Initiative Berg und Klima Freunde vor dem Rathaus. Foto: H. Niekammer

Mit Zuversicht waren Initiative Berg und Klima Freunde Rhein Berg in ein Gespräch mit Verwaltung und Politik über die neue Schlossstraße gegangen. Nun ist die Ernüchterung groß: Klimaschutz, Baumschutz, Aufenthaltsqualität und auch der Emilienbrunnen scheinen kaum eine Rolle zu spielen.

Die Stadt Bergisch Gladbach zeigt bei der Neugestaltung der Schlossstraße in Bensberg nur geringes Interesse an Klimaschutz und Aufenthaltsqualität. Das ist das Resüme eines Gesprächs mit vielen Beteiligten. 

Die Verwaltung hatte am 10. Oktober zu einem Gespräch die Politik,  das Architekturbüro Club L94, Interessenvertreter des lokalen Handels und der Eigentümer, der Denkmalpflege und auch uns, die Initiative „Berg” und die Klima Freunde Rhein Berg eingeladen.

Mit Zuversicht sind wir der Einladung gefolgt, war es doch erst das zweite Gespräch dieser Art in all den Jahren der Projektarbeit zur Neugestaltung der Schlossstraße.

Unsere Hoffnung auf ein konstruktives Gespräch wurde von der Stadtverwaltung dann aber schnell zunichte gemacht. Bereits zu Beginn machte sie mit klaren Worten deutlich, dass Änderungen der Planung bis zum Ende des Projektes in 2021/2022 (!) nicht möglich seien.

Hinweis der Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag der Initiative Berg („Bensberger erlebbar gestalten”) und der Klimafreunde Rhein Berg. Die Position der Verwaltung haben wir in diesem Beitrag bereits zusammen gefasst und im Wortlaut dokumentiert. Eine unabhängige Einschätzung des Gesprächs ist uns nicht möglich, die Verwaltung hatte uns die Teilnahme verweigert.

Natürlich haben wir uns in diesem Augenblick gefragt, was der Sinn dieses „Gespräches“ sei: Wieder eine Belehrung über die Unabänderlichkeit des Siegerentwurfes des Architekturbüros Club L94, angeblich, „um die Fördermittel nicht zu gefährden“.

Ja, dem war leider so. Am Ende hatten wir mehr Fragen als Antworten.

Die Sichtweisen auf das Projekt sind grundsätzlich unterschiedlich

Als Herr Honecker ausgiebig den „beispielhaft“ (guten) Ablauf im Projekt lobte, wurde uns schon früh klar, dass die Stadtverwaltung die Realität des Projektes grundsätzlich anders sieht als wir:

Schließlich

  • gibt es aktuell ein Jahr Verspätung gegenüber der ursprünglichen Planung
  • wird das Projekt bereits jetzt, vor dem ersten Spatenstich, 7-stellig teurer als vorgesehen
  • hat die Bürgerschaft auf der Straße und durch Unterschriften (mehr als 1500) protestiert gegen die Vernichtung des heutigen, größtenteils gesunden Baumbestandes
  • hat die anfangs fest eingeplante Verlagerung des Emilienbrunnens heftige Proteste hervorgerufen.

Wie kann man da von beispielhaft sprechen?

Die Realität auf seine eigene Weise erklärte auch Herr Höring (CDU, Leiter des Stadtplanungsausschusses): Unser Vorschlag, das Projekt „Schlossstraße“ auf Vereinbarkeit mit der vor kurzem vom Stadtrat erklärten Klimaresolution hin zu überprüfen, wurde von ihm abgelehnt. Begründung: Das Projekt sei bereits von Beginn an klimafreundlich angelegt.

Das verwundert. Schließlich war der Schutz von Umwelt und Klima bei der Ausschreibung des Projektes in 2017 kein Thema, und die Wende in der Klimapolitik („Climate Emergency“) der Stadt Bergisch Gladbach ist noch ganz frisch.

Dies vor dem Hintergrund, dass auf der Straße fast 18.000 m² (Quelle: Broschüre „Straße der vielen Begegnungen”, Jan. 2018) erneut versiegelt werden sollen und 34 von 38, meist gesunde, Bäume gefällt werden sollen.

Dabei ist inzwischen unstrittig, das es ca. 10 Jahre dauern wird, bis die geplanten 57 jungen Bäume die Klimaschutzleistung der heutigen Bäume erreicht haben werden.

Aus unserer Sicht alles gute Gründe für eine kritische Überprüfung. Dem ist aber leider nicht so. Es werde ja schließlich „mehr Bäume“ geben als vorher, so Herr Höring. Eine sehr schlichte Rechnung.

