Die Schlossgalerie kommt voran. Dieses Foto stammt aus dem April, inzwischen sind die Fenster eingebaut, die ersten Fliesen sind verlegt

Die unter hohem Zeitdruck geplante Umgestaltung der Schlossstraße verzögert sich erneut – und auch der Bau der großen Treppenanlage. Die Eröffnung der Schlossgalerie sei aber nicht gefährdet, erklärt die Stadtverwaltung. Aber auf jeden Fall wird es deutlich teurer. 

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Im Februar hatte der Stadtrat entschieden, beim Umbau der Schlossstraße insgesamt und auch beim Bau der Freitreppe entlang der Schlossgalerie Naturstein als Material für die Oberflächen einzusetzen. Außerdem wird die massive Stützmauer aus Beton durch Sitzstufen aufgelockert.

Danach, das berichtet die Stadtverwaltung am Donnerstag, habe die Statik und die Ausführungsplanung „umfassend überarbeitet” werden müssen. Erst an diesem Dienstag (11.6.) ging die europaweite Ausschreibung raus.

Bislang hatte die Stadt dem Schlossgalerie-Investor Centerscape und der Öffentlichkeit versichert, der Zeitplan sei zwar ehrgeizig – aber bis zur (vom Sommer auf November aufgeschobenen) Eröffnung des Einkaufszentrums werde die Treppe fertig. Sie dient auch als Rettungsweg für die Schlossgalerie.

Hier sollen die Freitreppe hinauf zum Alten Markt und ein kleiner „Stadtplatz” entstehen. Foto: April 2019

Jetzt räumt die Stadt ein, dass dieser Zeitplan doch bei weitem nicht einzuhalten sei. Mit dem Beginn der Bauarbeiten werde nun „Mitte September 2019″ gerechnet. Zu dieser Erkenntnis seien die städtischen Planer Ende Mai gekommen.

Anfang Juni habe es daher ein Krisengespräch „mit allen Beteiligten” gegen, um „gemeinsam nach konstruktiven Lösungen zu suchen”. Das Ziel: die Treppenanlage und der Stadtplatz sollen soweit zu benutzen sein, dass „eine Anlieferung vor Eröffnung der Schlossgalerie erfolgen kann”.

Entwurf des Club L 94: So soll die Treppenanlage nach Fertigstellung aussehen. Das Einkaufszentrum rechts wurde inzwischen in Schlossgalerie umbenannt

Fertigstellung voraussichtlich im Frühjahr

Die Fertigstellung dieses ersten Abschnitts der Umgestaltung der Schlossstraße im Rahmen des InHK verschiebt sich damit in das kommende Jahr. „Wir rechnen nun mit einer Fertigstellung im Frühjahr 2020“, zitiert die Pressemitteilung Fachbereichsleiterin Elisabeth Sprenger und Planungsleiter Wolfgang Honecker. In einer Beschlussvorlage heißt es „voraussichtlich”.

Sie hätten sich zwar gewünscht, dass das „von vornherein ambitionierte Ziel Herbst 2019″ erreicht worden wäre, betonen die Planer. Aber der Projektverlauf und „vor allem die Folgen der Umplanung im Treppenbereich sowie die Wahl des Oberflächenmaterials” hätte zusätzlichee, inhaltlich und rechtlich erforderliche Arbeits- und Prüfschritte mit sich gebracht. Das hätte den Zeitplan gesprengt.

Wie die Rettungswege und Anlieferung sichergestellt werden sollen, lässt die Pressemitteilung offen. In der Beschlussvorlage heißt es:

„Seitens der Stadt wurde zugesagt, dass im Falle einer Eröffnung der Schlossgalerie vor Fertigstellung der Treppe die Stadt ihrer Verpflichtung, die Nutzbarkeit der beiden Not- und Rettungsausgänge der Parkdecks zu gewährleisten, nachkommt und ein Provisorium, z.B. eine Gerüsttreppe, aufstellt. Die Treppenanlage und der Stadtplatz sollen weitestgehend benutzungsfähig hergestellt werden, um die Anlieferung vor Eröffnung der Schlossgalerie zu gewährleisten.

Die offene Frage ist nach wie vor, ob sich auf die Ausschreibung überhaupt Bauunternehmen mit akzeptablen Angeboten melden; für die Lieferung der Natursteine in größeren Mengen gibt es unter Umständen lange Lieferzeiten.

