Refrath kommt. Wir stellen Buch und Autorin vor.

Mea Kalcher: sechsuhrsieben
Scylla Verlag 2016, € 12,99.

Die Balletttänzerin Ava verliebt sich in den Schauspieler Matt. Matt verliebt sich in Ava. Idylle und Ende der Geschichte? Oh nein, denn die junge Liebe wird durch ein früheres, schreckliches Ereignis in Avas Leben verdüstert. Sie trauert um ihre Tochter. Halt findet sie bei ihren wunderbaren Freunden und in einem genauestens durchgetakteten Tagesablauf. Kann Matt mit der Herausforderung umgehen, seine traumatisierte neue Liebe in der Verarbeitung von Schmerz und Verlust zu unterstützen?

Dieser Roman hat alles, was Sie für einen verschmökerten Urlaub brauchen. Stilistisch überzeugend, dichte Beschreibungen, lebendige Figuren, treffsichere Dialoge, eine sich nie in losen Handlungsfäden verlierende Erzählung und ein unerwartetes Finale – dies ist mehr als ein reiner Liebesroman.

Wir sind begeistert von diesem Sommerschmöker und wünschen ihm viele Leserinnen. Umso mehr, weil dies „Literatur made in Bergisch Gladbach“ ist.

Der ortsansässige Scylla Verlag hat ihn publiziert und tourt zur Zeit mit vielen Lesungen durchs Stadtgebiet. Wir haben die Chance genutzt, eine Autorin mit unseren Fragen zu löchern und Mea Kalcher getroffen.

Birgit Jongebloed: Ich habe gerade „sechsuhrsieben“ durchgelesen und bin restlos begeistert. So einen prima Schmöker mit Suchtgefahr hatte ich schon lange nicht mehr in der Hand. Die letzten 40 Seiten habe ich mir zwei Tage aufgespart, damit ich noch länger was davon habe. Wie war das, den Roman zu schreiben? Hast Du lange gebraucht oder war er ruckzuck fertig? Hattest Du die Geschichte direkt im Kopf und musstest Du Dich beeilen, bevor Du sie verlierst oder hat sie sich während des Schreibens entwickelt?

Mea Kalcher: Die Geschichte hat sich in meinem Kopf langsam über mehrere Jahre entwickelt. Ich habe Musik gehört und dabei an einzelne Momente und Szenen der Geschichte gedacht. Immer wieder geändert, neu gedacht, weiter gedacht. Neues Lied, neue Szene. Irgendwann hatte ich eine richtige Playlist zusammen, aber noch keinen Satz geschrieben. Klar war mir von Anfang an, dass ich über eine Tänzerin schreiben wollte und sie sollte Ava heißen. Wenn ich an Ava gedacht habe, hörte ich oft von Martin Villiger, einem Schweizer Filmmusikkomponisten, das Lied „Santa Cerife“. So als Beispiel.

Irgendwie hat dieses Lied etwas Trauriges und gleichzeitig Wunderschönes. Auf meiner Playlist ist aber auch viel Rockiges und ein bisschen Punk. Eine wilde Mischung eben. In meinem Sommerurlaub in 2014 habe ich mich gleich am ersten Urlaubstag morgens hingesetzt und habe angefangen zu schreiben. 18 Tage und oft auch in den Nächten. Dann war die erste Version der Geschichte fertig. Ich war danach total erledigt, absolut erschöpft. Es war einer der besten Momente meines Lebens.

Hast Du eine Lieblingsfigur? Spukt Dir jemand aus Deinem Roman noch oft durch den Kopf und fühlt sich real an? Fühlst Du Dich jemandem besonders nah?
Alle! Jede Figur ist mir sehr, sehr ans Herz gewachsen. Als das Buch fertig geschrieben war, war ich ehrlich traurig, dass ich sie verlassen musste. Ich vermisse Johann und seine Bar und denke sogar oft an Leo, den Taxifahrer. Alle sind ein Teil von mir, selbst der Bösewicht. Und jeder Rolle habe ich etwas von mir oder von meinen liebsten Menschen mitgegeben.

