Anfang 2020 präsentierten die Geschäftsführer der Bädergesellschaft, Manfred Habrunner und Frank Stein, das mühselig reparierte Zanders-Bad.

Die Sanierung des Mohnweg-Bads und später auch des historischen Zanders-Bads wird zwar deutlich teurer als ein Neubau an zentraler Stelle. Wenn man die Grundstückskosten außer acht lässt. Und die Bedeutung des Bads im Mohnweg für Schulen und Vereine, argumentiert Frank Stein. Daher legt sich der Geschäftsführer der Bädergesellschaft, Kämmerer und Bürgermeisterkandidat für Grüne, FDP und SPD jetzt fest.

Eigentlich war klar, wie sich die „Bäderlandschaft” in Bergisch Gladbach weiter entwickelt. 2017 hatte der Stadtrat eine Neuordnung in drei Schritten beschlossen:

  • Der Außenbereich des Kombibades in Paffrath wird saniert. Das ist erledigt.
  • Das marode Bad am Mohnweg in Refrath wird 2021 abgerissen und durch einen Neubau mit den gleichen Beckenmaßen wie bisher ersetzt. Im Moment ist das Bad wegen eines technischen Defekts geschlossen.
  • Später soll das mehrfach reparierte, aber nicht sanierte Zandersbad grundlegend erneuert werden.

Im Vorfeld der Kommunalwahl sind jetzt jedoch neue Zahlen in die Öffentlichkeit gekommen, die in Frage stellen, ob die bisherigen Kalkulationen noch stimmig sind. Dazu findet am Dienstag auf Einladung des Stadtsportverbands eine prominent besetzte Podiumsdiskussion in der Steinbreche statt, bei der neben Stein und seinem Gegenkandidaten Christian Buchen (CDU) auch Bürgermeister Lutz Urbach angekündigt ist.

Stein bestätigt jetzt, dass ein von der Bädergesellschaft beauftragter Architekt die alten Planungen und Berechnungen von 2009 (!) überprüft hat – und zu neuen Ergebnissen kommt. Grundsätzlich seien die Pläne realisierbar und finanzierbar.

Podiumsdiskussion: 25.8., 18 Uhr
Bürgerzentrum Steinbreche, Refrath
Anmeldung erforderlich
Die Debatte wird auf der Facebookseite des Bürgerportals live übertragen

Kostenschätzung mehr als verdoppelt

Aber neue Baustandards und die Notwendigkeit, Barrierefreiheit zu garantieren, trieben die Kosten nach oben. Die Sanierung von Mohn- und Zanders-Bad wird jetzt auf rund 12,8 Millionen Euro veranschlagt. Davon entfallen 5,8 Millionen Euro auf den Mohnweg und satte sieben Millionen Euro auf die Sanierung des Zanders-Bads. Das ist in der Summe mehr als doppelt soviel wie noch 2018 kalkuliert worden war.

Ein kompletter Neubau an andere Stelle würde demnach heute – bezogen auf die reinen Baukosten – wahrscheinlich etwa drei Millionen Euro weniger kosten.

Stein gibt aber zu Bedenken, dass für einen neuen Standort im Moment kein geeignetes Grundstück verfügbar sei. Ein Ankauf würde die Kosten wieder erhöhen. Dennoch sei die Stadtplanung beauftragt worden, nach einem solchen Grundstück zu suchen – damit der Stadtrat weiß, welche Optionen zur Verfügung stehen.

„Keine weiteren Diskussionen und Prüfschleifen”

Dennoch greift Stein dem Ergebnis „als Geschäftsführer der Bädergesellschaft und auch als Stadtkämmerer und selbstverständlich später auch als Bürgermeister” vor, legt sich persönlich fest und erteilt einem Neubau eine Absage: „Unabhängig vom Ergebnis dieser Prüfung bin ich der Meinung, dass wir bei der Beschlusslage des Rates bleiben sollten.” 

Im Klartext: 2021 soll das Mohnweg-Bad abgerissen und neu gebaut werden, später wird auch das Zandersbad saniert. Die Mehrkosten müssten über den Wirtschaftsplan der Bädergesellschaft und auch den Kernhaushalt der Stadt finanziert werden. Aber das sei bei entsprechendem politischem Willen machbar.

Nach vielen Jahren „ergebnislosen Planens und Diskutierens sollten wir nicht in weitere Diskussionen und Prüfschleifen eintreten”, argumentiert Stein. Denn dann bestehe die Gefahr, dass die maroden Bäder irgendwann in der nahen Zukunft „den Geist aufgeben“ und die Stadt mit leeren Händen dastehe.

