Eine kleine, gut vernetzte Initiative Bensberger Bürger sieht die neue Verzögerung bei der Schlossstraße als Alarmsignal, aber auch als Chance: Sie biete jetzt die Zeit für eine gründliche Überprüfung des Projektes, schreibt die Initiative Berg in einem Offenen Brief – und fordert vier konkrete Verbesserungen.

Lothar Eschbach, Hanns-Eberhard Schulze und Knud Schauerte engagieren sich zum Teil seit vielen Jahren in Sachen Bensberger Stadtplanung, kennen sich mit Projektsteuerung aus und sind gut vernetzt. Zum Teil mit den Immobilienbesitzern und Händlern, zum Teil gegen sie, kämpfen sie für ein lebenswertes Bensberg.

Nach den Parkplätzen (weniger!) kümmern sie sich im Moment vor allem um die geplante Betonmauer (kleiner!), den sogenannten Stadtplatz vor der Schlossgalerie (größer!), die Bäume (erhalten!) und den Emilienbrunnen (bleibt!).

Hat die Stadt das Projekt noch unter Kontrolle?

Nun aber ist die Initiative Berg („Bensberg erlebbar gestalten”) zur Auffassung gelang, dass der Planungsprozess auf Seiten der Stadtverwaltung aus dem Ruder gelaufen ist. Sie habe den Eindruck, „das dies Verwaltung dieses Projekt inhaltlich, terminlich und finanziell nicht im Griff hat”. Die Anforderungen von Klimaschutz und Nachhaltigkeit würden ohnehin nicht berücksichtigt.

Eingeklemmt zwischen einem Wettbewerbsentwurf, den Wünschen von Anlieger und Anwohnern, dem Aussschreibungsrecht und den Auflagen der Fördermittelgeber scheint im Moment nichts mehr zu klappen, die Fertigstellung des allerersten Bauabschnitts  wird vage mit „im Frühjahr” angegeben –  und damit wohl auch die Eröffnung der Schlossgalerie.

Eigentümer Centerscape nimmt im Moment nicht öffentliche Stellung. Nur soviel: es liefen „viele und konstruktive Gespräche”  mit der Stadt, „über den konkreten Zeitplan und technische Lösungen”.

„Eine Katastrophe” sei das für alle Beteiligten, sagt dagegen die Initiative Berg: der erhoffte Effekt für das Weihnachtsgeschäft falle aus, die Planung der künftigen Mieter werde ausgehebelt, der Stadt drohten Schadensersatzansprüche und die Projektkosten stiegen weiter.

Gegen einen „Entwurf von der Stange”

Daher sei jetzt eine Überprüfung des Projektes dringend geboten, schreiben die drei Autoren in einem Offenen Brief an Stadtrat, Verwaltung und alle Beteiligten. Die erneute Verschiebung biete die Chance, vielfach geforderte Verbesserungsvorschläge doch noch zu integrieren.

Ein Entwurf des Club L93 der Mauer mit Sitzstufen, Treppenanlage, kleinem Stadtplatz (vor dem Baum in der Mitte) und der Dreieckstreppe im Vordergrund.

Statt eines „Architektenentwurfs von der Stange” verdiene Bensberg eine auf den Ort zugeschnittene und praktisch nutzbare Lösung. Die das Stadtklima verbessere und die Schlossstraße attraktiver mache.

Die Initiative führt vier Vorschläge auf, die allesamt längst bekannt sind, von der Verwaltung und vom Stadtrat aber immer wieder abgelehnt wurde. Konkret gefordert wird

  1. eine zweite Baumreihe auf der Nordseite der Schlossstraße und ein Erhalt aller gesunden Bäume,
  2. eine Reduzierung der Mauer an der Treppe zur Schlossstraße auf ein Minimum,
  3. eine Vergrößerung des Stadtplatzes durch einen Verzicht auf eine bislang geplante weitere Dreieckstreppe,
  4. eine verbindliche Absicherung des Zeit- und Kostenrahmens.

Die Kritik der Initiative geht zunächst an die Adresse der Verwaltung, aber auch an die kommunalen Politiker: Ausschüsse und Stadtrat müssten sich sehr viel stärker „für die Bensberger Belange im Detail” engagieren als bisher und die Verwaltung wesentlich kritischer begleiten.

Kein Handlungsbedarf?

Formal besteht für den Stadtrat im Moment kein Handlungsbedarf. Er hatte  Vorschläge der Verwaltung  im Grundsatz gebilligt.