Hast Du einen besonderen Ort, an dem Du schreibst?
Das Buch habe ich damals noch in Hamburg an meinem Esstisch mit Blick auf den Blankeneser Marktplatz geschrieben. Dort steht übrigens der ganz echte Pommes-Jan, den gibt es nicht nur in meinem Buch. Er macht die beste Currywurst der Welt. Von ihm habe ich auch den ersten Lohn für meine Geschichte bekommen: Einmal Pommes und Currywurst. Es war ungefähr so: „Moin Mea, wo warst du so lange?“ „Moin Jan, hab’ ein Buch geschrieben!“ „Komm ich drin vor?“ „Natürlich!“ „Das will ich auch meinen.“ Und Zack… Fritten aufs Haus.

Du liest sicher selbst genauso gern wie ich. Wir beide sind Leute, die ihre Sucht zum Beruf gemacht haben. Hast Du Lieblingsautorinnen und –autoren, die Deine Ideen für den Roman und vielleicht sogar Deinen Schreibstil beeinflusst haben?
Ob sie mich beeinflusst haben, weiß ich gar nicht genau. Irgendwie beeinflusst einen ja alles. Meine Lieblingsautoren sind unter vielen anderen Charles Bukowski, Raymond Carver, John Irving und Thommie Bayer. „Das Aquarium“ ist mein absolutes Lieblingsbuch. Inspirierend finde ich aber auch Gedichte, Lyrik und Poesie im Allgemeinen. Gedichte von Walt Whitman, Rilke, Morgenstern und ganz besonders von meiner Wortheldin Mascha Kaleko. Was sie in wenigen Worten rausgehauen hat, ist einfach unfassbar gut.

Der Scylla Verlag hat seinen Sitz in Bergisch Gladbach, aber Du hast, als Dein Buch im Bergischen erschien, noch in Hamburg gelebt. Wie hast Du denn eigentlich den Verlag gefunden?
Als ich die 18 Tage Schreibzeit hinter mir hatte, war das erste Buch, was ich danach gelesen habe, „Bringt sie zum Schweigen“ aus dem Scylla Verlag. Darin lag ein Einleger mit dem Hinweis, dass die Protagonisten aus dem Buch auf Facebook vertreten sind. Tja, was soll ich sagen, ich habe ihnen eine Freundschaftsanfrage gestellt und sie haben sie angenommen.

Mit dem „Pfarrer Gordon“ hatte ich am meisten Kontakt. Wir haben gegenseitig unsere Posts kommentiert und hatten dabei richtig Spaß. „Gordon“ hat dann irgendwann auch über Facebook mitbekommen, dass ich einen Verlag suche. Er empfahl mir, weil er selbst mit Jeannette Graf, der Geschäftsführerin des Scylla Verlags, gern mal einen Tee trinken würde, dass ich ihr mal eine Leseprobe schicken solle. Habe ich gemacht! Kurz darauf lud sie mich nach Köln ein und wir hatten wirklich einen prima Tag mit einem Spaziergang am Rhein, viel Lachen und guten Gesprächen. Wir waren uns schnell einig, dass ‚sechsuhrsieben’ ein Scylla-Buch wird.

Habt Ihr gemeinsam viel an dem Text verändert? Ist die Geschichte ganz anders geworden?
Wir haben sehr viel gemeinsam an dem Manuskript gearbeitet. Für die erste Lektoratsrunde war ich sogar für 10 Tage in Bergisch Gladbach. Da haben wir fast nonstop zusammen gesessen. Dabei ging es gar nicht so sehr darum, die Handlung zu verändern, die stand bis auf ein paar kleine Details, die wir dann doch noch geändert oder verschoben haben. Vielmehr ging es darum Ungereimtheiten aufzuspüren und zu verändern, Charaktere zu schärfen und zu verdeutlichen und den Spannungsbogen auszufeilen.

Das war wirklich noch sehr viel Arbeit. Die aber mit Jeannette zusammen super viel Spaß gemacht hat. Ich habe dabei sehr viel über das Schreiben gelernt. Als der Text fertig war, kam dann auch noch die Covergestaltung, der Buchsatz… all sowas. Insgesamt hat es fast zwei Jahre gedauert.

