Am Donnerstag kehren die ersten Schüler:innen zurück in die Schule – zur Vorbereitung auf Prüfungen und Abschlüsse. Einige Schulen setzen auf Maskenpflicht. Hygiene-Flegeln droht der Schulverweis. Prüfung light wird es nicht geben. Deutlich wird: Je komplexer die Schulform, desto schwieriger die Umsetzung der Vorgaben. Und so klarer die Kritik.

Die Schulen setzen im Eiltempo die Rahmenvorgaben in punkto Hygiene und Abstandsregelungen um. „Überall Abstand von mindestens 1,5 Metern einhalten, die Klassen werden gedrittelt, so dass maximal 12 Personen im Raum sind, meistens sind es neun Schüler:innen plus Lehrkraft“, schildert Felix Bertenrath, Schulleiter der Otto-Hahn-Realschule (OHR). Statt vier Räumen werden für die 120 Schüler der zehnten Klassen ganze 12 Räume genutzt.

Sollten noch die Neuntklässler hinzukommen, hätte die Realschule, die mit Containerlösungen für die Klassenräume arbeitet, ihre Kapazitätsgrenze unter Einhaltung der Abstandsregelungen bereits erreicht.

Das OHR hat sich darüber hinaus für eine Maskenpflicht zum Schulstart entschieden. Man wolle diese Möglichkeit nutzen, um ein wenig mehr Sicherheit für alle Beteiligten zu schaffen.

Mundschutz auch am Berufskolleg

Das gilt auch am Berufskolleg Bergisch Gladbach (BKGL): „Alle Personen werden angehalten, in der Schulöffentlichkeit einen Mundschutz zu tragen“, schildert Schulleiterin Katharina Blum.

Zu jedem Gebäudeteil gebe es jeweils „nur Eingang“ und „nur Ausgang“, sprich keinen „Gegenverkehr“. Beschilderung und Pfeile würden den Weg weisen.

Die Klassen teile man je nach Anzahl der Schüler:innen in zwei bis drei Kleingruppen auf. Hierzu werde die Bestuhlung der Klassenräume so ausgedünnt, dass der Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern jederzeit eingehalten werden könne, heißt es am BKGL, der größten Schule im Kreis.

Keine Hilfe bei Infektionsschutzmaßnahmen

Kritik äußert die Leiterin des BKGL generell an den Rahmenbedingungen zum Schulstart, „weil die Schulen mit der logistischen Umsetzung zum einen alleine gelassen werden und zum anderen die Mittel, um die Infektionsschutzmaßnahmen in angemessenem Umfang einzuhalten (Schutzmasken, Desinfektionsmittel, etc.) in der Schule nicht zur Verfügung stehen“, so Blum.

Die Forderung: Die Hygienemittel sollen vom Schulträger bereitgestellt werden. Im Klartext: von den Kommunen, die im Berufsschulverband organisiert sind.

Zudem sei man bei den Entscheidungen nicht der Schulform entsprechend vorgegangen: „Die Vorgaben des Schulministeriums sind in erster Linie für das gymnasiale Schulsystem gedacht – und für die Komplexität und Vielschichtigkeit des Berufskollegs mit seiner speziellen Herausforderung in Coronazeiten absolut unzureichend angepasst.“

Während z.B. das Gymnasium nur einen Abschluss organisiert, muss das Berufskolleg demnächst neun Prüfungen abnehmen. Dies unter Corona-Bedingungen zu gestalten ist deutlich komplexer.

Keine Hygienemittel, kein Schulstart

Katharina Blum weiter: „Die Vorgaben des Ministeriums sind in der genannten Form nicht vollständig realisierbar, weil ich zum einen nicht in Gänze auf das Kollegium zurückgreifen kann (Risikogruppe), und zum anderen die Vorlaufzeit für eine Schule unserer Größe (2.400 Schülerinnen und Schüler) viel zu kurz ist. Je mehr Schüler:innen in die Schule kommen, desto schwieriger wird es, die Hygienemaßnahmen umsetzen zu können.“

An der Otto-Hahn-Realschule ist die Versorgung mit Hygieneartikeln ebenfalls ein Thema: „Wir versuchen, bis Donnerstag Desinfektionsmittel und Masken zu organisieren,“ erklärt Felix Bertenrath. Sollte das nicht machbar sein, dann findet kein Unterricht statt. Der Schulleiter zeigt sich aber optimistisch: Zumindest notdürftig sollte der Bedarf gedeckt werden können.

Sind die Vorgaben seitens des Schulministeriums insgesamt realistisch umzusetzen? „Machbar, wenn es wenige Schüler:innen bleiben – ab drei Jahrgängen wird´s schwierig“, urteilt Bertenrath.

120 bis 280 Schüler

Die rund 120 Schüler:innen, die am Donnerstag an der Otto-Hahn-Realschule erwartet werden entsprechen einem Fünftel der Gesamtzahl, erklärt Bertenrath. Schon Mitte Mai müssen diese vier zehnten Klassen die Abschlussprüfungen schreiben, die erstmalig nicht zentral gestellt werden.

