Aus der Schlossstraße wird die Straße der vielen Begegnungen. Foto: T. Merkenich

Anfang November gibt die Stadt die Details für die Neugestaltung der Schlossstraße öffentlich bekannt. In ein paar Punkten lässt sie sich schon jetzt in die Karten schauen: Es geht um die Parkplätze, um den Emilienbrunnen und um die Bäume. 

Nach einem langen Vorlauf, einer umfangreichen Bürgerbeteiligung im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes (InHK) Bensberg vor mehr als zwei Jahren, einem Wettbewerb und vielen Diskussionen ist der Plan für die neue Schlossstraße jetzt fertig.

Das Architektenbüro Club L 94, das den Wettbewerb gewonnen hatte, hat den Plan bereits den Ratsfraktionen und in einer weiteren Runde „einer ausgewählten Gruppe aus der Bürgerschaft präsentiert. Eingeladen waren Anlieger, Händler, Eigentümer, Bergischer Geschichtsverein, die Initiative Berg und die Klimafreunde, aber nicht die lokalen Medien. Erst am 5. November ab 18 Uhr im Ratssaal Bensberg ist die Öffentlichkeit dran.

Hintergrund: Die Planungsschritte
In einem Rückblick hält die Stadtverwaltung die bisherige Entwicklung fest:

Unter dem Leitbild „Boulevard der Begegnung“ gewann das Landschaftsarchitekten-Büro Club L 94 aus Köln Ende 2017 den ausgelobten europaweiten Realisierungswettbewerb Schloßstraße.

Eine renommierte Jury, bestehend aus Fachleuten und Vertretern von Bezirksregierung, örtlicher Politik, Stadtverwaltung sowie IBH /ISG, sprachen sich für diesen Gestaltungsentwurf aus; auch die Ratsmitglieder stimmten mit großer Mehrheit für die Umsetzung dieser Planung.”

Leitbilder: Straße der vielen Begegnungen / Stadtkrone
Darüber hinaus fasst die Stadt noch einmal die Leitgedanken der Umgestaltung der Schlossstraße zusammen:

„Die Entwurfskonzeption sieht vor, dass die Schloßstraße unter den Leitbildern „Stadtkrone in neuem Glanz“ und „Straße der vielen Begegnungen“ ein neues, zeitloses und zukunftsfähiges Freiraumkonzept mit eigener Identität erhält.

Eine klare, auf wenige Elemente reduzierte, hochwertige Gestaltung mit stadträumlich verbindenden Leitlinien verleiht der Straße ihren eigenen Charakter und gibt ihr ihre zentrale Bedeutung innerhalb des Stadtgefüges wieder.

Auf der Südseite der Straße bildet eine Baumreihe aus Straßenbäumen das neue räumliche Rückgrat der Straße.

Aufgrund der städtebaulichen Raumkanten entstehen auf der Nordseite der Straße mehrere platzartige, multifunktional nutzbare Teilräume.

Ein einheitlicher Straßenbelag aus Naturstein bildet den Boulevard der Begegnung, der stadträumlich wichtige Orte der Stadt miteinander verbindet.”

In einer Pressemitteilung (Dokumentation unten) konkretisierte die Stadtverwaltung jetzt vorab einige der besonders umstrittenen Punkte. Die Stadtplaner machen zwar immer wieder deutlich, dass die Bürgerbeteiligung in der frühen Phase des Projektes stattgefunden hatte und längst abgeschlossen sei, nach der Entscheidung der Wettbewerbsjury gebe es nur noch wenig Spielraum.

Allerdings – und das wird mit der aktuellen Pressemitteilung noch einmal deutlich – hat es im Prozess der vergangenen Monate einige wichtige Veränderungen gegeben. „Vom Wettbewerbsergebnis über die Vorplanung bis zur Entwurfsplanung wurde die Planung im Detail unter Berücksichtigung der Konzeptidee für die gesamte Schloßstraße weiterentwickelt und überarbeitet,” so die Erklärung.

Dabei geht es um vier Themen, die im Stadtrat und vor allem in der Bürgerschaft besonders heftig debattiert wurden.

Die Stützwand an der Freitreppe

Einige Fraktionen im Stadtrat und viele Bensberg Bürger hatten die massive Betonwand in der ursprüngliche Planung kritisiert. Die hatte noch der Architekt von Centerscape, dem Investor der Marktgalerie/Schlossgalerie geplant, wurde dann aber vom Club L94 übernommen und umgeplant.

