Entschleunigung – und einen ganz neuen Blickwinkel hat unser Autor gewonnen, seit er zu Fuß durch Schildgen und Katterbach streift. Im zweiten Teil berichtet er von interessanten Erfahrungen auf dem Weg zum Bäcker. 

Seit Wochen versuche ich nun – mehr oder minder regelmäßig – meine Füße oder wenigstens das Fahrrad zu benutzen, um für Erledigungen innerhalb eines Radius von zwei bis drei Kilometer auf das Auto zu verzichten.

Auch wenn mir in dieser Zeit überraschend viele Entschuldigungen einfallen, warum dies an dem ein oder anderen Tag nicht möglich erscheint, so bin ich nun doch häufiger klimafreundlich unterwegs. Diese wieder neu entdeckte Art der Fortbewegung verschafft mir neue Wahrnehmungen und Eindrücke, mit denen ich nicht unbedingt gerechnet habe.

Der eine Aspekt ist Entschleunigung. Bei mir war Einkaufen oftmals mit Hektik verbunden, getreu dem Motto, dies SCHNELL noch zu erledigen, gepaart mit dem Ärger über Stau an der Ampel und der Suche nach Parkplätzen, sodass aus schnell dann doch eher normal bis langsam wurde.

Jetzt kosten Besorgungen – vermeintlich – deutlich mehr Zeit, die ich im Vorfeld konkreter einplane. Aufgrund dieses bewusst geschaffenen Zeitfensters gehe ich schon entspannter aus dem Haus (wäre ich in Eile, hätte ich das Auto genommen), muss mich wegen der geringeren Geschwindigkeit weniger auf den Verkehr konzentrieren und kann meinen Blick neugierig in die Umgebung schweifen lassen.

Ein weiterer Aspekt ist ein neuer Blickwinkel. Als Autofahrer mache ich mir weniger Gedanken über die Breite und den Zustand eines Bürgersteiges oder über die Sicherheit bzw. überhaupt das Vorhandensein eines Fahrradweges. Dies ändert sich schlagartig, wenn ich mich ohne Auto fortbewege. Und hier beginnt der zweite Teil meiner Schilderung.

„Im Neuen Feld“: Zugeparkt

Mit leichtem Knurren im Magen gehe ich am Samstagmorgen durch die Straße „Im Neuen Feld“ mit dem Ziel, auf der Altenberger Dom-Straße bei Pieper – eine der letzten Bäckereien, die kein Filial-System hat – frisches Brot und Brötchen zu kaufen.

Obwohl jedes Haus der vor ca. 20 Jahren neu gebaute Siedlung über zwei PKW-Stellplätze verfügt, sind nicht nur alle markierten, öffentlichen Stellplätze belegt, sondern auch nahezu alle weiteren Räume (halb-legal) zugeparkt, sodass sich gerade noch die Autos ihren Weg durch die Blech-Slalom-Stangen bahnen können.

Dies führt bei dem ein oder anderen Autofahrer zu abruptem Bremsen, da trotz Spielstraße mit Fußgängern und/oder Fahrradfahrer nicht wirklich gerechnet wird. Überraschenderweise können dort sogar spielende Kinder angetroffen werden, für die das Spielen auf der Straße nicht ganz ohne Risiko zu sein scheint. In dieser frühen Morgenstunde schlafen sie aber alle noch.

Ist diese Insel sicher?

Ich biege links auf die Altenberger-Dom-Straße und schlendere noch leicht müde den Gehweg entlang bis zur Verkehrsinsel, die gegenüber der Bäckerei liegt. So eine Verkehrsinsel trennt Fahrbahnen in zwei einzelne Fahrtrichtungen auf, um eine Querung zu erleichtern und abzusichern.

Wie nötig dies an dieser Stelle ist, zeigt sich darin, dass die Warnschilder, die an den Enden der Verkehrsinsel montiert sind, regelmäßig umgefahren werden. Das verschafft mir kein angenehmes Gefühl, wenn ich in der Straßenmitte auf eine Lücke im Straßenverkehr warte.

Die nächste Herausforderung ergibt sich bereits nach fünf Metern, als ich auf den Bürgersteig treten will. Dort parken Kunden der Bäckerei, denen es nicht möglich erscheint, zum Einkaufen einen freien Parkplatz zu suchen, wenn alle Plätze vor dem Geschäft belegt sind.

Morgendliche Hektik

Obwohl Pieper auch im Hinterhof Parkplätze anbietet, wird – neben der gegenüberliegenden Straßenseite – auch der Gehweg zugeparkt, sodass zum einen Eltern mit Kinderwagen oder Mitbürger mir Rollatoren auf die Straße ausweichen müssen. Zum anderen werden Personen, die über die Verkehrsinsel kommen, dazu genötigt, sich einen Weg durch die parkenden Autos zu suchen.

Diese Situation ist leider auch werktags zu beobachten, ebenso wie das unachtsame Einbiegen auf bzw. Verlassen des Bäckerei-Parkplatzes, vor allem in morgendlicher Hektik.

Deswegen würde ich mich über alle LeserInnen freuen, die sich bei den nächsten Besuchen der Bäckerei an diesen Artikel erinnern und sich vorbildlich beim Autofahren und Parken, besonders gegenüber den schwächeren Verkehrsteilnehmern, verhalten.

Noch interessanter wäre es, und das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen, zu Fuß dorthin zu gehen oder das Fahrrad zu benutzen. Das schafft ein viel größeres Verständnis füreinander.

So lange die gegenseitige Rücksichtnahme sich noch nicht in allen Köpfen verankert hat, könnte eine bauliche Veränderung Abhilfe schaffen. Ob und wie dies technisch möglich ist, dazu müssen sie ihren Arzt oder Apotheker oder ihren Stadtplaner fragen.

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(Irr-)Wege durch Katterbach und Schildgen

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2 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Drüppel,

    ich wohne nun mittlerweile seit 12 Jahren in Schildgen. Ich gebe Ihnen absolut Recht, dass die Verkehrslage und somit auch die Verkehrssicherheit sehr gefährlich ist. Leider quälen sich jeden Tag die Autofahrer durch Schildgen, da die meisten von ihnen auf die A1 oder A3 auffahren wollen (auch ich gehöre dazu).

    Um das Chaos etwas zu vermindern, werden dafür auch gerne die 30er Zonen genutzt (Voiswinkeler Straße, Nittumer Weg, Zehntweg). Ich selbst wohne im Zehntweg und kann ein Lied davon singen, wie rücksichtslos und mit überhöhter Geschwindigkeit dort gefahren wird !!! Ältere Menschen und Kinder sind in meinen Augen besonders gefährdet.

    Aber eine Verbesserung der Verkehrslage ist meiner Meinung nach nicht in Sicht. Im Gegenteil, wenn noch mehr Wohnraum geschaffen werden sollte, wird sich auch die Anzahl der Autofahrer drastisch erhöhen.

    Noch einen Punkt möchte ich ansprechen: die „Wildparker“ vor der Eisdiele Pol ärgern mich jedes Jahr aufs neue. Besonders deshalb, weil auf dem Rad- und Fußweg geparkt wird. Es gibt fußläufig genügend Parkplätze, aber zu Fuß gehen scheint nicht jedermanns Sache zu sein.

  2. Oft ist der Behindertenparkplatz von Nichtbehinderten zugeparkt Ein Knoellchen habe Ich an diesen Wagen noch nie gesehen.