Allerdings scheinen auch einige Lokalpolitiker in den Krisenmodus zu schalten – die CDU-Fraktion hat für diese Woche Verwaltung, IBH, ISG und den Investor Centerscape zu einem „Abstimmungstreffen” im kleinen Kreis nach Bensberg eingeladen.

Es gehe dabei aber um Koordination und Synchronisation, sagte CDU-Fraktionschef Michael Metten, politische Entscheidungen „stehen aktuell nicht an”.

Dokumentation: Der Offene Brief

„InHK Bensberg Schlossstraße“: Chancen für Umwelt, Bürgerschaft und Händler
durch eine Projekt-Revision

Eine Überprüfung, eine Projekt-Revision, des Vorhabens ist dringend geboten

„Bensberger Posse“, so nennt Herr Niewels im Kölner Stadtanzeiger v. 16. August die Vorgänge im Projekt zur Neugestaltung der Schlossstraße. Er tut dies aus unserer Sicht mit Fug und Recht!

Wesentlicher Hintergrund für diese Feststellung ist die Tatsache, dass die Verwaltung ihren zugesagten Fertigstellungstermin für den ersten Bauabschnitt wiederholt verschoben hat: Zunächst von Sommer 2019 auf November 2019, dann auf Frühjahr 2020 und in der vergangenen Woche noch einmal um einen unbestimmten Zeitraum. Grund für letzte Verschiebung ist die erforderlich gewordene Überarbeitung der Planung, wegen bisher nicht berücksichtigter fehlender Rechte an einem Nachbargrundstück.

Als Folge dieser Terminverschiebungen ist nun zu erwarten, dass der Eröffnungstermin der Schlossgalerie ebenfalls auf das Frühjahr 2020 verschoben wird. Eine Katastrophe für alle Beteiligten und Betroffenen! Der erhoffte Effekt für das Weihnachtsgeschäft fällt aus. Feste Planungen der Geschäftsleute werden ausgehebelt. Der Stadt drohen möglicherweise Schadensersatzansprüche, neben den ohnehin schon erheblich gestiegenen Projektkosten.

Das Image der Stadt Bergisch Gladbach, „unserer“ Stadt, hat damit großen Schaden erlitten.
Die „Leichtigkeit“, mit der die Verantwortlichen der Stadt dabei die Abweichungen von der Planung verkünden, ist beeindruckend. Es scheint alles nicht so schlimm zu sein, nach Aussage der Stadtverwaltung nicht „spektakulär“ und „kein Grund zur Beunruhigung“.

Für den Betrachter dagegen entsteht der Eindruck, dass die Verwaltung dieses Projekt inhaltlich, terminlich und finanziell nicht im Griff hat.

Außerdem berücksichtigt das Vorhaben keinerlei Anforderungen zu Klimaschutz und Nachhaltig-keit.
Eine Revision des Projektes scheint daher dringend geboten, um weiteren Schaden für Bürgerschaft, Geschäftsleute und Steuerzahler abzuwenden und um der herausragenden Bedeutung des Vorhabens für Bergisch Gladbach und Bensberg gerecht zu werden.

Eine Revision jetzt bietet eine einmalige Chance für Verbesserungen

Durch eine Überprüfung sollte das Projekt in sicheres Fahrwasser gebracht werden, d.h. in eine zuverlässige Planung, dem heutigen Wissensstand entsprechend. Darüber hinaus besteht dabei jetzt die einmalige Chance bisher nicht berücksichtigte Verbesserungsvorschläge in das Vorhaben zu integrieren.

Solche Verbesserungsvorschläge kamen seit Projektbeginn aus der Bürger- und der Händlerschaft. Im Kern betreffen sie den nachhaltigen Schutz des Stadtklimas und die Steigerung der Attraktivität der Schlossstraße und dies bei z.T. reduzierten Kosten.

Sie zielen darauf ab, dass aus dem derzeit geplanten „Architekturentwurf von der Stange“ eine auf die Örtlichkeit von Bensberg zugeschnittene und praktisch nutzbare Lösung wird, tragfähig für die kommenden Jahrzehnte.

Bisher wurden diese Änderungsvorschläge von der Verwaltung grundsätzlich abgelehnt. Eine Ausnahme bildet hier die Tatsache, dass aufgrund von enormem Druck durch Bürgerschaft und Politik ein kleiner Teil der geplanten massiven Betonmauer neben der Galerie durch Sitzstufen etwas freundlicher gestaltet wurde.