Am 25. Juni soll im Ausschuss für Umwelt, Klima, Infrastruktur und Verkehr über das konkrete Oberflächenmaterial aller vier Bauabschnitt der Schlossstraße entscheiden. Dazu hat die Verwaltung am Donnerstag eine umfangreiche Vorlage ins Ratsinformationssystem eingestellt (siehe Dokumentation unten).

Mehrkosten in Millionenhöhe

Dabei geht es u.a. um die Finanzierung, die Material- und Gestaltungseigenschaften, sowie die Nachhaltigkeit und Pflege der Bodenbeläge sein. Nach aktuellem Stand sind aufgrund der Planänderungen für die Treppe, der Wahl des Natursteins sowie der allgemeinen Preiserhöhungen im Bausektor Mehrkosten von rund 3,8 Millionen Euro zu erwarten.

Dabei unterstellt die Verwaltung, dass sich das Land auch an den Mehrkosten beteiligt, war noch offen ist. Der Umbau der Schlossstraße wird im Rahmen des InHK vom Land zu 70 Prozent gefördert.

Über die Bereitstellung der kommunalen Eigenmittel zu den Mehrkosten für den Bodenbelag soll der Rat am 9. Juli entscheiden.

Im September kommt der Entwurfsplan

Danach geht es Schritt für Schritt weiter. Laut Beschlussvorlage sitzen die Planer von Club L 94 derzeit an der Entwurfsplanung für die gesamte  Schlossstraße. Das werde verwaltungsintern abgestimmt, im September soll dann ein fertiger Entwurfsplan vorliegen.

Dabei werden dann auch die strittigen Themen wie der Standort des Emilienbrunnens oder die Lage der verbleibenden Parkplätze behandelt.

Dokumentation:

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Nun wird, fast nebenbei, die Verschiebung der Fertigstellung um mindestens 5 Monate eingeräumt, obwohl die Einhaltung des November-Termins zu Anfang diesen Jahres noch als „heilig“ galt und man damit alle Diskussionen über die zukünftige Gestaltung der Treppe abgewürgt hatte.

    Natürlich verliert man als Bürger damit zunehmend das Vertrauen in die Aussagen der Stadtverwaltung.

    Wesentlich stärker wird diese Verschiebung aber wohl die Geschäftsleute betreffen, die ihrerseits alles daran gesetzt haben ihr Geschäft rechtzeitig zu eröffnen: Finanziell, baulich, personell und in der Warenversorgung. Sie hätten es verdient, dass die Schloßgalerie in einem professionellen, angenehmen Umfeld eröffnet wird.

    Daher ist die deutliche Kritik von Herrn Havermann nachvollziehbar. Es wäre wünschenswert, dass die Verantwortlichen zu Ihren Worten und Plänen stehen.

    Mindestens ebenso bedenklich aber ist aus meiner Sicht, dass der Stadtrat -gegen die gut begründete Empfehlung der Verwaltung- offensichtlich darauf besteht, flächendeckend Naturstein zu verlegen anstelle des vorgesehenen, ansprechenden Betonpflasters. Dies scheint der Rat durchdrücken zu wollen, obwohl das Projekt damit bereits zu diesem frühen Zeitpunkt mehrere Millionen Euro teurer würde als geplant, und der ohnehin große Schuldenberg der Stadt (und damit der Bürger*innen) damit ein weiteres mal erhöht würde. Ernsthaften Widerspruch zu diesem teuren Unterfangen habe ich von keiner Partei in Erinnerung.

    Das ist kaum zu verantworten in einer Stadt, die seit Jahren „pleite“ ist und der jährlich mehrere Millionen Euro fehlen, ihre bereits bestehenden Straßen auch nur ansatzweise in Schuss zu halten.

    Natürlich werden die Bürger*innen auch diese Rechnung bezahlen (müssen).

  2. Es ist an der Zeit, dass sich Herr Havermann aktiv in der städtischen Politik betätigt! Dann hört vielleicht die ewige Meckerei auf und er muss sich für seine “Hinweise” rechtfertigen.

  3. Das kommt ja jetzt völlig überraschend. Frau Sprenger und Herr Honecker sind tatsächlich verplant – sorry, haben sich – was nach zigjährigen (Fehl-)Planungen natürlich jeden überrascht. Frühjahr 2020 ist das neue (wievielte?) Ziel, ha ha ha, das ist ja schon nächstes Jahr???

    Armes Bensberg, vom Bürgermeister zur Chefsache erklärt (beim Amtsantritt), von den Planern verlassen, den Glauben verloren, als Beispiel für wiehernde Amtsschimmel verschrien, womit hast Du das verdient?