Ist das die Umsetzung der neuen Klimapolitik?

Zusagen der Stadt scheinen kaum mehr von Bedeutung

Für Nachfragen und Anregungen zur in den Projekt-Broschüren zugesagten Qualität der zukünftigen Straße hatte die Verwaltung ebenfalls kein offenes Ohr: Die Fragen nach

  • der angekündigten „neuen  Aufenthaltsqualität“
  • den angekündigten „großzügigen Begegnungsräumen“
  • den wertvollen „beiläufigen Treffpunkten“ auf der „Straße der vielen Begegnungen“,
  • dem Boulevard-Charakter der Straße

fanden keine Antwort, nicht einmal den Versuch einer Antwort.

Oder vielleicht doch: „Das ist eine Einkaufsstraße und kein Park“, so der lapidare Hinweis von Frau Sprenger, der Leiterin des Fachbereiches „Grundstücksnutzung“.

Basta!

Ein steriles Architekturkonzept bestimmt nach wie vor die zukünftige Gestaltung

Es hat sich leider bestätigt, dass sich die sterile Architektur von der Stange durchgesetzt hat: Stein und Beton sind der Maßstab, dazu flächendeckende Versiegelung, Bäume werden als „Stopfen“ (Club L94) bezeichnet, kaum Begrünung, und, besonders schmerzhaft, der eigentlich zukünftig großzügige Stadtplatz „ist dem Lieferverkehr geopfert“ (Originalton Verwaltung).

Hier könnten u.a. leicht mehrere hundert Quadratmeter Stein und Beton durch die Anlage eines großen grünen Beets mit Bäumen „entsiegelt“ werden, zum Wohle der Qualität und des Klimas.

Ebenso düster scheint die Zukunft des Emilienbrunnens zu sein: „Die Raumwirkung des heutigen Emilienbrunnens können wir nicht gutheißen“ (Originalton Architekturbüro Club L94).

Daher muss er wohl aus dem Weg geräumt werden, mitsamt Treppenanlage und Bepflanzung. Er soll zukünftig die Wand des Trafohäuschens schmücken, so die Präsentation von Club L94, ohne Einwand des anwesenden Denkmalpflegers.

Einen nachvollziehbaren Grund für diese Verlagerung gibt es bis heute nicht.

Angemessen und respektvoll gegenüber der Bürgerschaft wäre es gewesen, wenn die Verwaltung die mehr als 1300 Stellungnahmen aus der Bürgerschaft gegen die geplante Verlagerung nicht geflissentlich unter den Tisch gekehrt hätte.

Ein Frevel, dazu noch ein kostspieliger!

Es war ein wenig konstruktives Gespräch

Zusammengefasst, hat dieses „Gespräch“ mit der Verwaltung aus unserer Sicht nicht weiter gebracht. Es wird sich nicht wiederholen. Bürger werden nicht beteiligt, sondern belehrt.

Regelrecht ratlos zurück lässt uns aber die Erkenntnis, dass die Stadt offensichtlich gegenüber den Händlern stets den geplanten Boulevard-Charakter der Straße betont hat, wenn diese zusätzliche Parkplätze gefordert haben, während unsere Fragen dagegen nach eben diesem Boulevard-Charakter nun aber mit dem Hinweis abtut, es handele sich schließlich um eine „Einkaufsstraße“.

Insgesamt ist die Verwaltung auf unsere wenigen, eher grundsätzlichen Fragen nur knapp oder gar nicht eingegangen. Dies wird in dem inzwischen durch die Verwaltung versandten „Ergebnisprotokoll“ übrigens nicht sichtbar. Deutlich erkennbar wurden im Protokoll Textkonserven benutzt, die mit dem Gesprächsverlauf nichts zu tun haben.

Auch dadurch wird das gegenseitige Verständnis nicht besser.

Eine Einflussnahme der Bürgerschaft ist (leider) nur über Proteste möglich

Dass inzwischen zahlreiche Bürger*innen Bensbergs mit der Vorgehensweise der Stadt ebenfalls nicht einverstanden sind, zeigte die teilweise heftige Empörung der Teilnehmer*innen bei der „Baumbegehung“ im September d.J..

Darüber hinaus haben in Unterschriftlisten bislang weit mehr als 1500 Bensberger Bürger*innen ihren Protest gegen die Vernichtung der derzeitigen Bäume deutlich gemacht. Diese Listen werden wir in den nächsten Tagen Herrn Urbach übergeben.

