Rolf Ommer (Mitte) mit seinen Kollegen in der Fußgängerzone

Schwarz uniformert, gut ausgerüstet und mit dem Stadtwappen auf der Schulter ist Bergisch Gladbachs neue Ordnungsmacht seit einigen Wochen demonstrativ unterwegs: Die sieben „Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes” stellen sich vor und teilen erste Erfahrungen. 

„Gegen Abend geht des los, dann kommen die Anrufe aus den Stadtteilen und wir müssen uns um Beschwerden über Jugendliche kümmern”, berichtet Rolf Ommer. Oft stünden er und sein Kollegen 20 Jugendlichen gegenüber, da müssten sie „dann schon etwas robuster” auftreten.

Ommer arbeitet schon seit 15 Jahren bei der Stadtverwaltung, ist jetzt der Koordinator des Stadtordnungsdienstes. Er weiß genau, wie weit er gehen muss und darf. Sein Team ist mit Pfefferspray, Stichschutzwesten und Handschellen ausgerüstet und in Selbstverteidigung trainiert, aber im Zweifel wird rasch die Polizei hinzu gerufen.

Der Stadtordnungsdienst mit Bürgermeister Lutz Urbach, Ordnungsamtleiterin Ute Unrau, Beigeordneter Frank Stein und Fachbereichsleiter Peter Widdenhöfer

Im Dienst der öffentlichen Ordnung

Ute Unrau, als Leiterin des Ordnungsamtes die Chefin des Teams, zählt bei der Vorstellung das weitgespannte Aufgabengebiet auf: Sie sind zuständig für alle Verstöße gegen die „ordnungsbehördliche Verordnung”.

Im Klartext: Wer Lärm schlägt, in der Öffentlichkeit säuft oder pinkelt, Kippen oder Pappbecher auf den Boden schmeißt oder Kaugummi ausspuckt, der ist ein Fall für die „schwarzen Männer”. Hinzu kommen unter anderem die Marktaufsicht und der Ermittlungsdienst.

Eine Kippe kostet 20 Euro Strafe, Pinkeln 30 Euro. Ommer versichert, dass seine Leute in solchen Fällen tatsächlich eingreifen und die Personalien aufnehmen, damit ein Bußgeld verhängt werden kann. Das sei nicht immer einfach, häufig müsse die Polizei gerufen werden.

Das Problem sei aber, dass sich die Leute benehmen, wenn die Uniformierten in der Nähe sind. Daher seien nur in einer Handvoll von Fällen die Übeltäter dingfest gemacht worden.

Die Grenzen der Kompetenzen

Radfahrer in der Fußgängerzone dürfen sie ohnehin nur ansprechen, denn für den „fließenden Verkehr” ist alleine die Polizei zuständig. Den ruhenden Verkehr (sprich Falschparker) dagegen nehmen sich die vier Mitarbeiter des städtischen Verkehrsüberwachungsdienstes vor, die dunkelblaue Uniformen tragen.

Schon im Mai 2017 hatte Unrau ein Konzept für den Ausbau der damaligen „Stadtwächter” vorgelegt, das von den Fraktionen von CDU und SPD aufgegriffen und dann als Konzept für mehr Sicherheit und Sauberkeit vom Stadtrat verabschiedet wurde. Gut 400.000 Euro stehen dafür im Jahr zur Verfügung.

Auslöser war, dass auch in Bergisch Gladbach immer mehr BürgerInnen über ein wachsendes Gefühl der Unsicherheit klagten – auch wenn das von der Kriminalitätsstatistik nicht getragen wird.

Zunächst musste das Ordnungsamt auf einen privaten Sicherheitsdienst zurückgreifen, weil sie selbst nur über drei Stadtwächter verfügte. Dieser Vertrag ist ausgelaufen, seit Jahresbeginn wurde der neue Stadtordnungsdienst aufgebaut: Sechs Männer und eine Frau wurden bislang geschult und haben ihre Arbeit aufgenommen. Bis Jahresende sollen es sogar zwölf werden.

Der Name „Stadtwächter” wurde als altbacken aus dem Verkehr gezogen, ebenso die Aufschrift „Ordnungsbehörde”. Auf Brust und Rücken der „Mitarbeiter des Stadtordnungsdienstes” heißt es wieder knapp und klar „Ordnungsamt”.

Zwei Streifen, von 6 bis 22 Uhr

Ausgestattet mit vier Fahrzeugen – die absichtlich den Autos der Polizei ähneln – ist der Ordnungsdienst in der ganzen Stadt unterwegs, in jeweils zwei Streifen mit zwei Personen, in der Regel von sechs bis 22 Uhr. Vor allem am Samstag und Sonntag ist die Personalabdeckung aber noch sehr dünn.

Wenn die Sollstärke erreicht ist, so Unrau, soll immer eine Streife in der Innenstadt unterwegs sein, eine zweite im restlichen Stadtgebiet – Spielplätze und Parkanlagen eingeschlossen.

Obdachlose orientieren sich neu

„Wir dürfen nicht vergessen – Bergisch Gladbach ist eine zwar kleine, aber dennoch eine Großstadt”, erläutert Bürgermeister Lutz Urbach den hohen Aufwand. Peter Widdenhöfer, Leiter der Abteilung Recht, Ordnung, und Sicherheit, ergänzt: „Zum ersten Mal sind wir als Großstadt ausreichend besetzt.” Zuletzt habe sich die Stadt von der Polizei in dieser Sache viel Kritik anhören müssen – zu Recht.