Mohnweg wichtig für Schulen und Vereine

Das hätte vor allem im Fall des kleinen Schwimmbads Mohnweg große Folgen. Laut Stein wird es von sieben Schulen und einer OGS genutzt, neben den Schwimmvereinen. Jedes Jahr würden hier rund 150 Kinder das Seepferdchen als Basis für das sichere Schwimmen erwerben. 

Auch für die benachbarte Verbundschule Mitte-Nord, die frühe Wilhelm Wagener Förderschule, sehr wichtig. Unter den Schülern seien eentwicklungsverzögerte oder sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, die dort Schwimmen lernen und denen das Schwimmbad auch als Ausgleich für schulische oder außerschulische Belastungen diene.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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7 Kommentare

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  1. Zur geplanten Errichtung eines 15-Meter-Beckens am Mohnweg: Es ist toll, dass Geld für die Erhaltung von Wasserfläche da ist. Jedoch: Wie will man mit Schulklassen in einem 15-Meter-Becken zurechtkommen? Viel zu kurze Bahnen! Das gäbe ein Wende-an-Wende-Schwimmen. Man stößt sich an der Wand ab u gleitet den Rest. Schwimmen sollte aus Körperkraft erfolgen, wie im freien Gewässer. Nicht durch Abstoßen an einer Beckenwand! Man sollte daher die teurere Variante anvisieren und ein 25-Meter-Becken in Refrath realisieren. Insgesamt zur Bädersanierung: Alle Schulen klagen über zu wenig Wasserfläche. Wenn man jetzt investiert, sollte auch mehr Wasserfläche am Ende bei rauskommen.

  2. Sowohl als auch! Dieses entscheidende Stichwort lieferte anlässlich der Podiumsdiskussion in der Steinbreche Walter Schneeloch, langjähriger Präsident des Landessportbunds NRW: Einerseits seien die für die kommenden Jahre (!) geplanten Maßnahmen – Neubau des Schwimmbads am Mohnweg sowie Sanierung des Hans-Zanders-Bads – ebenso notwendig wie begrüßenswert, langfristig müsse aber der Bau eines Funktionsbads zeitnah in die Agenda der städtischen Planung aufgenommen werden.

    „Zeitnah“ deshalb, weil sich dieses Projekt auf Grund des vom Kämmerer Frank Stein skizzierten Zeitrahmens von mehreren Jahren nicht als Alternative anbietet.

    Langfristig kann nur diese Ergänzung dazu führen, die Bädersituation in Bergisch Gladbach nachhaltig zu entschärfen, damit sowohl der Schulsport als auch die Schwimmsport betreibenden Vereine mit einem ausreichenden Angebot versorgt werden können.

    Die immer wieder zitierten Untersuchungen, welche Bergisch Gladbach eine ausreichende Versorgung mit Wasserflächen attestieren, erweisen sich bei näherer Betrachtung als Mogelpackung: Wer den Abschlussbericht des Instituts für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) in der vom zuständigen Ausschuss abgesegneten Fassung des Sportentwicklungsplans von 2011 genau studiert, findet folgende Formulierung:

    „In der Stadt soll es ein ausgewogenes Angebot von Wasserflächen für das Schulschwimmen, den öffentlichen Bade- und Schwimmbetrieb sowie den vereinsorganisierten Schwimmsport geben.“

    Diese auf Intervention durch den Stadtsportverband erfolgte redaktionelle Änderung (statt „es gibt“) begründet sich durch den vom ikps selbst eingeräumten Schwachpunkt des Erhebungsverfahrens: Bei der „Bestands-Bedarfs-Bilanzierung für Bäder … muss einschränkend vorangestellt werden, (dass) für diese Anlagetypen bisher wenige verlässliche Daten und Planungsparameter der Literatur zu entnehmen (sind).“

    Wie wenig Theorie und Praxis miteinander vereinbar sind, zeigt sich darin, dass die betroffenen Vereine seit vielen Jahren bei der Verteilung der Bahnstunden regelmäßig zu schmerzhaften Kompromissen bereit sein müssen, um den existierenden Mangel einvernehmlich zu „verwalten“ – nicht nur bei vorübergehend notwendigen Komplett-Schließungen.

    Dass die Stadt Bergisch Gladbach das Projekt „Funktionsbad“ auf die Agenda setzen muss, bekräftigte Walter Schneeloch mit dem Hinweis auf die Verpflichtung, ihre Schulen mit den notwendigen Sportstätten zu versorgen – hier zum Thema Schwimmsport im Allgemeinen und Schwimm-Erlernen im Besonderen.

