Ja, ich bin ein überzeugter „Kein-Hamster“. Jedenfalls noch! Denn ganz still nagt die Frage in mir: Sind die „Ja-Hamster“ wirklich die schlechteren Deutschen – unsolidarisch, egoistisch, durch und durch mies? Eine Glosse.

Jeder Selbstzweifel hat seinen Auslöser: Ich bekomme als bekennender „Kein-Hamster“ per WhatsApp einen Seitenhieb ins Smartphone geliefert. Inhalt: Eine gewisse Vorratshaltung sei doch ganz im Sinne der straffen Corona-Vorschriften. Dank der Reserven könne sie, belehrt mich meine Bekannte selbstsicher, die „Bleib-Zuhause“-Regel viel besser als ich einhalten.

Der „Kein-Hamster“ müsse  schon wegen der anhaltend „verkackten Klopapier-Situation“  gleich mehrere Supermärkte abgrasen, und das bei Erfolgslosigkeit mehrmals die Woche. Ich würde dadurch mich und andere – trotz Abstandsregelung, Handschuhe und Mundschutz – der möglichen Ansteckung aussetzen. Manches Argument macht sprachlos.

Ein weiterer Einblick ins Seelenleben: Die chronische Leere in den Hygieneartikel-Regalen führt bei mir inzwischen zu Formen regelrechten Selbstbetrugs. Beispiel: Die letzte Klopapier-Packung lagert bewusst vor meinem Toilettenspiegel, damit ich sie doppelt sehen kann. Eine Art selbstinszenierter Fata-Morgana-Effekt. Oh je, so weit ist es schon gekommen.

Das ganz große Geschäft verpassen?

Und es wächst die Befürchtung zum Alptraum, dass ich das ganz große Geschäft verpassen werde. Die Klo-Rolle könnte doch bei anhaltenden Lieferengpässen zum  „Wertpapier 2020“ aufsteigen. Wer da in seinem Keller hunderte von Toilettenpapier-Großpackungen gebunkert hat, wird dank Hamsterei in naher Zukunft zu den Stinkreichen gehören!

Doch ich kann nicht aus meiner Haut und bleibe deshalb der, der ich bin: Ein „Kein-Hamster“. Weil dem so ist, hat mich wegen anhaltender Klopapier-Ebbe der Ratschlag erreicht, meine Tageszeitung zu horten.  

Warum? Deshalb! Die Seiten werden in handliche Kleinteile zerschnitten und in ein hübsches Körbchen sortiert, griffbereit neben dem Klosett.

Aber nein, basta! Diesen Ratschlag befolge ich nicht. Denn wenn ich mir vorstelle, dass ich mir mit einem Trump-Artikel den Allerwertesten abputze – das will ich meinem Hintern dann doch nicht antun. So sehe ich lieber weiter in den Spiegel nebenan und erfreue mich über die doppelte Menge Klopapier.

In diesem Sinne grüßt Sie, Ihr „Kein-Hamster“  

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1 Kommentar

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  1. In meiner Kindheit gab es genau das: Akkurat geschnittene Zeitungsblätter. Und da waren die Zeitungen nicht so dick wie heute. Und wenn ich so nachdenke, wurden die Artikel dann auf dem PC (Plumpsklo) auch gelesen. Wenn auch nur Abschnittsweise.
    Warum denn nicht wieder so machen? Heute wird die Zeitung nur weggeschmissen, und mehr als 10% des Volumens kann man heutzutage auch nicht mehr lesen. Nur Masse statt Klasse.