Beschäftigte der Gemeinnützigen Werkstätten Köln protestierten vor und im Ratssaal

Der Stadtplanungsausschuss hat das Genehmigungsverfahren für den Ausbau der PSK am Schlodderdicher Weg gebremst. Zunächst soll die Stadt mit dem Kreis klären, ob es nicht doch eine weitere Option für eine Zuwegung gibt  – die die benachbarte Behindertenwerkstatt weniger belastet. 

+ Anzeige +

Viele Mitarbeiter und Beschäftigte der Gemeinnützigen Werkstätten Köln (GWK) waren mit Transparenten zur Ausschusssitzung ins Bensberger Rathaus gekommen. Ihr Protest richtet sich gegen den Plan der Stadtverwaltung, die Zufahrt zum neuen Gebäude der Psychosomatischen Klink (PSK) zwischen zwei Gebäuden der Behindertenwerkstätten hindurch zu legen.

Eine Kritik, die bei Vertretern von SPD, FDP und Grünen auf Verständnis stieß. Die FDP berief sich zudem aus Informationen aus dem Kreishaus, dass es womöglich doch noch eine Option gebe, die auch unter Naturschutzgesichtspunkten möglich sei. Daher stellten FDP und SPD einen Vertagungsantrag.

Zwischen zwei GWK-Gebäuden soll das neue Gebäude der PSK erreicht werden

Die dritte Alternative

Über diese Option hatte das Bürgerportal bereits berichtet. Nachdem die Kreisverwaltung zwei alternative Zufahrten abgelehnt hatte, weil sie die Strunde beeinträchtigen würden, hatte die GWK als dritte Alternative eine Straße entlang ihres südlichen Werkstattgebäudes vorgeschlagen.

Der Kreis hatte dies als „Notlösung” eingestuft, die für den Naturschutz zu akzeptieren sei, wenn sonst gar nichts ginge. Diese Option tauchte in der Vorlage der Stadtverwaltung aber nicht auf.

Warum nicht, das hatte Stadtplanungschef Wolfgang Honecker im Bürgerportal bereits dagelegt. Man müsse auf die Notlösung nicht zurück greifen, weil es mit der Route zwischen den Gebäuden ja bereits eine Straße gebe, die den Beschäftigen der Werkstätten zumutbar sei, wenn der Verkehr streng reglementiert werde.


Diese Haltung bekräftigte jetzt auch Stadtbaurat Harald Flügge: es gebe eine öffentliche Straße, da mache es keinen Sinn, eine neue Straße zu bauen und eine weitere Fläche zu versiegeln. Zudem werden die Straße künftig nur von wenigen PSK-Mitarbeitern beim Schichtbeginn und -ende genutzt. Eine Haltung, der sich die CDU anschloss.

Eine Straße, die von der GWK zweimal am Tag für den Hol- und Bringverkehr genutzt wird

Was können Menschen mit Behinderung?

Friedhelm Bihn, der Vorsitzende des Inklusionsbeirats stimmte ebenfalls der Verwaltung zu – allerdings mit einer ganz anderen Begründung: Er beklagte eine Tendenz, Menschen mit Behinderung grundsätzliche Fähigkeiten abzusprechen. Zum Beispiel, sich eigenständig im Verkehr bewegen zu können. Genau das mache der GWK-Betriebsleiter Arndt Schumacher – was diskriminierend sei.

Dem widersprach Ratsmitglied Dirk Weber (Grüne) vehement. Nur ein Teil der Beschäftigten der GWK sei geschult; der GWK und den Beschäftigen sei eine solche Zuwegung nicht zuzumuten.

Noch einmal mit dem Kreis reden

Am Ende waren sich Ausschuss und Stadtverwaltung einig, nun noch einmal mit der Kreisverwaltung in Kontakt zu treten. Um zu klären, ob eine Alternative tatsächlich möglich ist.

GWK-Betriebsstättenleiter Schumacher meldete sich aus dem Zuschauerraum zu Wort, um den Vorwurf der Diskriminierung zurück zu weisen und eine Beteiligung der GWK einzufordern. Ein Rederecht im Ausschuss habe er jedoch nicht, stellte der Ausschussvorsitzende Lennart Höring klar.

Natürlich werde die GWK beteiligt: Sie hatte eine Stellungnahme abgegeben, über die werde ebenso wie über die Vorschläge der Stadtverwaltung  diskutiert – und am Ende entscheide die Politik.

Und das Wachendorf-Gelände?

Über einen weiteren Vorschlag der Politik wurde in dieser Sitzung nicht weiter diskutiert. Für die Grünen hatte Edeltraud Schundau vorgeschlagen, die PSK könne doch insgesamt verlagert werden, auf das nahe gelegene Wachendorf-Gelände.

Das jedoch, so Höring, sei eine Entscheidung des Trägers der PSK und nicht des Ausschusses. Der müsse nur entscheiden, ob und in welcher Form der Antrag der PSK auf eine Erweiterung am Schlodderdicher Weg genehmigt werde.