  3. Mit „Crowd” ist eine Menge von Personen gemeint, die sich zusammen tun, um ein Projekt zu finanzieren (funding).

    Das ist in den letzten Jahren populär geworden, um Ideen eine Chance zu geben, für die es normalerweise nicht genügend Geld gibt. In der Regel wird ein Finanzierungsziel gesetzt (zum Beispiel: wir sammeln 10 Millionen Euro ein, um der Stadt Bergisch Gladbach ein tolles Schwimmbad zu schenken”), dann kann man einen Beitrag in unterschiedlicher Höhe zahlen. Wir die Summe nicht innerhalb einer bestimmten Zeit erreicht, bekommt man seinen Beitrag zurück.

    Bei sehr viel kleineren Projekten hat das funktioniert: https://www.startnext.com/en/freibad-ettersburg

  4. Podiumsdiskussion im Bürgerzentrum Steinbreche zur Bädersituation – oder: Politiker mit Visionen und Gestaltungswillen hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt.

    Natürlich lief die Diskussion im Bürgerzentrum einigermaßen harmonisch, da die Bürgermeisterkandidaten Herr Buchen und Herr Stein inhaltlich gar keine Differenzen anzubieten hatten.

    Ich kenne die Bädersituation in Bergisch Gladbach im Wesentlichen aus 15 Jahren als Sportlehrer und einigen Jahren als Fachleiter für das Fach Sport in der LehrerInnenausbildung.

    Ich habe mich schon oft geärgert. Es läuft m.E. im Schulsport einfach alles auf „Sparflamme“ und wir können unserem Erziehungs- und Bildungsauftrag fast nicht mehr gerecht werden.

    Im Grundschulbereich erlebe ich die Situation auch mit sehr gemischten Gefühlen: Unser jüngster Sprössling wird mit dem Bus zum Schwimmbad gefahren und hat eine effektive Wasserzeit von nur ca. 25 Minuten.

    Zurück zur Podiumsdiskussion Die Leidensfähigkeit der an der Podiumsdiskussion teilnehmenden Sport- und Schwimmverein, sowie der Vertreter der Bürgerinnen und Bürger hat mich (bei allem bis hierher beschriebenen Ärger) sehr erstaunt.

    Nach über zwanzig Jahren, in denen Sie mutmaßlich das gleiche „Theaterstück der Politik“ sehen – bei sich ändernden Schauspielern – bleiben Sie immer noch ruhig und gesprächsbereit.

    Ich frage mich warum nur Minimallösungen diskutiert werden, die m.E. an der tatsächlichen Bedarfslage vorbeigehen. Der Einwand des Geschäftsführers der Bädergesellschaft Bergisch Gladbach Herr Habrunnner, dass es in Bergisch Gladbach mit der Bädersituation doch gar nicht so schlecht aussieht, ist einfach grober Unfug.

    Mir ist klar, dass viele Dinge unter einem Finanzierungsvorbehalt stehen und auch die Stadt Bergisch Gladbach nicht über unendliche finanzielle Ressourcen verfügt, aber ich würde mir wünschen, dass Politik die Bürgerinnen und Bürger in Bergisch Gladbach ernst nimmt und diese ständige „Flickschusterei“ ein Ende hätte. Wie gesagt: Politiker mit Visionen und Gestaltungswillen hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt.

    Christian Maimer

    Kandidat der Freien Wählergemeinschaft Bergisch Gladbach
    im Wahlbezirk Refrath- Frankenforst
    Kommunalwahl 2020

  5. @ Herr Schreiner

    Das wäre wirklich ein Treppenwitz. Erst das Hallen- und Wellenbad für einen “Appel und ein Ei” der Mediterana-Gesellschaft (zahlt ihre Gewerbesteuer in Bad Homburg im Taunus, soweit ich mich erinnere) überlassen und für viel Geld Bahnen für den Schulsport mieten. Dann in der zweiten Verhandlungsrunde nach Vertragsablauf alles inkl. der riesigen ehem. Liegewiese des Freibades mehr oder weniger verschenken und zur Krönung dann ein neues Schwimmbad bauen?

    Da baut man an der Gladbacher Straße lieber ein Gefängnis für die Leute, die das öffentliche Eigentum an der Saaler Mühle an Investoren nahezu verschenkt haben (da waren politische Vertreter aus mehreren Parteien beteiligt, das kann aber jeder gerne selbst recherchieren).

  6. Wäre ein zentrales in Bensberg nicht insgesamt besser? Zentral für Bensberg, Refraht, Herkenrath und Moitzfeld.

    Die DLRG hat doch mal das Gelände Lückerath ins Spiel gebracht, wenn ich mich nicht täusche.

    Die Container abreißen und die große Fläche für das Bad nutzen.

    Das wäre mal eine ordentliche Investition in die Zukunft der Stadt.
    Nicht jeder möchte über 15€ für einen Tag im Mediterana bezahlen, wenn man zwei Kinder hat.

    Mit Bensberg und Paffrath ist man dann sehr gut aufgestellt für die nächsten Jahrzente.