Immerhin haben die Lehrer:innen damit die Möglichkeit, „Themen, die nicht mehr behandelt werden konnten, bzw. nur online unterrichtet wurden, in der Aufgabenstellung weniger zu berücksichtigen“ beschreibt der Schulleiter die Situation. Genaue Durchführungsbestimmungen werde man in den nächsten Tagen erhalten.

Beim Berufskolleg gehen gar 32 Klassen an den Start (Voll- und Teilzeit, duales System). „Die Prüfungsphase beginnt am 29. April 2020 mit den schriftlichen Prüfungen für alle Schüler:innen, die die Fachhochschulreife bzw. eine Berufsabschlussprüfung anstreben“, erklärt Schulleiterin Katharina Blum. Zum Schulstart am Donnerstag würden werden 200 Schüler:innen erwartet, für die Prüfungen steige die Zahl auf 280.

Schulverweis für Hygieneflegel

Die Einhaltung der Hygiene- und Kontaktregeln müssen natürlich auch an den Schulen kontrolliert werden. Hierzu werde die OHR zu Beginn reichlich Aufsichten einplanen, die vor Unterrichtsbeginn und in den Pausen auch möglicherweise nicht so einsichtige SchülerInnen bewegen werden, die Regeln einzuhalten. Die Aufsichten werden laut Berkenrath auf eine strikte Einhaltung der Regeln achten.

Und es drohen durchaus Konsequenzen bei Nichtbeachtung: Als Schulleiter könne er gem. §54 (4) Schulgesetz Schüler vom Unterricht ausschließen, sollten sich diese in gesundheitsgefährdender Weise gegenüber anderen Schülern verhalten. Ausschluss von der Schule kann Ausschluss von den wichtigen Abschlussprüfungen bedeuten.

Keine Prüfung light

Wie ist der Maßstab bei der Bewertung der Prüfungen? Gilt der Satz „Es bleibt keiner sitzen“ auch sinngemäß für „Es fällt keiner durch“?

Hier zeigt Bertenrath klare Kante: „Die Prüfungen werden normal stattfinden, nur halt nicht zentral gestellt. Wir vergeben Abschlüsse mit denen Berechtigungen verbunden sind. Es hilft keinem, wenn hier Geschenke gemacht werden.“ Der Satz „Es bleibt keiner sitzen“ gelte nicht.

Die Neuner würden mit der Versetzung in die Jahrgangsstufe 10 einen Hauptschulabschluss erwerben. „Deshalb müssen sie die Leistungen auch erbringen, die zu einer Versetzung führen“ macht der Chef des OHR klar.

Auch beim Berufskolleg gilt: „Die Leistung zählt nach wie vor! Wir orientieren uns am europäischen Referenzrahmen, da wir neben den Schulabschlüssen auch Berufsabschlüsse vergeben, bzw. auf die Kammerprüfungen vorbereiten“, verdeutlicht Schulleiterin Blum.

Sie schränkt jedoch ein: „Aber wir sehen durchaus auch die unterschiedliche persönliche Lebenssituation des Einzelnen im Hinblick auf die Vorbereitung zur Prüfung. Nicht jeder Schüler/jede Schülerin verfügt über eine digitale Ausstattung, um im „Homeoffice“ selbsttätig die gestellten Aufgaben der Lehrkräfte in Eigenregie zu bearbeiten.“ Was dies in der Realität der Prüfungen bedeutet bleibt indes offen.

Das sagt das Kollegium

Auf Kritik aus dem Kollegium in der Lehrerkonferenz ist Bertenrath bei den Konferenzen eingestellt: „In einigen Punkten wird es ganz bestimmt unterschiedliche Meinungen geben. Ich gehe aber davon aus, dass wir am Donnerstag glücklich starten werden.“

Am Berufskolleg wird zudem die Ansteckungsgefahr thematisiert: „Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind sehr engagiert und unterstützend, aber es gibt auch etliche, die sehr große Angst haben vor einer Ansteckung mit Covid-19 und das gilt gleichermaßen für Schüler:innen und Eltern. Wir können niemandem garantieren, dass er unbeschadet aus dieser Situation kommt – auch wenn wir alles für die Einhaltung des Infektionsschutzes tun“, zieht Blum ein erstes Fazit vor der Wiederöffnung ihrer Schule.

Weitere Informationen folgen, das Bürgerportal hat auch bei einem Gymnasium und einem weiteren Berufskolleg nachgefragt.  

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Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Alle Toiletten in den hiesigen Schulen sind auf dem neuesten hygienischen Stand der Moderne !!
    Rundgang durch die Schulen gefällig.
    Jahrelang sind Massnahmen zur Modernisierung der Toiletten und damit der Vorsorge im Falle einer Epidemie bzw. Pandemie versäumt und zur Seite geschoben worden.
    Und jetzt : Innerhalb kürzester Zeit soll alles auf einen akzeptablen Stand gebracht werden !!!
    Wer’s glaubt, herzlichen Glückwunsch.