Zunächst hielt Club L 94 an der Betonwand fest, legte dann aber doch mögliche Varianten vor – und im Februar stimmten die zuständigen Ausschüsse für die neue Variante „Sitzstufen“, in der die Stützwand gekürzt und zum Teil als Sitzstufen ausgebildet wurde.

Forderungen der Bürger, Einzelhändler und Naturschützer nach einer Begrünung der Mauer oder gar einer Baumreihe entlang der Treppe wurden nicht berücksichtigt. Auch der Vorschlag, den unteren, dreieckigen Teil der Freitreppe durch eine Grünfläche zu ersetzen, blieb außen vor.

Emilienbrunnen

Das Wettbewerbsergebnis von Club L94 sah vor, den geschichtsträchtigen Emilienbrunnen an einen anderen Standort zu verlagern. Auch hier gab es heftige Proteste aus der Bürgerschaft, auch der Geschichtsverein machte sich für den Erhalt am alten Standort stark. Eine Haltung, die sich auch bei einer Umfrage der Stadt bestätigte. Das teilt die Verwaltung jetzt mit, legt die Ergebnisse der Umfrage aber nicht offen.

Die Bedenken der Bürgerschaft hatten Erfolg: der Emilienbrunnen bleibt an seinem jetzigen Standort erhalten, legt sich die Verwaltung nun fest. Zwar soll der Brunnen „neu interpretiert und zurückgesetzt werden, sodass er auf Höhe des bestehenden Trafogebäudes verortet werden kann”, steht in der Erklärung. Dabei sollen die charakteristischen abgestuften Wasserschalen des Brunnens und auch die Basis aus Muschelkalk wiederverwendet werden.

100 Parkplätze

Der erste Entwurf von Club 94 hatte zunächst 65 Stellplätze auf der Schlossstraße vorgesehen. Das stieß auf heftigen Wiederstand der Einzelhändler, die von einem Verlust von 90 Parkplätzen sprachen – und den Erhalt von wenigstens 120  forderten.

Bei der Konkretisierung der Pläne wurden es dann 97 Parkplätze. Was von beiden Seiten (zu viel, zu wenig) kritisiert wurde. Doch nachdem die Planer jetzt auch die Grundstückszufahrten, die Belange des Brandschutzes und die Baumstandorte geprüft hatten, blieb es jetzt ziemlich genau bei dieser Zahl: Im Winter stehen in der Schlossstraße künftig „ca. 100 Stellplätze” zur Verfügung, von denen im Sommer vier von der Außengastronomie belegt sind.

Eine Zahl, mit der sich die Händlerschaft bis zum Schluss nicht anfreunden konnte. Ihre Forderung, die Parktaschen schräg und nicht parallel zur Fahrbahn anzulegen, wurde abgelehnt.


So soll der Baumbestand in Zukunft aussehen. Ein Klick öffnet die Karte im Großformat

Die Bäume

Nach wie vor heftig umstritten ist der Plan, auf der Südseite der Schlossstraße eine neue sortenreine Baumreihe zu pflanzen. Aus Sicht der Planer bildet sie „das neue räumliche Rückgrat der Straße” und war bereits im Wettbewerbsentwurf „ein entscheidendes Gestaltungsmerkmal”. Im Klartext: dieses Element kann nicht angetastet werden.

Nur in zwei Punkten haben sich die Planer hier bewegt: Entgegen dem Wettbewerbsentwurf wurden zusätzliche Solitärbäume auf der Nordseite der Straße eingezeichnet – siehe Karte oben. Dabei könnten auch einige der alten Bäume integriert werden.

Das ist nach Angaben der Stadt vor allem an den Stellen möglich, an denen die Straße sich durch zurückweichende Hausfassaden aufweitet: Gegenüber der Einmündung der Gartenstraße, am Spielplatz vor der Buchhandlung Funk, am Emilienbrunnen und am Treppenaufgang zum Markt . Zudem werden zwischen Emilienbrunnen und Treppenaufgang zwei Bestandsbäume auf der Nordseite als Solitärbäume erhalten.

Im Grundsatz bleibt die Stadt aber dabei, dass 34 Bäume gefällt und durch 57 neu mehr als ersetzt werden.


Die roten Bäume sollen fallen, die blauen erhalten bleiben. 

