Engagierte Debatte im Ratssaal. Andreas Ebert (SPD). Fotos: Hans Rosen

Zwei Ratsausschüsse haben das Konzept für die neue Schlossstraße einstimmig gebilligt. Auch für die Mauer mit Sitzstufen und die 97 Parkplätze gab es großen Rückhalt. Zudem soll teurer Naturstein geordert werden – aber dafür fehlt bislang das Geld. 

In gemeinsamer Sitzung haben der Stadtplanungsausschuss und der Ausschuss für Umwelt, Klima, Infrastruktur und Verkehr (AUKIV) noch einmal die Umgestaltung der Schlossstraße ausgiebig diskutiert. Am Ende sprachen die Lokalpolitiker – bis auf wenige Ausnahmen – dem Architekten Frank Flor und dem Stadtplaner Wolfgang Honecker großes Lob aus.

Sie seien flexibel auf Anregungen und Wünsche eingegangen, hätten gegen Widerstand Kurs gehalten und seien dem ursprünglichen Wettbewerbsentwurf treu geblieben. Die neue Variante der Bensberger Mauer in Form einer Treppe zum Sitzen stieß auf breite Begeisterung.

Architekt Frank Flor (rechts) verfolgt die Debatte.

Zuvor erläuterte Flor, der mit dem Kölner Büro Club L 94 den Wettbewerb für die Umgestaltung der ganzen Schlossstraße gewonnen hatte, wo die Planung gegenüber dem Siegerentwurf verändert worden war. Diese Punkte waren bereits mit der Beschlussvorlage öffentlich, im Gespräch mit dem Bürgerportal hatten Flor und Honecker offene Fragen bewertet.

Flor widersprach der Kritik der Bensberger Händlerschaft deutlich. So berücksichtige der Entwurf auch die Flächen unten den Überhängen der Gebäude links und rechts der neuen Schlossgalerie. Flor zeigte mehrere Skizzen, die diese Arkaden zeigen. Die Händler hatten am Montag argumentiert, die Planer hätten aus ihrer Vogelperspektive diesen Straßenraum von zwei Metern Breite übersehen.

Bei der Berechnung der jetzt 97 Stellplätze (plus/minus 5) habe man Einfahrten, Feuerwehrflächen und Außengastronomie berücksichtigt. Sollten sich hier neue Erkenntnisse ergeben, könne man an anderer Stelle noch etwas herausholen, sagte Flor. Bei der Gesamtzahl von 95 bis 100 Stellplätzen bleibe es. An dieser Stelle äußerten sich auch einzelne SPD-Leute skeptisch. Doch Vertreter der CDU und auch der SPD appellierten, die Umgestaltung der Schlossstraße nicht auf die Stellplatzfrage zu reduzieren.

Auch an anderen Punkten widersprach Flor den Händlern:

  • Zwar müssten 25 Bäume fallen, aber dafür würden 43 neue gepflanzt.
  • Der Spielplatz an der Ausfahrt der Tiefgarage werde aufgewertet, an weiteren Stellen einzelne Spielgeräte aufgestellt.
  • Der Stadtplatz, den die Händler eingefordert hatten, gebe es jetzt nicht mehr auf halber Höhe der Treppenanlage, sondern in ausreichender Größe unten vor der Schlossgalerie.

Die Barrierefreiheit werde durch den Weg über die (immer zugängliche) Arkade der Schlossgalerie und den bekannten Weg zur Engelbertstraße sowie durch den Aufzug der Schlossgalerie gewährleistet. Das Einkaufszentrum habe zugesichert, dass der Aufzug von 7 bis 22:30 Uhr zugänglich sei; über eine länge Öffnungszeit werde noch verhandelt, ergänzte Honecker.

Mit seinen Ausführungen überzeugte Flor nicht die Vertreter der Bensberger Einzelhändler und Immobilienbesitzer, wohl aber die Ratsmitglieder, die über mehrere Einzelpunkte abstimmten.

Hermann-Josef Wagner (r.) spricht für die CDU – und für den Schlossstraßen-Entwurf

So wurde abgestimmt

Der Beschluss, dem Vorentwurf der Gesamtplanung zuzustimmen und auf dieser Basis weiter zu machen, fiel einstimmig. Auch dem grundsätzlichen Materialkonzept (in braun-beige) stimmten alle zu – mit Ausnahme des Linken Thomas Klein.

Bei den Stellplätzen (Längsaufstellung mit insgesamt ca. 97 Parkplätzen) stimmten neben Klein auch die Grünen mit Nein. Weil sie in der Schlossstraße am liebsten eine Fußgängerzone sehen und allenfalls den 60 Parkplätzen aus dem Wettbewerbsentwurf zustimmen würden.

Die Opposition: Roland Schundau (Grüne), Thomas Klein (Linke), Alfons Adler (Bürgerpartei GL)

Warum denn nicht Naturstein?

Dynamik in den Abend brachte ein Antrag, mit dem die SPD der Verwaltung widersprach. Die  hatte vorgeschlagen, jetzt nur festzulegen, dass im 1. Bauabschnitt neben der Schlossgalerie die Sitzstufen-Mauer und die Treppe in Beton ausgeführt werden (was unstrittig ist).

Die Entscheidung, ob man die Plätze, Wege und Straßen mit Beton- oder Naturstein pflastert, wollte die Verwaltung auf die AUKIV-Sitzung vom 26.3. vertagen. Denn für die teure Natur-Variante gebe es noch keine entscheidungsreife Kostenkalkulation, geschweige denn einen Finanzierungsvorschlag.

Dem widersprach die SPD. Wie die anderen Fraktionen auch machte sie klar, dass nur ein Naturstein in Frage komme. In der Gladbacher Fußgängerzone habe man gelernt, dass Betonsteine zunächst billiger seien, aber schnell kaputt gehen und langfristig die teurere Variante seien. Wenn man im November tatsächlich mit dem ersten Bauabschnitt fertig sein wolle, dann müsse man schleunigst ordern – Naturstein für 15.000 Quadratmeter habe kein Steinbruch auf Lager .

Daher, forderte die SPD, solle doch schon jetzt die Festlegung auf Naturstein erfolgen. Die Finanzierung müsse und könne man später klären.

… auch wenn er das Budget sprengt!

In einer ersten Schätzung hatten die Architekten veranschlagt, dass der Naturstein ein bis 1,5 Millionen Euro teurer würde. Die Gesamtkosten würden dann mit rund sechs Millionen Euro den zur Verfügung stehenden Topf von 4,7 Millionen Euro für diesen Bauabschnitt sprengen.

Nach einer Sitzungsunterbrechung gab es einen Antragstext: Der Ausschuss legt sich – mit dem Ziel, die bewilligte Budgetgrenze nicht zu überschreiten – auf Naturstein fest. Über die zusätzlichen Kosten und ihre Finanzierung müsse am Ende sowieso der  Haupt- und Finanzausschuss sowie der Stadtrat entscheiden.

Dieser Antrag wurde einstimmig (mit einer Enthaltung in der CDU) angenommen.

Die Vertreter der Bensberger Händler hatten schon zuvor verärgert den Saal verlassen. Nun kann die Ausschreibung für den ersten Bauabschnitt (Freitreppe und Mauer mit Sitzstufen) beginnen und die Planung für die gesamte Schlossstraße fortgesetzt werden.  

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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    1. Der Emilienbrunnen war gestern nicht Teil der Beratung, weil er erst zum dritten Bauabschnitt gehört. Dafür gibt es bislang nur Vorentwürfe, nur Planungen. Wir behalten das im Auge. Die Redaktion