Da der CDU-geführte Stadtrat die Verwaltung in ihrem Vorhaben eher unkritisch begleitet, bleiben den Bürger*innen von Bensberg offensichtlich nur offizieller Protest und Demonstrationen, wie es in den vergangenen Wochen geschehen ist.

Auf Sicht wird die Bürgerschaft der Politik für deren fehlende Unterstützung die Quittung geben, unabhängig davon, ob christlich, sozial oder frei.

Heike Häusler, Gundula Ludwig (Klima Freunde Rhein Berg)
Lothar Eschbach, Knud Schauerte, Hanns-Eberhard Schulze (Initiative „Berg“ / Bensberg erlebbar gestalten)

Weitere Beiträge zum Thema:

Der Plan für die Schlossstraße steht

Schlossstraße: Baubeginn voraussichtlich Ende Oktober

Ein „Hilferuf für die Bäume von Bensberg”

Schlossstraße: Bensberger Bürger fordern Revision

Alle 104 Beiträge zur Schlossstraße …

… finden Sie hier.

Initiative Berg / Klima Freunde

Berg ist eine Abkürzung für „Bensberg erlebbar gestalten". Dafür setzen uns als private Initiative Bensberger Bürger ein. Gemeinsam mit den Klima Freunden Rhein Berg, einer weiteren privaten Initiative.

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10 Kommentare

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  1. Herr Havermann, es gibt keine Forderung der Händler oder der Immobilieneigentümer Bäume zu fällen, damit mehr Parkplätze entstehen. Das ist ein Märchen, das der Planer mit seiner Äüßerung in die Welt gesetzt hat, die Bäume müssten weg, weil die Autos immer größer würden. Die Baumproblematik wurde seit Anfang an von ISG und IBH thematisiert. Als aufmerksamer Leser von in-gl.de sollten Sie das eigentlich mitbekommen haben. Unabhängig davon ist die Schloßstr. eine Einkaufsstrasse – und ja die benötigt auch Parkplätze. Das Eine gegen das Andere auszuspielen kann nicht die Lösung sein!

  2. Da bekommt der Begriff „Volksvertreter“ doch einen ziemlich schalen Beigeschmack, wenn das Volk auf diese Weise mit Füssen getreten wird. Aber warum sollte man in Bensberg aus den Fehler in Bergisch Gladbach lernen. Wie auch in Köln (Deutzer Bahnhof, Rheintreppen) dominiert Beton, Beton, Beton … das Grün verschwindet immer mehr – so wird es auch hier kommen. Für mich bedeutet das, in Bensberg immer weniger einzukaufen und in attraktivere Nachbargemeinden zu fahren!!! Vielleicht denken Stadt und Händler da mal drüber nach.

  3. Welchen Grund gibt es, Ihren Kommentar anonym abzugeben? Ganz ehrlich, es fällt uns schwer, „Mutzepuckel 1″ ernst zu nehmen – und das wird anderen Lesern wahrscheinlich genauso gehen.

  4. Ich hoffe das viele an der jetzigen Entscheidung beteiligten mal in den Genuss kommen werden mit einem Rollator bei 40 Grad in der Sonne ohne Schatten die Schlossstraß 3 mal ohne Pause hoch und runter zu flanieren. Vielleicht hilft ja dann ein Blick nach oben…..

  5. Es gäbe ja immer noch die Möglichkeit wie es in anderen Städten ja auch schon angewandt wurde die Bäume nicht zu Fällen sondern auszugraben und zu versetzen. Das Wissen und die nötigen Maschinen ist bestimmt nicht erst in den nächsten Jahren für die Stadt erreichbar. Aber es wird wie immer wohl zu spät sein. Die neuen Bäume brauchen halt nun mal wieder lange Zeit um groß zu werden und wir sitzen inzwischen dann in der prallen Sonne weil die Bänke wie in Gladbach falsch aufgestellt sind.