Eine „zweireihige Baumreihe” findet sich auch im Vegetationskonzept – und auch das ist neu. Diese Doppelreihe soll es aber nur im unteren Teil der Schlossstraße geben, von der Kölner Straße an aufwärts in Richtung Schloss, bis zur Stelle, an der die Straße am Emilienbrunnen rechts abbiegt.

Hier soll die Kopflindenallee, die vom Schloss herunterkommt, ergänzt werden. Heute stehen dort Wildbirnen, die schadhaft und teilweise bereits tot sind.

Nur hier soll es eine Doppelreihe geben. Foto: Helga Niekammer

Über das Vegetationskonzept hatte die Stadt bei einer Baumbegehung informiert, die Wogen aber nur wenig glätten können. Die Klimaschützer können die Entscheidung grundsätzlich nicht nachvollziehen, die Einzelhändler weisen zusätzlich darauf hin, dass sich die Nordseite der Schlossstraße mit den Geschäften hin zum Hang, im Sommer ohne den Schatten der Bäume stark aufheizen werden.

Bürgerinformation, keine Beteiligung

Diese Details, und darüber hinaus Zudem die Konzepte zum Brandschutz, zur Barrierefreiheit und zu den Spielflächen, werden am 5. November ab 18 Uhr im Rathaus Bensberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Dass es sich dann um den endgültigen Plan handelt, und nicht etwa um den Einstieg in eine neue Bürgerbeteiligung, daran lässt die Stadtverwaltung keinen Zweifel.

Die Bauarbeiten im ersten Abschnitt, an der Freitreppe, sollen möglichst noch im Oktober oder Anfang November beginnen.

103 Beiträge zur Schlossstraße …

… finden Sie hier. 

Doku: Erklärung der Stadtverwaltung

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Traurige Wahrheit in Bensberg, die Klima Placebo Politik der Bergisch Gladbacher Politiker ist beschämend. Gerade Politiker sollten in der heutigen Zeit mehr Verantwortung für unsere Gesellschaft und unserem Lebensraum übernehmen. Mehr „Anti-Verhalten„ gegen Bürgerinnen und Bürger geht nicht…die Stimme des Volkes so penetrant zu ignorieren ist einfach nur traurig…liebe Politiker, wie kriegen Aircraft wach gerüttelt? Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt, traurig aber wahr.

  2. Warum sollte ich an einer Info-Veranstaltung teilnehmen, in der wieder und wieder die selben bekannten Dinge wiederholt werden?
    Was ist eine “echte” Bürgerbeteiligung? Ich höre nur von schönen Worthülsen, die keinerlei Bedeutung haben. Eine Strasse der Begegnung stelle ich mir auch ganz anders vor, nämlich eine Zone, die viel Aufenthaltsqualität hat mit kleinen begrünten Inseln zum Verweilen. Das sollte ein wesentliches Kriterium für ein gelungene Begegnung im öffentlichen Raum sein.
    Es ist schade, dass in Bergisch Gladbach Wettbewerbe gleich mit der Ausführung verbunden sind, so bleibt jegliche Bürgerbeteiligung auf der Strecke – schade.

  3. Sehr geehrte Frau Schinkel,

    ich empfehle, sich von der Verwaltung zeigen zu lassen, wie die neue Lösung für den Brunnen tatsächlich aussehen soll. In der Darstellung, die ich in der vergangenen Woche gesehen habe, wurde der Brunnen eher zum Wandschmuck des Trafohäuschens degradiert.

    Es ist nach wie vor geplant, den Brunnen (incl. Treppenanlage) aus dem Weg zu räumen, ohne nachvollziehbare Begründung. Originalton des Architekturbüros dazu: “Die Raumwirkung des heutigen Emilienbrunnens können wir nicht gutheißen”.

    Wird dies der historischen Bedeutung des Brunnens für Bensberg wirklich gerecht?

    Freundliche Grüße
    H.E. Schulze

  4. 100 Parkplätze auf der Schlossstr. … unglaublich aber wahr!!! Die Schlossstr. sollte in Parkstr. umgewidmet werden. Für solch eine signifikante nachträgliche Planungsänderung entgegen der ursprünglichen Planung und dem erklärten Bürgerwillen, der 65 Parkplätze gefordert und genehmigt hat, kann für solch einen Unfug keine Toleranz statthaft sein.

    Ich bin Anwohner der Schlossstr. und soll für die Einrichtung von 100 Parkplätzen zur Kasse gebeten werden. Eine moderne Form der Wegelagerei, welche die Wünsche der Anwohner und Bensberger vollständig ignoriert.