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„Kulturtage? Machen wir wieder. Nur nicht nächstes Jahr“

Konzert zur Finissage: Muhammad Tamim, Carmen Daniela, Luca Leonard Gililov

Die Deutsch-Palästinensischen Kulturtage im Zeichen der Städtepartnerschaft mit Beit Jala sind vorbei. Was haben sie gebracht, wie geht es weiter?

Gerade hatte sich so mancher Besucher darin eingerichtet, da waren die Deutsch-Palästinensischen Kulturtage auch schon vorbei: die bundesweit erste Programmreihe dieser Art, drei Wochen lang, mit knapp 20 hochkarätigen Veranstaltungen.

Was Zahlen allein nicht ausdrücken können, reflektierten die Teilnehmer einer Gesprächsrunde, die sich an Konzert und Finissage im Kulturhaus Zanders anschloss. Die Moderation übernahm Suraya Hoffmann, Leiterin des Café Palestine in Köln.

Organisator Heinz-D. Haun vom Städtepartnerschaftsverein Bergisch Gladbach-Beit Jala e.V. fasste beispielhaft zusammen, was die Vielfalt von Kunst, Musik, Poetry, Film und Kulinarik zu einem erfolgreichen Gesamterlebnis werden ließ – es gab aber auch ein politisches Fazit (weiter unten).

Von Kulturhaus bis Lyrikpfad: Künstler aus Beit Jala

Den Auftakt machte das Filmporträt „Ein Tag in Beit Jala“. Die vom Partnerschaftsverein in Auftrag gegebene Dokumentation zeichnet ein liebenswertes Bild unterschiedlicher Menschen mit ihren Sorgen und Freuden. In einem weiteren Film, dem herzerwärmenden Kultstreifen „Ein Lied für Nour”, folgten die Zuschauer einem jungen Taxifahrer aus Gaza in die Casting-Show „Arab Idol“.

Dann gab es reichlich Kunst und Literatur direkt aus Beit Jala – vertreten durch die Künstler Faten Nastas Mitwasi, Bashir Qonqar und Sliman Mansour im Kulturhaus Zanders. Eigens für den Lyrikpfad an der Strunde hatten Jugendliche aus Beit Jala Gedichte verfasst.

Einen kompletten Rückblick auf das Programm gibt es hier: Teil 1, Teil 2

Offizielle Persönlichkeiten aus Beit Jala bzw. Palästina waren nach Bergisch Gladbach gekommen: Louba Zeidan, stellvertretende Bürgermeisterin von Beit Jala, und die palästinensische Botschafterin Dr. Khouloud Daibes aus Berlin, die in Beit Jala aufgewachsen ist.

Die Spoken-Word-Künstlerin Faten El-Dabbas (Berlin) und Aeham Ahmad, der „Pianist aus den Trümmern“, präsentierten Poetry, Musik und Literatur mit starkem Palästina-Bezug.

Brücken statt Mauern in Bildern, Tönen, Gesprächen

Glanzlichter, wohin man hörte und blickte: Cross-Over-Projekte wie der deutsch-arabische Chor „Eichenoase” aus Köln, die musikalische Begegnung von Carmen Daniela und Luca Leonhard mit Mohammad Tamim, die Papierkleider-Präsentation nach palästinensischen Originalgewändern von Ulrike Oeter aus Rösrath. Diese und alle weiteren Veranstaltungen übersetzten den Leitgedanken der Städtepartnerschaft „Brücken statt Mauern“ in Bilder, Töne und Gespräche.

Hat sich der Aufwand gelohnt?

„Unbedingt“. „Ruft nach Wiederholung“, war sich die Runde einig. „Wenn auch nicht schon im nächsten Jahr “, ergänzte Haun launig angesichts der erheblichen Vorarbeiten.

Dennoch ist schon die eine oder andere Fortsetzung geplant: Susanne Schlösser, Sprecherin des Freundeskreises Ganey Tikva, und Städtepartnerschaftsvorsitzender Axel Becker erinnerten an die für den 11. November geplante gemeinsame Veranstaltung mit der israelischen Autorin Lizzy Doron im Bergischen Löwen, angebahnt auf Initiative der Bergisch Gladbacher Stadtbibliothek.

Und Haun, bei den Kulturtagen u.a. mit der Klangperformance „Die Reise des Ohrs nach Beit Jala“ vertreten, spinnt gemeinsam mit Faten Nastas Mitwasi an der Idee einer „Soundbridge“ von Partnerstadt zu Partnerstadt.

Die Kulturtage: Starker Kontrapunkt zum Dauerkonflikt

Vor allem sei es gelungen, die Städtepartnerschaft mit Beit Jala positiv ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, merkte Besucher Andreas Holz aus Bergisch Gladbach an.

Darüber hinaus konnten die Kulturtage einen spannenden Kontrapunkt zu den meist bedrückenden Medienberichten über den israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt setzen.

Womit das Gespräch an einem heiklen Punkt war. Moderatorin Hoffmann wollte wissen, ob die Kulturtage politisch waren. „Aber ja, natürlich ist die palästinensische Kunst politisch“, erklärte Georg Becker, Kurator der Ausstellung im Kulturhaus Zanders. Aber nicht in Form ideologischer Slogans. „L‘art pour l‘art ist in Palästina nicht möglich, weil knallharte politische Tatsachen das gesamte Alltagsleben unentrinnbar prägen. Auch das Kunstgeschehen.“

Signale nach Beit Jala

Die Kulturtage sendeten wichtige Signale nach Beit Jala. Der riesige Zuspruch der Bergisch Gladbacher Bürger belegt die Anteilnahme am Leben der Menschen in der Partnerstadt. Bei der anstehenden Begegnungsreise Mitte Oktober wollen die Vertreter des Partnerschaftsvereins jene Jugendlichen in Beit Jala treffen, die auf dem Lyrikpfad an der Strunde vertreten sind, und ihnen von dem Event berichten.

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Ein Kommentar zu “„Kulturtage? Machen wir wieder. Nur nicht nächstes Jahr“”

  1. Leider habe ich die “Deutsch-Palästinensischen-Kulturtage” nicht besucht, erfuhr aber aus mehreren Quellen, dass dort “Partnerschaft” wirklich gelebt wurde. Im ganzen Gegensatz zu zur früheren Dreier-Partnerschaft, in der sich der andere Verein eher politischen Zielen verpflichtet sah, wobei er von der Politik (FDP-Ortsvorsitzende) unterstützt wird. Da ist Konfrontation angesagt und nicht “Partnerschaft”!

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