Jede Aktion gegen Müll ist gut, urteilt unser Autor. Aber oft werde ein besonders sensibler Ort übersehen: Der Kinderspielplatz. Dort gilt Rauchverbot, was niemanden kümmert. Berge von Kippen sind das Ergebnis. Das ließe sich ändern.

Ich begrüße jede Initiative – wie aktuell die der CDU-Stadtratsfraktion -, die dazu beiträgt, Straßen, Wege, Plätze und Grünanlagen in unserer Stadt sauberer zu halten, oder um es beim Namen zu nennen: Unrat und Abfälle zu beseitigen.

Ja, die Abfallbehälter in der Fußgängerzone sind unzweckmäßig, versifft, überladen und kein Aushängeschild für die Stadt. Das gilt erst recht für tausende von Zigarettenkippen, die unsere Fußgängerzone „zieren“ und deutlich machen, wie asozial und rücksichtslos sich die meisten Raucherinnen und Raucher verhalten.

Ich befürchte, ihr Verhalten wird sich auch nicht von sogenannten „Kippenentsorgungsbehältnissen“ umstimmen lassen.

Rauchverbot? Na und …

Viel schlimmer ist die Situation allerdings auf den Bergisch Gladbacher Spielplätzen. Zum Schutze unserer Kinder gilt hier anders als in der Fußgängerzone absolutes Rauchverbot, einziger Schönheitsfehler: Niemand hält sich daran. Mithin gehört auch hier die frei entsorgte Zigarettenkippe zum optischen Alltag.

Dieser Zustand gefährdet die Gesundheit der Kinder wie das Grundwasser gleichermaßen. Was in der Fußgängerzone nicht funktioniert, gerät auf den Spielplätzen völlig unter die Räder … die Kontrolle oder Ahndung durch den städtischen Ordnungsdienst.

Oder hat sich dieser Dienst hier schon einmal blicken lassen? Kann er einfach nicht. Die bescheidene Anzahl an Einsatzkräften lässt das nicht zu.

Vielleicht kann mir die städtische Ordnungsbehörde einmal verraten, wie viele Strafgelder für weggeworfene Kippen im Jahr 2018 erhoben wurden. Aber lassen wir es. Jemanden beim „Kippen Wegwerfen“ zu erwischen, ist so schwer, wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Mithin ist und bleibt das Bußgeld für frei entsorgte Kippen und Abfälle ein zahnloser Tiger, egal ob 20 oder 55 Euro. Trotzdem halte ich es für richtig, die Bußgeldgrenze möglichst hochzusetzen. Als Drohpotenzial macht sie allemal Sinn. Und: Das Engagement von Claudia Caspers ist klasse, das Ansinnen der CDU-Fraktion ist der richtige Weg.

50 Kippen pro Woche

Am Beispiel des Paffrather Kinderspiel- und Bolzplatzes in der Kolpingstraße möchte ich aufzeigen, dass andere Wege zu direkteren Erfolgen führen. Durch privaten Einsatz werden hier Woche für Woche 50 Kippen und mehr eingesammelt und entsorgt. Seit nunmehr drei Monaten läuft diese Aktion, zusammengekommen sind mehr als 600 Kippen, in Bußgeldern ausgedrückt 12.000 Euro.

Weil zusätzlich auch noch pro Woche bis zu drei 20-Liter-Eimer mit Abfällen und Unrat dazukommen (gesammelt wird seit einem Jahr, macht also mind. 1.000 Liter Müll), ist der Spielplatz eigentlich immer blitzte sauber.

Was ich damit sagen möchte: Ich glaube, es würde sich lohnen, ganz gezielt Menschen in Bergisch Gladbach anzusprechen, die bereit sind, sich in ihrem privaten Umfeld für mehr Sauberkeit einzusetzen, und das dauerhaft! Oder eine stadtweite Kampagne zu starten, wie beispielweise „Zigarettenkippen sammeln find ich cool“ und das zusammengekommene Zeug in einem transparenten Großbehälter präsentieren, mitten auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Ich glaube, so etwas würde Wirkung zeigen.

Und was die Zigarettenkippen noch betrifft, so möchte ich eine neulich aufgefangene Idee einfach mal hier in die Bergisch Gladbacher Runde geben:

Pro Zigarette ein Pfand von 10 oder auch 20 Cent erheben, also die Packung rund 2 bis 4 Euro teurer machen. Die Kippen nimmt später der Zigarettenladen gegen Rückzahlung des Pfandes entgegen und entsorgt sie. Ich bin mir sicher, innerhalb von einer Woche wäre unsere Fußgängerzone von Kippen leergefegt. Diese Initiative gibt es tatsächlich, sie hat bereits mehr als 72.000 Unterstützer.

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Peter Schlösser

Ich bin verheiratet, Vater zweier Söhne und wohne seit mehr als 65 Jahren in Bergisch Gladbach, davon bis 1966 in Bensberg. Der Grund dieser Sesshaftigkeit: Ich habe mehr als 40 Jahre für die Stadt Bergisch Gladbach gearbeitet, davon mehr als 30 Jahre als Pressesprecher und Verantwortlicher für die...

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2 Kommentare

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  1. Vor unserem kleinen Vorgarten entsorge ich wöchentlich ca 50 Kippen . Die Idee mit dem Kippenpfand ist genial !

  2. Über die Motive, Kippen überall auf den Boden und in die Natur zu werfen, braucht man NICHT zu spekulieren: es ist die allgemeine und zunehmende Verrohung und Rücksichtslosigkeit. Welcher Autofahrer drückt seine Zigarette noch im eigenen Aschenbecher aus ? Autofenster auf und raus. Verbote und angedrohte Strafen werden nur überwacht bzw vollzogen und sind deshalb ein makabrer Witz.