Die Ablehnungen wurden i.d.R., insbesondere vor Entscheidungen in den Ausschusssitzungen, mit der engen Zeitplanung begründet. Eine solche Begründung erscheint uns jetzt noch weniger verständlich als bisher, nachdem die Stadt nun den Fertigstellungstermin des ersten Bauabschnitts bereits auf das Frühjahr 2020 verschoben hat.

Jetzt sollte die Zeit genutzt werden, um die Verbesserungsvorschläge in das Projekt zu integrieren.

Bei den Verbesserungsvorschlägen stehen der Schutz des Stadtklimas und die Attraktivität der Schlossstraße im Vordergrund

Die nachfolgend aufgeführten Vorschläge sind der Verwaltung bekannt. Sie wurden ihr persönlich und schriftlich bereits vorgetragen.

1. Eine zusätzliche Baumreihe auf der Nordseite würde dafür sorgen, dass das Stadtklima und die Aufenthaltsqualität verbessert werden. Die Möglichkeit zusätzlicher Bepflanzung ist zu suchen. Alle gesunden Bäume sind zu erhalten

  • Einbindung von Bänken in Schattenlagen als Anreiz zum Verweilen
  • Gebäude und Geschäfte erhalten Schatten anstelle praller Sonne
  • große Straßenflächen werden vor Aufheizen geschützt
  • möglichst große neue Bäume, u.a. für bessere Luft

2. Die Mauer an der Treppe neben der Galerie sollte in den Hintergrund treten.

Sie sollte so niedrig und so kurz wie technisch möglich sein und nicht als
-trennendes- „Gestaltungselement zwischen Grün und Urban“ dienen.

  • möglichst geringe Aufheizung im Sommer
  • attraktiver, weiter Blick in den grünen Hang, kein „Treppenschlauch“
  • evtl. alternative Gestaltung mit Grauwacke-Blöcken und Polsterstauden
  • Kostenreduzierung durch geringe Anfälligkeit gegenüber Sprayern
  • Kostenreduzierung und Zeitersparnis beim Bau der Mauer

3. Der kleine, zentrale Stadtplatz sollte ein großzügiger, sicherer und natürlicher Aufenthaltsbereich werden, ohne die Nachteile einer Dreieckstreppe

a. Die geplante Dreieckstreppe erscheint als Gefahrenstelle, Zugangsbarriere und Kostentreiber

  • sie ist gefährlich für Anlieferung und Fußgänger, insbesondere bei gleichzeitiger Nutzung und ganz besonders im Winter
    sie erzeugt Kosten und Zeitbedarf in der Erstellung und für die Verkehrssicherung
  • sie schränkt die Nutzungsmöglichkeiten des Platzes um ca. 120 m² ein
  • sie erschwert der alternden Bevölkerung eine gefahrlosere Zuwegungin Richtung Rathaus, Museum.
  • die Gebäudewand des Vorbaus bietet zusätzlichen Platz für Sprayer

b. Ein Beet mit Gehölz und Bäumen anstelle der Dreieckstreppe würde für Schatten und Sauerstoff sorgen und einladend wirken

b. Ansprechende, bequeme Möblierung sollen Anreiz sein zum Verweilen

c. Bestmöglich gestaltete Überwindung der schwierigen Topographie (Gefälles) zwischen dem Stadtplatz (Galerietreppe) und der Schlossstraße durch das Beet

4. Der Zeit- und Kostenrahmen des gesamten Projektes ist verbindlich abzusichern

Die Verbesserungschancen erfordern eine Neuorientierung

Um die Verbesserungschancen der aufgeführten Vorschläge zu nutzen, müssen die Verantwortlichen von Politik, Verwaltung und ClubL94 bereit sein, ihren Blick zu erweitern.

Die Vorgaben der theoretischen Architekturentwürfe mit dem derzeitigen Schwerpunkt auf Sichtachsen müssen um die praktischen, nachhaltigen Anforderungen der Örtlichkeit, sowie die Bedürfnisse von Handel, Bürgerschaft und Gastronomie erweitert werden.

Insbesondere muss in dem Projekt ein „Umwelt- und Klimabewusstsein“ erkennbar werden,
ohne das ein Vorhaben dieser Art in der heutigen Zeit undenkbar sein sollte und letztendlich auch nicht „enkeltauglich“ ist.