Mit den Obdachlosen, die sich tagsüber in der Innenstadt aufhalten, hat der Ordnungsdienst bislang keine Probleme. Hin und wieder müssten sie zurecht gewiesen werden. Werde es im Forum-Park zu laut, würden die Menschen auf die neue Anlaufstelle der Straßensozialarbeit an der Dr.-Robert-Koch-Straße, neben dem Rathaus hingewiesen. Dort steht – über den Büros der Betreuer – ein Platz mit Bänken und Tischen zur Verfügung, der ganz offensichtlich gut angenommen wird.

So erreichen Sie den Stadtordnungsdienst

Für Beschwerden und Hinweise der Bürger sind die diensthabenden Mitarbeiter des Ordnungsdienstes über folgende Handy-Nummer zu erreichen: 0160 6152 184.

In allen Notfälle aber, darauf weist die Stadt ausdrücklich hin, solle man über die 110 bzw. 112 die Polizei oder Feuerwehr alarmieren. Falls angemessen würde die Polizei auch Hinweise an den Stadtordnungsdienst weiterleiten.

Die Reaktionen, berichten sowohl die Chefs wie der Stadtordnungsdienst, seien in der Bevölkerung, vor allem bei älteren Menschen, sehr positiv: „Endlich sieht man Euch wieder,” hört Ommer häufig. Er ist ja auch kaum zu übersehen.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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6 Kommentare

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  1. Hallo zusammen,

    wir leben nicht in einer perfekten Welt. Sie wird es aber auch nicht, wenn wir über Maßnahmen den Stab brechen. Veränderungen brauchen Zeit und manche greifen nicht da, wo sie sollten. Dennoch ist es ein wichtiger Schritt und hier darf man nicht nachlassen. Es ist leicht, über die Ordnungskräfte „meckern“. Vielleicht sollte man die mal einen Tag begleiten und das erleben, was die erleben. Dann könnte sich der eine oder andere Kommentar auf Fakten beziehen und nicht auf Mutmaßungen.

  2. Es ist auch so wie Adenauer schon sagte:
    Ist meine Aktentasche da-bin ich es auch. Da wo mein Einsatzwagen steht…… Ich nehme mal an das es regnete und der Bedienstete mal wieder im Einsatz im Café in der schönen Fußgängerzone beim Cafetrinken- O Pardon ich vergaß… Kippenknollenschreiben war.

  3. Es ist doch gleich geblieben…
    Im Autoknöllchen schreiben und hinter Hecken verstecken um nur ja nicht dabei gesehen zu werden waren unsere Herren vom „Ordnungsamt“ doch schon immer in vorderster Position.
    Wird es aber voraussichtlich etwas brenzlicher im Einsatzfall- schnell ducken, zum aufgeprotzten männlichkeits Ersatzdienstwagen und wenn möglich schnell ungesehen weiter. Würde mal gerne Bußgelder gegen Umwelt und Straftaten in der Einsatzzahl gegenrechnen…. Aber Hauptsache es ist eine Protzuniform mit vermutlich leerem Inhalt.

  4. Der Müll wird immer mehr.
    Auf der Wiese am Spielplatz Rosengarten lag einiges an Müll
    er wurde nicht aufgesammelt
    sondern beim mähen geschräddert sieht jetzt schrecklich aus.

  5. Tja, das war`s wohl……..
    ich möchte auch in einer sauberen Stadt leben und habe mir vorgenommen meinen Anteil
    dazu beizutragen.
    Ich hatte bereits einen jungen Mann gebeten, seine achtlos weggeworfene Zigarette, in den daneben stehenden Zigarettenbehälter zu entsorgen. Er sah mich an lächelte und entsorgte die Kippe.
    Heute am Busbahnhof: mir fiel ein junger rauchender Mann auf, er saß auf der Bank seine Füße ebenso.
    Als mein Bus kam musste ich an ihm vorbei, gleichzeitig flitschte er seine Kippe an mir vorbei über die Bordsteinkante. Ich bat ihn freundlich seine Kippe im Mülleimer zu
    entsorgen. Das hätte ich besser nicht gesagt. Er stand auf, rempelte mich körperlich an
    und schrie : Alte was willst du. Ein junger Mann kam dazwischen und sagte zu mir: steigen sie in den Bus. Wäre er nicht dazwischen gegangen…..ich hatte einen Gehstock!!!
    Jemanden auf die Sauberkeit in der Stadt aufmerksam machen werde ich in Zukunft unterlassen.

  6. Alles schön und gut.
    Aber den Weg hindurch zwischen Bock und Rathaus und die Treppe rauf haben sie noch nicht geschafft. Was sich hier abspielt sucht seines gleichen. Jugendliche die sich mit Alkohol und Drogen betäuben, Treffpunkt für alle Dealer der Stadt. Freies Pinkel an das Marien Denkmal. Gebrülle bis spät in die Nacht. Dazu die Vermüllung und Vandalismus. Alles unmittelbar am Rathaus…..
    Beschwerden werden weitergeleitet aber man hört nix mehr, anschließend.
    Sicherheit und sich Sicher fühlen sieht für mich anders aus.