Der Klima-Streik ist in Bergisch Gladbach auf große Resonanz gestoßen, die inhaltliche Debatte beginnt erst  jetzt richtig. Wir dokumentieren die Rede von Lena Olivier, die für Fridays vor Future die Forderungen der Jugendlichen formulierte. An die Stadt. An das Land. An uns. 

Deutlich mehr als 2000 Menschen hatten am vergangenen Freitag beim Klima-Streik in Bergisch Gladbach demonstriert, mit einer Vielzahl von allgemeinen Slogans und konkreten Forderungen. Die Aktion war von den (erwachsenen) Klima Freunden organisiert worden, Ausgangspunkt war jedoch die Jugend-Bewegung Fridays for Future (FFF).

Für die lokale FFF-Ortgruppe sprach die 16-jährige Schülerin Lena Olivier  bei der Kundgebung auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Sie startet mit einem Traum – und kommt dann sehr schnell zu konkreten Forderungen, an die Stadt Bergisch Gladbach, an die Bundesregierung und an die Bürger.

Wir dokumentieren die Rede im Wortlaut

„Ich hatte letztens einen echt schrägen Traum. Ich hab von so einer Zeichnung geträumt, so verschiedene Tiere. Und als ich aufgewacht bin, hab ich da mal genauer drüber nachgedacht. Und dann ist mir aufgefallen: Es ist ja Zufall, dass es genau diese Tiere gibt, durch die Evolution.

Und dann ist mir aufgefallen: Der Klimawandel und die Menschen bedrohen diese Tiere. Wir nehmen der Erde ihre tierische Vielfalt. Das ist ein unfassbares Verbrechen!

Wir zerstören den Amazonas, die grüne Lunge unserer Erde, die ungefähr 20 Prozent unseres jährlichen Sauerstoffbedarfs deckt und durch die Rodung wird nur noch mehr CO2 freigesetzt, das in die Atmosphäre gelangt und so die Erderwärmung vorantreibt.

Außerdem bedroht die Rodung tausende Tierarten, die nur im Amazonas leben und dann ausgestorben wären, und die indigenen Völker, die dort wohnen. Und auch das ist ein Verbrechen: Diebstahl des Lebensraums!!

Und ich will in einer Welt leben, in der ich richtig atmen kann und in der es verschiedene Ökosysteme gibt und Wald und Wiese und Steppe und eine Eiswüste und nicht in einer Welt, in der die Luft verpestet ist und nur Häuser aus Beton stehen.

Das, was hier gerade abgeht auf der Erde, diese Zerstörung der Natur, das ist ein Kapitalverbrechen: Wir ermorden unsere Mutter Natur!!

Das darf nicht so weitergehen. Deswegen fordern wir als Ortsgruppe Rheinisch-Bergischer Kreis folgende Dinge.

Lokal, also hier in Gladbach:

Endlich den Klimanotstand. Eine Vertagung ist keine Lösung!

Wir wollen den Unverpackt-Laden fördern und wir fordern Ausbau und Vergünstigung der öffentlichen Verkehrsmittel sowie Ausbau der Radwege.

Wir fordern eine Beratung von der Stadt aus: Wie führe ich ein klimafreundliches Leben?, in Form von Workshops oder zum Beispiel einer Beratungshotline.

Und wir fordern das Spenden von verfallenen Lebensmitteln der Supermärkte. Lebensmittelrettung ist nämlich auch Klimaschutz!

Auch national haben wir ein paar Forderungen.

Liebe Bundesregierung, macht endlich konsequente Klimapolitik! Stellt den Klimaschutz an erste Stelle! Wenn wir keine Luft zum Atmen mehr haben, nutzt uns alles Geld der Welt nichts mehr.

Wir fordern eine CO2-Steuer. Das Geld, was dadurch eingenommen wird, kann in Klimaschutzmaßnahmen investiert werden, zum Beispiel Subventionen für die Bahn, in Form von Ausbau des Streckennetzes oder Preissenkungen. Emissionshandel ist keine Lösung, der bereichert nur die Firmen und die Wirtschaft.

Wir fordern ein unverzügliches Einweg-Plastik-Verbot, wie von Plastiktüten und so weiter und den Kohleausstieg bis 2030 und den Umstieg auf Wind- und Wasserkraft.

Wir fordern das Verbot von Inlands- und Kurzstreckenflügen und den nationalen Klimanotstand, damit sich Deutschland nur dem Klimaschutz widmet.

