Foto: Symbolbild

Die Stadtverwaltung ist von ihrem Plan abgerückt, die marode Obdachlosenunterkunft am Hoppersheider Busch wieder zu erweitern. Damit kommt sie den Anwohnern entgegen. 

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Seit den 1960er Jahren betreibt Bergisch Gladbach in Schildgen Unterkünfte für wohnungslose Menschen, seit den 1990 Jahren standen am Hoppersheider Busch auf einem 26.000 Quadratmeter großen Waldgrundstück zwei Häuser mit maximal 50 Plätzen. Eines der Häuser wurde 2016 wegen Baufälligkeit abgerissen, das zweite ist kaum noch bewohnbar und war zuletzt nur noch von rund 15 Personen belegt.

Da die Plätze für Obdachlose in der Stadt knapp sind, wollte die Stadtverwaltung im vergangenen November eigentlich am Hoppersheider Busch für 1,8 Millionen Euro eine große Unterkunft mit 54 Wohncontainern plus Versorgungs- und Verwaltungsgebäuden aufbauen.

In der Beschlussvorlage hieß es lapidar:

„Der Fachbereich 5 formuliert folgende Bedarfe:
1. Ersatz für die Brandwohnung, die aktuell für die Flüchtlingsunterbringung genutzt wird, zusätzlich: 6 Plätze
2. Die Platzzahl Hoppersheider Busch 9 und 9A bisher: 47 Plätze
Gesamtbedarf: 53 Plätze
Die vom Architekturbüro erstellten Pläne ergeben aufgrund der Symmetrie eine geplante Platzzahl von 54 Plätzen.” 

Dagegen liefen die kaum informierten Anwohner Sturm; unmittelbar vor einer Sitzung des Ausschusses für Klima, Infrastruktur und Verkehr (AUKIV) im November 2017 hatte die Verwaltung unter Leitung des neuen Sozialdezernenten Frank Stein das Thema abrupt von der Tagesordnung genommen, neue Gespräche geführt und neu geplant.

Ein Zwischenergebnis hat die Verwaltung jetzt in einer Mitteilungsvorlage  (siehe Dokumentation unten) für den Sozialausschuss verpackt, der heute tagt. Demnach sind die alten Pläne vom Tisch.

Statt Abriss und Neubau soll es nun eine Sanierung des alten Gebäudes geben. Danach sollen dort nur soviele Personen untergebracht werden, wie in den letzten Monaten: 14 bis 16 und nicht 54.

Im Ergebnis, schreibt die Verwaltung, „würde es im Falle der Sanierung keine Änderung des Status Quo und damit auch keine Mehrbelastung der Menschen im Viertel geben.”

Der AUKIV hatte im November der Verwaltung aufgetragen, andere Sanierungsoptionen zu prüfen – und zu klären, ob der Bedarf an Obdachlosenunterkünften an anderer Stelle in der Stadt gedeckt werden kann.

Die erste Frage wird in der Mitteilungsvorlage positiv beantwortet. Für 211.000 Euro könne das Gebäude saniert, die Zimmer hergerichtet und u.a. mit Fernsehanschlüssen ausgestattet werden.

Die Frage, wo im Stadtgebiet im Ausgleich auf den Verzicht des Ausbaus in Schildgen neue Plätze geschaffen werden, beantwortet die Verwaltung in der Vorlage nicht. Auf Nachfrage gibt sie nun an, schon im Frühjahr und Herbst 2017 sei die Lage analysiert worden. Mit dem Ergebnis, das weitere Plätze nicht nötig seien; u.a. auch, weil Flüchtlingsunterkünfte frei geworden seien.

Im Gegensatz dazu hatte die Stadt noch im November 2017 in der Vorlage notiert:

„Der Fachbereich 5 hat (…) die gesetzliche Verpflichtung, eine drohende Obdachlosigkeit zu verhindern. Durchschnittlich waren im Jahr 2016 79 Obdachlose untergebracht.  Die Unterbringungssituation für wohnungslose Menschen in der Stadt Bergisch Gladbach ist aufgrund fehlender Raumkapazitäten sehr prekär, weitere Raumkapazitäten und damit eine Entspannung der beengten Raumsituation sind zwingend notwendig.”

Sozialdezernent Stein hatt die Anwohner bereits Ende April über die neuen Pläne informiert und diskutiert, wie man „die Akzeptanz der Unterkunft bei den Menschen verbessern und mögliche Auswirkungen auf die Nachbarschaft minimieren” könne. Im Ergebnis soll jetzt ein privater Sicherheitsdienst im Auftrag der Stadt regelmäßig vor Ort Streife gehen.

Hinweise zur Betreuungssituation der Obdachlosen in der gesamten Stadt finden sich in der Vorlage nicht. Der Sozialausschuss tagt heute ab 17 Uhr im Rathaus Bensberg.

Dokumentation: Beschlussvorlage 9.11.2017

Dokumentation: Die Beschlussvorlage 26.6.2018

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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