Mit den neuen Lockerungen öffnet das Land NRW auch ein Fenster für „vorübergehende Freizeitparks mit Schaustellerbetrieben”. Damit könnte die Kirmes im August unter bestimmten Auflagen vielleicht doch noch stattfinden. Das wird aber nicht hier vor Ort entschieden.

Burkhardt Unrau, der Geschäftsführer des Schaustellervereins Bergisch Gladbach, formuliert ungewöhnlich vorsichtig: „Wir müssen uns rantasten, was geht. Aber vielleicht könnte die Laurentiuskirmes 2020 doch noch möglich werden.”

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Die Kirmes findet traditionellerweise am 2. Wochenende im August statt. Da das Land NRW schon vor Wochen alle Volksfeste bis Ende August verboten hatte, war auch die Kirmes (ebenso wie das Stadtfest Anfang September) abgesagt worden.

Mit dem Rückgang der Zahl der Neuinfektionen bewegt sich das Land bei den Lockerungen jetzt aber sehr schnell vorwärts. In den neuen Corona-Lockerungen von Fronleichnam sind Volksfeste nach wie vor verboten, aber gleichzeitig gibt es diesen Passus:

„Die nach dem Landesrecht für Schutzmaßnahmen nach § 28 Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes zuständigen Behörden können auch vorübergehende Freizeitparks aus einer Mehrzahl von Schaustellerbetrieben auf der Grundlage eines besonderen Hygiene- und Infektionsschutzkonzepts nach § 2b zulassen.”

Eine Familienkirmes wie die in Bergisch Gladbach, unter Verzicht auf Bierbuden, ohne Eröffnungsfeier und womöglich auch ohne Abschlussfeuerwerk könnte womöglich unter diesen Passus fallen, hofft Kirmes-Macher Unrau.

Burkhardt Unrau mit einem handgefertigten Plakat von 1995. Foto: Archiv

Keine Insellösung für Bergisch Gladbach

Allerdings, das stellt auch Unrau deutlich heraus, kann eine solche Entscheidung nicht hier vor Ort fallen. Aufgrund möglicher Gefahren für die Gesundheit, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen: Zwar brennen die Schausteller darauf, endlich wieder arbeiten zu können. Aber für eine einzelne Kirmes lohnt es nicht, die riesigen Fahrgeschäfte in Schuss zu bringen, anzumelden, zu versichern, etc.

„Wir wollen keine Einzellösung für Bergisch Gladbach, sondern brauchen eine, die auch für vergleichbare Kirmes-Veranstaltungen funktioniert”, sagt Unrau: „Der Pützchens Markt ist eine andere Geschichte, aber die Kirmes in Rheindorf, Eitdorf oder Wermelskirchen ist mit der in Bergisch Gladbach vergleichbar.”

Schaustellerbund spricht mit Wirtschaftsministerium

Ob und was möglich ist, das will der Deutsche Schaustellerbund schon in der nächsten Woche eruieren. „Unter Federführung des Wirtschaftsministeriums NRW klären wir kommenden Montag Eckpunkte für die Durchführung von Kirmessen in NRW, bestätigt Albert Ritter, der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, auf Anfrage des Bürgerportals. Ziel sei „eine gemeinsame Leitlinie zur Durchführung von Kirmessen in NRW”.

Albert Ritter

Es könne nicht sein, dass Warenmärkte und Freizeitparks öffnen dürften, Kirmessen aber nicht. „Die Gewerbefreiheit und das Recht auf Berufsausübung sind ebenso Bestandteil des Grundgesetzes wie z.B. das Recht auf Versammlungsfreiheit. Warum darf man gegen Corona-Regeln demonstrieren, warum werden aber die Schausteller weiter reglementiert?”, fragt Ritter im Vorfeld des Spitzengesprächs.

Eine Kirmes können „wie eine Fußgängerzone behandelt werden: Es gibt Vorgaben für die Wegeorganisation, links und rechts befinden sich Gewerbetreibende. Wo ist der Unterschied zwischen einer Pommesbude in der Fußgängerzone und einer Pommesbude auf einer Kirmes?”

Seit Weihnachten 2019 seien Schaustellerbetriebe nicht mehr aktiv gewesen, das Geschäft leide unter einem Totalausfall. „Kirmes-to-go” gebe es nunmal nicht, zeigt Ritter die Dimensionen der Pandemie für Schausteller auf.

Er fordert: „In Italien werden sie wieder erlaubt, in Belgien geht es am 1. August wieder los. Thüringen ermöglicht Kirmessen auf Sonderantrag. Wir fordern eine Gleichbehandlung in Deutschland und Europa für unsere Schausteller.”

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Es wäre zu begrüßen, wenn die Laurentis-Kirmes ablaufen könnte. Für viele Gladbacher Kinder ist sie neben dem Urlaub ein weiteres Ferienerlebnis.