Die Bereitschaft zu einer ernstgemeinten Bürgerbeteiligung, bis hin zur Fertigstellung, muss in das Umsetzungskonzept aufgenommen werden. Dabei ist es unabdingbar, dass die Diskussionen in den Ausschüssen und in der Öffentlichkeit auf der Grundlage von realistischen Bilder und Ausführungsplanungen der geplanten Lösungen geführt werden. Bis heute gibt es z.B. öffentlich keine Ausführungsplanung des Treppenbereiches neben der Schlossgalerie. Trotzdem wurde deren Durchführung schon entschieden.

Auch für den Bereich des Emilienbrunnen, gibt es noch keine Ausführungsplanung, obwohl in der Öffentlichkeit bereits seit Wochen heiß diskutiert.

Entscheidend aber ist, dass die Ausschüsse und der Stadtrat von Bergisch Gladbach sich für die Bensberger Belange der Neugestaltung im Detail sehr viel stärker engagieren als bisher. Sie müssen die Verwaltung wesentlich kritischer begleiten.

Die große Bedeutung des Projektes für die Stadt, für viele tausend Bürgerinnen und Bürger, aber auch für die vielen Besucher des Stadtteils, ist diesen Aufwand wert! Auch die nächsten Generationen würden es danken.

Lothar Eschbach, Bensberg
Knud Schauerte, Bensberg
Hanns-Eberhard Schulze, Bensberg

P.S.: Zur Erinnerung: „Durch die Umsetzung des InHK Bensberg soll der Stadtteil Bensberg nachhaltig gestärkt und wieder zu einem attraktiven Stadtteilzentrum werden. Ziel ist es, bauliche Missstände zu beheben, das Stadtbild aufzuwerten und den Stadtteil und seine Aufenthaltsqualität nachhaltig zu stärken und attraktiver zu gestalten“.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Die Forderung nach Revision erfolgte nicht „zu spät“, sondern sehr schnell nach Sichtbarwerden der erneuten Verzögerung des Vorhabens Treppe. Denn erst diese ermöglicht eine Revision der Planung und deren Umsetzung ohne weiteren Zeitverlust. Der berechtigte Revisionsantrag geht also gerade nicht zu Lasten der Mieter, sondern das geht auf das Konto derer, die die erneute Verzögerung zu verantworten haben. Allerdings bietet sich an, diese Fehlleistung der Verwaltung noch als Chance zu nutzen, denn die in den letzten Monaten bereits vorgetragenen Kritikpunkte wurden mit Hinweis auf den bestehenden Zeitdruck zurückgewiesen.
    Viel Erfolg der Initiative Berg!

  2. Eine sehr richtige Forderung, die wohl den meisten Wünschen der Bensberger gerecht werden, nur leider einen Makel hat: Sie kommt reichlich spät, hoffentlich nicht zu spät.

    Die Gladbacher Verwaltung samt ihrer Chefs hat sich mit dem gesamten Projekt Schloss-Galerie und -straße ein derartiges Armutszeugnis ausgestellt, dass durchaus die Gefahr besteht zu vermueten, dass alte Ressentiments wieder entstanden sind. „Das ist ja in Bensberg, die haben immer was zu meckern, meinen, was Besseres zu sein, die sollen mal schön still halten, wir haben ja auch noch anderes zu tun.“ Ist es diese Einstellung, gepaart mit den völlig unsinnigen Vorhaben im FNP-E., die die notwendige Konzentration auf die jeweiligen Vorhaben zumindest in Bensberg derartig verhinderten?

    Es lässt sich durchaus vorstellen, dass die Direktiven zum FNP von Bürgermeister und 1. Beigeordneten gepaart mit den krusen Vorstellungen der Verwaltung und den Fehlleistungen des Planungsbüros zu Engpässen geführt haben. Die immensen Zeiten für Nachbearbeitungen und Richtigstellungen, führten vermutlich zu großen Mehrarbeiten, denen die Planungen für Bensberg zum Opfer fielen.

    Wie gesagt, hoffentlich nicht zu spät, berechtigt allemal, wenn auch zulasten der Mieter in der Schlossgalerie.

  3. Die Initiative ist ja wohlgemeint und hinsichtlich ihrer Ideen auch nachvollziehbar. Allerdings sind die Aufträge zur Neugestaltung der Treppe bereits vergeben und die Stadtplanung hat darüber hinaus die Detailplanung der Schlossplanung abgeschlossen. Von daher ist der Zug aus meiner Sicht abgefahren. Da hätte man sich frühzeitiger konstruktiv in den Entscheidungsprozess einbringen müssen.