Wir fordern auch, dass endlich national das Spenden von verfallenen Lebensmitteln im Gesetz festgeschrieben wird, und die Beendung der Massentierhaltung. Tierschutz ist auch Klimaschutz!

Global fordern wir, alle klimabedrohenden Maßnahmen sofort zu stoppen, unter anderem die Rodung des Amazonas, und zwar sofort.

Wir müssen unsere Flüge weltweit reduzieren und die Forschung zu klimafreundlicher Mobilität vorantreiben und fördern. Das steht an erster Stelle.

Außerdem brauchen wir Hilfsgelder für unmittelbar vom Klimawandel bedrohten Länder, zum Beispiel Brasilien, Bangladesh, aber auch die Niederlande. Die Klimakrise ist direkt vor unserer Haustür!

Aber natürlich gibts auch Maßnahmen, die jeder sofort ergreifen kann:

Zum Beispiel regional einkaufen oder Obst und Gemüse selber im Garten anpflanzen.

Lieber ein bisschen mehr Geld für Fleisch bezahlen, als Billig-Fleisch aus Südamerika und Ostasien zu kaufen. Das ist nämlich meistens auch noch medikamentenverseucht und ich glaube das will nun  wirklich niemand essen.

Generell auf Bio-Produkte achten und vegetarisch oder vegan leben, das spart Tonnen an CO2 ein.

Wir brauchen nicht in den Urlaub fliegen, mit dem Zug oder dem Auto kann man in Deutschland, Frankreich oder den Niederlande genauso schönen Urlaub machen wie in Thailand.

Und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad fahren. Das ist neben dem Klima nämlich auch noch gut für die Gesundheit.

Außerdem brauchen wir Zero-Waste, zum Beispiel Taschen selbst zum Einkaufen mitbringen und Dosen für Aufschnitt. Das macht der Edeka hier in Gladbach auch schon.

Wer finanziell dazu in der Lage ist, sollte eine Solaranlage für Strom und Warm-Wasser installieren, das spart langfristig Kosten, und auch auf einen Hybridantrieb umsteigen, nicht auf einen Elektroantrieb. Die Produktion der Batterien ist unglaublich CO2-aufwändig.

Aber wir haben auch schon Erfolge erzielt:

Hier in Bergisch Gladbach gibts im Edeka und im Alnatura keine Plastiktüten mehr!

Sowohl in Deutschland als auch international gerät die Politik unter massiven Zugzwang!

Und auf der ganzen Welt bekommen wir endlich mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung!

Wir tun hier in Rheinberg alles dafür, damit wir die Klimakrise aufhalten beziehungsweise verlangsamen können: Wir machen Clean-Up-Aktionen, Workshops, um klimafreundliches Leben zu erklären, und natürlich weitere Demonstrationen und Kundgebungen, bis die Politik endlich handelt.

Wir möchten uns bei allen Leuten bedanken, die uns aktiv, mental und durch Eigeninitiative unterstützen.

Und vor allem möchten wir uns bei den Klima Freunden bedanken, die uns das hier ermöglicht haben und uns die ganze Organisation abgenommen haben und uns in unseren Forderungen und Zielen unterstützen. Wir haben so unfassbares Glück, mit euch zusammenarbeiten zu dürfen.

Dankeschön.”

Copyright: Lena Olivier

Weitere Beiträge zum Thema:

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3 Kommentare

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  1. Liebe Lena, ich gratuliere dir zu deiner ausführlichen, ausgewogenen und gleichzeitig engagierten Rede. Vor allem, dass du sowohl persönliche Aktivitäten als auch politische Entscheidungen ansprichst. Erfolg kann nämlich nur beides zusammen versprechen. Eure Bewegung hat uns allen wieder neue Hoffnung geschenkt und weltweit schon erstaunlich viel erreicht. Engelbert Manfred Müller, der in seinem vorigen Leben 40 Jahre als Lehrer gearbeitet hat.

  2. Pflanzaktion in Zusammenarbeit mit Schulen!?

    Sollen nun die Schüler, die zu Recht für ein besseres Klima demonstrieren, jetzt auch noch instrumentiert werden Bäume zu pflanzen? Sterben nicht gerade diese ab, weil in der Vergangenheit nicht auf Klima geachtet wurde?

    Pflanzaktion ja: Erwachsene und Politiker voran! Zeigt, daß für Fehler auch eingestanden werden kann.
    Ich bin dabei.

    https://www.ksta.de/region/rhein-berg-oberberg/odenthal/pflanzaktion-forstbetriebe-sehen-keine-loesung-gegen-waldsterben-in-odenthal-33219158