Du bist jetzt nach Gläbbisch gezogen und arbeitest als Lektorin in dem Verlag. Ihr bezeichnet Euch selbst als Indie-Verlag. Was bedeutet das eigentlich?
Indie kommt von Independent, das bedeutet wir sind ein unabhängiger Buchverlag, der nicht den großen Verlagshäusern angeschlossen ist.

Wie unterscheidet sich denn Eure Arbeitsweise von der eines großen Verlags?
Das kann ich eigentlich gar nicht beurteilen, weil ich noch nie bei einem großen Publikumsverlag gearbeitet habe. Ich vermute, wir haben nicht so einen Zeitdruck, können uns intensiver um jeden einzelnen Autoren und die jeweilige Geschichte kümmern. Wir haben Zeit für Herzblutprojekte. Was gerade für Debütromanautoren sicher angenehm ist. Also für mich war es angenehm.
Wir haben den Luxus, dass wir absolut frei in unserer Programmgestaltung sind und keiner strengen Jahresplanung unterliegen. Wir nehmen was uns gefällt! Richtig toll finden wir alle, dass sich unsere Abteilungen stark vermischen. Wir machen alle alles und bekommen von allem etwas mit.

Pia Patt und Birgit Jongebloed führen die Buchhandlung Funk in Bensberg

Was würdest Du einem angehenden Schriftsteller raten, wenn er ein Buch veröffentlichen will, aber nicht genau weiß, wie? Hast Du Tipps, wie man den richtigen Verlag findet?
Es ist sehr viel Arbeit einen Verlag zu finden. Als ich mit der Suche angefangen habe, besuchte ich extra ein Autorenmarketingseminar. Da gab es den Rat, sich erst eine Agentur zu suchen und nicht direkt an die Verlage heranzutreten. Denn wenn man einmal sein Manuskript an einen Verlag geschickt hat, und es abgelehnt wurde, kann auch eine Agentur nicht mehr helfen. Ich selbst hatte es vor dem Scylla Verlag einer Agentur und einem Publikumsverlag geschickt. Beides waren sehr nette Kontakte, aber letztendlich ist nichts daraus geworden. Debütautoren kann ich, aus meiner Erfahrung, nur raten, sich über Kleinverlage zu informieren. Und egal an wen man sein Manuskript schicken möchte, sollte man sich vorab genau darüber informieren, ob das eigene Werk ins Verlagsprogram passt. Vielleicht auch einfach mal ein Buch aus dem Verlag lesen. Das ist immer ein guter Einstieg!

Beim Lesen von „sechsuhrsieben“ habe ich ganz oft gedacht, dass Dir Schreiben, Beschreiben und punktgenaue Formulierungen großen Spaß machen müssen. Deshalb steckst Du doch bestimmt schon im nächsten Projekt? Ganz unter uns: Wann kommt Dein nächster Roman raus?
Ich würde supergern wieder einen Roman schreiben. Ich habe auch schon eine kleine Idee, aber die muss wohl noch mit viel Musik reifen. Die Playlist ist lange noch nicht voll. Und ich habe mir fest vorgenommen: Keine schlechte Schreibe! Auf meinem Blog veröffentliche ich, bis es wieder Zeit für ein großes Projekt ist, Kürzestgeschichten über Menschendinge. Zusammen mit dem Scylla Verlag und meinen beiden super Kolleginnen, die selbst auch Autorinnen sind, überlegen wir gerade, ob wir nicht mal einen eigenen Kurzgeschichtenband herausbringen sollen. Da hätte ich sehr Lust drauf.

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed

Mehr Gelegenheit für Gespräche über die Buchbranche, Lieblingsbücher und die bergische Literaturszene bietet sich am verkaufsoffenen Sonntag, dem 18.06.17. Denn da werden die Scylla-Kolleginnen ab 13 Uhr bei uns sein und das Lesen feiern. Auch Mea Kalcher wird uns beehren und ihr Buch signieren. Kommen Sie gern vorbei! Machen Sie es sich gemütlich, lesen Sie einfach kurz rein und lassen Sie es sich gut gehen. Keine Zeit an dem Tag? Macht nichts. Wir haben immer alle Bücher des Scylla Verlags vorrätig.

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

Sie können alle Bücher in unserem Online-Shop bestellen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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