Weitere Beiträge zum Thema:

Entwurf für Ausbau der PSK belastet die GWK

FDP will bei PSK-Zufahrt die Behindertenwerkstatt schonen

„Schlodderdeichs Wiese muss unbebaut bleiben”

„Gronau wird mit den Problemen allein gelassen”

Schlodderdeich: Nächster Schritt zum Klinik-Ausbau

.

PDFDrucken

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

4 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Ich bin fassungslos über die Aussage des Vorsitzenden des Inklusionsbeirates Bihn, der
    behauptet, dass man Menschen mit Behinderten die Fähigkeit abspreche, sich eigenständig
    im Verkehr bewegen zu können.
    Weshalb haben denn Blinde oder Gehbehinderte ein “B” oder “H” im Schwerbehinderten-
    ausweis und müssen mit Bussen in die GWK gebracht werden?
    Ich teile die Auffasung von Herrn Tenckhoff,dass man sich fragt,was dieser Mensch im Inklusionsbeirat zu suchen hat.
    Und wo bitte ist das Veto der Behindertenbeauftragten der Stadt Bergisch-Gladbach Frau Hiller?
    Sitzen auf den Posten der Behindertenvertreter für die 17.000 Menschen mit Behinderungen in Bergisch-Gladbach nur Marionetten , die deren Belange faktisch gar nicht
    vertreten?

  2. Und das Wachendorf-Gelände?

    Ich bin der Meinung, dass die Stadt und Politik hier wesentlich stärker auf die Entscheider der PSK einwirken müßte. Handelt es sich doch beim Wachendorf-Gelände um eine ausreichend große Fläche, die für die PSK inklusiver der Erweitung genutzt werden könnte.

    Warum geht die Politik nicht geschlossen bei dieser Lösung vor? Sicher gibt es mir nicht bekannte Hürden, wie Besitzverhältnisse, etc. Es ist für mich aber eigentlich die naheliegenste Lösung, wenn GWK, PSK und Naturschutz miteinander kombiniert werden müssen/sollen.

  3. An der Zuwegung wird jetzt das abgearbeitet, was längst klar sein sollte. Wieso kann die Verwaltung einem PSK-Neubau auf Naturschutzgelände zustimmen, schlimmer noch, Vorschub leisten. Und dann, weil sich GWK und Anwohner absolut eindeutig gegen den Neubau wenden, das aber keinerlei Eindruck bei der Stadt macht, eine scheinbar letzte Möglichkeit wahrnehmen wollen, über eine unmögliche zufahrt das Projekt doch noch stürzen zu können.
    Flügge meinte einst, der alte FNP wäre sein Papier nicht mehr wert, auf dem er steht, weshalb unter allen Umständen ein neuer her muss. Nun bricht er sei Wort und will gegen jede Vernunft einen “Vorhabenbezogenen” Bebauungsplan für das Gebiet auf Grundlage des alten FNP durchboxen nach dem Motto: “Was kümmert mich der Kreis”.

    Die Art und Weise, wie viele Beteiligte und auch Unbeteiligte mit Leib und Leben der in der GWK beschäftigten Menschen mit Behinderung umgehen oder die Sorgen der Anwohner, wie sie Herr Tenckhoff beschrieben hat, ignorieren, grenzt an Menschenfeindlichkeit. Dabei sorgt die Beschuldigung des Inklusionsbeauftragten Bihn, man ächte die Menschen in der GWK, wenn man behauptet, sie könnten sich nicht ungefährdet auf dieser Straße bewegen, für eine derartige Unverständnis, dass man sich fragt, was dieser Mensch auf dieser Position zu suchen hat.

    Ein neues Gebäude der PSK auf der Schlodderdicher Wiese darf wegen verbotener, nicht wegzudiskutierender Eingriffe in ein Naturschutzgebiet und kolossaler Hindernisse auf der als Zu Weg gedachten Straße, die menschenverachtend klein geredet werden, gebaut werden. Hier werden Tricksereien der Stadt ruchbar, die nicht erfolgreich werden dürfen!

  4. Die Aussage, die Zufahrt zur PSK werde nur von wenigen Mitarbeitern zum Schichtwechsel benutzt, ist ein Märchen.
    Diese Mitarbeiter parken jetzt schon und werden in Zukunft noch mehr an den umliegenden Straßen parken, da muss man nur mal durch den Schlodderdicher Weg gehen und sich die Nummernschilder ansehen.
    Das Problem sind eher einige LKW des Versorgungsverkehrs am Tag, die je nach Wendeflächen möglicherweise sogar Rückwärts da durch fahren (zumindest ist das bei der viel zu engen Stichstrasse zu vorhandenen PSK so).
    Patienten oft per Taxi und Besucher, sowie manchmal mehrfach am Tag der Rettungswagen (Da die PSK keine weitergehende medizinische Versorgung bereithält, mussen immer wieder Patienten als Notfall in die umliegenden Krankenhäuser verlegt werden).
    Auch gibt es immer wieder abgewiesene Patienten (weil zu zugedröhnt) und Therapieabbrecher die dann zu allen Tageszeiten teils hilflos auf der Klinikzufahrt stranden.