  6. Das Vorhaben der aufgefrischten Freien Wähler bzw. von Herrn Nuding samt Mitstreitern ist ebenso ehren- wie begrüßenswert und angesichts der insgesamt leider üblich traurigen Umtriebe in Sachen sog. „Flächennutzungs(?)plan(?)“ oder nun auch strikt planvollen Verunstaltung der Bensberger Schlossstraße weniger verwunderlich als vielmehr NotWendig, dennoch ist / wird das noch so nachvollziehbare Aufbegehren gegen die einschlägigen und hier wahrstwörtlichen Betonköpfe kein Selbstläufer.
    Der hiesig politische Geist ist eher genügsam, das (auch hiesige) politische Gedächtnis eher kurzweilig, die ein- und durchgesessenen Beharrungskräfte (innerhalb wie außerhalb der Politik) sind bewährt träge.
    Der kommend kommunale Urnengang findet erst in einem Jahr statt, eine lange Zeit zum Wiedereinschlafen allen kritischen Elans, eine kurze Zeit für diejenigen, die aus jenem jetzt noch (partiell) wachen kritischen Elan eine wirksame (!) politische Stadtkraft in schlüssig kommunaler Konzentration entwickeln wollen.
    Dazu kommt der ggf. bis auf die kommunale Ebene durchschwappende „großideologische” Wellenschlag, der das gerade auch angesichts dessen desto sinnvollere Projekt einer ebenso unabhängigen wie fokussierten Stadtpartei überspülen könnte, weil sich Unmut und Kritik andere Ventile suchen.
    Fazit: Wenn die besagt aufgefrischten Freien Wähler in einem Jahr einen hiesig relevanten Erfolg erzielen wollen, dann beginnt eine (beinahe kaum zumutbare) „Voll-Teilzeitarbeit“ möglichst vieler Aktiver jetzt (einschließend die intelligente Vernetzung aller Krâfte, die sich einen tatsächlichen politischen Reset in / für GL wirklich vorstellen kõnnen und wollen).
    In dem Sinn – Glück auf!
    HG Ullmann

  7. Wer ist eigentlich die Stadt Bergisch Gladbach ?
    Die Bürger oder ein paar ________ ?

    A.Thiesmeyer

  8. Wer dachte, mit den schon beim FNP wider die Bevölkerung handelnden Gestalten von Verwaltung und Rat in Bensberg mehr erreichen zu können, sieht sich schwer getäuscht. Wieder einmal ruht man sich in der Verwaltung auf der Behauptung aus, man hätte die Bürger „beteiligt“, eine ebenso freche wie maßlose Übertreibung wie beim FNP. Der Verwaltung ist lediglich an einem nach ewiger Verzögerung möglichst schnellen Fortgang gelegen. Versprechen Richtung Bürgerschaft hindern da nur. Da unterliegt man lieber den Forderungen des Handels und der Immobilieneigentümer, eine „Einkaufsstraße“ zu schaffen und keinen „Park“.

    Es ist schändlich, wie die Verwaltung mit den Bürgerinnen und Bürgern umgeht – und der Rat schläft dazu. Ich glaube, ich werde mich kaum irren, wenn ich behaupte, dass spätestens die nächste Kommunalwahl den Politikern die Rechnung präsentieren wird.

  9. Ich kann die Aussagen von Benno Nuding nur bestätigen. Verwaltung und Politik orientiert sich leider nicht an den Bürgerinteressen und am Bürgerwillen sondern vor allem an profitorientierten Interessen von Wirtschaft und Handel. Bäume stören doch nur. 100 Stellplätze statt 65. die Schlossstr. ist ja schließlich kein Park sondern eine Einkaufsstraße.

    Die Neugestaltung der Schlossstr. wird dem Leitbild „Ort der vielen Begegnungen“ leider nicht gerecht und sollte in Parkstr. umbenannt werden. Die Eigentümer der Schlossstr. sollen entgegen ihrem Willen zur Finanzierung der öffentlich finanzierten Stellplätze herangezogen werden. Traurig aber wahr … die etablierten Parteinen sind leider keine Volksparteien mehr sondern dienen lediglich den Partikularinteressen von Wirtschaft und Handel.Kein Wunder, dass neben AfD Grüne und Bürgerparteien an Bedeutung gewinnen.

  10. „Eine Einflussnahme der Bürgerschaft ist (leider) nur über Proteste möglich“
    Das mag im Moment noch richtig sein, wird sich aber hoffentlich ändern. Deshalb haben wir die Freie Wählergemeinschaft Bergisch Gladbach wiederbelebt.
    Unser Ausgangspunkt war das rigorose Durchziehen des Flächennutzungsplanes gegen die Bedürfnisse und Interessen vieler Bürger dieser Stadt.
    Diese Missachtung der Bürgerschaft war für uns der Anlass, politisch in Form einer unabhängigen, freien Wählergemeinschaft aktiv zu werden.
    Unser Programm ist von zwei Leitgedanken geprägt:
    Wird die Wohn- und Lebensqualität der Bürgerschaft in Bergisch Gladbach gefördert oder ihr Erhalt sichergestellt?
    Ist die Bürgerschaft in ausreichendem Maße in die kommunalpolitischen Entscheidungen einbezogen worden?
    Wir hoffen, dass wir ab der nächsten Kommunalwahl diese Leitgedanken auch im Stadtrat vertreten können.